Danganronpa V3: Killing Harmony



  • Man sollte meinen, dass Team Danganronpa langsam die Luft ausgeht. Falsch gedacht!


    Bereits bei Danganronpa 2 waren wir skeptisch. Kann man die Faszination den Erstlings tatsächlich erneut einfangen und abermals begeistern? Wir konnten es nicht glauben: und wurden eines Besseren belehrt!

    Gelernt haben wir daraus allerdings nicht: Dann auch Danganronpa V3: Killing Harmony standen wir skeptisch gegenüber und konnten uns nicht vorstellen, dass man wieder das gleiche Niveau erreichen konnte.

    Immerhin hatten wir dieses Mal teilweise recht. Denn das Vorgängerniveau wurde nicht einfach nur erreicht. Es wurde sogar übertroffen.



    Neue Schüler, neues Killing Game


    Anstatt dem Weg einer simplen Fortsetzung zu folgen, präsentiert sich Danganronpa V3: Killing Harmony eher als konsequenter Neustart, der für Veteranen und Neulinge gleichermaßen spannend ausfällt.


    So trifft man auf völlig neue Charaktere, entdeckt bisher unbekannte Schauplätze und sieht sich mit ungeahnten Herausforderungen konfrontiert, die nicht selten tödliche Ausgänge haben könnten. Gelegentliche Seitenhiebe auf die Vorgänger kommen zwar auch vor, sind allerdings keinerlei Voraussetzung für das Gesamtverständnis der Story.


    Die eigentliche Rahmenhandlung wird Kennern dann aber doch leicht bekannt vorkommen. 16 Schüler, jeder von ihnen mit einer besonderen Begabung ausgestattet, wachen mit einem löcherigen Erinnerungsteppich in einem verlassenen Schulgelände auf, das von einem riesigen Käfig umschlossen wird. Eine Flucht scheint aussichtlos.

    Monokuma, ein kleiner, fieser Roboterbär, scheint mit seiner Rolle als diabolischer Schulleiter aber einen Ausweg anzubieten. Man muss einfach nur einen Mitschüler ins Jenseits befördern, im anschließenden Gerichtsverfahren unentdeckt bleiben und darf anschließend den Weg in die Freiheit antreten.


    Kaede Akamatsu, ihres Zeichens die ultimative Pianistin, will sich mit diesem Killing Game aber nicht abfinden und macht sich auf die Jagd nach dem Mastermind, um gemeinsam mit ihren neuen Freunden zu entkommen. Doch leider nimmt das Ganze schnell eine blutige Wendung...



    Hammerschlag in die Magengrube

    Tatsächlich darf man nicht mehr von der Danganronpa V3 Handlung offenbaren. Im Stile der Vorgänger ist das Killing Game nämlich wieder mit einer Vielzahl schockierender Wendungen gespickt. Und diese haben es dieses Mal ordentlich in sich!


    Keine Sorge, Spoiler werden hier vollends vermieden. Allerdings gibt der neuste Ableger bereits nach wenigen Spielminuten Vollgas und bombardiert uns mit einer Reihe quälender Fragen, deren Antworten sehr lange auf sich warten lassen und uns zuvor über einen Minenfeld voller schrecklicher Ereignisse schickt.


    Hierbei sind es wieder mal die liebenswerten Charaktere sowie der gekonnt eingestreute Humor, die das Killing Game so grausam gestalten. So lernen wir in einem Moment unsere 15 Mitschüler kennen, lachen mit ihnen und freuen uns sogar über witzige Anspielung von Monokuma sowie seiner fünf neuen Kinder, den Monokubs, finden aber bereits im nächsten Moment die Leiche eines Mitschülers. Woraufhin Beleidigungen und Anschuldigungen folgen.


    Danganronpa V3 lehnt sich hierbei gewollt sehr weit aus dem Fenster und donnert uns immer wieder eine geballte Faust in die Magengrube, wodurch man nicht selten eiskalt erwischt wird. Allerdings sind wir genau das von der Reihe gewohnt. Und verlangen das eigentlich fast schon von Spike Chunsoft.


    Und selbst mit neuer Besatzung liefern sie wieder hervorragend ab und stellen unsere Welt vor allem mit den letzten Spielstunden gehörig auf den Kopf. Davor kann man nach den Vorgängern tatsächlich nur noch den Hut ziehen.



