Demon's Souls



  • Mit dämonischer Seele ins Launch-Paradies.


    Nur selten konnte der Beginn einer brandneuen Konsolengeneration mit nennenswerten Software-Perlen glänzen. Sicherlich blieben wir dabei oftmals vor erschütternden Rohrkrepierern verschont, musste uns im Gegenzug allerdings mit unterhaltungstechnischem Mittelmaß zufriedengeben, bei dem die Next-Gen-Power nur bedingt zur Geltung kam.


    Entwicklungsschmiede und Port-Hochburg Bluepoint Games sagen dieser traurigen Launch-Realität jedoch den Kampf an und wollen der Playstation 5 einen sagenhaften Gaming-Start verpassen. Nachdem das amerikanische Team nämlich bereits der Uncharted-Trilogie sowie Shadow of the Colossus zu neuem und gefeiertem Glanz verhelfen konnte, steht das nächste Remake eines namhaften Meisterwerks an, mit dem Videospielstudio FromSoftware 2009 den Grundstein für ein ganzes Genre legen sollte: Demon’s Souls!


    Für euch haben wir uns über ein Jahrzehnt nach Erstveröffentlichung erneut den tödlichen Herausforderungen des Klassikers gestellt, uns mit Schwert und Schild durch die dämonischen Gefahren des Königreichs Boletaria gekämpft, um der wichtigsten Frage auf den Grund zu gehen: Kann die Neuauflage aus dem gigantischen Schatten des Vorgängers treten und die altbekannte Launch-Monotonie aufbrechen? Im Test erfahrt ihr die Antwort.


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    Rückblick: FromSoftware lädt zum Höllenritt


    2010 öffnete uns der japanische Videospielentwickler FromSoftware – zum damaligen Zeitpunkt noch primär für namhafte Reihen wie King’s Field oder Armored Core bekannt – die Pforten zu einer gnadenlosen Gaming-Hölle, derer flammenden Faszination wir uns kaum erwehren konnten. Nach einer fast einjährigen Wartezeit fand ihr neustes PS3-Abenteuer Demon’s Souls nämlich endlich auch den Weg in europäische Gefilde und verpasste dem Begriff Schwierigkeitsgrad eine völlig neue Definition.


    Ein gemütlicher Einstieg, ausschweifende Tutorials oder sonstige Hilfestellungen suchten wir vergeblich, wurden nach einer schon damals unerhört schicken Eröffnungssequenz direkt ins düstere Königreich Boletaria geworfen und waren gänzlich auf uns allein gestellt. Die logische Konsequenz: Selbst harmlos anmutende Standardgegner verwandelten sich urplötzlich in ernstzunehmende Gefahren, zeichneten sich für etliche unserer anfänglichen Fehlschläge verantwortlich. Kaum hatten wir diese Hürde genommen und fühlten uns mit Schwert und Schild nahezu unbesiegbar, belehrte uns die Begegnung mit dem ersten Boss eines Besseren. Kleiner Spoiler: Besiegen konnten wir diesen erst nach dem zehnten Versuch.


    Ferner trat auch die Rahmenhandlung überraschend geheimnisvoll auf, gestaltete unsere Orientierung in dieser mysteriösen und düsteren Spielwelt dadurch unerwartet fordernd. Wollten wir die gesamte Geschichte Boletarias sowie die Schicksale aller Haupt- und Nebenakteure vollends verstehen, mussten wir ausreichend Eigeninitiative zeigen, jeden Winkel unter die Lupe nehmen, optionale Gespräche führen und verschiedene Informationsquellen eigenständig zusammensetzen, um schlussendlich das narrative Gesamtbild verinnerlicht zu haben.


    Demon’s Souls stellte unser Verständnis eines handelsüblichen Videospiels gehörig auf die Probe. Bockschwere Kämpfe oder knackige Challenges hatten unsere spielerischen Fähigkeiten im Laufe unserer jahrelangen Gaming-Karriere zwar schon mehrmals gehörig auf die Probe gestellt, FromSoftware verfrachte das Ganze jedoch urplötzlich in eine völlig neue, bisher unbekannte Liga und zwang uns, all unsere Fähigkeiten zu mobilisieren, um den Abspann mit viel Mühe, Elan und einem schwer in Mitleidenschaft gezogenen Nervenkostüm erreichen zu können.


