Ghost of Tsushima: Director's Cut


  • Erneutes Eintauchen in einen japanischen Videospieltraum.


    Mehr Ghost of Tsushima geht immer! Eine Aussage, die ein Großteil der PS4-, wahrscheinlich sogar der Gaming-Community direkt unterschreiben würden. Immerhin sprengte das Action-Adventure aus dem Hause Sucker Punch letztes Jahr alle Erwartungen und katapultierte sich damit verdient auf die Spitzenpositionen zahlreicher Top-Listen.


    Und während sich das Warten auf den (bis dato noch nicht angekündigten, sich aber laut etlichen Gerüchten bereits in der Entwicklung befindenden) Nachfolger sicherlich noch in die Länge ziehen wird, bekommen Samurai-Freunde mit dem Director's Cut nun die optimale Gelegenheit geboten, mit Jin Sakai erneut in den Kampf gegen eine schier unbesiegbare Mongolenarmee zu ziehen – und dabei in den Genuss technischer sowie spielerischer Verbesserungen und einer völlig neuen Insel zu kommen.


    Doch ob sich das kostenpflichtige Upgrade wirklich lohnt oder das Entstauben des Katanas getrost bis zur Veröffentlichung der vollwertigen Fortsetzung warten darf, das möchte ich euch nach meinen ausgiebigen Inseltouren im Test beantworten.


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    Auf ewig in meinem Japan-Herzen


    Ghost of Tsushima ist ein Liebesbrief an die japanische Kultur, die Geschichte, klassische Samurai-Filme, die unvergleichliche Naturverbundenheit.


    Vor über einem Jahr brachte ich die Zeilen nach einem ausgiebigen Testmarathon auf das virtuelle Papier, haderte jedoch bis zum heutigen Tag mit diesen Worten. Nicht etwa, weil sich mit der Zeit immer mehr Negativität in mein Meinungsbild geschlichen hätte, ganz im Gegenteil – noch heute erinnere ich mich gerne an narrative Highlights von Ghost of Tsushima zurück, verliere mich gedanklich regelrecht in der Schönheit des historischen Japans, durch die ich Jin Sakai steuern durfte.


    Nein, vielmehr war ich mir unsicher, ob diese Worte meine Begeisterung für die brandneue IP aus dem Hause Sucker Punch tatsächlich passend widerspiegeln, des ebenso ambitionierten wie auch leidenschaftlich entwickelten Abenteuers der amerikanischen Videospielschmiede wirklich gerecht werden konnten. Schlussendlich verzichtete ich aber dennoch auf nachträgliche Veränderungen, freundete mich mit meinem endgültigen Fazit an und gönnte dem bravourösen Gesamtwerk den besonderen Platz in meinem Gaming-Herzen, den es redlich verdient hatte.


    Umso erfreuter war ich natürlich, als ich von der Ankündigung des aufpolierten Director's Cut hörte. Zugegeben, normalerweise kann ich mich mit weit nach Release veröffentlichten und zu allem Überfluss noch mit einem weiteren Preisetikett versehenen Upgrades nur schwerlich anfreunden, sah bei Ghost of Tsushima aber eine gewisse Sinnhaftigkeit hinter dieser Entscheidung. Und mit dem akribisch ans Werk gehenden Team von Sucker Punch eine wahre Chance, dass mir das erneute Schwingen meines Videospiel-Katanas schmackhaft gemacht wird.


    Ein Wunschgedanke, der rasant zur Realität wurde. Denn kaum hatte ich den Director's Cut von Ghost of Tsushima eingelegt, meinen heroischen Kampf gegen eine schier unbesiegbare Mongolenarmee von vorne begonnen und mich durch eine lange Reihe wundervoller Highlights geschlitzt, hatte ich mich ein weiteres Mal in diese malerische Spielwelt verliebt.



    Anmutige PS5-Pracht


    In erster Linie ist das meinem Wechsel auf die PS5-Version zu verdanken. Hatte ich meinen ersten Durchgang nämlich noch auf der alten Konsolengeneration erlebt, bekommen die namensgebende Insel und meine schnittigen Samurai-Rüstungen nun einen schicken Next-Gen- (beziehungsweise Current-Gen-)Anstrich spendiert. Und hier hat sich Sucker Punch sichtbar viel Mühe gegeben.


