Knack 2



  • Manchmal braucht es einen zweiten Anlauf, um zu überzeugen.


    Es sollte ein denkwürdiger Launch-Titel für die PlayStation 4 werden. Ein farbenfrohes Action-Adventure, beseelt von Klassikern wie Crash Bandicoot und mit Mark Cerny höchstpersönlich im Produktionsteam. Was sollte da schief gehen?


    Vieles. Knack enttäuschte auf ganzer Linie und verschwand somit blitzschnell im Strom neuer PlayStation 4-Titel. Das Ende für die neue Reihe sollte es aber tatsächlich nicht sein.


    Nun wagen die Entwickler nämlich einen zweiten Versuch und wollen die (zahlreichen) Fehler des Erstlings direkt glattbügeln. Ob das geklappt hat? Das sagen wir euch in unserem Test!



    Mulmiges Gefühl zu Spielbeginn

    Dabei waren wir uns zu Beginn noch unsicher, ob Knack 2 tatsächlich den Weg in Richtung Verbesserung eingeschlagen hat oder sich doch weiterhin in Ist doch alles gut so-Hausen aufhält.


    Handlungstechnisch wird nämlich kein packender Plot ersonnen, sondern eine altbekannte 0815-Formel ausgepackt, die nicht wirklich beeindruckt. So tauchen aus dem Nichts mächtige Roboter auf, die die Welt in Angst und Schrecken hüllen wollen. Ein Job für Knack, der sich gemeinsam mit seinen Kameraden auf den Weg macht, um diese Bedrohung aufzuhalten und sich dabei gegen einen neuen Oberbösewicht zu stellen.


    Klingt eher meh. Und bleibt auch bis zum Abspann eher meh. Mit liebenswerten Helden und humorvollen Momenten darf man zwar noch lange nicht von einem Totalausfall sprechen, allerdings dümpelt das ganze Geschehen so vor sich hin, wirklich nennenswerte Momente sucht man vergebens.



    Ein Fünkchen Hoffnung


    Zumindest folgte bei unserem Test anschließend Balsam für unsere sorgenbehaftete Seele. Denn grafisch befindet sich Knack 2 wie bereits der Vorgänger auf einem hohen Level und beeindruckt mit einer Vielzahl optischer Spielereien, die sich wirklich sehen lassen können.


    Gepaart mit dem comicartigen Grafikstil entsteht stellenweise sogar das Gefühl, dass man gerade einen Animationsfilm anschauen und den liebenswerten Helden hin und wieder mal von A nach B steuern darf. Einzig einige Schauplätze kommen mit einem tristen Erscheinungsbild daher und hätten hier und da etwas mehr Details und Feinschliff verdient.


    Musikuntermalung und Synchronisation benötigen diesen nicht mehr – immerhin darf man sich hier wieder über passende Melodien und hervorragende Sprecher freuen, die das farbenfrohe Geschehen perfekt begleiten und das Animationsfeeling astrein abrunden.



    Eine lange Ausbesserungsliste 


    Endlich kamen wir beim wichtigsten Aspekt von Knack 2 an: dem Gameplay. Immerhin ging der Vorgänger an dieser Stelle in die Knie und bot anstatt purem Spielspaß eher gähnende Prügellangeweile.


    Und obwohl das Grundprinzip unverändert bleibt – wir steuern den kleinen Knack weiterhin durch recht linear gestaltete Level, hüpfen über klaffende Abgründe und vermöbeln fiese Bösewichter –, haben die Entwickler ausreichend Hand angelegt und aus dem damals lustlosen Geschehen ein unterhaltsames Action-Adventure zu machen.


    Knack 2 bietet nun nämlich mehr Substanz, was sich primär auf das Kampfsystem auswirkt. Reichte beim Erstling noch eine einzelne (!) Tastenkombi zum Ausradieren feindlicher Präsenzen, freuen wir uns nun über eine erweiterte Fähigkeitenliste, die wir aufgrund strategisch unterschiedlich vorgehender Gegnertypen auch tatsächlich ausreizen müssen.


    In Kombination mit vier Talentbäumen, einem anpassbaren Helden – auf Knopfdruck lässt sich Knacks Größe, mit speziellen Gegenständen sein ganzer Körper verändern – sowie einiger Fahrzeug- und Rätselsequenzen wird Knack 2 durch die auf knapp 10 Stunden ausgelegte Story überraschend abwechslungsreich gestaltet und macht die teils gähnende Gameplay-Leere des ersten Teils vergessen machen.



    Mit zweiter Runde zum kleinen Erfolg

    Jeden einzelnen Aspekt zur spielerischen Perfektion zu führen klingt wie eine unschaffbare Aufgabe. Und das war es wohl auch – alle Probleme ausmerzen konnten die Entwickler nämlich leider nicht. Primär nerven die festen Kameraperspektiven, die vor allem die Hüpfpassagen nicht selten verboten schwer gestalteten und nicht selten zu einem unfreiwilligen Bildschirmtod führten.


    Allerdings sind wir neben der (bereits erwähnten, durchschnittlichen) Handlung bereits am Ende der negativen Aspekte angekommen – was mit dem direkten Vergleich zum Vorgänger bereits einem kleinen Wunder nahekommt.


    Denn auch beim Wiederspielwert haben die Entwickler sich Mühe gegeben und mit versteckten Truhen und zusätzlichen Herausforderungen für ausreichend Inhalt gesorgt, der auch nach Beenden der eigentlichen Haupthandlung unterhält. Klarer Favorit: der Koop-Modus, der einem zweiten Spieler offline jederzeit die Möglichkeiten zum Beitreten gibt. Ein wirklich amüsanter Zeitvertreib!


    Ein unvergessenes PlayStation 4-Meisterwerk wird Knack 2 dadurch zwar immer noch nicht. Aber es wird zumindest zu einem durchaus gelungenen, farbenfrohen Abenteuer, das den Geist der großen Vorbilder tatsächlich ein wenig einfangen und bestens unterhalten kann. Und somit definitiv eine kleine Empfehlung wert ist.



    Fazit


    Knack 2 lässt den unterdurchschnittlichen Vorgänger weit hinter sich und avanciert mit Ausbesserung an fast jedem wichtigen Aspekt zu einem mehr als unterhaltsamen Action-Adventure, das sich gelegentlich sogar wie ein richtiger Animationsfilm anfühlt.


    Zwar stellen die eher zweckmäßige Handlung sowie Kameraprobleme weiterhin einige unschöne Stolpersteine dar, werden von dem ansonsten generalüberholten Gesamterlebnis aber gekonnt aufgefangen und somit zu verschmerzbaren Kratzern auf dem aufgefrischten Lack.


    Wer also bereits den Erstling trotz einer Vielzahl an Schwächen ins Herz geschlossen hat, der sollte bei Knack 2 direkt zugreifen. Und wer Part 1 nicht mochte, der darf dem kleinen Helden in der zweiten Runde zumindest eine Chance geben.

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