Ys VIII: Lacrimosa of DANA



  • 30 Jahre voller feinster RPG-Unterhaltung. Und das weiterhin ohne jegliche Alterserscheinungen.


    1987 stürzte sich ein junger Schwertkämpfer namens Adol Christin in sein erstes Abenteuer. Was er damals nicht wusste: es sollten noch viele weitere folgen, die allesamt ihren Platz in der weiten RPG-Geschichte redlich verdient haben.

    30 Jahre später halten wir nun Ys VIII: Lacrimosa of DANA in unseren Händen und dürfen gemeinsam mit Adol wieder eine neue Welt erkunden.

    Und uns dabei gleichzeitig erneut über ein fantastisches Rollenspiel-Highlight freuen.



    Neues Handlungsniveau


    Freudestrahlend in ein neues Abenteuer starten? Das scheint Adol Christin irgendwie verwehrt zu bleiben. Immerhin scheint auch Ys VIII: Lacrimosa of DANA mit einer geselligen Schiffsfahrt zu beginnen – bevor ein gigantisches Monster für einen unfreiwilligen Halt sorgt und unser Held an die Küste der verfluchten Insel Seiren gespült wird.


    Mit Schwert und treuen Gefährten macht Adol sich auf, die Geheimnisse der Insel zu erforschen. Und muss sich dabei nicht nur mit einigen hartnäckigen Gegnern auseinandersetzen, sondern gleichzeitig die Vergangenheit der geheimnisvollen Dana entschlüsseln, deren Dasein eng mit dem der Insel verknüpft zu sein scheint.


    Wenn wir an bisherige Storylines der Ys-Reihe denken, kommt uns direkt das Wort zweckmäßig in den Sinn. Nichts Weltbewegendes, aber unterhaltsam genug, um durch das Abenteuer zu leiten. Lacrimosa of DANA ist an dieser Stelle aber anders. Nämlich viel besser.


    Hier steht kein Los, rette die Welt-Plot im Vordergrund, sondern eine anfangs recht minimalistische, schnell aber emotional tiefgehende Handlung, die mit sympathischen Charakteren punktet und direkt in ihren Bann zieht.


    Primär ist dafür aber auch der namensgebenden Dana zu verdanken, deren Geschichte einen existenziellen Part einnimmt und uns gelegentlich sogar mit einigen spannenden Gameplay-Sequenzen beschenkt, die uns verstärkt zum Teil des Geschehens machen.



    Zusammenhalten, um zu überleben

    Ein weiterer Handlungsaspekt verknüpft Story und Gameplay elegant miteinander und darf dadurch als zweiter Hauptgrund für den perfekten Unterhaltungswert von Adols neustem Abenteuer präsentiert werden: der Aufbau seines eigenen, kleinen Dorfes.


    Ys VIII: Lacrimosa of DANA dreht sich nämlich nicht nur um das Erkunden der Insel Seiren, sondern auch um das Retten mit-gestrandeter Überlebender, deren einzigartige Fähigkeiten anschließend für den Aufbau einer in sich funktionierenden Gesellschaft eingesetzt werden dürfen.


    Doppelter Vorteil für Adol (und damit auch uns): zum einen Schalten wir mit jedem Geretteten immer neue Möglichkeiten frei, Gegenstände zu kaufen oder Waffen aufzuwerten. Zum anderen erleben wir teils ergreifende Nebenhandlungen, die sich perfekt in das Gesamtkonstrukt einfügen und mit dem einen oder anderen Twist begeistern.


    Gelegentlich schleicht sich zwar auch mal ein Subplot mit einer unfertig wirkenden Erzählung und merkwürdigen Dialogen ein, größtenteils darf man sich aber über tiefgehende Stories freuen, die den Aufbau seiner eigenen kleinen Gemeinschaft nicht nur gameplay-, sondern auch handlungstechnische Relevanz verleihen.



    Im Eiltempo von Gegner zu Gegner


    Natürlich herrscht auf Seiren nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Und wer bereits einen der letzten Ys-Titel sein Eigen nennt, wird sich beim Kampfsystem direkt heimisch fühlen. Denn auch VIII: Lacrimosa of DANA setzt beim Bekämpfen unliebsamer Schergen auf die ultimative Symbiose aus Einfachheit und Komplexität, die selbst kurze Duelle zu einem Heidenspaß werden lässt.