    Mit einer 4K-Auflösung und einer durchweg stabilen Bildrate von 60fps erstrahlt Ghost of Tsushima in völlig neuem Glanz, kann sogar das bereits anmutige Gesamtbild der Vergangenheit ohne große Probleme in den Schatten stellen. Zwar hatte ich zuvor bereits unzählige Stunden an den wunderschönen Küsten, den detaillierten Dörfern und atmosphärischen Wäldern verbracht, konnte mich dank der visuellen Optimierung dennoch nicht sattsehen. Auch die packenden Kämpfe wirken nun deutlich intensiver, bekommen auf der PlayStation 5 einen cineastischen Boost verpasst und bombardieren mich mit einem Augenschmaus-Feuerwerk. Stellenweise schimmern Altlasten der technisch schwächeren PS4-Urfassung dann zwar doch durch, solche Momente halten sich aber in Grenzen.


    Überhaupt werden diese durch eine unaufhörliche Reizüberflutung gekonnt kaschiert. So wird der sagenhafte Soundtrack beispielsweise um einige nicht minder beeindruckende Tracks erweitert und die realistische Klangkulisse mit deftigem 3D Audio versehen, während sich Freunde der japanischen Sprachausgabe nun ebenfalls über eine nahezu perfekte Lippensynchronität freuen dürfen. Zudem werden auch das haptische Feedback, die adaptiven Trigger-Tasten sowie der Lautsprecher des DualSense-Controllers genutzt, um das Mittendrin-Gefühl deutlich zu verstärken. Einer grandiosen Integration ist es hierbei zu verdanken, dass unvergessliche Momente noch eindringlicher ausfallen, man sich einer wohligen Gänsehaut und einem leichten Lächeln kaum erwehren kann.


    Einen umwerfend-revolutionären Techniksprung mag der Director's Cut unterm Strich zwar nicht vollbringen, markiert aber einen fulminanten Schritt in Richtung visuellem Feinschliff, der das Gesamtwerk nicht nur grafisch, sondern auch spielerisch auf ein völlig neues Niveau hebt. Butterweich durch die unterschiedlichen Landschaften der Insel zu reiten, dabei optische Besonderheiten noch besser verinnerlichen zu können und sich mit Blick auf atemberaubende Panoramen regelrecht verlieren zu können (Foto-Modus-Freunde werden hier definitiv ihre Freude haben) wird auf der PS5 mit einer beachtlichen Eleganz gekoppelt und weckt somit die Vorfreude auf die Franchise-Zukunft.



    Inselbefreiung, die Zweite


    Sucker Punch konzentriert sich beim Director's Cut allerdings nicht nur auf die Auffrischung und Verbesserung bereits bekannter, aufgrund damals vorhandener Hardware-Limitierungen nicht vollends ausgearbeiteter Gameplay- und Technikelemente, sondern lotst mich mit frischem Wind auch auf einen völlig neuen Schauplatz: nämlich auf die Insel Iki.


    Diese darf ich nach Beenden des ersten Akts jederzeit ansteuern und mich hier einer weiteren Mongolenarmee, angeführt von der bedrohlichen Schamanin Ankhsar Khatun, tapfer in den Weg stellen. Und obwohl Jin seine kämpferischen Fähigkeiten und unbändige Willenskraft auf der Insel Tsushima bereits unter Beweis stellen konnte, droht er an diesem Konflikt zu zerbrechen. Immerhin muss er sich nicht nur gegen eine mächtige Widersacherin behaupten, sondern sich zugleich der düsteren Vergangenheit seines eigenen Klans stellen.


    Mit der Hauptkampagne der Story-Erweiterung schließt Sucker Punch nahtlos an die narrative Qualität des Ur-Ghost of Tsushimas an, kann das mögliche Potenzial aufgrund einer insgesamt recht kurzen Spielzeit nicht vollends ausschöpfen. In eine überhastete Oberflächlichkeit driftet der Kampf gegen Ankhsar Khatun dabei zwar nicht ab, während der knapp vier Stunden hätte ich mir aber gelegentlich schon gewünscht, dass einige Aspekte etwas ausführlicher beleuchtet werden würden.


    Zum Glück bietet auch die Insel Iki einige Nebenmission und mit ihnen facettenreiche Charaktere, die mit ihren teils tragischen Geschichten den gewünschten Tiefgang einbringen können. Auch die japanische Kultur bekommt weiterhin ihren verdienten Platz im erzählerischen Mittelpunkt geboten und kann mich mit anmutigen Mythen und fast schon märchenhaften Sagen abermals in ihren magischen Bann ziehen. Stärken des Originals, die der Director's Cut treffend aufgreift und das Zusatzkapitels somit zum wahren Pflichtprogramm avancieren lässt.