    Downloadpflicht für Handheldfans


    Obwohl Danganronpa V3: Killing Harmony abermals auf den Visual Novel-Stil setzt und somit grafische Meisterwerke eher unmöglich macht, kann sich das Gesamtbild wieder sehen lassen. Primär ist das den ausgearbeiteten Charaktermodellen sowie dem farbenfrohen Design zu verdanken, das mit etlichen Einblendungen visuell immer wieder aufdreht.


    Vor allem während der Gerichtsverhandlungen nimmt das optische Geschehen ordentlich zu und punktet mit schnellen Kamerafahrten und aufploppenden Aussagen. Unterschiedliche Animationen garantieren einen immer wieder frischen, kreativen Output, wodurch das Auge niemals gelangweilt ist und vor allem Anime-Fans Grund zur Freude finden.


    Musikalisch darf man sich derweil wieder über Komponist Masafumi Takada freuen, der das mörderische Geschehen mit seinem teils verrückten Soundtrack fantastisch begleitet und neben einigen altbekannten Klängen auch völlig neue Melodien bietet, die sich allerdings erstklassig in die Reihe krasser Ohrwürmer einreihen.


    Die japanischen Sprecher leisten ebenfalls eine fantastische Arbeit und geben vor allem während der Gerichtsfälle ordentlich Gas – immerhin sind die Dialoge nur hier vollends vertont. Auch die englische Variante kann sich hören lassen, fällt stellenweise allerdings etwas schwach auf der Brust aus und rennt dem Original dadurch ein wenig hinterher.


    Kleiner Twist: Alle Aussagen bezogen sich auf die PS4- und PC-Variante von Danganronpa V3: Killing Harmony. PS Vita-Besitzer werden zwar auch nicht enttäuscht, müssen sich aber mit gelegentlich langsam nachladenden Texturen zufrieden geben. Und zum Genießen japanischer Stimmen sowie eines technisch sauberen Sounds ein über ein Gigabyte großes Update ziehen.



    Drei Phasen des tödlichen Alltags


    Am eigentlichen Gameplay-Ablauf hat sich auch nicht viel verändert. Wir steuern Protagonistin Kaede aus der Ich-Perspektive durch insgesamt sechs Kapitel und erleben hier im Endeffekt (in gelegentlich leicht abgewandelter Form) mehrmals den gleichen Ablauf.


    Phase 1: Alles ruhig. Wir laufen durch die Gänge, erkunden neue Räume und sprechen mit unseren Mitschülern, wobei wir auch Geschenke austauschen und wissenswerten Informationen lauschen dürfen. Der perfekte Alltag.


    Phase 2: Jemand wurde ermordet. Das ruhige wird zum tödlichen Leben. Aus dem Nichts wird aus der Erkundung plötzlich Ermittlung. Am Tatort und anderen relevanten Schauplätzen der Tat sucht ihr nach wichtigen Indizien, die ihr als Beweisstück aufnehmen könnt.


    Phase 3: Die Gerichtsverhandlung. Wie schon in den Vorgängern steht ihr euren Mitschülern inmitten eines Gerichtssaals gegenüber und versucht, den Mörder zu finden. Was in Anbetracht vieler Lügen, widersprüchlicher Aussagen und kaum nachvollziehbarer Tatabläufe gar nicht so einfach fällt.


    Wie zuvor fliegen uns unterschiedliche Aussagen in die Ohren. Einige davon sind farblich markiert und bieten Angriffsfläche für unseren Überführungsrevolver. In diesen können wir nämlich ein Beweisstück in Form einer Patrone laden und eine Aussage somit in Stücke ballern. Natürlich aber nur, wenn die beiden auch tatsächlich zusammenpassen. Wer falsch liegt, dessen Lebensleiste nimmt ab. Beim Nullpunkt heißt es: Game over!


    Manchmal muss man die Beweisstücke ganz genau unter die Lupe nehmen, um den Widerspruch zu erkennen. Und da man im späteren Spielverlauf immer mehr Patronen gestellt bekommt, erhöht sich der Schwierigkeitsgrad logischerweise immer weiter. Da kommt die Birne gelegentlich schon mal ordentlich ins Glühen.