    Nach unzähligen Rückschlägen, unbewusst getätigten Fehlentscheidung und langwierigen strategischen Neuauslegungen hätten wir unseren Controller normalweise niedergelegt, die Disc auf ewig in die dunkelste Ecke unserer Sammlung verbannt und uns einer zugänglicheren Erfahrung zugewandt. Doch hier gelang Demon’s Souls das größte Kunststück: Der enorme Motivationsfaktor machte ein frühes Aufgeben unmöglich, vermittelte dieser uns doch das Gefühl, dass wir dem Sieg mit jedem Versagen nähergekommen waren, der nächste Versuch also tatsächlich zum erlösenden Erfolg führen könnte.


    Herbe Enttäuschung und unablässiger Eifer tauschten sich somit etliche Spielstunden lang ab, bis die süße Erlösung in Form eines kämpferischen Triumphs, beziehungsweise der erfolgreichen Bekämpfung eines gigantischen Endgegners, folgte: Ein befriedigendes Hochgefühl, das wir noch bis heute in unserem Gamer-Herzen tragen und Demon’s Souls somit problemlos in unsere persönliche Videospiel-Ruhmeshalle aufnehmen konnten, logischerweise zu gigantischen Genre- und FromSoftware-Fans wurden. Und es bis heute sind.



    Schönes neues Boletaria


    Viele Jahre später waren wir nun bereit, uns den unsäglichen Bedrohungen des Königreichs Boletaria erneut entgegenzustellen, dabei aber zumindest technisch in ein völlig neues Gaming-Zeitalter befördert zu werden. Immerhin hatte Bluepoint Games mit dem sagenhaften PS4-Remake von Shadow of the Colossus 2018 eindrucksvoll bewiesen, dass man es bei der optischen Aufwertung nicht nur etwa auf einen simplen Neuanstrich mit einigen Mini-Dekorationen setzt, sondern lieber das komplette grafische Fundament erbarmungslos entfernt, um mit stärkerer Hardware im Nacken an dessen Stelle einen beeindruckenden Augenschmaus zu errichten. Dementsprechend waren unsere Erwartungen mit Blick auf die brandneue Playstation 5 enorm hoch, kleinere Enttäuschungswellen eigentlich unvermeidbar.


    Tatsächlich suchten wir enttäuschende Momente bei Demon’s Souls vergebens, bekamen stattdessen aber ein visuell opulent in Szene gesetztes und mit allerlei Effekten ausgeschmücktes Grafik-Feuerwerk geliefert, das den PS5-Boost gekonnt zu seinem Vorteil nutzt und als einziger Release aus dem gesamten Launch-Titel-Sortiment beider neuen Konsolen trotz fehlendem Raytracing ein wahres Next-Gen-Feeling versprüht.


    Die zahlreichen, abwechslungsreich gestalteten Gebiete Boletarias erstrahlen in völlig neuem 4K-Glanz und explodieren vor atemberaubender Detailverliebtheit regelrecht. Unsaubere Texturen oder trist gestaltete Bereiche konnten wir trotz energischer Suche nicht ausfindig machen, entdeckten stattdessen liebevoll in die Umgebungen eingebaute Besonderheiten, eine fast schon unheimliche Lebendigkeit einhauchten und uns wahrlich sprachlos zurückließen. Die bereits beim Original ungemein faszinierende Architektur des von Unheil heimgesuchten Königreichs erreicht dadurch spielend leicht ein völlig neues Niveau, kommt gepaart mit grandiosen Lichteffekten zudem erstklassig zur Geltung und garantiert somit eine herrlich atmosphärische Kulisse, deren unvergleichliche Wirkung zu keinem Zeitpunkt Federn lassen muss. Optische Langweile sucht man hier vergebens.