    Mehr vom Alten


    Jedoch ist es eben diese handlungstechnische und spielerische Orientierung, mit der Sucker Punch gleichzeitig auf die Innovationsbremse tritt. Nennenswerte Neuerungen sind beim Director's Cut nämlich rar gesät, letztlich bekommt meine altbekannte Aufgabenliste einfach nur weitere To-Dos, mein Schwert weitere Köpfe und Gliedmaßen, die vom Torso fachmännisch getrennt werden wollen, spendiert.


    Grundsätzlich stellt solch eine Fortführung alter Elemente vor allem beim DLC kein großes Problem dar. Und mit Jin erneut spannende Inselgeheimnisse zu entdecken, meine Schwertfertigkeiten an Bambusständen zu trainieren oder neue Rüstungen in meine Sammlung aufzunehmen, garantiert weiterhin feinsten Spielspaß, der beim blutigen Schlagabtausch mit teils fordernden Feinden seinen unterhaltsamen Höhepunkten findet. Vor allem, da mir Sucker Punch bei diesen Duellen nun auch eine Lock-On-Funktion zur Verfügung stellt und mit tödlichen Konsequenzen behaftete Fehlschläge somit endlich ausmerzt. Besonders cool: Auch Besitzer des Originals bekommen diese lebensrettende Funktion via Patch spendiert, müssen also nicht zwangsweise mehr Geld in die Hand nehmen.


    Auf völligen Stillstand möchte der Director's Cut von Ghost of Tsushima dann aber doch nicht setzen und erweitert meine abenteuerlichen Erkundungszüge um einige brandneue Nebenbeschäftigungen, die trotz einer gewissen Simplizität feinste kurzweilige Unterhaltung garantieren. So versuche ich bei unterschiedlichen Bogen-Herausforderungen die Gold-Medaille zu ergattern, schwelge gemeinsam mit Jin in Erinnerungen an seinen Vater oder besuche zauberhafte Tierheiligtümer, um den dort ansässigen Lebewesen harmonische Klänge auf meiner Flöte zu spielen – sofern ich beim Minispiel ein ruhiges Händchen beweise und die richtigen Töne treffe.


    Gekonnt in das Gesamtwerk integrierte Neuerungen, die allerdings kaum darüber hinwegtäuschen können, dass sich die Insel Iki spielerisch kaum von ihrem Tsushima-Pendant unterscheidet, mir hier also bekannte Gameplay-Kost kredenzt wird. Da Sucker Punch die qualitative Klasse des Originals in diesem Zusatzkapitel jedoch spielend leicht halten und mich dadurch wiederholt an den Controller fesseln kann, kann ich diesen Kritikpunkt schnell unter Meckern auf hohem Niveau verbuchen – vor allem da wir nicht von einem zweiten Teil, sondern eben von einer Story-Erweiterung sprechen.



    Tödliche Koop-Samurai


    Bereits das Hauptspiel fiel unglaublich umfangreich aus, nun wird die Gesamtspielzeit durch den Director's Cutalso um einige Stunden nach oben geschraubt. Wer das Samurai-Erlebnis damit aber als erledigt betrachtet, liegt falsch: Denn auch die grandiose Multiplayerkomponente Ghost of Tsushima: Legends möchte ausprobiert werden.


    Online- und Team-Muffel müssen nun aber nicht entnervt mit den Augen rollen (ja, ich habe das gesehen!). Anstatt hier nämlich einer austauschbaren 0815-Formel zu folgen, hat sich Sucker Punch während der Konzeptionierung ausreichend Gedanken gemacht und sich bei der Umsetzung sicht- und spürbar viel Mühe gegeben. In der virtuellen Rüstung einer von vier spielbaren Charakterklassen darf ich an der Seite eines Mitspielers nämlich eine amüsante Koop-Kampagne erleben, die mit neun Kapiteln und unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen aufwartet. Und wer es dann doch lieber Online-Oldschool haben will, macht im Viererteam aus anstürmenden Gegnerwellen kurzen Prozess. Vor allem mit einem guten Freund eine wahre Spielspaß-Granate, deren unterhaltsame Wucht dank einer ausbleibender Lags und Spielabbrüche zu keinem Zeitpunkt eindämmt.


