Spice & Wolf Volume 1



  • Mittelalter-Fantasy ohne epische Schlachten und Schwertgefechte? Das geht!


    Lawrence, ein fahrender Kaufmann, findet eines Tages, als er dem Dorf Pasloe einen Besuch abstattet, in seinem mit Marderfellen beladenen Pferdewagen ein nacktes Mädchen, das es sich dort gemütlich gemacht hat.


    Ihr Name ist Holo, die Erntegottheit, ein äußerlich menschliches Wesen, jedoch ausgestattet mit den Ohren und dem Schweif eines Wolfes. Die fröhliche junge Frau möchte sich Lawrence anschließen, um zurück in ihre alte Heimat zu gelangen.


    Auf diesem Weg jedoch warten auf die beiden kaum gegensätzlicheren Charaktere große Abenteuer!



    Ôkami to Kôshinryô – so der japanische Originaltitel – erlebte eine mustergültige Erfolgsstory. Als Light-Novel-Reihe beginnend, führte die Reise über grandiose Kritiken und mehrere Auszeichnungen zu einer 2007 startenden Manga-Veröffentlichung, die bereits im Folgejahr von einer eigenen Anime-Serie flankiert wurde.


    Überraschend kommt dieser Erfolg nicht. Anstatt blind der altbekannte Fantasy-Formel zu folgen und Krieger, Schlachten und Schwerter sprechen zu lassen, baute Autor Isuna Hasekura sein eigenes fantasievolles Abenteuer zusammen und begeisterte dank eines mittelalterlichen, mit europäischen Elementen behafteten Settings sowie tiefgründiger, wirtschaftlicher Thematiken bereits ab der ersten Ausgabe. Ein Konzept, womit sich Spice & Wolf grandios von der Masse abheben konnte.


    Nun mag man sich fragen, ob ein solch ein kreatives Fantasy-Konzept unterhaltsam auf einen Anime anwenden lässt. Keine fulminanten Schlachten, sondern eine ruhige, charakterlich motivierte Reise durchs Mittelalter. Keine effektschwangeren Kämpfe, sondern verbale Wirtschaftsgefechte, bei denen das Erreichen des perfekten Deals durch allerlei Verhandlungstaktiken im Vordergrund steht. Auf dem Papier definitiv kein zwangsläufiger Erfolgsgarant.


    Spice & Wolf nimmt sich dieser schwierigen Aufgabe aber bravourös an und erschafft durch eine vortrefflich umgesetzte Mischung aus fantasievollen sowie realistischen Elementen eine wahrhaft einzigartige Erzählung, die trotz anfänglicher Skepsis schnell ihr volles Potenzial entfalten kann.



    Allerdings dienen diese narrative Symbiose sowie das fantasievolle Setting letztlich nur als grundsolides Fundament für die eigentlichen Hauptakteure von Spice & Wolf: Lawrence und Erntegottheit Holo, die mit ihren facettenreichen Charakteren und einem vortrefflichen Zusammenspiel das eigene Herzstück des Anime ausmachen.


    Immerhin dürfen wir die beiden durch eine regelrechte Achterbahnfahrt der Emotionen begleiten und bekommen dabei nicht nur etliche Lacher, sondern auch dramatische, gelegentlich sogar tragische Momente geliefert, die gerne zur fordernden Zerreißprobe ausarten können. Bereits nach der ersten Episode hat man Lawrence und Holo ins Herz geschlossen, möchte weiterhin ein (beobachtender) Reisebegleiter bleiben und wird stets auf die Folter gespannt, wie sich die Beziehung wohl weiterentwickeln wird.


    Und obwohl wirtschaftliche Themen klar die Oberhand behalten, mischt Spice & Wolf auch immer wieder eine Prise Action bei und versperrt potenzieller Langeweile somit Tür und Tor. Gute Dialoge, facettenreiche Akteure sowie das mittelalterliche Setting mit unterschiedlichen Themenansätzen sorgen für einen geschmacklich abwechslungsreichen Brei, der zu keinem Zeitpunkt fad wird.


    Logischerweise bleibt es abzuwarten, ob die packende Erzählung auf diesem qualitativ beeindruckenden Niveau über die folgenden Volumes und auch die zweite Staffel gekonnt weitergeführt werden kann. Mit Blick auf die ersten Episoden kann man Spice & Wolf allerdings problemlos als ein narratives Highlight bezeichnen, das man in dieser Fantasy-Form nur selten zu Gesicht bekommen hat.



    Bild


    Spice & Wolf hat bereits über ein Jahrzehnt auf dem optischen Buckel. Dementsprechend dürfte es niemanden wundern, dass die erste Volume trotz eines sichtbaren HD-Neuanstrichs gelegentlich mit einigen Problemen zu kämpfen hat und vor allem bei dunkleren, kontrastreichen Sequenzen mit einigen Kompressionsartefakten zu kämpfen hat.


    Allerdings macht dieser visuelle Schnitzer nur einen kleinen Teil des optischen Gesamteindrucks aus. Und dieser fällt ansonsten erstklassig aus.


    Primär begeistern hier die wundervollen, farbenfrohen Hintergründe, die sich nicht nur unglaublich varianten-, sondern oftmals auch beeindruckend detailreich präsentieren. Vor allem Geschichtsfreunde kommen hier oftmals auf ihre Kosten: Immerhin hat man sich bei einigen Schauplätzen deutlich von realen Vorbildern inspirieren lassen und der Fantasy-Welt somit einen historischen Touch verpasst. Vermehrtes Drücken der Pause-Taste bietet sich hier also definitiv an.


