Danganronpa Another Episode: Ultra Despair Girls

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    Monokuma is back! Und beweist uns in Danganronpa Another Episode: Ultra Despair Girls, dass der Killer-Teddy auch außerhalb eines Visual Novels begeistern kann!


    Monokuma ist nicht zu stoppen


    Ein mordlustiger Teddybär, der auf den Namen Monokuma hört, sperrt 15 Topstudenten in ihrer Universität ein und zwingt sie, sich gegenseitig umzubringen. Klingt verrückt. Und das ist es auch! Denn was in Danganronpa: Trigger Happy Havoc als erster Tag an der neuen Uni beginnen sollte, verwandelt sich binnen weniger Minuten zu einem unvergesslichen Horrortrip, der mit schockierenden Wendungen und abgedrehten Persönlichkeiten gefüllt war.


    Kein Wunder, dass die Danganronpa-Reihe sich schnell einer beachtlichen Fangemeinde erfreuen durfte. Immerhin warf das Visual Novel ein Mysterium nach dem anderen in die bald komplexe Haupthandlung und etablierte zudem den kompletten Verfall der menschlichen Gesellschaft, der durch die Isolierung der 15 Studenten jedoch nur mit Standbildern angedeutet und niemals direkt gezeigt wurde.


    Mit Danganronpa Another Episde: Ultra Despair Girls soll sich das nun aber ändern. Angesiedelt zwischen dem ersten Teil und der Fortsetzung Goodbye Despair präsentiert sich das Spin-Off nämlich als für Fans unheimlich spannendes Bindeglied, das den Kampf gegen Monokuma zum ersten Mal auf die Straße bringt und dabei nicht nur langjährige Fragen beantwortet, sondern zugleich den Schrecken einer einbrechenden Weltordnung erschreckend zeigt.


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    Kids with guns


    Im Mittelpunkt der Handlung steht dieses Mal Komaru Naegi, die Schwester des Protagonisten aus dem ersten Teil, die seit einem Jahr wegen ungeklärter Umstände in einem Gebäudekomplex inmitten der technologisch fortgeschrittenen Großstadt Towa festgehalten wird. Die gute Nachricht: Zu Beginn von Ultra Despair Girls gelingt ihr endlich die Flucht. Die schlechte Nachricht: Eine gigantische Armee mordlustiger Monokuma überrennt die Stadt und befördert Erwachsene unliebsam ins Jenseits.


    Hinter diesem Angriff stecken die Krieger der Hoffnung, eine aus fünf Kindern bestehende Gruppierung, die ihren Hass gegen die Erwachsenen gebündelt haben und die Kinder der Stadt als gnadenlose Killermaschinen rekrutieren konnten. Die Folge ist ein grauenvolles Blutbad, in dessen Mitte Komaru keinerlei Überlebenschance zu haben scheint.


    Hilfe bekommt sie jedoch von Toko Fukawa, Fans ebenfalls aus dem Erstling bekannt, die neben ihrem unscheinbaren Schüler-Ich zudem die Persönlichkeit des schlagkräftigen Killers Genocide Jack in sich trägt und somit als perfekter Begleiter im Kampf gegen die Monokumas und die Krieger der Hoffnung fungiert. Doch können Komaru und Toko alleine wirklich gegen solch eine Übermacht bestehen?



    Wir hatten die Befürchtung, dass sich Danganronpa mit dem ersten Spin-Off auch storytechnisch von der Serie wegbewegen und neue Pfade beschreiten würde. Nun dürfen wir aufatmen: Denn man darf sich weiterhin über einen herrlich düsteren Grundton, tiefgründige Charaktere sowie vollkommen abgedrehte Antagonisten freuen.


    Mit den Kriegern der Hoffnung wird man nämlich mit fünf von ihrer Vergangenheit geprägten Kindern konfrontiert, die ihren kindischen Spieltrieb mit ihrem erwachsenen Vergeltungsdrang kombinieren und somit zu unfassbar verrückten Bösewichtern avancieren, die die Leichen ihrer Opfer schon gerne mal für ein grausames Diorama missbrauchen.