    Wurde euer Umfangshunger weiterhin nicht gestillt? Dann kommt der Nachschub in Form des Rivals-Modus wie gerufen. Dabei handelt es sich um eine kompetitive Mehrspielervariante, in der zwei Zweierteams möglichst schnell angriffslustige Feinde ausschalten müssen, um magisches Magatama zu sammeln und dem Rivalen-Duo damit Schaden zuzufügen. Hat ein Team ausreichend Schmerz und Pein ausgeteilt, gilt es noch eine finale Gegnerwelle niederzustrecken, dann darf stolz das Siegertreppchen erklommen werden.


    Auch ohne Legends und Rivals (einige Online-Muffel lassen sich nun eben nicht bekehren) bietet der Director's Cut von Ghost of Tsushima aber ausreichend Umfang und Verbesserungen, um Fans, vor allem aber völlige Neueinsteiger vollends zu begeistern. Mit gezielten Optimierungen, einer gelungenen Story-Erweiterung und der nun endlich zur Verfügung stehenden PS5-Power schafft es Sucker Punch, einem sagenhaften Meisterwerk frische Highlights zu spendieren. Dass die Innovation dabei ein wenig auf der Strecke bleibt, mag zwar ein wenig schade, schlussendlich aber problemlos verschmerzbar ein – solange diese zumindest einen Weg in das bald folgende Sequel finden.


    ohne Legends und Rivals (einige Online-Muffel lassen sich nun eben nicht bekehren) bietet der Director's Cut von Ghost of Tsushima ausreichend Umfang und Verbesserungen, um Fans, vor allem aber völlige Neueinsteiger vollends zu begeistern. Mit gezielten Optimierungen, einer gelungenen Story-Erweiterung und der nun endlich zur Verfügung stehenden PS5-Power schafft es Sucker Punch, einem sagenhaften Meisterwerk frische Highlights zu spendieren. Dass die Innovation dabei ein wenig auf der Strecke bleibt, mag zwar ein wenig schade, schlussendlich aber problemlos verschmerzbar ein – solange diese zumindest einen Weg in das bald folgende Sequel finden.


    Anmerkung zur Preispolitik: Anstatt den Director's Cut von Ghost of Tsushima Vorbesitzern kostenlos zur Verfügung zu stellen, werden diese nicht nur für den DLC, sondern auch für den Sprung auf die PS5 mitsamt all seinen technischen Optimierungen nochmals zur Kasse gebeten. Zweifelsfrei eine fragwürdige Entscheidung, auf die ich in diesem Test allerdings nicht eingehen möchte. Denn ob man für das gebotene Upgrade tatsächlich erneut in die Geldbörse greifen oder hier lieber auf einen stillen Protest setzen möchte, bleibt jedem Gamer selbst überlassen.


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    Fazit


    Wer beim Director's Cut von Ghost of Tsushima eine nennenswerte Weiterentwicklung des (zu Recht) gefeierten Action-Adventures aus dem Hause Sucker Punch erwartet, muss sich auf eine kleine Enttäuschung gefasst machen. Vielmehr lädt das in vielerlei Hinsicht optimierte und mit einem zusätzlichen Kapitel ausgestatte Upgrade Fans des Originals zu einem weiteren Besuch der wundervoll-malerischen Spielwelt ein und kann auf der PS5 zudem die technischen Ketten der Hardware-Limitation abwerfen.


    Obwohl ich bereits unzählige Stunden in das Original investiert hatte, konnte mich der zweite Besuch auf der Insel Tsushima abermals begeistern, der pittoresken Spielwelt mit einer 4K-Auflösung und jederzeit stabilen 60fps eine völlig neue Dynamik und Brillanz verliehen. Kombiniert mit einer relativ kurzen, dafür aber dennoch enorm unterhaltsamen und mit facettenreichen Charakteren, spannenden Geschichten und neuen Aufgaben gefüllte Story-Erweiterung finden Kenner also ausreichend Gründe, erneut in das historische Japan zu reisen. Die wahren Gewinner sind allerdings unerfahrene Samurai-Lehrlinge, die mit dem Director's Cut das allererste Mal zum Katana greifen und Jin bei seinem Krieg gegen die mongolische Armee begleiten dürfen – und spätestens jetzt keinerlei Gründe mehr finden, dem tapferen Krieger eine Absage zu erteilen.


    Schlussendlich bleibt zu hoffen, dass Sucker Punch spätestens bei der Entwicklung von Ghost of Tsushima 2 die Innovationsschublade öffnet und nicht nur technisch, sondern auch spielerisch gänzlich neue Pfade betritt. Eine Hoffnung, deren Erfüllung mit Blick auf das ambitionierte Vorgehen und die mit qualitativ enorm hochwertigen Werken gespickte Studiohistorie bereits garantiert werden kann.

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