Anonymous Noise Volume 1



  • Wenn man seine wahren Gefühle aussprechen kann, ist Singen oftmals eine hilfreiche Alternative.


    Nino, ein Mädchen, das es liebt zu singen, musste sich in ihrer Kindheit von zwei ihrer besten Freunde trennen. Momo, in den sie verliebt war, und Yuzu, der Songs komponiert, versprachen ihr beide, sie anhand ihrer Stimme wiederzufinden.


    Nino hat dieses Versprechen nicht vergessen und singt seitdem jeden Tag. Inzwischen geht das Mädchen auf die High School und wie es das Schicksal will, besuchen ihre Freunde von damals dieselbe Schule...




    Eigentlich ist es eine Shôjo-Story ganz nach Lehrbuch. Ein besonderes, aber etwas schüchternes Mädchen, zwei süße Jungs, eine seit der Kindheit bestehende Freundschaft und Liebe sowie ein zufälliges Wiedersehen, das in einer emotionalen Achterbahn mündet.


    Anonymous Noise unternimmt auch nicht den Versuch, diese Formel irgendwie zu revolutionieren – immerhin sind die Zutaten hier direkt gegeben und auch allesamt schmackhaft. Alle Hauptakteure sind sympathisch, vor allem Nino, die Liebesgeschichte herzerwärmend erzählt, das emotionale Hin und Her zwischen den drei Kindheitsfreunden als Spannungsgarant hervorragend geeignet.


    Allerdings hat man sich nicht einfach auf dem gemachten Shôjo-Nest ausgeruht, sondern fügt dem Mädchen-liebt-Jungs-Rezept mit dem musikalischen Aspekt ein angenehmes Alleinstellungsmerkmal hinzu. So ergeben sich durch die Macht einer schönen Melodie emotionale Momente oder handlungstechnische, optische sowie akustische Wucht durch gezielt eingestreute Konzerte, was für die nötige Varianz sorgt.


    Problematisch wird es nur, wenn Anonymous Noise dem Zuschauer einen viel zu großen Shôjo-Löffel in den Mund rammen wollen. Während die Love Story nämlich größtenteils wundervoll erzählt wird, fallen einige Szenen mit überdramatisierten Momenten auf, die mit überlanger Dauer sowie zu dick aufgetragenen Dialogen eher lächerlich als herzergreifend wirken.


    Gerade zu Beginn gerät der Anime dadurch etwas ins Straucheln, kann sich im Laufe der zweiten Episode aber wieder stabilisieren und vollends die gelungene Shôjo+Musik-Kombination ausspielen. Und wer eben das erwartet, der wird dann der liebenswerten Charaktere hier auch sicherlich seinen Spaß haben.




    Bild

    Trotz Gründung im Jahr 1996 wurde ich erst durch den Blood Lad-Anime auf Animationsschmiede Brain's Base aufmerksam. Und behielt sie mit Servamp sowie der Assassination Classroom OVA weiter im Auge.


    Auch mit Anonymous Noiseenttäuscht Brain's Base nicht. Obwohl hektische Action-Sequenzen hier nicht im Fokus stehen, beziehungsweise gar nicht erst vorkommen, können sich Umgebungen sowie Charaktere definitiv sehen lassen und machen in Kombination mit kräftigen Farben und zufriedenstellender Blu-ray-Schärfe eine sehr gute Figur.


    Mit dem gelegentlichen Einbau eines alternativen Zeichenstils (beispielsweise bei einem Sprung in die Vergangenheit oder einem melodischen Musizieren von Nino und Yuzu) wird dann auch noch optischer Abwechslungsreichtum geboten, der sich insgesamt zwar in Grenzen hält, gerade bei einem Shôjo-Anime sehr willkommen ist.


    Einzig die unrund wirkenden 3D-Animationen, die vor allem während der visuell ansprechend in Szene gesetzten Konzerte, hätte man entweder zusätzlichen Feinschliff verpassen oder sie gleich gnadenlos aus dem zeichnerisch gelungenen Gesamtkonzept streichen können.




    Sound


    Ich bin mir sicher: Der musikalische – und somit fast schon wichtigste – Part von Anonymous Noise wird polarisieren.


