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Tales of Graces f Remastered

  • Dante
  • 31. Januar 2025 um 09:25
  • 0 Kommentare
  • 790 Aufrufe

Ein grandioses JRPG-Abenteuer wird noch besser.

Rückblickend würde ich das Jahr 2012 wohl als einen der wichtigsten Höhepunkte meiner Videospielliebe bezeichnen. Während meine erste Tageshälfte nämlich primär aus dem Besuch langwieriger Vorlesungen bestand, feierte ich anschließend absolute Freiheit – und entschloss mich freudig, mich hochmotiviert meinem allerliebsten Hobby zu widmen. Endlich durfte ich mich ohne nervtötende Schul- oder Arbeitsverpflichtungen wieder an die Konsole klemmen, mich mitsamt eines stattlichen Getränke- und Essensvorrats in virtuelle Welten flüchten und mich vollends in einer ebenso packenden wie auch vielschichtigen Handlung verlieren. Ein wahrer Traum.

Dann wurde ich jedoch mit einer fordernden Frage konfrontiert, die zwischen mir und meinem hehren Vorhaben lag: Mit welchem Titel sollte ich diese abenteuerliche Reise beginnen? Und an dieser Stelle machte es sich bezahlt, Japanologie zu studieren, teilten viele meiner Kommilitonen doch meine Leidenschaft und konnten mir direkt einen brandheißen Tipp geben: Tales of Graces f, bei dem es sich um einen PS3-Port eines 2009 exklusiv in Japan veröffentlichten Wii-RPGs handelte, der nun auch das Licht der westlichen Händlerregale entdecken durfte. Ohne große Überlegungen zuckte ich mein Portemonnaie und war trotz einer enorm hohen Erwartungshaltung dann auch überhaupt nicht enttäuscht, verbrachte ich doch unzählige Stunden und Wochen in der Welt von Ephinea.

Mehr als zehn Jahre später mag sich meine Videospielpalette fortwährend erweitert haben, dennoch erinnere ich mich (vor allem während einiger unglaublich anstrengender Arbeitsphasen) gerne an diese Lebensphase zurück. Umso glücklicher war ich also, dass Bandai Namco dieses Kapitel der Tales of-Saga nicht vergessen hat und nun in einer generalüberholten und um einige Features erweiterten Fassung auch in die moderne Konsolengeneration trägt. Doch kann Tales of Graces f Remastered tatsächlich einen qualitativen Sprung hinlegen und den Begeisterungsfaktor des Originals verlustfrei beibehalten? Oder erwartet uns vielleicht ein mittelschweres Tales of Symphonia Remastered-Debakel, das herzerwärmende Erinnerungen in den enttäuschenden Dreck zieht? Tapfer habe ich mich erneut in das Test-Abenteuer gestürzt, um diese Fragen für euch mit passenden Antworten zu versehen!

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Das unzertrennliche Band der Freundschaft

Eigentlich möchte man meinen, dass das Erzählen einer epischen Videospielgeschichte gar nicht so schwer ist. Einfach eine gigantische Welt mit epischen Schlachten, einige Intrigen und spannenden Charakteren befüllen, hier und da eine schockierende Wendung oder unvorhersehbare Enthüllung einbauen, et voilà: Fertig ist die mitreißende RPG-Erzählung! Allerdings reichen allein diese Zutaten nur selten aus, um die volle Wirkungsgewalt einer potenziell grandiosen Handlung vollständig zu entfesseln, müssen doch auch Aufbau, Tempo und Pacing korrekt gewählt werden, um dem Spieler den optimalen Eintritt in die Fantasiewelt zu gewähren und ein effektives Mittendrin-Gefühl aufzubauen. Weshalb ich meinen Test mit diesem Mini-Workshop beginne? Weil Tales of Graces f Remastered abseits kleinerer Abzüge in der B-Note ein Paradebeispiel ist, wie das Ganze korrekt umgesetzt wurde.