    Auch die Charakter- und Monstermodelle wurden radikal überarbeitet und neben einer willkommenen Detailfülle zudem mit brandneuen Animationen versehen, die allesamt eine hervorragende Figur machen und dem Spielgeschehen visuelle Dynamik verpassen. Und wenn all diese grafischen Zahnräder – imposante Schauplätze, beeindruckende Effekte, herrlich gruselige Monster und schicke Angriffs- und Ausweichanimationen – beispielsweise während packend in Szene gesetzter Bosskämpfe ineinandergreifen, lässt Demon’s Souls endgültig die technischen Muskeln spielen und unterstreicht erneut, dass die Entwickler von Bluepoint Games ohne jede Frage Meister ihres Fachs sind.



    Schneller Tod, schnelle Wiederbelebung


    Allerdings stellt euch Demon’s Souls vor Antritt eures Abenteuers vor eine schwere Entscheidung, an der vor allem Grafikfetischisten zu knabbern haben: Wählt ihr den Kino- oder doch lieber den Leistungsmodus?


    Die Unterschiede fallen hierbei denkbar übersichtlich aus: Entscheidet ihr euch für die Kino-Variante, freut ihr euch über eine native 4K-Auflösung mit 30fps, während die Leistungsoption stabile 60 Bilder pro Sekunde bietet, die Bildschirmauflösung dafür allerdings auf 1440p herunterschraubt. Letztlich bieten beide Einstellungen ihre Vor- und Nachteile, uns persönlich sagte der Leistungsmodus dank eines flüssigeren und dadurch spürbar höheren Spieltempos beim Test jedoch mehr zu. Sollte eure persönliche Wahl dennoch auf die höhere Auflösung fallen, dürft ihr die Reise durch Boletaria weiterhin ohne Gewissensbisse genießen – einen Fehler macht ihr damit nämlich nicht.


    Von der im Vorfeld oftmals umjubelten SSD-Festplatte der PS5 macht Bluepoint Games ebenfalls gekonnt Gebrauch und reduziert nervige Ladezeiten auf ein Minimum. Bei einem Soulslike-Titel natürlich ein wahrer Segen, vergehen zwischen Tod und Wiederauferstehung sowie beim Gebietswechsel doch nur wenige Sekunden. Einziger Wermutstropfen: Ausgiebige Trinkpausen oder rasantes Checken des WhatsApp-Chats sind somit Geschichte, selbst kurze Toilettenpausen müssen nun genauestens geplant werden.


    Sich von Demon’s Souls zu lösen und eine solche Planung endgültig in die Tat umzusetzen, fiel uns beim Test enorm schwer. Primär war dieser Umstand dem fantastischen DualSense-Controller zu verdanken, den wir aufgrund seines einmaligen haptischen Feedbacks gar nicht aus den Händen legen wollten. Die vielen kleinen Motoren reagieren nicht nur auf unsere, sondern auch auf Bewegungen in unserer nächsten Umgebung, garantieren damit ein phänomenales Mittendrin-Gefühl, das wir in dieser Form nur selten erlebt haben. Hitzige Gefechte bekommen dadurch eine grandiose Immersionskomponente geboten, die wir bei kommenden Genre-Ablegern nicht mehr missen möchten und hoffen, dass der gezielte Dualsense-Einsatz auch bei Third-Party-Entwicklern auf der Agenda stehen wird.



    Brachiale Orchesterwucht


    Beim Sound verfolgte Bluepoint Games derweil eine ähnliche Strategie, verzichtete also auf eine unkomplizierte digitale Auffrischung des akustisch mächtigen Originals und setzte lieber direkt auf einen modernen Neuaufbau. Allerdings schien sich das Team dabei der enormen Wichtigkeit des atmosphärischen Klangteppichs bewusst zu sein und versucht, Fans mit einer starken Orientierung an den auditiven Wurzeln rasant für sich zu gewinnen.


    Diese dürfen sich freuen, vereint Demon’s Souls doch fast die gesamte Sprecherriege erneut, damit alten sowie neuen Dialogen ein moderner Touch verpasst werden können. Dadurch werden loyale Anhänger der ersten Stunde zu einem nostalgischen Trip der besonders eindringlichen Art und Weise eingeladen, fühlt man sich bei einigen ikonischen Zitaten doch direkt in die weite Gaming-Vergangenheit zurückversetzt und kann sich eines kleinen Lächelns nicht erwehren.


