Darwin's Game Volume 1



  • Battle Royale mit actionreichem Alleinstellungsmerkmal!


    Als Kaname Sudo von einem Freund eine Nachricht auf sein Smartphone bekommt, die ihn zu einem unbekannten Spiel einlädt, denkt er nicht lange nach, bevor er annimmt. Doch womöglich hat er damit gerade den größten Fehler seines Lebens begangen!


    Als ihn kurz darauf ein scheinbar Verrückter mit einem Messer angreift, merkt Kaname bald, dass er im „Darwin’s Game“ nur zwei Möglichkeiten zu haben scheint: Töten oder getötet werden. Noch dazu scheint jeder Spieler mit einer übernatürlichen Fähigkeit ausgestattet worden zu sein.


    Wird Kaname als kompletter Neuling den Attacken der viel erfahreneren Gegner auf Dauer etwas entgegenzusetzen haben? Ein brutaler Kampf ums Überleben beginnt…



    Nichtkenner der gleichnamigen Manga-Vorlage werden beim Durchlesen dieser kurzen Zusammenfassung höchstwahrscheinlich mit den Augen gerollt oder lautstark gegähnt haben. Wenig überraschend, präsentierten doch gefühlt zahllose namhafte Animes der Vergangenheit – darunter beispielsweise Mirai Nikki oder Btooom!– eine ähnliche Ausgangslage, scheinen die erzählerische Todesspielwiese somit bereits ausreichend abgegrast und folgende Werke mit einer vorprogrammierten Langeweile versehen zu haben.


    Zunächst scheint Darwin’s Game diese Befürchtung auch zu unterstreichen und die erwartete Innovationsarmut gar freudig zu umarmen. Urplötzlich wird der junge Kaname in ein tödliches Spiel gezogen und muss nun erbittert ums Überleben kämpfen, während er nach und nach die grundlegenden Regeln verinnerlicht und gleichzeitig nach einem Weg sucht, das gnadenlose Todesurteil endgültig abzuschütteln. Definitiv keine Genre-Reform, vielmehr ein Aufkochen altbekannter Handlungstugenden.


    Doch bereits nach kurzer Zeit werden die Erwartungen und Vorverurteilungen aus dem Nichts auf den Kopf gestellt, der befürchtete Totalausfall zu einem packenden Story-Konstrukt verwandelt, das in puncto Originalität und Komplexität zwar weiterhin keinerlei Preise einheimsen wird, sich mit zusätzlichen Elementen allerdings von den Anime-Kollegen abheben und sich dabei sogar ein gewisses Alleinstellungsmerkmal erarbeiten kann.


    Nun mag das Beifügen übernatürlicher Superfähigkeiten kein Geniestreich sein, wird von Darwin’s Gamejedoch effektiv genutzt, um dem prinzipiell enorm spannenden Überlebenskampf eine gehörige Actionwürze zu verpassen. Nervenaufreibende Situationen werden geschickt mit hitzigen Kampfsequenzen kombiniert, wodurch einschläfernden Passagen keinerlei Raum eingeräumt wird. Ein Umstand, der auch dem enorm hohen Tempo zu verdanken ist, das sich ausbremsende Ruhepause fast gänzlich spart und das Fuß fast durchweg auf das handlungstechnische Gaspedal drückt.



    Darwin’s Game wirft uns ohne ausschweifende Erklärungen in die düstere Welt des namensgebenden Todesspiels, nutzt den ausgedehnten Sturzflug jedoch, um uns die wichtigsten Regeln ausführlich nahezubringen. Hierbei eröffnen sich mit strengem Blick gelegentlich zwar einige Logiklöcher, die allerdings bewusst ignoriert und kurzerhand mit ausreichend Action gestopft werden – Rück- oder Nachfragen werden gekonnt ignoriert nicht, der Zuschauer soll das Gezeigte hinnehmen und dank eintretender Akzeptanz zur ungebremsten Unterhaltung gelangen.