Anstatt mich etwa inmitten einer tosenden Schlacht oder einem Erdboden erschütternden Bosskampf vorzufinden, lerne ich den Haupthelden und Erben eines örtlichen Fürsten Asbel Lhant während seiner Kindertage kennen. Doch bereits während der ersten Minuten wird mir schnell bewusst, dass sich dieser mit seiner festgelegten Rolle nicht anfreunden möchte und die Regeln nach Belieben bricht, um seinen Drang nach Abenteuer und Gerechtigkeit nachzugehen. Als er gemeinsam mit seinem Bruder Hubert ein geheimnisvolles Mädchen – das aufgrund einer schweren Amnesie kurzerhand Sophie getauft wird – und dem Prinzen des Königreichs Windsor Richard begegnet, scheint sein Korsett des angehenden Fürsten erste Risse zu bekommen. Und als Asbel dann auch noch einen Anschlag auf Richards Leben verhindert, beim Auftauchen einer monströsen Kreatur einen schweren Verlust hinnehmen muss und eine folgenschwere Entscheidung seines Vaters sein Leben komplett auf den Kopf stellt, nimmt sein Zukunftsweg eine unverhoffte Kurve: Er sagt sich seinen Verpflichtungen los, flieht in die Hauptstadt und will sich zum weltverbessernden Ritter ausbilden lassen.

Sieben Jahre später steht Asbel kurz vor der Erfüllung seines Ziels, wird aufgrund tragischer Vorkommnisse jedoch in seine Heimatstadt zurückbeordert. Und da ein Unglück in handelsüblichen JRPGs nicht ausreicht, gerät der junge Held hier in einen Konflikt zwischen den drei großen Nationen, die sich allesamt die Macht ganz Ephinea unter den Nagel reißen wollen. Wenig überraschend möchte sich Asbel mit dieser Situation nicht zufriedengeben und sagt der Bedrohung gemeinsam mit alten sowie neuen Freunden den Kampf an – muss allerdings schnell erkennen, dass hinter der unheilvollen Situation eine bedeutend größere Gefahr lauert, die die Fähigkeiten und den Zusammenhalt seiner Truppe auf eine ernstzunehmende Probe stellen wird.

An dieser Stelle möchte ich zugeben, dass ein oberflächlicher Blick auf diese Handlungszusammenfassung bei zahlreichen Genre-Fans eher ein unbeeindrucktes Schulterzucken auslösen dürfte, wirkt das Gesamtbild doch wie das Resultat einer ausgiebigen Plünderung des altbekannten JRPG-Baukastens. Die Welt muss gerettet werden? Check. Eine geheimnisvolle Weggefährten mit Gedächtnisverlust kommt ihrer wahren Identität Schritt für Schritt näher? Check. Eine Gruppe einzigartiger Persönlichkeiten muss über sich selbst hinauswachsen, um die bevorstehenden Herausforderungen zu meistern? Check-check-check! Dass Tales of Graces f Remastered an diesem Sammelsurium erprobter Klischees nicht etwa zerbricht, sondern ein wahrhaft mitreißenden Handlungsgeflecht daraus spannt, ist ehrlicherweise einem erstklassig umgesetzten Faktor zu verdanken: Dem grandiosen Zusammenspiel wundervoll gezeichneter Charaktere.

Eine Heldentruppe zum Verlieben

Bereits bei der Ursprungsversion hat sich das Team der Namco Tales Studios Zeit für eine ausführliche Vorstellung der verschiedenen Helden genommen, um ihre grundlegenden Persönlichkeitszüge, sehnsüchtig verfolgten Ziele und innere Konflikte möglichst greifbar und glaubhaft zu machen. Mitunter ein risikoreiches Unterfangen, erklärt sich dadurch doch auch der von mir eingangs erwähnte Start in das Abenteuer, der im direkten Vergleich mit einigen Genre-Kollegen relativ ruhig, gemächlich und bisweilen auch eher ereignislos abläuft. Kein Wunder, soll das Intro doch nicht mit fulminanten Bombast, sondern mit bodenständigen Dialogen und der Kombination aus kindlicher Unvernunft und Hoffnung beeindrucken und mir die agierende Hauptriege frühzeitig emotional näherbringen. Und während sich einige Leute zweifelsfrei an den ersten Stunden stören werden, zahlt sich die Geduld definitiv aus, fühlt man sich im Anschluss doch direkt wie ein unverzichtbarer Teil der Gruppe und genießt wirklich jeden gemeinsamen Moment.