    Bereits beim ersten Ertönen des Soundtracks brechen dann allerdings alle Freudendämme. Zwar kehrt Komponist Shunsuke Kida für das Remake nicht zurück, dafür wurden all seine legendären Kompositionen mitsamt epischem Orchester sowie überwältigendem Chor neu aufgenommen und erfahren dadurch ein ungeahnt signifikantes Upgrade. Kaum eine Melodie verschwindet unbemerkt im Hintergrund, gefühlt jeder Ton arbeitet sich zum unerlässlichen Teil des unfassbar dichten Atmosphäre-Pakets hoch, weshalb sich nicht nur aufregende Boss-Begegnungen, sondern auch ruhige Streifzüge durch Boletaria als unvergessliche Momente in unseren Köpfen verankern können.


    Bluepoint Games wollte sich auch in dieser Kategorie keinerlei Ausrutscher erlauben, verpasste sogar den zahlreichen Soundeffekten zusätzliche Wucht, um sie auf das aufpolierte Hochniveau des technischen Gesamtbildes zu heben und Kennern sowie Neulingen das optimale Mittendrin-Gefühl mit Wow-Garantie zu verpassen. Demon’s Souls schafft es dadurch exzellent, sich aus den angestaubten Ketten der PS3-Ära zu befreien, die zeitlose Magie des Originals dabei jedoch bravourös einzufangen.


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    Kleinteilige Welterkundung


    Beim technischen Aspekt drückt Bluepoint Games mit PS5-Power im Rücken das Gaspedal also unerbittlich durch, macht es sich zugleich aber im vom Original-Entwicklerstudio FromSoftware vor über einem Jahrzehnt zusammengebauten Gameplay-Nest bequem. Kein Wunder, kann sich dieses in puncto Funktionstüchtigkeit doch auch heute noch sehen lassen.


    Den Zahn der Gaming-Zeit unbeschadet zu überstehen, schafft aber auch ein legendäres Meisterwerk wie Demon’s Souls nicht. Als Urvater des Soulslike-Genres wirkt dadurch auch das Remake anfangs wie ein spielerischer Rückschritt, markiert im direkten Vergleich mit den spirituellen Nachfolgern Dark Souls und Bloodborne gefühlt den Startpunkt eines jahrelangen Entwicklungsprozesses.


    Anstatt direkt in eine gigantische, in sich geschlossene Spielwelt geworfen zu werden, fungiert bei Demon’s Souls der düstere Nexus nämlich als zentraler Knotenpunkt, der euch Zugang zu fünf verschiedenen Gebieten des Königreichs Boletaria gewährt. Diese sind wiederrum in unterschiedliche Areale unterteilt, die jeweils mit allerlei Geheimnissen, Fallen, angriffslustigen Dämonen und einem hartnäckigen Boss ausgestattet sind.


    Erkundungsfreudige Abenteurer brauchen dennoch keine angestaubten Schlauchlevel zu befürchten. Unterirdische Tempel, unheimliche Kerker und anmutige Türme belohnen pfiffige Kundschafter mit hilfreichen Abkürzungen und Geheimgängen, verbergen jedoch hinter jeder Ecke eine neue Gefahr, die rasant zum unfreiwilligen Bildschirmtod führen kann.



    Übung macht den Souls-Meister


    Überhaupt sollte man sich bereits früh mit dem virtuellen Ableben anfreunden, stellt es doch ein Kernelement von Demon’s Souls dar. Denn obwohl der Schwierigkeitsgrad vergleichsweise milde ausfällt, werden genretypisch dennoch gehörig die Daumenschrauben angezogen und unvorsichtig ans Werk gehende Freizeit-Gamer gnadenlos in ihre spielerischen Schranken gewiesen. Dark Souls und Co. wirken zwar deutlich fordernder, einen lockeren Spaziergang durch Boletaria braucht ihr dennoch nicht zu erwarten.