    Sicherlich mag das Ganze dadurch zuweilen einen leicht stupiden Eindruck vermitteln, ansprechende und (zumindest im Ansatz) facettenreiche Haupt- sowie Nebenakteure können das Abdriften in eine anspruchslose Allerleigrube aber zum Glück verhindern. Die große Stärke wird hierbei aus dem bereits erwähnten Alleinstellungsmerkmal, den übernatürlichen Fähigkeiten, gewonnen: Neben einer eigenen, nicht selten herrlich skurrilen, Persönlichkeit, erfreut sich jeder Charakter zudem einer exklusiven Kraft, wird dadurch gleich doppelt interessant.


    Dadurch ergeben sich logischerweise aufregende Interaktionsmöglichkeiten, die über simple Konversationen oder genretypische Messerkämpfe und Schusswechsel hinausgehen. Welche übermenschliche Begabung werden wir als nächstes kennenlernen? Wie wird sich Kaname gegen diese behaupten können? Es ist der frische Wind, den das vertraute Handlungsfundament dringend benötigt, damit die angepeilte Individualisierung auch in der Praxis glücken kann.


    Leider gerät Darwin’s Game bei der Charakterentwicklung sichtbar ins Straucheln. Zwar präsentiert sich Kaname als willkommener roter Faden und avanciert glaubwürdig vom schwächlichen Schüler zum tapferen Kämpfer, macht den Stillstand des restlichen Kaders dadurch allerdings umso deutlicher. Ausgewählte Nebenfiguren dürfen gelegentlich mit einer kurzen Hintergrundgeschichte funkeln, die Ketten der Eindimensionalität sprengen und von sich streifen, bilden damit jedoch nur die Ausnahme – denn der Rest bleibt erschreckend blass und gerät schnell in Vergessenheit.



    Gänzlich abschütteln kann Darwin’s Game diese Oberflächlichkeit während der fünf Episoden der ersten Volume zwar nicht, stellt aufregende Spannungskurven und ein fulminantes Actionspektakel aber immerhin gezielt in den Vorder- und verfrachtet diese Schwäche elegant in den vernachlässigbaren Hintergrund.


    Die spannungsgeladene Achterbahnfahrt wird durch solche Hindernisse also kaum verlangsamt, nimmt stattdessen mit jeder Folge immer mehr Tempo auf, treibt das Todesspiel in ungeahnte Höhen und garantiert vor allem Genre-Fans feinste Anime-Unterhaltung, die sich vor den eingangs erwähnten Mirai Nikki und Btooom! nicht zu verstecken braucht. Ein Fazit, das sich anfangs wirklich nicht angedeutet hatte.


    Es bleibt abzuwarten, ob dieser Aufbau tatsächlich zu einem grandiosen Finale führt oder uns am Ende des actionreichen Weges ein aus offenen Fragen und nicht vollends durchdachte Ideen bestehender Scherbenhaufen erwartet. Kann Darwin’s Game die eigens gewählten Stärken bis zur letzten Minute ausspielen? Oder geht dem Gesamtwerk auf der Zielgeraden die Luft aus, wodurch sich gleichzeitig auch die eklatanten Schwächen gnadenlos bemerkbar machen? Eine Antwort auf diese Fragen werden Anime-Freunde ohne Streaming- oder Import-Ambitionen wohl spätestens mit der Veröffentlichung der zweiten und finalen Volume am 18. März erhalten.


    Einen Blick in die erste Volume darf man allerdings schon vorher guten Gewissens riskieren. Trotz kleinerer handlungstechnischer Schwächen und einer allgemeinen Ideenlosigkeit aus der Todesspielabteilung gibt es dennoch ausreichend Potenzial, um schlussendlich einen unterhaltsamen Genre-Vertreter in die Sammlung stellen zu dürfen. Man muss nur die Kraft aufwenden können, strenge Vergleiche oder kritische Nachfragen beim Sehvergnügen abzuschalten.



    Bild


    Das erst 2012 gegründete und somit noch recht junge sowie vergleichsweise unerfahrene Animationsstudio Nexus mit der Produktion der Anime-Variante von Darwin’s Game zu betrauen, darf man sicherlich als gewisses Glücksspiel betrachten. Sicherlich könnte das junge Team an der ambitionierten Inszenierung solch eines abgedrehten Todesspiels gänzlich macht- und kraftlos in die Knie gehen, andererseits konnten grundlegende Fähigkeiten mit gelungenen (und teils gefeierten) Werken wie Wakaba Girl, Chivalry of a Failed Knight oder Granbelm bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden.