Dieser Umstand ist primär der sinnvollen Entscheidung zu verdanken, die fantasievolle Welt mit einigen überzogenen, im späteren Verlauf auch serientypischen Sci-Fi-Elementen anzureichern, die im Mittelpunkt der Handlung stehenden Helden aber durchweg auf einem angenehm bodenständigen und vor allem glaubwürdigen Niveau zu halten. Zwar bestätigen auch hier kleinere Ausnahmen die vorherrschende Regel, diese werden jedoch allesamt gekonnt in die übergeordnete Handlung eingebunden und machen dadurch ausreichend Sinn, um nicht vollkommen überzogen zu wirken. Zusätzlich wird auch in diesen Momenten stets garantiert, dass die Aussagen, Handlungen und Entwicklungen der Charaktere nachvollziehbar wirken und dem zuvor präsentierten Aufbau durchgehend gerecht werden.

Höhepunkt dieser narrativen Meisterleistung sind die unverzichtbaren Skits, die an bestimmten Schauplätzen auf Knopfdruck aktiviert werden können, um optionalen Gesprächen der Truppe beizuwohnen. Letztlich dürfen diese sicherlich als verbale Dreingabe abgestempelt werden, könnten demzufolge auf dem Weg in Richtung Abspann also auch ohne einen nennenswerten Informationsverlust komplett ignoriert werden, sind für die Spielwelt und den Charakterzusammenhalt jedoch unverzichtbar. Hier hat sich das Namco Tales Studio nämlich ausreichend Mühe gegeben, die freundschaftlichen Verbindungen durch eine lockere Interaktion zwischen der eigentlichen Weltrettungsmission zu festigen und gleichzeitig die Lore und die Umgebung mit allerlei zusätzlichen Informationen zu füllen. Und da wirklich keiner dieser Ausflüge lieblos hingeklatscht wirkt, sondern inhaltliche Relevanz birgt, werden sie allesamt von der Dreingabe schlagartig zum wahren Pflichtprogramm.

Besonders schön: Tales of Graces f Remastered verpasst einigen zuvor nur in der japanischen Fassung vorhandenen Skits endlich eine englische Übersetzung – sogar mit neu eingesprochenen Dialogen des Voice Casts – und füllt das Heldengesamtbild mit weiteren der westlichen Welt bisher unbekannten Farben aus. Dadurch wird die bereits im Original emotionale Achterbahnfahrt noch facettenreicher, wechselt die Handlung doch konstant zwischen ebenso hoffnungs-, wie auch humorvollen, stellenweise aber auch niederschmetternden Momenten, schafft es dabei aber problemlos, eine optimale Balance beizubehalten. Und in Kombination mit dem zusätzlichen Inhalt Abstammung & Vermächtnisse, der sechs Monate nach dem Ende der eigentlichen Haupthandlung ansetzt und einen Blick auf die veränderte Welt Ephineas wirft, ergibt sich ein umfangreiches Story-Paket, das allein schon einen Kauf rechtfertigen dürfte.

Definitiv kein technisches Symphonia-Debakel

Bevor ich mich hier in einem einzigen Lobeskonzert verliere und die Erwartungen aller Leser dramatisch in die Höhe befördere, möchte ich einige Begeisterungsgänge zurückschalten und darauf hinweisen, dass wir hier nicht etwa von einem Remake, sondern von einem Remaster sprechen. Folglich überrascht es wenig, dass Tales of Graces f Remastered die Wii- und anschließende PS3-Vergangenheit aufgrund teils karger Schauplätze und angestaubter Animationen kaum verbergen kann. Faul auf der Haut lag das Team allerdings auch nicht herum und sorgt mit dem Auffrischen ehemals matschiger Texturen, dem Hochdrehen der allgemeinen Bildschärfe sowie einer Optimierung der Bildrate dafür, dass die früheren Stärken im neuen Glanz erstrahlen und der Klassiker trotz seines Alters eine gute Figur macht.

Nutznießer dieses visuellen Upgrades sind vor allem die Charaktermodelle, die sich dank eines detailreichen und farbenfrohen Anime-Looks weiterhin sehen lassen und vor allem während der animierten Zwischensequenzen auf ganzer Linie überzeugen können. Nicht ganz so überzeugend fällt derweil die Switch-Variante des Abenteuers aus, die mit einer 30fps-Framerate sowie einer 1080p-Auflösung daherkommt, während sich PlayStation- und Xbox-Besitzer über 60fps, eine höhere Bildauflösung sowie schnellere Ladezeiten freuen dürfen. Trotz dieser Versäumnisse dürfen gebrandmarkte Skeptiker jedoch beruhigt aufatmen: Ein technisches Fiasko à la Tales of Symphonia Remastered liegt hier nicht einmal ansatzweise vor, weshalb selbst der insgesamt schwächere Switch-Release alleinstehend betrachtet weiterhin als gelungen bezeichnet werden darf.

