Black Panther



Lang lebe der König!


In The First Avenger: Civil War kam uns Black Panther wirklich zu kurz. Klar, dank Chadwick Boseman wurde dem neuen Helden bei seinem Erstauftritt im Marvel-Universum trotz eines recht eindimensionalen Rache-Themas ausreichend Seele spendiert, wirklich in unser Herz krallen konnte er sich allerdings nicht.


Nun bekommt er kurz vor dem ultimativen Megakampf in Infinity War noch seinen eigenen Film spendiert und darf dabei nicht nur sich und seine nicht minder anschaulichen Verbündeten, sondern auch die reiche Kultur seines Heimatlandes Wakanda in den Mittelpunkt stellen.


Ein weiterer Marvel-Erfolg? Auf jeden Fall!



Keine lahme Origin-Story


Bereits in den ersten Minuten beruhigt uns Black Panther: Zwar wird mit einigen Worten auf die Herkunft des namhaften Helden eingegangen, eine langweilige 0815-Story bekommen wir aber zum Glück nicht spendiert.


Ansetzen tut die Handlung kurz nach den Ereignissen von Civil War und konfrontiert T'Challa mit seinen neuen Verpflichtungen des Königs von Wakanda. Nun muss er sich nämlich entscheiden, ob er einfach in die Fußstapfen seines Vaters tritt. Oder sein Volk in eine völlig neue Richtung führt, die neue Chancen, aber auch viele Gefahren bergen könnte.


Seit Jahrhunderten versteckt sich Wakanda nämlich vor der Weltbevölkerung, um den Gefahren einer Destabilisierung zu entgehen. Aufgrund der Lage direkt über einer Vibranium-Quelle hat das Land die technologische Messlatte nämlich sehr hoch angesetzt, tarnt sich durch futuristische Spielereien jedoch als wunderschönen, finanziell jedoch recht schwaches Dritte-Welt-Land.


Als jedoch aus dem Nichts alte sowie neue Feinde auftauchen, wird T'Challa nicht nur mit einer Reihe schwerwiegender Entscheidungen, sondern auch mit den Verbrechen seines Vaters konfrontiert. Und muss beweisen, dass er sich nicht nur den Titel des Königs, sondern auch die übermenschlichen Kräfte des Black Panther wirklich verdient hat.




Helden und Bösewichter zum Verlieben


Langsam hat man das Gefühl, den Überblick im Marvel-Universum zu verlieren. Jeder Film befeuert einen mit neuen Nebenfiguren, die nur hängen bleiben, wenn sie mit drehbuchtechnischer Raffinesse eingeführt werden. Und bereits hier punktet Black Panther auf ganzer Linie.


Ob nun die alten Bekannten wie T'Challa/Black Panther (Chadwick Boseman), Ulysses Klaue (Andy Serkis) oder Everett Ross (Martin Freeman) oder die Neuzugänge Nakia (Lupita Nyong'o), Okoye (Danai Gurira), W'Kabi (Daniel Kaluuya) oder Shuri (Letita Wright): Jeder hat seinen Moment, fügt seine individuellen Stärken ins Abenteuer und legt stellenweise gleich noch die Weichen für die weitere Marvel-Zukunft.


Ausschweifende Scherze verkneift sich Black Panther dabei. Gänzlich untätig bleiben die Lachmuskeln dabei aber nicht: Denn anstatt auf witzige Einlagen zu setzen, ergibt sich der Humor durch die Interaktion zwischen den Interaktionen. Wenn der neue König T'Challa mit seiner ehemaligen Liebe Nakia oder seiner gerne austeilenden und technisch versierten Schwester Shuri austauscht, darf gerne mal laut gelacht werden.


Lobend erwähnen – und fast schon unterstreichen – muss man hierbei das Bösewicht-Duo Serkis und Michael B. Jordan aka Ulysses Klaue und Killmonger. Während Serkis seine starke Leistung aus Civil War einfach fortsetzt und sogar noch eine Schippe mehr Wahnsinn (ohne Overacting) draufsetzt, macht Jordan seine mäßige Marvel-Vergangenheit als Fantastic Four-Flamme vergessen und überzeugt als toughter, von seiner Vergangenheit gebeutelter Kämpfer, der T'Challa um jeden Preis stürzen will.


Umso schmerzhafter ist es, dass sein interessanter Charakter nach starker Einleitung, emotionaler Vorgeschichte und cooler Entwicklung mit dem gesamten dritten Handlungsakt leicht, aber dennoch deutlich spürbar in sich zusammenbricht.




