Scum's Wish [Live-Action]



  • Der Schlag in die Magengrube – jetzt auch im Live-Action-Format!


    Nach Außen sind die Elftklässlerin Hanabi und ihr Freund Mugi scheinbar ein perfektes Paar.


    Doch das Glück trügt, denn eigentlich verzehrt sich Hanabi heimlich nach ihrem Klassenlehrer Narumi Kanai, während Mugi seine Musiklehrerin Frau Minagawa begehrt.


    Wer denkt, das seien die einzigen Schwierigkeiten, die das Liebesleben der beiden aufwirft, der täuscht sich, denn noch weitere Figuren treiben das komplizierte Beziehungskarussell an.



    Bereits auf dem Papier zeichnet sich hier ein automatisches Erfolgsrezept ab. Immerhin bestach Scum's Wish bereits als Manga und Anime mit einer realistischen Handlung, verzichtete durchweg auf übertrieben humorvolle oder abgedrehte Ereignisse – eine Live-Action-Serie erschien dadurch fast schon als automatische Pflicht.


    Letztlich verblieb nur eine unbekannte Variable, die die theoretische Supergleichung zu zerstören drohte: Das Casting! Immerhin stehen bei Scum's Wish Emotionen im Vordergrund, mit einer facettenreichen Mimik müssen immer wieder aufs Neue kleinere Nuancen in den emotionalen Ring geworfen werden, um der Gefühlsachterbahn gerecht zu werden.


    Zum Glück wurden mit Miyu Yoshimoto und Dori Sakurada zwei Darsteller gefunden, die solch ein Know-How mitbringen. Gekonnt verwandeln sie ihre Gesichtszüge zur Leinwand ihres emotionalen Innenlebens, lassen uns dadurch nicht nur auf verbaler, sondern auch auf visueller Ebene Teil ihrer konfusen, emotionalen Welt werden.


    Mit ihren darstellerischen Leistungen tragen Yoshimoto und Sakurada die Serie, lassen dem ebenfalls passend gewählten Nebencast jedoch ausreichend Raum, sich schauspielerisch in das Gesamtwerk einzufügen und der dramatischen Serien-Klaviatur weitere Nuancen zu verpassen. Keine Figur wirkt deplatziert, keine Reaktion erschreckend gekünstelt, kein Dialog gekünstelt.



    Wir wollen aber ehrlich sein: Eine gewisse Eingewöhnungszeit sollten Fans der Manga- und Anime-Vorlage definitiv einplanen.


    Versteht uns nicht falsch: Die unfassbar dramatische und oftmals sogar gnadenlos schmerzhafte Handlung wurde fantastisch eingefangen, vor einer gravierenden Enttäuschung braucht man sich also definitiv nicht zu fürchten. Im Live-Action-Format nimmt Scum's Wish jedoch den altbekannten Realismus der narrativen Ebene und erweitert diese zusätzlich um den optischen Bereich – und reißt jegliche emotionale Schutzmechanismen beim Zuschauer somit endgültig ein.


    Während wir Hanabis Leid in zeichnerischer Form erahnen und stellenweise sogar vollends nachempfinden konnten, trifft uns die Live-Action-Serie mit ihren realen Schauspielern gefühlt jede Szene wie ein gespitzter Pfeil ins Gefühlszentrum, treibt uns fast regelmäßig die Tränen in die Augen und verzichtet – ebenso wie das Original – auf aufmunternde Trostpflaster in Form humorvoller Momente.


    Scum's Wish als durchweg „gute“ Unterhaltung zu bezeichnen ist somit schwer. Optimistische Momente sind rar gesät, das schlechte, gelegentlich gar unangenehme Gefühl steht hier ebenso wie schonungsloser Realismus klar im Vordergrund.


    Narrativ bekommt man aber auch mit der Live-Action-Serie ein kleines Meisterwerk spendiert, das bis ins kleinste Detail durchdacht und ausgearbeitet wirkt und mit einer einzigartigen Charakterzeichnung und einem nachvollziehbaren Emotions-Wirrwarr bis zur letzten Folge besticht. Man muss nur bereit sein, den schmerzhaften Gefühlsschlag in die Magengrube zu ertragen.



    Bild


    Achtung! Es folgt eine Information, die wirklich niemanden schockieren dürfte: Wer mit der Scum's Wish Live-Action-Serie ein cineastisches TV-Vergnügen mit beeindrucken Effekten erwartet, wird gnadenlos enttäuscht.


    Verwunderlich ist das natürlich nicht, immerhin bietet das narrative Element keinerlei Spielraum für bildgewaltige Feuerwerke, selbst die Anzahl an Schauplätzen lässt sich gefühlt an einer Hand abzählen. Scum's Wish hat diese allerdings auch überhaupt nötig, kann den visuellen Aspekt immerhin mit individuellen Stärken durchaus ansehnlich gestalten.


