Disgaea 5: Alliance of Vengeance

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    Wenn der Rachedurst abgedrehte Level erreicht! Erfahrt in unserem Test, weshalb Disgaea 5: Alliance of Vengeance einer der größten RPG-Geheimtipps des Jahres ist!


    Altes Gewand auf neuer Konsole


    Wir wollen gar nicht nachzählen, wie viele Stunden uns die Disgaea-Reihe bereits gekostet hat. Denn obwohl sich die Entwickler von Nippon Ichi Software im Laufe der unzähligen Ableger fast immer auf die grundlegende Formel konzentriert haben und stets kleinere, aber wichtige Neuerungen in den Topf geworfen haben, bannten uns sympathische Charaktere und taktische Kämpfe immer wieder an den Bildschirm.


    Nun meldet sich die Videospielschmiede mit Disgaea 5: Alliance of Vengeance zurück und weckt natürlich einige Erwartungen. Immerhin markiert der neuste Teil den wichtigen Sprung auf die Playstation 4 und eröffnet somit einige Möglichkeiten, um die Reihe an den richtigen Stellen konsequent zu verbessern.


    Wir wollen ehrlich sein: wir hatten Erwartungen, die wir selbst für zu hoch angesetzt hielten und somit auf eine kleinere Enttäuschung vorbereitet waren. Doch das Gegenteil war der Fall. Trotz Enttäuschung erwartete uns nämlich Verblüffung. Und Begeisterung.




    Overlords mit Rachedurst


    Die Haupthandlung von Disgaea 5 dreht sich um den finsteren Dämonenherrscher Void Dark, der mitsamt seiner als The Lost gefürchteten Armee Angst und Schrecken verbreitet. Eine Netherworld nach der anderen fällt seinem Machthunger zu Opfer, Hoffnung scheint es schon lange keine mehr zu geben.


    Dämon Killia lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken. Zwar kann er dem Fiesling trotz einzigartiger Kräfte nicht wirklich das Wasser reichen, tüftelt jedoch einen Plan aus, um Void Darks Schreckensherrschaft endlich ein Ende zu bereiten. Die Overlords verschiedener Netherworlds sollen sich vereinen, um als eine Einheit gegen die Losts und den Erzfeind bestehen zu können.


    Klingt eigentlich recht simpel. Denn auch die Overlords tragen eine Menge emotionalen Ballast mit sich herum, den sie vor einer Zusammenarbeit von sich werfen wollen. Und plötzlich scheint die Rettung der Netherworlds dann wieder in weite Ferne zu rücken…


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    Bisher hat uns Nippon Ichi Software in puncto Handlung bei der Disgaea-Reihe noch nie enttäuscht. Alliance of Vengeance bildet da zum Glück keine Ausnahme. Denn der recht simple Vergeltungsplot wandelt sich schnell zu einem abgedrehten Trip durch unterschiedliche Welten, der zwar ausreichend Dramatik, Action und Spannung bietet, wundervollen Humor dabei aber fast durchgehend im Vordergrund behält.


    Besonders begeistert sind wir abermals von den herrlich skurrilen Charakteren, von denen wir einfach nicht genug bekommen können. Dabei beeindruckt nicht nur die eigentliche Persönlichkeit der einzelnen Overlords, sondern auch die Interaktion untereinander. Lautstarke Lacher sind hier vorprogrammiert, die elegant mit wissenswerten Informationen und sogar tiefgreifenden Entwicklungen kombiniert werden.


    Zudem bietet der neuste Ableger der Reihe wieder zahlreiche optionale Gespräche, denen wir abseits der eigentlichen Haupthandlung lauschen dürfen. Dadurch wird nicht nur unser Forscherdrang belohnt, die Trennung zwischen Haupt- und Nebeninformationen lockert zudem die eigentliche Jagd nach Void Dark angenehm auf, weshalb man weder nervende Längen noch gähnende Langeweile befürchten muss. Eine perfekte Mischung, die bereits in der Vergangenheit astrein funktioniert. Und weiterhin auf ganzer Linie abliefert.


