Tales of Hearts R

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    Obwohl Tales of Hearts R die japanischen Ladenregale bereits im März 2013 erobern durfte, schauten Fans aus amerikanischen und europäischen Gefilden zunächst in die Röhre. April 2014 folgte dann die Ankündigung für die geplante Lokalisation, nun ist die PS Vita-Fassung endlich hier – hat sich das Warten gelohnt?


    Spiria-Sammler extrem


    Der junge Kor Meteor wollte schon lange sein Dorf verlassen, um ein großes Abenteuer zu erleben. Und dieser Tag scheint sich langsam aber sicher zu nähern! Denn als er seinen Großvater in einem Kampf fast besiegen kann, erhält er von diesem eine vernichtende Waffe, ein Soma, das sich mit der als Spiria bekannten, spirituellen Kraft aktivieren und nutzen lässt. Diese Waffe muss der abenteuerlustige Kämpfer jedoch schneller einsetzen als er dachte.


    Als er am Strand nämlich der geheimnisvollen Kohaku Hearts begegnet, gerät er in das Kreuzfeuer der finsteren Hexe Incarose, die Kohaku und ihren Bruder Hisui um jeden Preis ins Jenseits befördern möchte. Und obwohl der Angriff abgewehrt werden kann, nimmt Kohakus Spiria schweren Schaden, worauf es in alle Himmelsrichtung verteilt wird und die vorher quicklebendige Schönheit in Schweigen hüllt. Und obwohl das Einsammeln der einzelnen Fragmente Besserung verspricht, ist der Weg mit etlichen Gefahren gespickt, die das Vorhaben zu einem tödlichen Spießrutenlauf werden lassen...


    Zugegeben: wirklich weltbewegend und spannend liest sich die grobe Zusammenfassung der anfänglichen Spielminuten jetzt nicht. Mit zunehmender Spieldauer nimmt die Geschichte rund um Kor sowie der zunächst unglaublich schweigsamen Kohaku immer mehr an Fahrt auf und lässt einen spätestens ab dem Mittelteil nicht mehr los. Neben der Menschlichkeitsthematik beeindrucken auch die einzelnen Protagonisten, die zwar erst ein wenig generisch und plump wirken, mit der Zeit jedoch mehrere Facetten dazugewinnen. Und in optionalen Nebengesprächen auch eine humoristische Ader geschenkt bekommen.



    Nach der Handlung wenden wir uns direkt dem Punkt zu, der bei einem Remake für eine andere Hardware wohl am wichtigsten ist: die Grafik. Diese ist im direkten Vergleich zum DS-Original natürlich bedeutend schicker ausgefallen, inklusive aufgedrehter Bildschärfe, Detailvielfalt und Charaktermodelle, wobei gerade letztere eine verboten gute Figur machen. Und auch während der (zahlreichen) Kämpfe fallen viele schicke Effekte auf, die so zuvor nicht umsetzbar waren.


    Ein grafisches Handheld-Wunder ist Tales of Hearts R aber dennoch nicht geworden – dazu machen sich die Zeichen des Originalmaterials viel zu sichtbar. Matschige Texturen, eine viel zu trist gestaltete Weltkarte sowie gelegentlich etwas schwache Farben kratzen nur oberflächlich an den Fähigkeiten der PS Vita, auch die Zwischensequenzen im Anime-Stil wurden im Nachhinein nicht auf das größere Bildschirmformat angepasst. Da wäre mit etwas mehr Mühe definitiv mehr drin gewesen.


    Beim Sound werden allerdings vor allem Japan-Fans viel Grund zur Freude haben: Neben der stets passenden Musikuntermalung beeindruckt hierbei vor allem die japanische Sprachausgabe, die bei fast jedem Dialog zu tragen kommt. Abgesehen von den optionalen Gesprächen sowie nebensächlichen Abhandlungen kommt man in den Genuss motivierter Synchronsprecher, die eine hervorragende Leistung abliefern. Eine englische Sprachvariante hat man sich gespart – deutsche Untertitel leider auch. Spieler mit fehlenden Fremdsprachenkenntnissen werden also ein wenig zu kämpfen haben.