    Allerdings hat Spice & Wolf die visuellen Stärken hier noch nicht ausgespielt und beeindruckt auch mit den Charaktermodellen und -animationen. Zwar machen sich auch hier gelegentlich kleinere Altersschwächen bemerkbar, doch greift das HD-Update hier deutlich besser und sorgt für zusätzliche Schärfung, womit etwaige Probleme gezielt vertuscht werden.


    Letztlich kann man vor der optischen Brillanz von Spice & Wolf nur den Hut ziehen. Obwohl das Blu-ray-Format nämlich sicherlich als kleinere Verjüngungskur fungierte, hat das Gesamtbild sich auch so perfekt gehalten. Und das kann man nach 10 Jahren definitiv nicht über jeden Anime sagen.



    Sound


    Lasst euch von den Produktinformationen auf der nipponart-Seite nicht in die Irre führen: Während das japanische Original tatsächlich nur in PCM Stereo vorliegt, kann man bei der deutschen Sprachausgabe auf das DTS-HD MA 5.1-Format zurückgreifen.


    Die Folge: Die hinteren Boxen der Heimkinoanlage werden aktiv genutzt und erschaffen eine faszinierende Atmosphäre, deren Stärke einzig aus der fantastischen Soundkulisse resultiert. Hier freut man sich nicht nur über stets passende, wundervolle Melodien, sondern über eine breite Auswahl realistischer Geräusche, die uns regelrecht in die mittelalterliche Welt eintauchen lassen.


    Auch die deutsche Sprecherwahl kann sich hören lassen, vor allem Lawrence und Holo wurden vortrefflich besetzt und können das emotionale Schwergewicht der tiefgründigen Handlung gekonnt tragen. Zwar hat das japanische Original letztlich dennoch hauchzart die Nase vorne, bei der anfänglichen Auswahl kann man jedoch ruhigen Gewissens dem ersten Gefühl folgen – auditive Fehlentscheidungen wird man hier definitiv nicht treffen können.



    Extras / Aufmachung


    Booklet

    Sticker


    Wir wollen die Hoffnung direkt im Keim ersticken: Leider liefert die erste Volume von Spice & Wolf keinerlei Bonusmaterial. Nach Beenden der vier Folgen ist also erstmal Schluss, das Warten auf die Fortsetzung beginnt.


    nipponart wäre allerdings nicht nipponart, wenn Käufer lieblos mit einer einzelnen Disc abgefrühstückt werden. So darf man sich neben einem Sticker noch über ein farbenfrohes Booklet freuen, das nicht nur mit hübschen Zeichnungen, sondern auch mit wissenswerten Infos zu wichtigen Orten, Charakteren und Handlungselementen aufwartet.


    Natürlich hoffen wir, dass eine spätere Veröffentlichung spannende Extras oder gar Blicke hinter die Kulissen beherbergen. Bis dahin verlassen wir uns aber weiterhin auf nipponart und freuen uns über hübsche Beilagen, um das Fehlen des Bonusmaterials zu verschmerzen.



    Fazit


    Wir wollen ehrlich sein: Wir hatten bereits von Spice & Wolf gehört, konnten die Faszination jedoch nicht vollends nachvollziehen. Spätestens nach der Sichtung der ersten Anime-Volume aus dem Hause nipponart hat sich das jedoch grundlegend geändert. Und jetzt sind auch wir Fans!


    Dank eines packenden Mittelalter-Settings, sympathischer Hauptakteure sowie einer tiefgründigen Erzählebene präsentiert Spice & Wolf ein herrliches Fantasy-Szenario, das wir in dieser Form nur selten erleben durften. Kriege, Schwergefechte und andere 0815-Actionelemente findet man hier selten, wirtschaftliche Aspekte stehen klar im Vordergrund – und werden phänomenal in den erzählerischen Bogen eingewoben und fallen dadurch überraschend packend aus.


    Das wundervolle Bild sowie die hörbar aufwendig zusammengestellte Soundkulisse erschaffen gemeinsam ein erschreckend realistisches Gesamtkonstrukt, dass (einige übernatürliche Fantasy-Elemente ausgenommen) direkt aus einem Geschichtsbuch stammen könnte und sich somit nachvollziehbar und echt anfühlt, dem Sehvergnügen also ein grandioses Zusatzelement verpasst.


    Kleinere HD-Schwächen sowie das Fehlen jeglichen Bonusmaterial werden da zum harmlosen Tropfen auf den heißen Stein: Für Fantasy-Freunde und Anime-Begeisterte ist Spice & Wolf eine klare Kaufempfehlung. Und wir sind uns sicher, dass man auch die folgenden Volumes jetzt schon guten Gewissens vorbestellen kann.


    Name: Spice & Wolf Volume 1 [Blu-ray]

    Verleih: nipponart

    Bild: 16:9, 1080p High Definition

    Ton: DTS-HD MA 5.1 (Deutsch), PCM Stereo (Japanisch)

    Untertitel: Deutsch

    Laufzeit: ca. 100 Minuten

    Freigegeben ab: 6 Jahren


    Mehr Infos findet ihr hier!


    Für alle Bilder in unserem Test gilt:

    ©ISUNA HASEKURA/ASCII MEDIA WORKS/Spice and Wolf PRODUCTION COMMITTEE

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