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    Reise durch die Netherworlds


    Am Grundprinzip der Reihe hat sich bei Disgaea 5: Alliance of Vengeance nicht viel geändert. Abermals stürzen wir uns mit einer Vielzahl abgedrehter Kämpfer auf ein Schlachtfeld, das in quadratische Felder unterteilt sind. Zwischen denen dürfen wir uns jede Runde bewegen und taktisch vorteilhafte Positionen einnehmen, um vernichtende Angriffe oder auch Kombos auszulösen.


    Wie schon bei den Vorgängern eröffnet euch Nippon Ichi unzählige Möglichkeiten, mit denen ihr euch dämonischer Gegner entledigen dürft. Farblich markierte Felder versorgen euch beispielsweise mit zusätzlichen Stärken (oder auch Schwächen), während in der Nähe stehende Verbündete für vernichtende Kombos genutzt werden dürfen. Verschiedene Spezialfähigkeiten gestalten euer zerstörerisches Repertoire zudem angenehm abwechslungsreich.


    Apropos Spezialfähigkeiten: Disgaea 5 präsentiert euch die neuen Squads, dank denen eure Charaktere neue Fertigkeiten erlernen dürfen. Besonders amüsant wurde dieses neue Element, als wir ein Geisel- und ein Befragungsteam auf die Beine stellen durften. Dadurch konnten wir nämlich wehrlose Feinde kidnappen, diese anschließend ausquetschen und zum Teil unserer Truppe machen. Nur zwei der vielen freischaltbaren Squads, die unsere Machtposition in den einzelnen Netherworlds stetig sichern.


    Auch Netherworlds ist ein wichtiges Stichwort. In Disgaea 5 erkunden wir nämlich nicht nur eine dämonische Welt, sondern reisen zwischen mehreren hin und her. Darum dürfen wir auch nicht ein prunkvolles Schloss, sondern einen schnittigen Flieger unser Eigen nennen. Darin laufen wir zwischen den Missionen umher, sprechen mit unseren Verbündeten oder kaufen neue Gegenstände. Dem konstanten Ausbau unserer kämpferischen Fähigkeiten steht also zu keinem Zeitpunkt etwas im Weg.


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    Schwer zu stillender Rachedurst


    Disgaea 5: Alliance of Vengeance ist umfangreich. Unbeschreiblich umfangreich. Denn beginnend mit dem altbekannten Levelmaximum von 9999 bombardiert euch Nippon Ichi mit so viele Möglichkeiten, Aufgaben und kleineren Spielereien, wodurch ihr schnell die Zeit aus dem Auge verliert und Wochen später plötzlich aus einer regelrechten Trance erwacht. Und unzählige Nebenmission abgeschlossen, optionale Gespräche geführt, neue Level entdeckt und mächtige Squads freigeschaltet habt.


    Fans wissen genau: Wenn man bei Disgaea von Umfang spricht, dann darf man natürlich auch nicht die Item World vergessen. Und diese ist bei Alliance of Vengeance ebenfalls wieder an Bord und hat bei unserem Test unfassbar viel Spielzeit gefressen.


    Das Konzept der Item World bleibt größtenteils unverändert und simpel, weshalb packender Spielspaß wieder vorprogrammiert ist. Im Endeffekt ackert man sich durch eine schier endlose Aneinanderreihung endloser zufallsgenerierter Schlachtfelder und kämpft sich durch gigantische Dämonenhorden. Dadurch sammelt man nicht nur fleißig Erfahrungspunkte, sondern verstärkt seine Gegenstände zudem merklich.