    Mehr Abwechslung im Gerichtssaal

    Serienfans erkennen bisher keinerlei Veränderungen. Und auch die verschiedenen Fähigkeiten, die ihr vor jeder Gerichtsverhandlung ausrüsten und damit hilfreiche Vorteile freischalten könnt, erinnern an die Vorgänger.


    Die Neuerungen liegen vielmehr bei den Minispielen, die das Gerichtsgeschehen gelegentlich auflockern und euch bei erfolgreichem Abschließen mit weiteren Hinweisen zum Auflösen des aktuellen Mordfalls versorgen.


    So müssen wir beispielsweise drei Aussagen gleichzeitig im Auge behalten, bei einer Gruppendiskussion unsere Seite durch das gezielte Einsetzen von Gegenargumenten zum Sieg führen oder gelegentlich sogar lügen, um die Tätersuche mit einem Bluff voranzutreiben.


    Abseits von verbalen Angriffen gibt es allerdings noch weitere Nebenaufgaben, mit denen ihr euch auseinandersetzen dürfte. Bei der neusten Hangman-Variante beleuchten wir kurzzeitig herumfliegende Kreise, um mit einzelnen Buchstaben ein korrektes Wort zusammenzusetzen, legen in einem Candy Crush-Abklatsch Gegenstände frei und sammeln beim gedanklichen Herumdüsen mit einem Taxi Buchstaben ein, um Fragen zu stellen und gleich darauf die passenden Antworten zu finden.


    Klingt alles abgedreht. Und das ist es auch! Macht bei Danganronpa V3 vor allem in Verbindung mit den verrückten Mordfällen und skurrilen Charakteren Sinn und sorgt gleichzeitig für ausreichend Abwechslung und Motivation.



    Vom Visual Novel zum Dungeon Crawler

    Für das Beenden der Handlung haben wir knapp 35 Stunden benötigt. Ein Wert, den man gerne auch ein wenig nach oben kurbeln darf – immerhin haben wir für den Test optionale Dialoge auf der Strecke gelassen und uns strickt in Richtung Finale bewegt.


    Serientypisch lehnt sich Spike Chunsoft mit dem Abspann allerdings nicht zurück, sondern befeuert uns mit einer Reihe zusätzlicher Spielmodi, mit denen wir noch tiefer in die Welt eintauchen dürfen. Ein alter Bekannter: der Dating-Simulator, mit dem wir unsere Mitschüler ganz ohne mörderische Spiele besser kennenlernen dürfen.


    Neu sind Danganronpa-Sammelkarten, die wir im Austausch mit Münzen in unseren Besitz bringen und dabei Charaktere aus dem gesamten Serienuniversum sammeln dürfen. Diese dürfen wir dann im Rahmen des neuen Brettspiels einsetzen, um die Werte der Karten zu stärken und somit das ultimative Deck zusammenzustellen.


    Wozu das Ganze? Na, um im schicken RPG-Modus fiese Dungeon-Bosse um die Ecke zu bringen! Mit besseren Karten kommt man nämlich bedeutend weiter, die Prozedur Karten erwerben, beim Brettspiel aufwerten, Gegner besiegen wird also zu einem festen Ritual, das für sehr lange Zeit motiviert.


    Alle Nebenmodi teilen sich eine Gemeinsamkeit: sie alle fallen unfassbar unterhaltsam aus und präsentieren ein konsequent durchdachtes und ausgearbeitetes Spielprinzip, das problemlos auch als Standalone-Titel bestehen könnte. So schnell wird Danganronpa V3: Killing Harmony also nicht aus eurem Zockerecke verschwinden.



    Fazit


    Abgedreht, erschreckend, schockierend: Spike Chunsoft liefert wieder meisterhaft ab!


    Danganronpa V3: Killing Harmony punktet mit einer unglaublich wendungsreichen Handlung, vielen brandneuen Gameplay-Elementen sowie einem unglaublichen Umfang und hebt das bereits unfassbar hohe Niveau der Reihe auf ein völlig neues Level.


    Danganronpa-Fans greifen dementsprechend direkt zu, Neulinge dürfen durch die (fast) komplette Abgrenzung zu den Vorgängern ebenfalls mit einem Einstieg liebäugeln – und den aufgrund eines rundum gelungenen Rundumpakets auch definitiv wagen!

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