Valkyria Revolution

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    Achtung: Hohe Gefahr brechender Fanherzen!


    Skepsis wäre mit Blick auf die anfängliche Fanhaltung zu Valkyria Revolution noch ein sehr freundlich gewähltes Wort. Blanker Hass trifft es da schon eher.


    Denn obwohl das neuste Werk auf dem Hause Media.Vision als Spin-Off angekündigt wurde und das veränderte Gameplay somit relativ schlüssig wirkte, gingen die Fans auf die Barrikaden, beschwerten sich, forderten Ausbesserungen.


    Nun halten wir Valkyria Revolution in den Händen und haben hierbei eine gute sowie eine schlechte Nachricht.


    Eine völlige Katastrophe ist es nicht geworden.

    Ein wirklich gutes Spiel aber leider auch nicht.



    Gleiche Welt, andere Geschichte


    Obwohl Valkyria Revolution in der gleichen Welt wie die zahlreichen Vorgänger spielt, versprüht der Titel mitsamt komplett neuer Charaktere und Handlungsstränge bereits ab der ersten Zwischensequenz einen konsequenten Spin-Off-Flair.


    Ein junger Student forscht über den längst vergangenen Krieg zwischen dem Königreich Jutland und dem Imperium Ruzi und will in Zuge dessen mehr über die Fünf Verrätererfahren. Deren unüberlegte Taten sollen nämlich viel Chaos und Tod nach sich gezogen haben.


    Doch wie es bei vielen historischen Begebenheiten so ist, soll man nicht sofort den überlieferten Geschichten glauben. Und so erfährt der Student nach und nach die Wahrheit hinter dem fünfköpfigen Team, das die Weltgeschichte beeinflusste.


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    Viel Moral mit einer Prise Klischee

    Tatsächlich kann einen die Handlung von Valkyria Revolution schnell in seinen Bann ziehen, was nicht zuletzt der sympathischen Heldentruppe zu verdanken ist.


    Diese wird im Storyverlauf nämlich regelrecht zu einer moralischen Achterbahnfahrt gezwungen und präsentiert somit eine Reihe charakterlicher Facetten, die durch die Kulisse des Krieges stimmungstechnisch potenziert werden.


    Einzig einige überzogene Dialoge sowie die (fast schon typischen) JRPG-Klischees nehmen vor allem im Mittelfeld des Abenteuers ein wenig Überhand und wirken vor allem mit dem zuvor düsteren Gesamteindruck ein wenig deplatziert.


    Letztendlich bleibt das in Anbetracht der spannenden Rahmenhandlung jedoch Meckern auf hohem Niveau, wodurch sich diese Schwächen - bis auf einige wenige Ausnahmen - immer gut ignorieren lassen.


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    Göttliche Musikuntermalung zur kriegerischen Kulisse

    Valkyria Revolution setzt den anfänglichen Positivtrend fort und weiß auch an der optischen Front zu gefallen. Malerische Anime-Optik sei Dank!


    Dabei hat man den Maleffekt des Vorgängers ein wenig reduziert und setzt dieses Mal verstärkt auf einen zusätzlichen Filter, der das Gesamtbild wie eine Zeichnung wirken lässt. Vor allem in den Zwischensequenzen sieht das Ganze sehr gut aus und erfreut vor allem Anime-Fans.


    Leider hat man sich bei den Animationen und Umgebungen weniger Mühe gegeben. Hier wirkt das Spin-Off nicht nur detailarm, sondern auch angestaubt, bleibt aufgrund fehlenden Feinschliffs also deutlich hinter den technischen Möglichkeiten einer PS4 oder Xbox One zurück.


    Komponist Yasunori Mitsuda erlaubt sich derweil keinerlei Fehltritte und liefert einen bombastischen Orchester-Soundtrack ab, der fast schon zum strahlenden Highlight des gesamten Titels avanciert. Fast jeder Track erreicht ein episches Höchstniveau, das sich dem kriegerischen Szenario erstklassig anpasst. Und uns nicht selten zum kurzzeitigen Pausieren und Nachjustieren der Lautstärke bewegt hat. Erstklassig!