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    Hieb, Hieb, Luftattacke!


    Beim Erkunden der großen, aber etwas uninspiriert und stellenweise auch langweilig gestalteten, Spielwelt steht ganz in feinster Tales of Hearts-Tradition die kämpferische Auseinandersetzung mit gegnerischen Monstern im Vordergrund. Sobald ihr eine der vielen Städte nämlich verlassen habt, werdet ihr in unregelmäßigen Abständen in einen Zufallskampf verwickelt.


    Auf dem Schlachtfeld findet ihr euch dann mit drei eurer Verbündeten wieder und dürft euch frei umher bewegen. Nun könnt ihr euch eurem Feind nähern und eine Lücke zwischen dessen einzelnen Angriffen für einen Schwerthieb oder eine vernichtende Spezialattacke – hier als Artes bezeichnet – einsetzen. Zusätzlich lassen sich böse Buben mit schnellen Hieben nun auch kurzzeitig paralysieren und anschließend in die Luft befördern, wo ihr sie weiter bearbeiten dürft.


    Zwar mag das Kampfsystem insgesamt ein wenig Tiefgang vermissen lassen und vor allem bei Standardgegnern schnell in simples Knöpfchendrücken mit gelegentlichen Ausweichmanövern ausarten, macht aufgrund einer fantastischen Zugänglichkeit aber viel Spaß und avanciert zu einer regelrechten Spielspaß-Granate.


    Aufwerten könnt ihre eure tapferen Krieger natürlich auch. Hierzu investiert ihr entweder eingesammeltes Geld in neue Waffen und Rüstungen oder verteilt Kraftpunkte in unterschiedliche Soma-Blüten, mit denen sich die wichtigsten Attribute aufwerten und gleichzeitig neue Fähigkeiten und passive Effekte freischalten lassen. Ebenfalls recht simpel, allerdings auch mit einem verbotenen Suchtpotenzial behaftet, dem man sich nur schwer entziehen kann.


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    Kleine Nebenbeschäftigungen abseits des Weges


    Logischerweise braucht man sich nicht stupide durch die Haupthandlung von Tales of Hearts R durchzukämpfen, sondern darf hin und wieder auch kleinere Erkundungszüge und Ausflüge wagen, um Nebenmissionen zu erledigen oder die überall in der Spielwelt verstreuten Namco-Münzen zu finden.


    Auch Dorfbewohner halten gelegentlich kleine Aufgaben für euch bereit, die zwar selten wirklich ausschweifend ausfallen, eure Taschen nach erfolgreichem Erfüllen aber dennoch mit hilfreichen Items und notwendigem Geld füllen. In einigen Dungeons dürft ihr zudem kleinere Rätsel lösen, die zwar einerseits zwingend zum Vorankommen bewältigt werden müssen, allerdings auch optionale Wege zu neuen Gebieten und Schätzen öffnen.


    Wirklich angenehm ist die überschaubare Menge an Nebenaufgaben. Anstatt euch an jeder Ecke mit Sammelaufgaben oder Monsterjagden zu beladen, hält sich die Waage zwischen Haupt- und Nebenmissionen stets ausbalanciert, was bei einem Handheld-Titel unglaublich angenehm ausfällt. Und für unterwegs somit hervorragend geeignet ist.


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    Fazit


    Das Warten hat sich gelohnt! Denn obwohl Tales of Hearts R grafisch keine Bäume ausreißt, beeindruckt der Rollenspiel-Port mit einer packenden Handlung, facettenreichen Charakteren und einem genialen Kampfsystem, die allesamt ein ebenso umfangreiches wie auch unterhaltsames Abenteuer garantieren. Tales of- und Rollenspiel-Fans mit einer Vita kommen hieran also definitiv nicht vorbei!

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