    Auch bei den Protagonisten wird man nicht enttäuscht. Komaru und Toko erfreuen sich nämlich äußerst interessanter Persönlichkeiten und erfahren im Handlungsverlauf zudem mehrere Entwicklungen, die glaubwürdig eingeflochten sind und zu den ganz großen Highlights des Titels zählen. Ständige Depressionsattacken braucht man aber nicht zu erwarten: die beiden Mädels bringen auch ordentlich Humor mit!


    Serienfans freuen sich derweil über das Auftauchen bekannter Charaktere sowie die Aufklärung vieler offener Fragen aus dem ersten Teil. Zudem wird allerdings auch eine Tür in die kommende Danganronpa-Zukunft geöffnet, die definitiv Lust auf mehr macht.



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    Mit Schallkanone durch die Monokuma-Armee


    Größte Änderung für Danganronpa-Fans: bei Ultra Despair Girls handelt es sich nicht mehr um ein Visual Novel mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit, sondern um ein vollwertiges Action-Adventure, bei dem wir die unterschiedlichen Orte Towa Citys frei zu Fuß erkunden dürfen. Zwar sind unsere Laufwege durch mangelnde Alternativwege stark vorgegeben, hier und da darf man dann aber doch auf optionale Ausflüge gehen.


    Zudem müssen wir uns dieses Mal nicht einem, sondern hunderten von Monokumas entgegenstellen, derer wir uns dank einer schicken Hacking Gun zum Glück schnell entledigen können. Per Schultertasten zielen wir auf die Gegner und drücken zudem ab. Schüsse auf Schwachpunkte erledigen die angriffslustigen Bären schneller, wodurch wir kostbare Monomünzen erhalten und zudem Munition sparen. Die hakelige Steuerung macht präzise Schüsse zwar ein wenig schwerer, mit ein wenig Eingewöhnungszeit kann man diesem Manko jedoch gekonnt entgegensteuern.


    Anfangs stellen wir uns noch den Standard-Monokuma entgegen, treffen aber schon bald auf explosive Bomber, entstellte Müll-Teddys oder durch die Luft fliegende Jetpack-Bären. Zum Glück belohnt uns das Ausschalten der Fieslinge mit Erfahrungspunkte, die früher oder später in einen Stufenanstieg münden. Dadurch erhalten wir Skillpunkte, mit denen wir neue Fähigkeiten ausrüsten und anschließend noch kräftiger austeilen dürfen.


    Im Spielverlauf erhalten wir zudem immer neue Munitionstypen, durch die uns weitere Vorteile eröffnet werden. So können wir Monokumas kurzzeitig in einen Tanzrausch versetzen, größere Gruppe auf einen Schlag paralysieren, günstig platzierte Schergen mit einer Druckwelle in tiefe Abgründe stürzen oder einen ausgewählten Gegner kurzzeitig übernehmen. Ein herrlicher Spaß, der eine Prise Taktik in die Kämpfe bringt und vor allem bei den Bosskämpfen gezielt genutzt werden möchte. Und bei gelegentlichen Rätseleinlagen mit der korrekten Vorgehens- und Gebrauchsweise zudem mehrere Monokumas auf einmal ins Jenseits befördern kann.



    Sollte euch die Monokuma-Horde dann doch mal über den Kopf steigen, könnt ihr auf Knopfdruck eure treue Begleiterin Toko auf den Plan berufen. Beziehungsweise ihr aggressives Alter Ego Genocide Jack. Dieses lockt ihr mit einem kurzen Stoß eures Elektroschockers hervor und könnt mit messerscharfen Scheren kurzzeitig ordentlich austeilen. Mitsamt pfeilschneller Kombos und effektiver Spezialattacken lassen sich hierbei selbstgrößere Truppen problemlos erledigen.

    Allerdings solltet ihr genau überlegen, wann ihr diese Funktion nutzt. Der Wechsel zu Genocide Jack steht euch nämlich nur begrenzt zur Verfügung, zudem erfolgt bereits nach knapp einer Minute der Wechsel zu Toko. Wer den hilfsbereiten Killer jedoch nicht missen möchte, der sollte die zurückgelassenen Münzen der besiegten Monokuma sammeln und im Shop anschließend neue Zeitspanne nach oben drehen. Und dabei dann auch gleich neue Funktionen der Hacking Gun freischalten.