    Ein wagemutiger Münzwurf, der sich in der Praxis als voller Erfolg herausstellt, möchte Studio Nexus das eigene Image doch weiterhin spürbar aufpolieren, den eigenen Namen in eine Reihe mit den zahlreichen Branchengrößen stellen. Als Meisterwerke darf man die Charaktermodelle und Hintergründe dabei zwar nicht bezeichnen, bekommt mit einer ebenso anschaulichen wie auch optisch abwechslungsreichen Detailverliebtheit bereits früh einen kleinen Augenschmaus serviert, der stetig aufgewärmt und neu garniert wird, den Zuschauer visuell also zu keinem Zeitpunkt langweilt. Gelegentlich mag dabei zwar ein gewisser Feinschliff fehlen, hierbei handelt es sich jedoch um vernachlässigbare Ausrutscher.


    Streng genommen kocht Darwin’s Game hier nur auf Sparflamme, wird das beeindruckende Animationsfeuerwerk doch erst bei den wichtigen Todeskämpfen entzündet. Fantastische Choreographien, geschmeidige Bewegungen, filmreife Kamerafahrten und die übernatürlichen Fähigkeiten der ums Überleben ringenden Teilnehmer gehen Hand in Hand, bilden gemeinsam ein in sich geschlossenes inszenatorisches Highlight, das sich keinerlei Fehler erlaubt und mit jeder Episode gefühlt einen Zahn zulegt.


    Natürlich wird die optische Opulenz von zwei Faktoren begünstigt: Einerseits handelt es sich bei Darwin’s Game um kein angestaubtes Relikt aus der japanischen Vergangenheit, sondern um ein junges Anime-Küken aus dem letzten Jahr. Andererseits bringt das Blu-ray-Format die Action knackscharf und mit kräftigen Farben auf den HD-Bildschirm. In der Summe darf sich Studio Nexus also stolz auf die eigene Schulter klopfen und die geringfügigen Schwächen als hilfreiche Motivationsspritze für das nächste Projekt ansehen.



    Sound


    Never change a running system – or replace a perfect musician. Eine altbekannte (obwohl für unsere Zwecke leicht modifizierte) Formel, der Studio Nexus auch beim soundtechnischen Aspekt von Darwin’s Game folgt. Immerhin setzt man bei der musikalischen Untermalung abermals auf Granbelm-Komponist Kenichiro Suehiro, der sich dank seiner grandiosen Soundtracks zu Re:Zero, Cells at Work! oder Goblin Slayer allerdings schon vor dieser Zusammenarbeit im auditiven Gedächtnis zahlreicher Anime-Fans verankert haben dürfte.


    Sagenhafte Kompositionen mit eindringlichem Ohrwurm-Charakter lässt der japanische Musiker zwar vermissen, kann das rasante Geschehen dabei aber dennoch hervorragend begleiten und der momentanen Situation somit emotionalen Nachdruck allererster Güte verpassen. Hierbei müssen sich die variantenreichen Melodien zwar oftmals der beinharten Super-Action das strahlende Rampenlicht überlassen und sich wehmütig mit der zweiten Reihe begnügen, erfüllen ihre designierte Rolle als stimmungsvoller Begleiter dabei aber weiterhin vortrefflich und präsentieren sich dadurch als unverzichtbare Säule für das auf den Namen Darwin’s Game getaufte Anime-Gesamtkonstrukt.


    Gleiches lässt sich auch von der deutschen Sprecherriege behaupten, die mit den bekannten Stimmen von Johannes Wolko, Amira Leisner oder Eleni Möller glänzen kann. Diese gehen auch hörbar motiviert ans Werk und schaffen es dadurch, den unzähligen lebensbedrohlichen Situationen eine willkommene Glaubwürdigkeit zu verpassen. Einziger Wermutstropfen: Schlussendlich muss man sich dem starken japanischen Original geschlagen geben – erreicht die Emotionalität hier doch schier unerreichbare Höhepunkte –, darf den zweiten Platz aber dennoch stolz erhobenen Hauptes einnehmen.