    Nach einiger Zeit in der Item World stolperten wir dann auch über zufällige Ereignisse, die uns zum Umdenken unserer Taktik zwangen und das Abenteuer somit noch fordernder und unterhaltsamer gestalteten. Zusätzliche Belohnungen durften wir dann auch noch in unseren Taschen begrüßen: neben den bereits erwähnten Erfahrungspunkten erwarteten uns auch neue Angriffe und sogar neue Teile für unseren Flieger.


    Erschreckenderweise könnte bereits die Item World allein das gesamte Spiel darstellen. Bei Disgaea 5 stellt diese allerdings nur eine einzelne Facette dar, die sogar frech als Nebenaufgabe deklariert wird. Die Wahrheit ist jedoch, dass wir hier mehr Zeit verbracht haben als mit dem Verfolgen der Haupthandlung. Und uns zu keinem Zeitpunkt gelangweilt haben.


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    Das unschlagbare Mega-Duo Harada & Sato


    Was wäre Disgaea ohne Takehito Harada? Immerhin begleitet der Künstler die Reihe mit seinen sagenhaften Zeichnungen bereits seit den frühsten Anfängen und ist somit hauptverantwortlich für den einmaligen Charme. Kein Wunder also, dass Harada auch bei Alliance of Vengeance wieder mit an Bord ist – und abermals erstklassige Kunstwerke zur Schau stellt., die seine vorherigen Meisterwerke gnadenlos in den Schatten stellen.


    In Verbindung mit der Playstation 4 dürfen sich da vor allem Fans auf knackscharfe Artworks allererster Güte freuen, die dank starker Farben umso beeindruckender wirken. Auch die einzelnen Feldmanöver sind putzig animiert und zauberten oftmals ein Lächeln auf unsere Lippen. Zusätzlich dürfen sich nun noch mehr Charaktere gleichzeitig auf dem Bildschirm tummeln. Einen allzu grafischen Sprung darf man allerdings nicht erwarten – wirklich viel hat sich im direkten Vergleich mit den Vorgängern nämlich nicht. Immerhin bleibt durch das Beschränken auf eine einfache HD-Politur der altbekannte Charme der Reihe nahtlos erhalten.


    Für den Charmeerhalt darf man allerdings gleichzeitig Komponist Tenpei Sato danken, der mit seinen abgedrehten Kompositionen die Reise durch die verschiedenen Netherworlds passend begleitet und dabei abermals eine Reihe verrückter Tracks präsentiert, die mit einer unfassbaren Ohrwurm-Garantie behaftet sind. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen geht ein leisen Summen durch den Raum, das wir so schnell nicht aus unseren Köpfen kriegen werden.


    Auch beim Thema Sprachausgabe enttäuscht uns Nippon Ichi nicht und serviert uns erneut das beliebte Dual-Audio-Paket, das uns die Wahl zwischen japanischem Original und englischer Lokalisierung ermöglicht. Ersteres ist wieder einmal göttlich und punktet mit einer passgenauen Besetzung, die regelrecht für die jeweilige Rolle geboren zu sein scheint. Letzteres zeigt sich zwar ebenfalls sehr stark, fällt hier und da jedoch mit einigen negativen – da unmotiviert klingenden – Ausreißern auf, wodurch man dann lieber doch das Original wählen sollte. Was die Vielzahl wahrscheinlich so oder so getan hätte.



    Fazit


    Disgaea 5: Alliance of Vengeance markiert einen neuen Höhepunkt der erstklassigen Taktik-RPG-Reihe, der alle altbekannten Stärken mitbringt und aufpoliert auf ein völlig neues Niveau anhebt. Beeindruckende Zeichnungen, eine grandiose Musikuntermalung sowie packende Duelle mit unzähligen taktischen Möglichkeiten bilden hierbei nur die Spitze des Eisbergs. Ein Eisberg, der selbst nach 100 Stunden nicht zu schmelzen beginnt.


    Dementsprechend gilt für alle Fans dick unterstrichene Kaufpflicht! Und auch interessierte Neulinge sollten spätestens jetzt zugreifen und einen unvergesslichen Trip durch die Netherworlds erleben!

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