Zum Ende in Richtung Altbekanntes


Im Endeffekt ist Black Panther in drei Akte eingeteilt. Der Weg zum König, das plötzliche Auftauchen einer ernstzunehmenden Bedrohung und der ultimative Kampf um die Zukunft von Wakanda.


Akt 1 und 2 funktionieren hervorragend. Denn obwohl man hier definitiv von einer Origin-Story sprechen muss, hat man diese in dieser Form im Marvel-Universum noch nicht erlebt und bekommt somit einen angenehmen Aufbau eines neuen Helden geboten, der durchweg zu unterhalten weiß und mit den optisch opulenten Ritualen und Landschaften Wakandas zugleich visuellen Abwechslungsreichtum garantiert.


Akt 2 nutzt den hohen Facettenreichtum der zuvor ausreichend vorgestellten Charaktere und verknüpft diese mit einer Reihe schicker Actionszenen. Diese nehmen bei Black Panther kaum Überhand, konzentrieren sich dafür aber vor allem in den beiden Anfangsakten auf besondere Highlights, die von Regisseur Ryan Coogler hervorragend eingefangen wurden.


Akt 3 ist dann aber leider das Problemkind, das uns selbst beim Schreiben dieser Zeilen auf dem Herzen brennt. Hier wendet sich der Film nämlich wieder seinen zahlreichen Vorgängern zu, schmeißt viele liebevoll aufgebaute Stränge (beispielsweise die wundervolle Vergangenheit von Bösewicht Killmonger und seiner tiefen Verbindung zu T'Challa) und setzt auf einen wuchtigen, letztlich aber überraschungsarmen Showdown, der mit einer Reihe bekannter Momente dann doch wieder in das 0815-Schema rutscht.


Mag enttäuschend klingen, gerät in Angesicht der zahlreichen Stärken, die Black Panther zu bieten hat, dann aber schnell in den Hintergrund. Denn wer stört sich schon einem einem nur soliden Abschluss, wenn der restliche Teil als fantastisch bezeichnet werden darf?




Malerisches Marvel-Werk


In puncto Tonalität macht Ryan Coogler schnell deutlich, dass er sich mit Black Panther gezielt von den anderen Marvel-Filmen abheben wollte und dem namhaften Helden ein eigenständig funktionierendes und anmutiges Film-Monument spendieren wollte. Und dieses Vorhaben ist dem Regisseur definitiv gelungen. Und stellt sich als allergrößte Schwäche des Action-Abenteuers heraus.


Ob nun die technologisch revolutionäre Stadt Wakanda, die detailreich in den Mittelpunkt gestellten Riten des Landes sowie angenehm frisch präsentierte Vergangenheitsbewältigung und Charakterentwicklung des Haupthelden: Black Panther zeigt uns neue Welten, die wir im Marvel-Land so noch nicht erleben durften und die uns gnadenlos in ihren Bann ziehen.


Kombiniert mit den bereits erwähnten, schauspielerischen Meisterleistungen, gezielt, dafür aber effektiv eingesetzten Actionszenen sowie einer erstklassigen Orchester-Rap-Symbiose im Soundtrack-Bereich ergibt sich ein grandiose (vollständiger) Einstiegspunkt für einen neuen Marvel-Helden, der sich nach einem guten Civil War-Start nun vollends in unser Herz kämpfen konnte.


Und der eindrucksvoll deutlich gemacht hat, dass Marvel auch nach 17 Filmen noch filmische Innovation bieten kann, wenn man sich mit viel Mut und einem fähigen Regisseur auf neue Wege begibt.




Fazit


Ähnlich wie Thor: Tag der Entscheidung fühlt sich Black Panther gänzlich anders als viele seiner Marvel-Kollegen an. Und bringt dadurch willkommenen, von uns bei jedem neuen Kapitel stets erhofften, frischen Wind ins Marvel-Universum.


Während das Rad hierbei nicht gänzlich neu erfunden und die Humorschraube (vor allem im Vergleich zum dritten Thor-Abenteuer) gehörig nach unten gedreht wird, funktioniert die Kombi aus starken Pro- und Antagonisten, einer leicht politischen Note und gewohnt gekonnt in Szene gesetzter Actionszenen erstklassig und serviert einem wichtigen Marvel-Charakter einen fantastischen Handlungshintergrund.


Einige unrunde Momente sowie ein schwächelnder dritter Akt fügen dem Gesamtwerk zwar einige Kratzer hinzu, lassen letztendlich aber nur einen Schluss zu: Black Panther ist nun endlich vollends im Marvel-Universum angekommen. Und ist spätestens jetzt ebenfalls ein Charakter, um dessen Überleben beim Infinity War wir täglich bangen.


8/10 schwarzen Panthern



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