    Der generelle Ablauf klingt dabei erschreckend simpel. Mit Schwertern, Äxten, Bögen oder magischen Stäben ausgerüstet behaupten wir uns gegen eine Vielzahl monströser Kreaturen, schalten schlussendlich einen wuchtigen Obermotz aus und schalten damit neue Level frei, in denen wir das Ganze (oftmals mit neuen Feinden und Herausforderungen) wiederholen.


    In der Praxis gewinnt diese Simplizität jedoch urplötzlich eine für Neueinsteiger ungeahnte Vielschichtigkeit, wird stupides Knöpfchendrücken doch postwendend bestraft, ein lockeres Voranschreiten somit unmöglich gemacht. Verzichtet ihr gänzlich auf taktisches Vorgehen oder gar rettende Ausweichrollen, avancieren selbst harmlos wirkende Standardgegner zu blutrünstigen Mordmaschinen, die euch mit schmerzhaften Kombos gnadenlos die Lebenslichter ausknipsen.


    Sich mit den Feinheiten des Kampfsystem auseinanderzusetzen und möglichst schnell den Sprung zum Souls-Profi zu schaffen (oder zumindest den Anfänger-Status abzulegen) ist regelrecht Pflicht. Spätestens die bockschweren Bosse stellen eure Fähigkeiten nämlich gezielt auf die Probe, decken sie euch doch mit erschütternden Angriffsserien ein und bieten nur wenig Raum für effektive Konter. Nur mit waghalsigen Ausweich- und Pariermanövern sowie blitzschneller Reaktionsgeschwindigkeit kommt ihr nach unzähligen Versuchen ans Ziel und dürft euren hart erkämpften Erfolg anschließend gebührend feiern.




    Gewappnet für die höllische Herausforderung


    Zum Glück bietet uns Demon’s Souls ausreichend Möglichkeiten, unseren anfangs recht wehrlosen Charakter ordentlich aufzumotzen und ihn somit für kommende Gefahren zu wappnen. So lassen sich in Boletaria zahlreiche Waffen und Rüstungen ausfindig machen, mit denen wir nicht nur Angriffs- und Verteidigungswert steigern dürfen, sondern unserem eigenen Vorgehen je nach gewählter Bewaffnung sogar eine neue taktische Nuance hinzufügen müssen – beispielsweise bewegen wir uns mit einem Dolch deutlich agiler, sorgen mit einem Hammer allerdings für deutlich mehr Schaden, müssen die Vor- also den Nachteilen gegenüberstellen.


    Von besiegten Gegnern hinterlassene Seelen spielen bei eurem Weg an die kämpferische Spitze jedoch eine bedeutend wichtigere Rolle, investiert ihr diese doch in eure grundlegenden Attribute, darunter beispielsweise eure Stärke, Kondition, Magie oder Beweglichkeit. Zusätzlich dürfen wir mit der übernatürlichen Zahlmethode im Nexus auf Shoppingtour gehen und damit neue Fähigkeiten und Zaubersprüche freischalten.


    Sinnloses Grinden und blinde Seelen-Investments solltet ihr euch allerdings sparen, führt eine generöse Verteilung auf alle verfügbaren Statuswerte doch schlussendlich in eine kleine Sackgasse. Demon’s Soulsanimiert euch vielmehr, den gewählten Spielstil genauestens zu analysieren und die dementsprechend relevanten Punkte zu verbessern: Wer als Magier agiert, kann sich beispielsweise jegliche Stärke-Aufwertungen sparen, während man als schonungslos agierender Nahkämpfer im Umkehrschluss auf magische Fähigkeiten pfeifen sollte.


    Wie schon beim Original präsentiert sich die umfangreiche Charaktererstellung somit auch beim Remake als enorm motivierendes Unterfangen, das uns beim Test sogar zum mehrfachen Neustart des Abenteuers animierte. Nicht nur, dass wir zu Beginn dank eines nun deutlich umfangreicheren Editors herrlich skurrile Helden erschaffen dürfen, im Anschluss stehen uns zudem etliche Entwicklungspfade zur Verfügung, auf denen wir frei umherwandern dürfen. Hier seinen optimalen und für jede noch so gefährliche Situation vorbereiteten Helden zusammenzubauen nimmt also vor allem für übermotivierte Taktikfreunde enorm viel Zeit in Anspruch, artet dabei jedoch zu keinem Zeitpunkt in ein unübersichtliches oder gar nerviges Chaos aus.