Überhaupt werden Fans kaum Raum für Kritik finden, kann Tales of Graces f Remastered den Charme und das unverkennbare Feeling der Urfassung doch problemlos einfangen und mit ausgewählten Verbesserungen sinnvoll erweitern – oder eben aufgrund der bereits zuvor erstklassigen Qualität einfach übernehmen. Beispielsweise der grandiose Soundtrack von Komponist Motoi Sakuraba, der als musikalischer Urvater der gesamten Reihe bezeichnet werden darf und auch bei diesem Abenteuer für gefühlvolle Melodien sorgt, die ebenso wie die Handlung zwischen Freude und Trauer wandeln. Zusätzlich hervorheben möchte ich auch den eleganten Wandel von harmonischer Wander- hin zur rockigen Kampfmusik, der in den falschen Händen wahrscheinlich zu emotionaler Verwirrung führen würde, dank Herrn Motois Können jedoch perfekt gelingt.

Weiterhin gelungen ist auch die Sprecherwahl, wobei mir die Wahl zwischen der japanischen und der englischen Variante zu Beginn meines Tests unheimlich schwer fiel, punkten beide doch mit passenden Stimmen und einem umfangreichen Emotionsrepertoire. Dass ich mich schlussendlich für das Original aus dem fernen Osten entschieden habe, liegt dann auch tatsächlich nur am subjektiven Empfinden, dass sich Anime-Charaktere mit japanischer Aussprache einfach besser anfühlen. Solltet Ihr das Lesen von Untertiteln allerdings verteufeln und deshalb zur englischen Alternative greifen, macht ihr keinen Fehler und dürft euch ebenfalls über eine stimmliche Leistung par excellence freuen – bei den alten sowie bei den neu eingesprochenen Dialogen.

Streichen wir die angestaubten Grafikelemente aus der technischen Gesamtrechnung, darf Tales of Graces f Remastered auch in dieser Rubrik als gelungenes Update betitelt werden, das der packenden Strahlkraft der Urfassung gerecht wird und sich keinesfalls hinter anderen Neuauflagen verstecken muss. Vor allem ist es dem für das Remaster verantwortliche Team von Tose gelungen, auch die mitreißende Atmosphäre der PS3-Variante in die Videospielmoderne zu tragen und mir trotz der einen oder anderen tristen Landschaft das Gefühl zu geben, mich inmitten einer bezaubernden Welt in ein episches Abenteuer zu stürzen. Eine Errungenschaft, die in der jüngsten Serienvergangenheit nicht immer geglückt ist.

Wie viel Hilfestellung hätten sie gern?

Nun muss ich mich aber mal stellvertretend für einige Leute der harten Videospielrealität stellen: Kommt man als leidenschaftlicher Gamer nämlich in die Jahre, kann der Anblick eines umfangreichen JRPGs definitiv kleinere Panikattacken auslösen. Ja, man würde sich gerne ausreichend Zeit nehmen, doch wo soll man diese mit Job und Familie denn nur hernehmen? Eine Problematik, der sich Studio Tose mit Blick auf Tales of Graces f Remastered scheinbar bewusst war und den wundervollen Grade Shop nicht etwa erneut ans Ende, sondern direkt zu Beginn des Abenteuers verfrachten. Dementsprechend darf ich vor Antritt der Reise entscheiden, ob ich diese eventuell mit einigen Hilfestellungen starten möchte, um weiterhin Zeuge der grandiosen Handlung zu werden, mir zwischendurch aber einige Spielstunden sparen kann.

Pro erfolgreich absolviertem Kampf die fünffache Menge an Erfahrungspunkten und die doppelt so viel Münzen kassieren? Kein Problem! Meinem Team einen ordentlichen Gesundheitsboost verpassen? Gerne! Den verursachten Schaden um ein Vielfaches vergrößern und selbst hartnäckige Bosse damit binnen weniger Sekunden bezwingen? Dein Wunsch ist erfüllt! Im Gegenzug darf man sich die bevorstehende Aufgabe natürlich auch zusätzlich erschweren, indem der EXP-Erhalt kurzerhand um die Hälfte reduziert oder direkt in Geld umgewandelt wird, wodurch das eigene Level durchgehend erschreckend niedrig bleibt. Ein Handicap, das selbst bei erfahrenen JRPGlern für einige Wutausbrüche sorgen dürfte.

