Persona 4: Dancing All Night

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    Legt die Waffen nieder und schwingt das Tanzbein!


    Ein Tanzspiel? Wirklich? Das war unser erster Gedanke, als wir die Ankündigung von Persona 4: Dancing All Night gelesen hatten. Als gigantische Fans der Reihe waren wir zwar nicht vollends abgeneigt, konnten uns die liebgewonnenen Helden jedoch nur schwer in skurrilen Klamotten auf leuchtenden Bühnen vorstellen.


    Etliche Spielstunden und einige schlaflose Nächte später müssen wir unsere anfängliche Skepsis gehörig revidieren. Persona 4: Dancing All Night ist der beste Weg, den Atlus mit der Serie gehen konnte.




    Heiße Moves gegen fiese Monster


    Ein Monat ist seit den Ereignissen von Persona 4 Golden vergangen. Popsternchen Rise Kujikawa ist in die Entertainment-Welt zurückgekehrt und nimmt auch gleich ihre Freunde mit, die mitsamt neuer Tanzmoves beim kommenden Love Meets Bonds Festival teilnehmen und auch ein wenig Starluft schnuppern wollen.


    Alles scheint perfekt, die Schrecken des Mitternachtskanals vergessen und die Freunde glücklicher denn je. Doch dann wird plötzlich alles auf den Kopf gestellt.


    Als die Mitglieder der beliebten Gruppe Kanami Kitchen nämlich spurlos verschwinden, stolpern die Freunde über eine geheimnisvolle Parallelwelt, die der TV-Welt ähnelt und abermals unheimliche Monster beherbergt sowie an dem Selbstvertrauen unschuldiger Gefangener knabbert.


    Abermals sagen Yu, Rise, Yosuke und Co. den Schatten den Kampf an, müssen dieses Mal jedoch auf ihre Waffen verzichten. Denn in der Welt, in der niemand verletzt oder verletzt werden kann, kann man nur mit einem Mittel gewinnen: mit der Macht der Musik. Und diese wollen die Freunde gemeinsam mit ihren Tanzmoves einsetzen, um den Grauen erneut ein Ende zu bereiten.


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    Klingt herrlich abgedreht, oder? Und das ist es auch! Allerdings verfällt Persona 4: Dancing All Night niemals ins Lächerliche, sondern präsentiert die Handlung mit einem äußerst düsteren Touch, der an den Vorgänger erinnert. Und nach einem recht trägen ersten Akt auch ausreichend Wendungen, spannende Dialoge und packende Charakterentwicklungen bietet.


    Letztere stellt wieder die größte Stärke dar. Obwohl tiefergehende Konversationen oder gar die coolen Social Links aus dem Vorgänger vollkommen fehlen, fühlt man sich bereits nach wenigen Spielminuten wieder mit den Protagonisten verbunden und erfreut sich an den facettenreichen Charakterzügen und der humorvollen Interaktion untereinander. Auch Anspielungen auf frühere Ereignisse zaubern Fans ein breites Grinsen auf die Lippen.


    Wer sich bisher nicht mit dem Persona 4-Universum auseinandergesetzt hat, der wird leider nicht in den Genuss dieser Schwächen kommen. Vollkommen fehl am Platze fühlt man sich allerdings nicht – mit brandneuen Nebenfiguren und Bösewichtern kann man nämlich auch ohne großes Vorwissen viel Freude an dem Tanzduell der besonderen Art haben. Ein schnelles Nachholen von Persona 4 Golden empfehlen wir aber dennoch.


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    Feel The Rhythm!


    Persona 4 Golden bestand aus unterschiedlichen Gameplay-Elementen, beginnend mit dem Bestehen des Schulalltags über das Stärken von Freundschaften bis hin zum Erkunden düsterer Dungeons und Besiegen angriffslustiger Schatten. Persona 4: Dancing All Nightfällt hier deutlich schlanker aus – denn im Endeffekt steht hier nur das Tanzen auf dem Programm.


    Wer sich bereits durch das Tanzgenre kämpfen durfte, der sich dann auch direkt heimisch fühlen. Von der Bildschirmmitte fliegen die vorgegebenen Tasteneingaben in Richtung Rand und müssen von euch im richtigen Moment gedrückt werden. Einige Töne müssen zudem noch länger gehalten oder parallel mit anderen Buttons kombiniert werden. Und wenn dann auch noch eine blaue oder kunterbunte Fever-Linien erscheinen, solltet ihr direkt einen der Analogsticks betätigen. Somit eröffnet ihr euch nämlich spezielle Abschnitte, in denen euch ein Partner zur Seite steht und die Bühne mit euch rockt.


    Was nun ziemlich simpel erscheint, gestaltet sich in der Praxis teils unverschämt fordernd. Während die ersten Songs nämlich noch recht einfach ablaufen und mit langsamen Tonabfolgen gut zu meistern sind, steigt der Schwierigkeitsgrad stetig an. Und wirft uns nach und nach immer mehr faire, aber schwer zu überwindende Hindernisse in den Weg, die nur mit viel Übung zu meistern sind.