    Darwin’s Game leistet sich also auch in dieser Rubrik nur kleinere Ausrutscher, spendiert dem narrativen Konstrukt folglich einen kuscheligen Klangteppich, den man bereits nach den ersten Minuten nicht mehr missen möchte. In Kombination mit all den zuvor genannten Elementen bildet dieser gemeinsam mit packenden Handlung und anschaulicher Optik immerhin ein mächtiges Dreiergespann, das die Kernfaszination des abgedrehten Battle Royales ausmacht und euch visuell sowie akustisch rasant und gnadenlos in seinen Bann zieht.



    Extras / Aufmachung


    Clean Opening

    Clean Ending

    Trailer


    Dass unsere Hoffnung auf ein umfangreiches Bonusmaterial oftmals in niederschmetternde Enttäuschungen mündet, fällt für uns mittlerweile wenig überraschend aus. Kein Wunder, würde die aufwändige Produktion informativer Bonus-Videos oder gar Blicke hinter die Kulissen doch ein budgetäres Fiasko darstellen, das unweigerlich ein finanzielles Minus zur Folge hätte.


    Somit ist es immerhin erfreulich, dass wir nicht mit komplett leeren Extras-Händen zurückgelassen werden und zumindest das Opening sowie das Ending in der Clean-Variante genießen dürfen. Sicherlich hätten wir gerne den deutschen Sprechern über die Schulter geschaut oder mehr über den eigentlichen Animationsprozess erfahren, das Fehlen eben solcher Einblicke stellt sich dann aber doch nur als marginales Ärgernis heraus.


    Tatsächlich ist dieser Umstand vor allem dem technisch ansprechenden Gesamtpaket, der kurzweiligen Action-Unterhaltung mit enorm hohem Wiederschauwert sowie dem mit insgesamt fünf Episoden zufriedenstellenden Umfang zu verdanken. Einen stolzen Preis mag man für die erste Volume von Darwin’s Game zwar trotzdem zahlen müssen, bekommt mit Blick auf die preislich generell hoch angesetzte Welt der Anime-Veröffentlichungen fantastische Unterhaltung geboten, die sich vor allem Genre-Fans guten Gewissens in die Sammlung stellen können.



    Fazit


    Mit einer revolutionären Neuerfindung des Genre-Rads kann Darwin’s Game zwar nicht brillieren, glänzt inmitten einer großzügigen Todesspiel-Auswahl im Anime-Sortiment aber immerhin mit einem willkommenen Alleinstellungsmerkmal, das einen potenziell langweiligen Überlebenskampf vor allem für Action-Fans zu einem wahren Must-See avancieren lässt.


    Sicherlich mögen Grundthematik und generelle Charakterentwicklung während der ersten fünf Episoden stark oberflächlich ausfallen und höchstens die Erklärung des namensgebenden Spiels um Leben und Tod mit einer gewissen Vielschichtig- und damit auch Tiefgründigkeit punkten. Dafür sorgen die übernatürlichen Fähigkeiten der Teilnehmer sowie die damit in Verbindung stehenden, imposant in Szene gesetzten Mega-Duelle mit Action-Feuerwerk für überraschenden Unterhaltungswert, der über diese Oberflächlichkeit hinwegtäuscht und das Gesamtwerk angenehm von der Konkurrenz abhebt.


    Darwin’s Game wird Klassiker wie Mirai Nikki oder Btooom! für viele Zuschauer kaum übertrumpfen können, hat sich seinen Platz in der heimischen Sammlung allein mit anschaulichen Animationen und starkem Soundtrack aber dennoch redlich verdient. Wir sind gespannt, ob die zweite (und gleichzeitig finale) Volume an diese Qualität anschließen kann – die Weichen in Richtung eines fulminanten Finales wurden mit diesem Release aber definitiv gelegt!


    Name: Darwin’s Game Volume 1 [Blu-ray]

    Verleih: peppermint anime

    Bild: 16:9

    Ton: DTS-HD Master 2.0 (Deutsch & Japanisch)

    Untertitel: Deutsch

    Laufzeit: ca. 150 Minuten

    Freigegeben ab: 16 Jahren


    Mehr Infos findet ihr hier!


    Für alle Bilder in unserem Test gilt:

    ©FLIPFLOPs (AKITASHOTEN) / DARWIN'S GAME PROJECT

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