Abseits der nahezu luxuriösen Einstellungsmöglichkeiten nimmt mich das Remaster auf Wunsch nun auch deutlich aktiver bei der Hand und sorgt dafür, dass ein ehemals unangenehmer FOMO-Effekt komplett gestrichen wird. Musste ich den aktuellen Schauplatz beim Original aufgrund fehlender Markierungen noch genauestens nach zeitlich limitierten Zusatzevents durchsuchen, wird nun eine kleine Sanduhr eingeblendet, die mich freundlicherweise zu diesen Ereignisse lotst. Und wenn ich mich anschließend nicht mehr an mein Hauptziel erinnern sollte, steht mir auch hier ein hilfreicher Wegweiser zur Verfügung, der ergebnisloses Herumirren vermeidet. Zwei Kleinigkeiten, die im ersten Moment unwichtig erscheinen mögen, mir jedoch als angenehmer Balsam für einige nervtötende Situationen der Vergangenheit dienen.

Ihr schaut weiterhin besorgt auf euren vollen Kalender und wünscht euch eine weitere Zeitersparnis, um Tales of Graces f Remastered mit gutem Gewissen angehen zu können? Kein Problem, dann lassen sich sogar die Zufallsbegegnungen rasant ausschalten, wodurch sich der Handlungspfad möglichst effizient beschreiten lässt. Geht dabei ein gewisser Teil des enormen Unterhaltungswerts flöten? Vielleicht. Wer seinen Fokus jedoch hauptsächlich auf die Story und die vielschichtigen Charaktere gesetzt hat, wird darauf sicherlich eh pfeifen und voller Freude auf die kleinen, aber absolut willkommenen Quality-of-Life-Features zurückgreifen.

Mit dem SSLMBS zum kämpferischen Erfolg

Eigentlich konzentriere ich mich beim Test eines Remasters gerne primär auf die inkludierten Verbesserungen und setzte dementsprechend voraus, dass ein gewisses Grundwissen über die Originalveröffentlichung bereits vorhanden ist. Da bei das Ausschalten der Zufallskämpfe bei Tales of Graces f Remastered nun eine verfügbare Option darstellt, wollte ich mir unbedingt die Zeit nehmen, näher auf das Kampfsystem mit dem herrlich abgedrehten Namen Style Shift Linear Motion Battle System einzugehen und valide Gründe dafür zu bieten, weshalb man sich mit diesem amüsanten Feature unbedingt zumindest ansatzweise beschäftigen sollte.

Grundsätzlich dürfte Genre-Freunden der Ablauf zunächst bekannt vorkommen. Treffe ich beim Erkunden der Spielwelt auf einen Gegner, wechselt das Geschehen zu einem Kampfbildschirm, der mich in einen abgesperrten Bereich verfrachtet. Hier darf ich einen meiner Helden frei umhersteuern und meine Feinde mit schmerzhaften Schwerthieben eindecken, während meine drei Verbündeten vom Computer kontrolliert werden und meine zuvor festgelegte Taktik umsetzen. Setze ich nun geschickt auf gezieltes Knöpfchendrücken, vermische meine Angriffsbemühungen mit einigen defensiven Manövern und ersticke teils verheerende Konter im Keim, darf ich mir schlussendlich das Siegerkrönchen aufsetzen und mich über Erfahrungspunkte und Geld freuen.

Wenn das Entwicklerteam solch einen verschachtelten Namen präsentiert, steckt hinter dem Kampfsystem aber natürlich bedeutend mehr als der altbekannte Standard. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Chain Capacity (kurz CC), deren Anzahl darüber entscheidet, wie viele Attacken und Spezialfähigkeiten ich miteinander verknüpfen kann, um fiesen Schergen mit mächtigen Kombos ordentlich einzuheizen. Komme beim Nullpunkt an, muss ich mich zum Fortsetzen meines offensiven Dauerfeuers zunächst ein wenig gedulden oder mit kritischen Treffern und Ausweichaktionen für einen kleinen CC-Boost sorgen. Solltet ihr euch also blind in ein simples Hack-and-Slay-Erlebnis ohne jegliche Tiefe stürzen wollen, solltet ihr eure Erwartungshaltung entweder anpassen oder den Grade Shop ordentlich ausreizen.