    Aufgeben ist keine Option


    Auch im Remake-Gewand weigert sich Demon’s Souls erfreulicherweise, euch eine helfende Hand zu reichen. Sicherlich mögen euch während eures ersten Ausflugs durch das Königreich Boletaria kurze Botschaften mit den wichtigsten Steuerungsfunktionen vertraut machen, spätestens mit eurer ersten unliebsamen (und seien wir ehrlich: für Anfänger kaum zu bewältigenden) Begegnung mit dem voluminösen Vorhutdämon werdet ihr jedoch gnadenlos in den fordernden Abgrund geschubst und müsst euch hier ohne Hilfestellung behaupten.


    Die Balance zwischen krasser Herausforderung und anspornender Fairness bleibt zum Glück erhalten. Obwohl unser Nervenkostüm im Laufe zahlreicher Testsession aufgrund mehrerer, unfreiwilliger Begegnungen mit dem Game-Over-Bildschirm ordentlich in Mitleidenschaft gezogen wurden, feuerten wir den Controller niemals wutentbrannt in die Ecke, lagen die Gründe für unser erschütterndes Versagen doch stets in der eigenen Unaufmerksamkeit. Fehlerquellen wurden dadurch rasant entdeckt und beim erneuten Versuch ausgemerzt, was zwar keine zuverlässige Erfolgsgarantie, zumindest aber einen spürbaren Schritt in die richtige Richtung darstellte.


    Selbstverständlich darf auch die altbekannte Multiplayer-Komponente nicht fehlen, die jedoch weiterhin als zweischneidige Klinge fungiert. Aktiviert ihr im Hauptmenü nämlich alle Online-Funktionen, warnen euch die Geister und hinterlassenen Warnungen eurer Mitspieler vor potenziellen Gefahren, während ihr für strapaziöse Aufeinandertreffen mit hartnäckigen Endgegnern tatkräftige Unterstützer an eure Seite rufen dürft. Gleichzeitig gebt ihr hinterhältigen Spielern damit die Chance, eure Welt zu überfallen und eine weitere Hürde im spielerischen Hindernisparcours zu bilden. Klingt anstrengend, entpuppt sich jedoch als wahre Unterhaltungsgranate – immerhin dürfen wir Angreifern nicht nur einen kämpferischen Strich durch die Rechnung machen, sondern sogar selbst eine heimtückische Invasion starten.


    Generell spart sich Bluepoint Games beim wesentlichen Spielprinzip revolutionäre Veränderungen fast vollständig, bringt höchstens mit einigen neuen Gegenständen, alternativen Farbfiltern oder dem für Sony-Titel mittlerweile fast schon obligatorischen Fotomodus frischen Wind ins Remake. Raum für Kritik öffnete das allerdings nicht, konnten wir beim Test doch bereits nach kurzer Zeit feststellen, dass das Gameplay-Konstrukt abseits gelegentlicher KI-Macken noch heute erstklassig funktioniert und höchstens der Vergleich mit modernen Soulslikes marginale Verbesserungswünsche in uns weckte.


    Somit spielt die eigene Erwartungshaltung bei Demon’s Souls eine entscheidende Rolle. Erhofft ihr euch nach Dark Souls III oder Sekiro nämlich den nächsten Genre-Evolutionsschritt, stellt sich prompt eine gewisse Ernüchterung ein. Kein Wunder, verfolgte Bluepoint Games bei der Entwicklung doch ein gänzlich anderes Ziel: Ein unvergleichliches Spielgefühl unter Einsatz neuer Hardware-Power in die Moderne zu transferieren, dem Original dabei aber ausnahmslose treu zu bleiben. Und dieses Vorhaben ist ohne jede Frage geglückt.