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    Der Anfang vom Ende


    Komisch. Bisher sieht doch eigentlich recht positiv aus - und dabei las sich die Einleitung doch so negativ? Verständlich wird das Ganze tatsächlich erst, wenn man sich das Gameplay von Valkyria Revolution anschaut.


    Statt einem taktischen, rundenbasierten System dürfen wir uns nun nämlich frei über das Schlachtfeld bewegen und Dynasty Warriors-mäßig auf gegnerische Einheiten eindreschen. Schusswaffen rücken dabei in den Hintergrund, Nahkampfwaffen und Magie stehen im Mittelpunkt!


    Wahlweise dürfen wir zwischen den Teammitgliedern wechseln und somit auf verschiedene Klassen zurückgreifen, um mit unterschiedlicher Ausrüstung neue Strategien auszuprobieren. Dementsprechend solltet ihr Fähigkeiten und Ausrüstung eurer Truppe stets verbessern und somit eine variantenreiche Einheit aufbauen, die allen Herausforderungen gewachsen ist.


    Schwer bewaffnet springen wir so von Mission zu Mission, donnern durch recht linear gestaltete Areale und zerlegen einen Gegner nach dem anderen, bis wir letztendlich einem fetten Boss gegenüber stehen.


    Klingt eigentlich zugänglich und amüsant. Ist letztendlich aber leider viel zu simpel, unausgereift und langweilig.


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    Etliche Schattenseiten


    Der taktische Tiefgang garantiert bei früheren Valkyria-Titel viel Abwechslung und immer wieder neue Herausforderungen. Die Konsequenz des Wegfalls bei Revolution ist somit recht einfach vorherzusehen: Langeweile ist schnell vorprogrammiert.


    Die zahlreichen Missionen unterscheiden sich kaum voneinander, wirken stellenweise sogar wie exakte Kopien, die die Entwickler aufgrund Zeitmangels reinpacken mussten. Ein gravierendes Manko, womit die Vorgänger niemals behaftet waren.


    Schwerwiegender wirkt jedoch die Vielzahl an unvollendeten Elementen. Das Deckungssystem? Klappt nicht wirklich, ist somit nutzlos. Hohes Gras, um sich anzuschleichen? Ist katastrophal platziert und kann somit nicht verwendet werden. Einstellungen für das Verhalten unserer KI-Partner? Klappt nur selten, ist also somit eher ein Glücksspiel.


    Dadurch verfällt das als mehrdimensional vorgestellte Kampfsystem gnadenlos in einen eindimensionalen Zustand zurück. Oftmals kommen wir nämlich einfach mit einfachen Angriffen und Granaten weiter, müssen tatsächlich nur selten auf taktischen Vorgehen achten. Immerhin stellen Standard- und gar Bossgegner nur selten einen ebenbürtigen Kontrahenten dar.


    Eigentlich ist es ja deprimierend. Nach anfänglicher Skepsis hatten wir mit Handlung, Optik und Musikuntermalung eigentlich einen Lichtschweif am Horizont erkannt. Das Gameplay machte uns allerdings klar, dass wir uns in Valkyria Revolution stark geirrt haben.


    Und dass die vielen Fans mit ihrer starken Skepsis gegenüber dem Spin-Off letztendlich doch vollkommen Recht behalten haben.



    Fazit

    Die Hülle von Valkyria Revolution weiß definitiv zu gefallen. Schicke Optik, epischer Soundtrack, spannende Handlung - alles an Bord, alles gelungen. Doch der Kern ist es, der diesem Spin-Off die Beine bricht.


    Das stark auf Action ausgelegte Gameplay wirkt einfach unrund, unfertig und stellenweise sogar katastrophal programmiert. Da helfen sympathische Charaktere sowie vielerlei Upgrades und Waffenerweiterungen leider sehr wenig.


    Wer die Valkyria-Reihe wegen ihres Charmes liebt, der wird über das schwache Gameplay sicherlich hinwegsehen können. Alle anderen Fans sollten lieber eigenen großen Bogen um Revolution machen und sich einfach einen der Klassiker zu Gemüte führen.

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