Ghost in the Shell: Stand Alone Complex

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    Handlung

    Schön, aber tödlich...

    Motoko Kusanagi und die Offiziere von Sektion 9 sind wieder da! Zusammen mit den drolligen, aber nichtsdestotrotz tödlichen Tachikoma-Robotern führen sie die Verbrecherjagd in der realen und der Online-Welt fort. Doch auch bestens vorbereitete Agenten wie sie können in Schwierigkeiten geraten, wenn sie es mit einer konspirativen Aktion zu tun bekommen, die von einem mysteriösen Hacker namens Lachender Mann angeführt wird!

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    Als wir uns Ghost in the Shell: Stand Alone Complex das erste Mal zuwendeten, fürchteten wir 26 Episoden voller komplizierten Analysen, philosophischen Ansätzen und futuristischen Thesen, die vor allem durch die Einreihung in die zwei fantastischen Filme nur noch verwirrender ausfallen würden. Eine Sorge, die vollkommen unbegründet ist. Anstatt nämlich zwanghaft Tiefe reinprügeln zu wollen, hat man die Restriktionen des Serienformats im Auge behalten und all die Gefahrenherde somit erfolgreich vermieden.

    Denn der rote Handlungsfaden - die Suche nach dem Lachenden Mann - bleibt fast durchgängig im Vordergrund bleibt dank steter Spannung, geschickter Wendungen und einer angenehmen Komplexität stets interessant und langweilt zu keinem Zeitpunkt. Eingebettet wird das Ganze in sozialkritische Themen, die den schmalen Grat zwischen Mensch und Maschine inmitten des präsentierten Zukunftsszenarios ergeben hat.

    Gelegentlich rückt der Lachende Mann dann aber doch in den Hintergrund, damit die eigentlichen Hauptcharaktere und auch die futuristischen Themen ins Rampenlicht kommen. Und hier werden sich wahrscheinlich die Geister spalten. Denn obwohl diese Episoden wissenswerte Informationen an die Oberfläche bringen und Ghost in the Shell: Stand Alone Complex mehr Tiefe verleihen, fehlt es dem Ganzen stellenweise an nennenswerten Höhepunkten, weshalb sich auch mal ein wenig Langeweile einschleichen kann.

    Allerdings sollte man einen direkten Vergleich mit den Filmen von Anfang an vermeiden. Sicherlich hängen die Filme und auch die Serie zusammen, dennoch handelt es sich um zwei unterschiedliche Formate, bei denen die Schwerpunkte nun eben an verschiedenen Stellen gesetzt werden. Mit einer Laufzeit von knapp 20 Minuten pro Episode lässt sich nun eben keine tiefgründige Komplexität aufbauen, weshalb Stand Alone Complex insgesamt seichter wirkt und den Actionanteil deutlich unterstreicht.

    Kein Problem, wie wir finden. Trotz des Serienformats bleibt man den Grundmanifesten der Reihe nämlich treu und vermischt spannende Charaktere mit wichtigen Themen, einer spannenden Handlung und einer gehörigen Portion Action. Und das funktioniert hervorragend und lässt nur sehr, sehr selten Fehler zu. Und diese fallen so marginal aus, dass man gar nicht anders kann, als sich direkt die zweite Staffel 2nd GIG ins Auge zu fassen.

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    Bild

    Mit den beiden Filmen wurde das Animationsniveau der Ghost in the Shell-Reihe mitsamt eines unglaublichen Detailreichtums und anschaulicher Bilder erschreckend hoch angesetzt. Und obwohl Stand Alone Complex hier und da logischerweise einige Federn lassen musste, kann sich die futuristische Erzählung im Serienformat dennoch sehen lassen.

    Bewundernswert ist vor allem die Tatsache, dass es der fiktiven Zukunft trotz vermehrten Grautönen nicht an Varianz und Farbe mangelt, das Auge dadurch also zu keinem Zeitpunkt gelangweilt wird. Farbenfrohe Kunstwerke sucht man zwar vergeblich, ewig graue Bilder werden allerdings ebenfalls vermieden, während ein gewollt tristes Szenario ausreichend Raum für die unheimliche, aber packende Atmosphäre bildet. Und da auch die imposant in Szene gesetzten Actionsequenzen und die zahlreichen Charaktermodelle auf ganzer Linie gelungen sind, darf man sich bei Stand Alone Complex auf ein wundervolles Anime-Erlebnis freuen.

    Die Erstveröffentlichung auf Blu-ray setzt dem Ganzen natürlich nicht Kirsche auf. So präsentiert sich das beeindruckende Gesamtbild nämlich in scharfen 1080p und erfreut sich zudem eines gelungenen Kontrasts und starker Farben - zwei Aspekte, die bei einem insgesamt düster gehaltenen Anime von existenzieller Bedeutung sind. Und hier astrein umgesetzt wurden und somit HD-Fans durchgehend ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

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    Sound

    Yoko Kanno. Allein wenn wir diesen Namen schon hören, werden Erinnerungen an unvergessliche Anime-Momente geweckt, denen von den traumhaften Kompositionen der Japanerin Perfektion verliehen wurden. Ein Talent, das Yoko Kanno in den letzten Jahren immer wieder aufs Neue eindrucksvoll präsentierte. Und natürlich auch bei Ghost in the Shell: Stand Alone Complex keine Ruhepause einlegt.