    Ein zeitloses Atmosphäre-Meisterwerk


    Einerseits fühlt sich das Königreich Boletaria altbekannt an, weckt mit jedem Schritt Erinnerungen an die zahlreichen Herausforderungen, denen wir uns vor einem Jahrzehnt in den Weg stellen mussten. Andererseits zieht uns die okkulte Spielwelt abermals in ihren Bann, fühlt sich mit neuer Hardware unter der Technikhaube erfrischend neu an und animiert uns stetig, den vor langer Zeit erfolgreich niedergemähten Gefahren erneut mutig ins Gesicht zu lachen.


    Bluepoint Games möchte sich das bedeutende Originalwerk nicht zu eigen machen, sondern es strukturell unberührt in die Moderne führen, elementaren Stärken des mittlerweile angestaubten Ursprungs eine revitalisierende Zellenkur verpassen – immerhin machten diese strategischen Schritte bereits das Remake von Shadow of the Colossus zum Erfolg, konnten selbst überkritische Superfans spätestens zum Release endgültig bekehren und positiv stimmen. Ein Endergebnis, das auch mit Demon’s Souls verdient erreicht wurde.


    Fast könnte man meinen, dass auch FromSoftware an der Entwicklung beteiligt war, Bluepoint Games dabei unterstützend über die Schulter schaute und sicherstellte, dass der atmosphärische, handlungstechnische sowie spielerische Kern der Soulslike-Anfänge erhalten bleibt. Die Brillanz des PS3-Titels bleibt dadurch vollständig intakt, erfährt sogar ein fabelhaftes Tuning, das uns unvergessliche Nostalgiemomente nicht einfach nur nochmals, sondern gefühlt vollkommen neu erleben lässt.


    Es ist kein Geheimnis, dass Remakes von der Gaming-Community kritisch betrachtet werden, wünscht man sich doch lieber vollwertiges Sequel anstatt aufgewärmte Klassiker-Brötchen. Gelegentlich kommt jedoch ein geübter Bäcker mit unvergleichlichem Talent daher, dessen köstliche Neuauflagen den Geschmackstest bestehen und durchgewunken werden. In unserem Fall hört der Bäckermeister auf den Namen Bluepoint Games, seine Kreation auf Demon’s Souls – und das ist eine Kombi, die sich jegliche Awards und Lobpreisungen redlich verdient haben.


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    Fazit


    Obwohl enorm hohe Erwartungen gerne mit herben Enttäuschungen bestraft werden, präsentiert sich Demon’s Souls als überraschende Ausnahme für eine uralte Regel. Anstatt unsere heiligen Gaming-Erinnerungen an einen legendären Klassiker nämlich schonungslos in den Dreck zu ziehen, liefern uns die Upgrade-Profis von Bluepoint Games ein sagenhaftes Remake für die Videospielgeschichte.


    Zwar werden wir aufgrund überschaubarer Gameplay-Anpassungen an die spielerischen Anfänge des Soulslike-Genres zurückkatapultiert, freuen uns im Gegenzug jedoch über einen technisch erstklassig modernisierten Marsch durch das Königreich Boletaria, der uns nicht nur mit packend in Szene gesetzten Duellen und einer gnadenlos steilen, dabei aber herrlich motivierenden Lernkurve, sondern auch mit einer phänomenalen Grafik und einem legendären Soundtrack an etlichen Fronten vollends begeistern kann.


    Demon’s Souls punktet allerdings nicht nur als mächtiges Remake, sondern auch als einer der besten Launch-Titel aller Zeiten, wird das Hardwarepotenzial der Playstation 5 dank haptischem Controller-Feedback und rasanten Ladezeiten doch bereits in dieser frühen Konsolenphase eindrucksvoll unter Beweis gestellt und liefert somit einen direkten Sprung in die neue Konsolengeneration.


    Solltet ihr (höchstwahrscheinlich im Austausch mit eurer Gamer-Seele) eine PS5 ergattert haben, wird der tödliche Ausflug ins Königreich Boletaria für unerfahrene Neulinge sowie hartgesottene Veteranen zur wahren Pflicht. Bluepoint Games hat sich nämlich selbst übertroffen und dem ikonischen Klassiker mit passionierter Detailverliebtheit eine ausgezeichnete Neuauflage spendiert – und dabei gleichzeitig einen echten GOTY-Anwärter geschaffen!

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