Damit sind wir aber noch lange nicht am Ende angekommen, spielen die serientypischen Artes, beziehungsweise die Spezialangriffe, doch auch bei Tales of Graces f Remastered eine wichtige Rolle. Hierbei hat jeder Charakter ein individuelles Skill-Set, das sich aus vorgegebenen Kombo-Ketten bestehenden Assault Artes sowie frei auf eine gewünschte Tastenkombination ausrüstbare Burst Artes zusammensetzt. Diese darf ich zum Zusammenbauen meiner persönlichen Strategie nutzen, muss dabei aber stets den vorhandenen CC-Vorrat im Auge behalten, um nicht urplötzlich wehrlos dazustehen. Ein herrlicher Spaß, der gerade für Neueinsteiger während der ersten Kämpfe noch eine gewisse Überforderung auslösen, aufgrund einer angenehmen Zugänglichkeit und verständlichen Erklärungen schnell in Fleisch und Blut übergehen dürfte.

Schreite ich dann noch in der Handlung voran oder erfülle besondere Anforderungen auf und abseits des Schlachtfelds, verdiene ich für meine Helden neue Titel, mit denen sich passive Boni aktivieren und neue Artes freischalten lassen. Wer hier also gerne ein wenig Zeit investieren, mit den zahlreichen Titel herumexperimentieren und alle verfügbaren Charaktere ausgiebig ausprobieren möchte, bekommt ausreichend Futter spendiert. Und da kein JRPG komplett wäre, wenn man sich nicht auch noch um das Aufleveln, käufliche Erwerben neuer Waffen und Ausrüstungsgegenstände sowie das Kochen köstlicher Speisen mit eingesammelten Materialien kümmern müsste, darf man sich hier auf eine überdimensionale Spielwiese freuen, deren Abgrasen etliche Stunden benötigt – sofern man den Grade Shop gänzlich ignoriert.

Glücklicher Dauergast in Ephinea

Nun dient ein Remaster oftmals höchstens als schmerzstillendes Pflaster für die wirklich groben Designschnitzer der Vergangenheit und kann fundamentale Negativpunkte leider auch nur mit einem teilnahmslosen Schulterzucken hinnehmen. Bei Tales of Graces f Remastered sprechen wir hier über die eigentliche Weltenerkundung, die hauptsächlich aus dem Abklappern streng linear gestalteter Schauplätze mit gelegentlichen Alternativrouten besteht und gerne auch mal von merkwürdig platzierten unsichtbaren Wänden gestört wird. Wer also gerne wirklich jeden sichtbaren Winkel unter die Lupe nimmt und auch mal überambitioniert an steilen Gebirgswänden hinaufhüpft, um an der Spitze eventuell ein verborgenes Geheimnis zu enthüllen, wird aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit zweifelsfrei enttäuscht sein, stellt das Auffinden einer Schatztruhe oder eines glitzernden Gegenstands doch das Höchste der Entdeckergefühle dar.

Allerdings hat Studio Tose sich auch hier Gedanken gemacht, um den zuvor von einer gewissen Langeweile geplagten Gameplay-Part ein wenig aufzupeppen und in die Moderne zu tragen. Immerhin darf ich die verschiedenen Schauplätze nun auch im Sprint durchforsten, der sich mithilfe des Grade Shops sogar nochmal zusätzlich beschleunigen lässt, wodurch ein träges Herumspazieren nun endlich passé ist. Dadurch wird auch das stellenweise ausartende Backtracking zumindest leicht entschärft, dürfte bei dem einen oder anderen JRPGler allerdings weiterhin ein leicht entnervtes Augenrollen erzeugen. Wie gesagt: Ein Remaster ist eben kein Allheilmittel!