    So dürfen wir uns auf dem Schlachtfeld bewegen, Gegner anvisieren und mit rasanten Ausweich-Konter-Manövern langsam aber sicher an ihrer Lebensleiste nagen. Wirklich zu lernen gibt es hierbei nicht: im Endeffekt reichen zwei Buttons, um den Kampf als glorreicher Sieger zu verlassen.


    Klingt recht langweilig, wird es allerdings zu keinem Zeitpunkt. Zu verdanken ist das den unterschiedlichen Schwächen eurer Feinde, die gezielt ausgenutzt werden müssen. Manchmal ist eben nicht das Schwert, sondern die Axt die richtige Antwort. Kein Problem, immerhin ist euer Team mit variantenreicher Bewaffnung ausgestattet.


    Zum Glück dürft ihr rasant in die virtuelle Haut eurer Verbündeten wechseln und mit der richtigen Waffe ordentlich Schaden anrichten. Wer dann auf zeitlich optimal abgestimmte Blocks oder Hechtrollen setzt, eröffnet sich einen FLASH-Vorteil, mit dem man nochmals mehr Schaden anrichtet.


    In Kombination mit pfeilschnellen Bewegungen ergibt sich ein rasantes Kampftempo, das jederzeit motiviert und trotz einfacher Eingabe ausreichend taktische Tiefe birgt, um durchweg zu begeistern. Und das vor allem bei Bossen auf höheren Schwierigkeitsstufen auch wirklich fordert.



    Das Abenteuer steht im Mittelpunkt


    Seiren birgt viele erkundbare Orte, viele zu rettende Überlebende, viele amüsante Nebenaufgaben. Kein Wunder also, dass wir knapp 40 Stunden beschäftigt waren, um Adol zum Abspann zu geleiten. Und dabei hier und da einige optionale Missionen haben liegen lassen, um diesen Test schreiben zu können.


    Dabei hat es Entwickler Nihon Falcom geschafft, jeden Erkundungszug mit ausreichend Ereignissen und Abwechslung zu füllen, wodurch Langeweile keinerlei Platz gewinnen konnte und wir es gar nicht mehr erwarten konnten, den nächsten noch leeren Fleck auf unsere Karte zu durchforsten.

    Jedes neue Gebiet versteckt Truhen und auffindbare Geheimnisse. Wege, die wir erst mit neuen Fähigkeiten oder mehr Dorfbewohnern eröffnen können, womit das altbekannte Metroidvania-Prinzip ins Spiel kommt und uns gnadenlos zu mehr als amüsantem Backtracking animiert.


    Es ist die bereits erwähnte Symbiose aus Einfachheit und Komplexität, die sich im Endeffekt durch ganz Ys VIII: Lacrimosa of DANA zieht. Denn endlich darf man mal wieder ein lockeres, seichtes RPG erleben, in dessen Mittelpunkt keine epischen Todeskämpfe oder halsbrecherische Weltrettungsaktionen stecken.


    Man schwebt förmlich durch ein umfangreiches, lebensfrohes Abenteuer, in dem man nicht nur mit fordernden Kämpfen, sondern auch mit einer ordentlichen Prise Menschlichkeit konfrontiert wird. Kein Wunder also, dass der neuste Ys-Part ein neues Serienhighlight markiert.



    Fazit


    Spannende Handlung, stattlicher Umfang, hervorragendes Kampfsystem: so kann man ein 30-jähriges Jubiläum definitiv feiern!


    Ys VIII: Lacrimosa of DANA unterstreicht deutlich die Daseinsberechtigung dieser mittlerweile fast schon legendären RPG-Reihe und lädt zu einem packenden Abenteuer, das mit viel Abwechslung und immer wieder fordernden Aufgaben gespickt ist. Besonders die frei erkundbare Insel zaubert Rollenspielfreunden ein Lächeln auf die Lippen und garantiert viele unterhaltsame Stunden an PS4 und PS Vita.


    Gelegentliche Handlungsschwächen und deplatziert wirkende Dialoge können die Jubiläumsparty dann auch nicht mehr vermiesen – Ys-Fans greifen so oder so zu. Aber auch Fans gelungener RPGs sollten spätestens jetzt die Chance nutzen, in die Serie einzusteigen und gemeinsam mit Adol die Welt zu retten!

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