    Fehler werden auf den niedrigeren Schwierigkeitsstufen noch verziehen und ermöglichen das erfolgreiche Abschließen des Songs. Versucht ihr euch jedoch an höheren Herausforderungen, können euch bereits wenige Fehler das Genick brechen, das Publikum in Rage bringen und die Vorstellung vorzeitig unterbrechen.


    Ein wenig unter die Arme gegriffen wird euch aber dennoch. Zusätzliche Optionen ermöglichen euch nämlich neben dem Verändern von Soundeffekten auch das Verlangsamen der Tongeschwindigkeit, wodurch schnellere Titel zumindest ein wenig unkomplizierter wirken. Uns stellenweise aber dennoch die Schweiß auf die Stirn getrieben haben.


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    Werwolfskostüm und hippe Kopfhörer


    Wählt man zu Beginn den Story-Modus, kann man das volle Potenzial von Persona 4: Dancing All Night nur schwer erahnen. Immerhin fällt die Inszenierung hier insgesamt ein wenig dürftig aus: im Endeffekt klickt man sich durch mehrere Dialogfenster, um anschließend seine Tanzkünste zu präsentieren. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrere Male und bietet nur selten nennenswerte Highlights.


    Widmet man sich allerdings dem freien Modus, zeigt sich der volle Umfang des Tanzspiels. Hier schaltet man nämlich nach und nach neue Lieder frei, versucht sich an höheren Schwierigkeitsgraden und nimmt unterschiedliche Einstellungen vor, um seine Fähigkeiten nach und nach auszubauen.


    Hier kommt dann auch das anfangs erwähnte Suchtpotenzial hinzu. Zum einen präsentiert euch das Spiel nach Abschluss eines Songs einen Score, der sich aus getroffenen und verfehlten Noten zusammensetzt. Und logischerweise will man diesen immer wieder toppen und neue Highscores erzielen. Zum anderen verdient ihr euch somit virtuelles Geld, mit dem ihr in Tanakas TV Shop einkaufen gehen könnt.


    Typisch Atlus wird Persona 4: Dancing All Night an dieser Stelle herrlich abgedreht. Knappe Kleidung für die Damen, Werwolfskostüme für die Herren, Brillen, Kopfhörer und gruselige Tanaka-Masken stehen zum Verschönern eurer Tänzer zur Auswahl. Ein herrlicher Spaß, der immer wieder zum Ausprobieren animiert und spielend leicht an den Handheld fesselt.


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    Wenig Abwechslung, voller Spielspaß


    Einen kleinen Wermutstropfen hat Persona 4: Dancing All Night aber leider ebenfalls zu bieten: mangelndes Abwechslungsreichtum. Im Endeffekt dreht sich das gesamte Abenteuer nur ums Tanzen, optionale Dialoge, Nebenaufgaben oder andere Zusatzbeschäftigungen sind leider nicht aufzufinden.


    Während solch ein Negativpunkt jedoch etliche Titel direkt in die tiefere Wertungsregion werfen würde, kann Atlus diesen elegant auffangen und mit einer gigantischen Pro-Welle aufwiegen. Denn neben der starken Handlung, dem fordernden Gameplay und der immensen Menge an freischaltbaren Extras sind es hauptsächlich die Songs, die den Tanztitel auf ein legendäres Niveau heben.


    Anstatt gnadenlos die Pop-Schiene zu fahren, deckt die Musikauswahl nämlich unterschiedliche Genres ab und streift dabei sogar bassstarke Dubstep-Songs und melodische Jazzklänge. Diese darf man dank der verschiedenen Schwierigkeiten, zusätzlichen Items und Kostümen dann auch noch mehrmals angehen und sich letztendlich der wirklich fordernden All Night-Stufe stellen.


    So ist es also die Mischung, die Persona 4: Dancing All Night so perfekt macht. Kein Wunder, dass wir uns während des Verfassens dieser Zeilen an unseren Handheld zurücksehnen, um einen weiteren Song zu perfektionieren. Und wohl noch die kommenden Wochen mit dieser Sucht zu kämpfen haben werden.



    Fazit


    Achtung, enormes Suchtpotenzial! Mit Persona 4: Dancing All Night verwandelt Atlus die Meisterserie zu einem unfassbar amüsanten Musikspiel, das mit einer variantenreichen Musikauswahl, forderndem Gameplay und massenweise freischaltbaren Kostümen stundenlang vor den Handheld fesselt.


    Fans freuen sich zudem über alle liebgewonnen Charaktere des Vorgängers sowie eine packende Handlung. Neueinsteiger verlieren hier zwar ein wenig den Anschluss, können sich Dancing All Night aber gleich gemeinsam mit Persona 4 Golden sichern. Und sich auf wochenlange Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau freuen!

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