Dissidia Final Fantasy NT



  • Tolle Schale, schwacher Kern


    Wenn man schon eine jahrelang fortlaufende, weltweit bekannte Videospielreihe hat, dann kann man die einzelnen Pro- und Antagonisten doch gleich in einem ultimativen Super-Battle gegeneinander antreten lassen.


    Ein logischer Gedanke, mit dem Square Enix 2009 auf der PSP einen großen Erfolg feierte. Dissidia Final Fantasy präsentierte sich als Erfüllung jeglicher Fan-Träume und machte mit einem ansprechenden Kampfsystem ordentlich Laune. Kein Wunder, dass 2011 gleich ein Nachfolger erschien.


    Auf weitere Nachfolger mussten Fans aber vergebens warten. Als dann 2015 eine brandneue Arcade-Fassung in die japanischen Spielhallen kam, gaben sich Neid und Hoffnung die Hand. Außerhalb Japans lebende Fans mussten nun nämlich hoffen, dass der neuste Kampfableger auch auf Konsole und somit auch in ihrem Land erscheinen würde.


    Gute Nachrichten: Die Hoffnungsrufe wurden erhört, nun halten wir Dissida Final Fantasy NT endlich in unseren Händen. Doch hat sich das Warten letztendlich gelohnt? Leider nicht so ganz.



    30 Jahre Kämpfergeschichte


    Wir brauchen nicht lange um den heißen Brei herumzureden. Wir wissen alle, weshalb Dissida Final Fantasy NT direkt zu begeistern weiß: Das Zusammentreffen von insgesamt 28 Final Fantasy-Helden und –Fieslingen, die die Grenzen ihrer eigenen Universen gnadenlos sprengen, um sich untereinander ordentlich eins auf den Deckel zu geben.


    Ob nun Favoriten wie Cloud, Squall, Sephiroth oder Lighting, Klassiker wie der Krieger des Lichts, Cecil oder der Zwiebelritter oder Ace und Ramza aus den beiden Spin-Off-Titeln Type-0 und Tactics. Entwickler Team Ninja hat sich gekonnt des breiten Kämpfer-Repertoires der Final Fantasy-Serie bedient und lässt das Fan-Herz allein damit schon beinahe explodieren.


    28 spielbare Charaktere warten auf euch, die in die vier Klassen Assassine, Frontkämpfer, Fernkämpfer und Spezialist unterteilt sind und sich allesamt ihrer ganz einzigartigen Angriffs- und Fähigkeitenpalette erfreuen. Bevor man sich also auf das Schlachtfeld wagt, sollte man ganz genau wissen, welche Stärken den eigenen Kampfstil unterstützen.


    Und während wir beim Testen anderer Kampfspiele schnell die Lust am umfangreichen Ausprobieren hatten, hielt uns Dissidia Final Fantasy NT durchweg bei Laune. Die Gründe dafür: Wirklich jeder Kämpfer fühlt und spielt sich anders, während alle bekannte Moves an Bord haben und somit Erinnerungen an ihren jeweiligen Videospielpart weckten.


    Nostalgie ist halt immer noch die mächtigste Waffe.




    Wenn Mut an der Gesundheit knabbert


    Anstatt euch alleine in den Kampf zu schicken, präsentiert sich Dissida Final Fantasy NT als 3-vs-3-Brawler, bei dem sich stets zwei Teams einen auf die Rübe geben.


    Anders als bei vielen Genre-Kollegen treten die einzelnen Kämpfer nicht abwechselnd gegeneinander an, sondern befinden sich bereits zu Beginn allesamt in der Arena. Hier dürfen sie sich frei umherbewegen und mit unterschiedlichen Attacken ordentlich Schaden anrichten. Denn das Ziel ist simpel: Gegnerische Teammitglieder insgesamt drei Mal ausschalten, um den Sieg einzufahren.


    Während das eigentliche Austeilen von Prügel recht einfach anmuten mag – Gegner anvisieren, flink rumlaufen und im richtigen Moment zuschlagen –, fällt das System dahinter etwas strategischer und somit gleich auch unterhaltsamer aus. Hier stehen nämlich HP und Mut-Punkte im Fokus.


    Eure Mut-Punkte werden auch am unteren Bildschirmrand präsentiert und bestimmen, wie effektiv euer HP-Angriff ausfallen wird. Kleines Beispiel gefällig? Zu Beginn einer Runde haben wir 1000 Mut-Punkte, während unser Gegner einen HP-Wert von 3000 besitzt. Mit rasant aufgeführten Mut-Attacken leeren wir die Anzeige unseres Kontrahenten und steigern unsere eigene damit auf schicke 3200. Die plötzliche Farbveränderung der Mut-Anzeige dient dann als visueller Hinweis – mit einem gezielten HP-Angriff können wir nun einen wichtigen Teilsieg für unser Team einstreichen.


    Macht einen verschachtelten Eindruck, spielt sich in der Praxis jedoch fantastisch und sorgt während hitziger Gefechte zudem für zusätzlichen Druck. Denn auch gegnerische One-Kill-Möglichkeiten werden euch angezeigt und verwandeln das Geschehen schnell zu einem erbitterten Kampf ums Überleben.