    In puncto Inszenierung wird trotz vorherrschendem Minimalismus nämlich ein filmisch angehauchtes Gesamtbild geliefert, das sich der erzählerischen Ebene geschickt anpasst. Kleinste Emotionen einfangende Nahaufnahmen und anschauliche Kamerafahrten heben Scum's Wish von simplen TV-Produktionen ab, stellen das Ganze gefühlt auf den schmalen Grat zwischen Serie und Kinofilm.


    Manchmal bringt ein qualitativer Ausrutscher Scum's Wish dann zwar kurzzeitig ins Wanken, kann sich jedoch direkt wieder Fangen. Einen Wow-Effekt sollte man dennoch nicht erwarten.



    Sound


    Mit der deutschen Veröffentlichung der Scum's Wish Live-Action-Serie wird sich nipponart garantiert einige Freunde machen, gleichzeitig allerdings auch einige Feinde verbuchen müssen. Der simple Grund: Der völlige Verzicht auf eine deutsche Synchronisation.


    Die Gründe hierfür können vielseitig, teilweise auch verständlich sein. Zu hoher Produktionsaufwand, unverhältnismäßige Kosten, eine sehr geringe Chance, die tiefgehende Emotionalität des japanischen Originals glaubwürdig und überzeugend ins Deutsche übertragen zu können, ohne qualitative Einbrüche in Kauf zu nehmen.


    Und generell können wir uns auch nicht beschweren, empfehlen immerhin bei gefühlt jedem Test die japanische Variante, erleben persönlich bei dieser Wahl in Kombination mit deutschen Untertiteln die beste Atmosphäre.


    Objektiv gesehen wird das Fehlen der deutschen Option einigen Leuten sauer aufstoßen, das ständige Lesen von Untertiteln bereits nach wenigen Minuten zur nervigen Zwangsaufgabe werden, die jeglichen Unterhaltungsfaktor gegen die Wand fährt.


    Wer sich bewusst zu dieser Gruppe zählt, wird mit Scum's Wish ohne Frage seine Probleme haben und darf die Daumen drücken, dass in ferner Zukunft eventuell eine Neuveröffentlichung mit deutschem Ton folgt. Alle anderen freuen sich über ein gelungenes Klangpaket mit feinster Japano-Atmosphäre.



    Extras


    Sticker


    Wir wollen ehrlich sein: Bereits vor Einlegen der ersten DVD waren wir uns sicher, dass wir bei Scum's Wish keinerlei Bonusmaterial vorfinden. Wenn bereits Anime-Klassiker keine Extras vorzuweisen haben, wieso sollte das auch bei einer japanischen TV-Serie anders aussehen?


    Keine Überraschung also, dass abseits eines Stickers keinerlei Bonusmaterial auf uns wartet. Immerhin hat man den 12 Episoden knapp 400 Minuten beste Serien-Unterhaltung, die allein schon den Kaufpreis von 30€ erträglich machen. Somit wird das Fehlen immerhin annehmbar kaschiert.



    Fazit


    Bereits die Manga- und Anime-Vorlage konnten uns auf ganzer Linie beeindrucken, mit der Live-Action-Serie holt sich Scum's Wish jetzt mehr als verdient das Triple!


    Mit realen Schauspielern bekommt das unglaublich realistische, dadurch aber gleichzeitig auch gnadenlos schmerzhafte Liebesdrama eine zusätzliche Gefühlsebene spendiert, die dem Zuschauer noch stärker ins Herz trifft. Konnte man beim Anblick der Zeichnungen beider Vorlagen nämlich noch eine gewisse Distanz bewahren, teilt man nun das ungefilterte Leid der grandiosen Hauptdarsteller.


    Wer damit umgehen – glaubt uns, hier wird man mit einigen wirklich tragischen Momenten konfrontiert – und auf eine deutsche Synchronisation gänzlich verzichten kann, dem sei Scum's Wish wärmstens ans Herz gelegt. Vorher sollte man aber eine Packung Taschentücher und einen Partner zum anschließenden Gedankenaustausch bereithalten.


    Name: Scum's Wish

    Verleih: nipponart

    Bild: 16:9

    Ton: Dolby Digital 2.0 (Japanisch)

    Untertitel: Deutsch

    Laufzeit: ca. 400 Minuten

    Freigegeben ab: 16 Jahren


    Mehr Infos findet ihr hier!


    Für alle Bilder in unserem Test gilt:
    ©mengo yokoyari/SQUARE ENIX,Fuji Television Network, Inc.

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