Abhilfe schaffen jedoch weiterhin die vielen Nebenbeschäftigungen, denen ich mich abseits der Haupthandlung widmen darf. Ob ich mich nun Side Quests annehme, Jagd auf die vielen Titel für meine Helden mache, besondere Entdeckungspunkte für das Aktivieren neuer Skits aufsuche oder einen der vielen Dungeons erforsche, in Ephinea findet man wirklich immer eine Möglichkeit, um sich die Zeit zu vertreiben. Und obwohl auch hier gerne mal der Genre-Standard abgeklappert wird und einige Aufgaben eher durch Anspruchslosigkeit als durch nennenswerte Innovation glänzen, verleiht mir allein meine wundervolle Heldentruppe zuverlässig die Motivation, meine Reise frohen Mutes fortzusetzen.

Es ist also kein Wunder, dass ich zum Ende meines Tests trotz einer noch nicht vollständig abgearbeiteten Checkliste bei knapp 50 Stunden Gesamtspielzeit stand und mich trotz der zweiten Runde (das erste Durchspielen vor über zehn Jahren war mir tatsächlich noch stark im Gedächtnis verankert) zu keinem Zeitpunkt langweilte. Dank einer phänomenalen Kombination aus alten Stärken und durch die Bank erstklassig integrierten Gameplay-Verbesserungen fühlt sich Tales of Graces f Remastered nämlich trotz einiger technischer und inszenatorischer Vergangenheitsrückstände absolut frisch an und avanciert somit zu einem der großen Remaster-Highlights des neuen Gaming-Jahres. Und wer weiß? Vielleicht akzeptiert Bandai Namco das Ganze als neuen Standard für kommende Updates geliebter Klassiker und verschont uns in Zukunft für einem weiteren Symphonia-Fiasko.

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Fazit

Nachdem mich die Neuauflage von Tales of Symphonia in einen tiefen Abgrund der Enttäuschung stürzte, begegnete ich Tales of Graces f Remastered mit einer gewissen Skepsis, wurde jedoch bereits während der ersten Stunden meines Tests positiv überrascht. Denn erfreulicherweise haben Bandai Namco sowie das verantwortliche Entwicklerstudio Tose aus den Fehler der Vergangenheit gelernt und liefern nun ein phänomenales Remaster ab, das dem enorm hohen Niveau des Klassikers nicht einfach nur gerecht wird, sondern ihm mit sinnvollen Verbesserungen und zusätzlichen Quality-of-Life-Features einen verdienten Platz in der Videospielmoderne schafft.

Während sich die packende Handlung dank ihrer grandiosen Charaktere sowie das vielschichtige Kampfsystem problemlos gegen den Zahn der Zeit behaupten konnten, eröffnet Tose Fans und Neueinsteigern mit dem Grade Shop etliche Anpassungsmöglichkeiten, mit denen sich das Erlebnis nach Belieben individualisieren und somit zugänglicher, aber auch fordernder gestalten lässt. Kombiniert mit einer Sprint-Funktion, einschaltbaren Wegweisern sowie auf Wunsch deaktivierbaren Zufallskämpfen entsteht ein rundum gelungenes JRPG-Abenteuer, bei dem eine stellenweise angestaubte Grafik, technische Einschränkungen bei der Switch-Variante sowie ein gemächlicher Einstieg kaum mehr ins Gewicht fallen.

Sobald Asbel, Sophie, Richard und Co. einem nämlich ans Herz gewachsen sind und Tales of Graces f Remastered anschließend die bewusste Entscheidung trifft, nicht etwa der eigentlichen Weltrettungsmission, sondern den Helden, ihren Charakterentwicklungen sowie ihren Interaktionen untereinander das erzählerische Rampenlicht zu überlassen, möchte man sich überhaupt nicht mehr von der Konsole lösen und sehnt sogar während kurzer Pausen die Rückkehr nach Ephinea herbei. Wer also die Serie oder einfach nur das Genre liebt, kommt vor allem wegen eines mehr als fairen Einstiegspreises von 40 € kaum an dieser erstklassigen Neuauflage vorbei, gehört diese packende Reise doch in neuer als auch in alter Form in jede Sammlung. Hut ab vor dieser Leistung, Studio Tose – möge sie der neue Standard für kommende Remaster werden!

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Dante

Redakteur

Artikel
313
Punkte
3.130

Bewertung

Handlung / Präsentation (9/10)
Grafik (7/10)
Sound (9/10)
Gameplay (9/10)
Umfang / Wiederspielwelt (9/10)

Gesamt

43/50

2,1

gut

Kategorien

  1. Game Reviews
  2. Q-U

Tags

  • Bandai Namco
  • PS4
  • PC
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  • Remaster
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