    Zahlenchaos


    Die umfangreiche Kämpfer-Palette sowie das ebenso rasante wie auch vielschichtige Kampfsystem verwandeln Dissidia Final Fantasy NT zu einem amüsanten Gesamtpaket, das mit weiteren, teilweise sogar entscheidenden, Aspekten zusätzlich bereichert wird.


    So weisen nicht verschiedenen Duellanten nicht nur unterschiedliche Bewaffnungen und Move-Sets aus, sondern besitzen zudem einzigartige Ex-Skills, deren gezieltes Einsetzen einen kurz- oder gar langfristigen Vorteil hervorrufen kann. Ob nun erhöhte Angriffskraft oder langsam regenerierende Lebenskraft, der richtige Skill zur richtigen Zeit kann Sieg oder Niederlage bedeutenden.


    Gleiches kann man auch über die Esper sagen. Vor jedem Kampf entscheidet ihr euch für eine, sammelt durch das Austeilen von Schaden (gegen Gegner oder gegen aus dem Nichts aufploppende Kristalle) ausreichend Energie und entlasst sie anschließend per Touchpad auf das Schlachtfeld. Mitsamt aller hilfreicher Fähigkeiten, die diese Esper so mit sich bringt. Und glaubt uns: Hier wurde uns bei Test-Matches mehr als ein Mal das Leben gerettet.


    Leider bringt die Fülle an Möglichkeiten neben Vorteilen auch einige Schwächen. Klar, stures Buttonsmashing bleibt uns erspart, immerhin können wir auf eine weitreichende Variation an Angriffen zurückgreifen. Dadurch wird der Bildschirm allerdings von etlichen Anzeigen, Gesundheits- und Energieleisten sowie Zahlen zugekleistert, die irgendwann auf den Geist gehen.


    Wenn man sich also inmitten eines hektischen Duells befinden, einen wuchtigen Spezialangriff ausführt und dann auch noch gefühlt 20 herumspringenden Anzeigen folgen muss, fühlt man sich gerne mal überfordert. Hier wäre weniger definitiv hilfreich gewesen.




    Viel zu kämpfen, wenig zu sehen


    Es schmerzt sehr, dass das fantastische Gameplay in ein sehr umfangarmes Erlebnis gepackt wird. In puncto Modi hat sich Entwickler Team Ninja nämlich eindeutig nicht an der Kämpferanzahl orientiert. Ganz im Gegenteil – viele Möglichkeiten der Vorgänger wurden einfach gestrichen.


    So enttäuscht beispielsweise der Story-Modus auf ganzer Linie. Konfuse Handlung, kaum existente Charakterzeichnung, vorherrschende Oberflächlichkeit: Fast jede Sequenz unterstreicht deutlich, dass man hier rasant eine kleinere Beschäftigungstherapie aus dem Boden stampfen wollte, um gegenüber der Arcade-Fassung mehr Inhalt zu kreieren. Da kann auch der fantastisch eingestreute Fan-Service wenig dran rütteln.


    Allerdings schwächelt die an den Haaren herbeigezogene Erzählung rund um den Super-Battle der Final Fantasy-Riege auch bei der Struktur. Anstatt in einem Ruck durchlaufen zu dürfen, müssen wir neue Abschnitte per Memoria freischalten. Diese erhalten wir wiederrum für das erfolgreiche Aufleveln, wofür wir den Arcade- und Onlinemodus angehen müssen.


    Ein System, das vor allem in Angesicht der durchschnittlichen Story schwer motiviert und schnell nervt. Denn gerade hier man sich die limitierte Modi-Auswahl schwer bemerkbar. Kein Bock auf Mehrspieler? Dann bleiben halt nur Arcade und Story. Und letzteres darf man dann eben nur in mehreren kurzen Häppchen erleben.


    Kleiner Wermutstropfen: Im Austausch mit kostbaren Gil lassen sich zahlreiche kosmetische Items, Waffen, Player icons und sogar bekannte Songs zum Zusammenstellen der eigenen Playlist freischalten. Für beinharte Fans, die über die magere Modiauswahl hinwegsehen können, sicherlich ein netter Zeitvertreib, der zusätzlich zum Online-Gefecht motiviert.


    Singleplayer-Verfechter fragen sich derweil enttäuscht, weshalb sich hier keine weiteren Modi freischalten lassen.



    Fazit


    Mangelnde Abwechslung und eine sehr eingeschränkte Modi-Auswahl versperren Final Fantasy Dissida Final Fantasy NT den Pfad in höhere Wertungssphären. Wahre Final Fantasy-Fans wird das aber sicherlich weniger stören.


    Denn mit 28 Franchise-Legenden sowie einem vielschichtigen Kampfsystem wird erstklassiger Fanservice geboten, der dank zahlreicher freischaltbarer Goodies sowie einem starken Online-Fokus wochenlang vor die Konsole fesselt. Und mit schicken Charaktermodellen und imposant in Szene gesetzten Fights zudem eine wirklich gute Figur macht.


    Wen Dauergekloppe jedoch zu schnell langweilt oder wer Mehrspielerpartien gänzlich meidet, der setzt diese Runde lieber aus. Oder hofft auf kommende Content-Updates.

Teilen