    Mit ihren gefühlvollen Klängen passt sich die Komponistin jeder Szene inmitten des futuristischen Szenarios bravourös an und lässt sich auch vom Spagat zwischen ruhigen und actionreichen Szenen nicht aus der Ruhe bringen. Immer wieder tönen klangstarke Highlights aus den Lautsprechern, die der Atmosphäre den letzten Schliff verleihen und dem Zuschauer somit ein hervorragendes Anime-Erlebnis bieten. Dieser Umstand ist natürlich auch dem mächtigen DTS-HD MA 5.1-Sound, der die kräftigen Soundeffekte, Dialoge und Musik gelungen voneinander trennen und allen drei Elementen ausreichend Raum eröffnen. Fantastisch!

    Zum Glück braucht sich die deutsche Fassung nicht hinter dem starken Gesamtpaket zu verstecken und erfreut sich namhafter Synchronsprecher wie Christin Marquitan, Hasso Zorn oder Tilo Schmitz, die logischerweise eine hervorragende Leistung abliefern und ihren jeweiligen Rollen Leben und Emotionen einhauchen. Tatsächlich lässt sich streiten, ob nun die lokalisierte Version oder das japanische Original die Nase vorn haben, für beinharte Anime-Geeks wird die Entscheidung aber wahrscheinlich eh schon gefallen sein. Immerhin ist beim Original Solid Snake-Sprecher Akio Ôtsuka an Bord, dessen düstere Stimme nur schwer zu toppen ist.

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    Extras

    Interview mit den Machern
    Original-Trailer
    Blank Endings
    Booklet


    Schon seit einiger Zeit ärgern wir uns über das eher dürftige Bonusmaterial aktueller Veröffentlichungen. Diese mögen zwar relativ beladen sein, erreichen den annehmbaren Umfang jedoch oftmals nur durch eher belanglosen Inhalt, der zwar nett anzuschauen ist, dem Fan allerdings kaum Mehrwert bietet. Ghost in the Shell: Stand Alone Complexstellt die willkommene Ausnahme zu der verhassten Regel dar und überzeugt mit schicken Extras, die vor allem nach der Laufzeit von 650 Minuten bestens zu unterhalten wissen.

    Obwohl man auch hier alte Bekannte - den Original-Trailer sowie den von Schriften befreite Abspann -, auf die Disc gepresst wurden, dürfen sich Serienanhänger primär über das Interview mit den Machern freuen. Mit allerlei Infos wird ein wissenswerter Blick hinter die Kulissen geboten, der zu keinem Zeitpunkt langweilt und wirklich noch länger hätte sein können. Wobei wir das selbst bei einer Gesamtspieldauer von zwei Stunden angemerkt hätten.

    Abgeschlossen wird das Extrapaket von einem kleinen Booklet, das mit zwölf Seiten zwar nicht sonderlich dick ausgefallen ist, dank der abgedruckten Analyse der Serie von Anime Encyclopedia-Co-Autor Jonathan Clements allerdings nicht minder interessant ausfällt. Lange Rede, kurzer Sinn: Fans finden definitiv keinen Raum von Kritik!

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    Fazit

    Es gibt Animes, die verzichten auf grandiose Bilder und setzen auf eine tiefgründige Handlung mit facettenreichen Charakteren. Andere Animes drehen das Ganze um und beeindrucken mit grandiosen Animationen, wobei die Story stellenweise auf der Strecke bleiben muss. Und dann gibt es noch die ganz besondere Sorte, die beide Aspekte gleichermaßen ins Hauptaugenmerk schiebt und dem Zuschauer somit das ultimative Gesamterlebnis bietet. Und genau solch ein Anime ist Ghost in the Shell: Stand Alone Complex.

    Ob nun das futuristische, aber gleichmäßige Szenario, die interessanten Charaktere, der packende Hauptplot, die actionreichen Animationen oder der fantastische Soundtrack, Ghost in the Shell: Stand Alone Complex liefert auf ganzer Linie ab und kann dabei nicht nur unterhalten, sondern gleichzeitig auch zum Nachdenken anregen. Und mit der gelungenen Erstveröffentlichung auf Blu-ray sollten Fans und Neulinge gleichermaßen einen Blick auf dieses Boxset werfen und es direkt in die heimische Anime-Sammlung bringen. Man wird es definitiv nicht bereuen.

    Name: Ghost in the Shell: Stand Alone Complex
    Verleih: Nipponart
    Bild: 1080p / 16:9
    Ton: DTS-HD MA 5.1
    Sprachen: Deutsch, Japanisch
    Untertitel: Deutsch
    Laufzeit: ca. 650 Minuten
    Freigegeben ab: 16 Jahren

    © 2002-2004 Shirow Masamune-Production I.G/KODANSHA

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