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    Sammelwahn in der Chaoswelt


    Um Danganronpa Another Episode: Ultra Despair Girls zu beenden, haben wir knapp 15 Stunden benötigt. Das liegt einerseits an der umfangreichen Hauptkampagne, andererseits aber auch am leichten Forscherdrang, der sich beim Durchspielen eingestellt hat. Denn obwohl das Leveldesign recht linear ausfällt und große Erkundungen kaum möglich macht, weckten versteckte Dokumente und andere Gegenstände direkt den Sammler in uns.


    Neben teils recht offensichtlich platzierten Manga oder Notizen, die euch allesamt über den Verfall der Zivilisation sowie das damalige Leben informieren, verstecken sich auch neue Fähigkeiten für eure Hacking Gun sowie Abbilder eurer Rivalen in der Spielwelt, die man nur durch genaues Hinschauen einsammeln kann.


    Hierdurch ergibt sich ein motivierender Wiederspielwert, der durch ein zusätzliches Wertungssystem sowie dem steten Sammeldrang der wertvollen Monokuma-Münzen direkt zu einer zweiten Runde einlädt. Beim Schreiben des Tests haben wir bereits knapp 28 Stunden Spielzeit auf der Uhr. Und sind uns jetzt schon sicher, dass weitere Stunden folgen werden.


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    Markanter Stil, verschenktes Potenzial


    Beim grafischen Aspekt präsentiert sich Danganronpa Another Episode: Ultra Despair Girls als zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bekommt man nämlich schicke Charaktermodelle und hervorragende Anime-Sequenzen geboten, entdeckt auf der anderen Seite jedoch auch triste Umgebungen, teils uninspirierte Schauplätze und gelegentliche Framerate-Einbrüche. Gewöhnungsbedürftig ist auch das Artdesign, das über weite Strecken hervorragend funktioniert, mit der kompletten Einfärbung erwachsener Charaktere in rot oder blau jedoch ein wenig über das Ziel hinausschießt.


    Keinen Raum für Kritik bietet derweil die Sprachausgabe, die in der englischen sowie japanischen Fassung – letztere könnt ihr euch aus dem Playstation Store herunterladen – erstklassig ausgefallen ist. Und obwohl das Original vor allem in emotionalen Szenen knapp vorne liegt, darf man sich zu Beginn des Spiels ohne jegliche Sorgen für die persönlich bevorzugte Variante entscheiden. Denn ob nun Japanisch oder Englisch, gerade Komaru und Toko sind in beiden Versionen fantastisch vertont worden.


    Ihr wollte noch eine köstliche Kirsche auf unseren Test-Eisbecher? Gerne! Denn auch der Soundtrack fällt wieder unglaublich stark aus und passt sich der skurrilen Atmosphäre des Titels hervorragend an. Und obwohl man gerade anfangs von vielen altbekannten Melodien begleitet wird, mischen sich schon bald völlig neue Kompositionen in das Gesamtwerk, die sogar Ohrwurm-Potenzial besitzen. Denn wenn die verrückten Kinder aus Towa City ihre Ermordung der Erwachsenen lauthals zelebrieren, muss man einfach mitsingen.So verrückt das auch klingen mag.



    Fazit


    Danganronpa Another Episode: Ultra Despair Girls hebt sich in puncto Gameplay deutlich von seinen Vorgängern ab – und punktet damit auf ganzer Linie! Denn obwohl der etwas niedrig angesetzte Schwierigkeitsgrad sowie die hakelige Zielsteuerung unschön auffallen, wurde das Erkunden von Towa City dank zahlreicher Munitionstypen sowie verschiedener Monokuma-Arten hervorragend umgesetzt und unterhält noch weit über den Abspann hinaus.


    Und da auch die Haupthandlung gewohnt düster ausfällt und mit spannenden Enthüllungen und ebenso starken wie aus skurrilen Charakteren daherkommt, führt für Fans prinzipiell kein Weg am Spin-Off vorbei. Interessierte Neueinsteiger sollten ebenfalls zugreifen und sich am besten gleich alle drei Danganronpa-Teile für die Vita sichern. Bereuen werdet ihr es ganz sicher nicht!

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