    Das liegt definitiv nicht an den japanischen Synchronsprecherinnen, die neben überzeugenden Dialogen auch eine fantastische Gesangsleistung abliefern und den Zuschauer gelegentlich sogar gnadenlos in den Bann ihrer Stimme ziehen können – vor allem während ruhiger Momente, in denen schöner Gesang sowie emotionale Sequenz einen herzerwärmenden Handlungsmoment bilden.


    Eventueller Problempunkt bilden vielmehr die zahlreichen Songs, die vom japanischen Künstler NARASAKI höchstpersönlich beigesteuert wurden. Anstatt sich nämlich auf altbekannte und -bewährte Anime-Kost zu versteifen (ruhige, melodische, emotional tiefgehende Lieder), setzt er auf rockigen Alternative-Sound, der zum Headbangen anregt. Aber gerade im Shôjo-Bereich nicht jedermanns Geschmack sein wird.


    Und obwohl ich dieses Musik-Genre ansonsten eher meide, hatte ich persönlich mich bereits nach der zweiten Episode daran gewöhnt und konnte dem angenehm anderen Soundtrack-Stil viel abgewinnen. Vor allem durch die liebenswerten Charaktere und dem krassen Sprung von humorvoller Liebesgeschichte zu hartem Rock passt das Ganze einfach hervorragend zusammen und fühlt sich herrlich unverbraucht an.


    Kombiniert mit einer starken Sprecherauswahl (in der japanischen sowie der deutschen Fassung) sowie einer gezielten Nutzung der hinteren Lautsprecher der heimischen Soundanlage ergibt sich somit ein insgesamt starkes Gesamtbild, das letztlich nur einen (potenziellen) Wermutstropfen mit sich bringt: den subjektiven Geschmack des Zuschauers.




    Extras / Aufmachung


    Booklet

    Sticker

    Wendecover


    Kein Bonusmaterial, aber immerhin wieder ein schick aufbereitetes Booklet in bekannter nipponart-Qualität.


    Anstatt dieses Mal aber eine informative Textlawine oder einen Episodenguide zu präsentieren, finden wir im gesamten Booklet eine Sammlung verschiedener Konzeptzeichnungen, die zumindest einen kleinen Blick hinter die Kulissen bieten.


    Mit dem Sticker haben wir dann auch schon das Ende der Extras-Rubrik erreicht. Hoffentlich fallen die kommenden Volumes etwas voller aus – beispielsweise mit einer Auskopplung der rockigen Songs aus der Serie.




    Fazit

    Anonymous Noise kann man als typischen Shôjo-Anime mit besonderem Twist bezeichnen. Während die Handlung nämlich fast schon mit der altbekannten Liebesdreiecksschablone gezeichnet wurde, sorgen die peppigen Rocksongs für eine musikalisch ungewohnte Richtung, die im Gesamtkonzept jedoch erstklassig funktioniert.


    So wird man direkt zu Beginn in eine liebenswerte Romanze entführt, die mit sympathischen Charakteren und viel Herz punktet, mit teils abgedreht lauten Songs (anfangs) und etwas zu dick aufgetragenen Passagen (durchgehend) allerdings auch gelegentlich mal aus der Spur gerät. Diese vor schwerwiegenden Entgleisungen aber rechtzeitig wieder erwischt.


    Wer dem rockigen Sound also nicht vollständig abgeneigt ist und auch gelegentlich zu überspitzt ausfallende Emotionsmomente locker wegstecken kann, der darf seine Stimmbänder ölen und direkt zur ersten Volume von Anonymous Noise greifen. Aber bitte nicht die Stimmbänder überreizen!


    Name: Anonymous Noise Volume 1 [Blu-ray]
    Verleih:
    nipponart
    Bild:
    16:9 1080p
    Ton:
    DTS-HD MA 5.1 (Deutsch), PCM Stereo (Japanisch)
    Untertitel:
    Deutsch

    Laufzeit: ca. 100 Minuten

    Freigegeben ab: 12 Jahren

    Mehr Infos findet ihr hier!

    Für alle Bilder in unserem Test gilt:
    © Ryoko Fukuyama, Hakusensha, & Anime Fukumenkei Noise Production Committee

Teilen