Persona 3: Dancing in Moonlight



  • Persona meets Dancing – Runde 2


    Waffen niederlegen und stattdessen lieber auf der Tanzfläche für Furore sorgen. Ein Konzept, dem wir bei Persona 4: Dancing All Night mit viel Skepsis begegnet sind. Binnen weniger Spielminuten wurde diese jedoch gnadenlos weggefegt – und wurde von uns mit einem positiven Test belohnt.


    Dementsprechend war unsere Vorfreude natürlich groß, als weiter Spin-Off-Ableger mit der rasanten Tanzausrichtung angekündigt wurden. Und nach langem Warten dürfen wir uns endlich wieder die Tanzschuhe ausziehen und in Persona 3: Dancing in Moonlight nun mit den Akteuren aus dem dritten Serienteil den Dancefloor zum Kochen bringen.


    Können auch Akihiko, Junpei, Yukari und Co. mit ihren Moves überzeugen? Das verraten wir euch im Test!



    Never change a dancing system


    Persona 4: Dancing All Night hat es vorgemacht, Persona 3: Dancing in Moonlight tritt direkt in die Gameplay-Fußstapfen. Fans werden hier nämlich vom altbekannten Dance-System begrüßt, das der Vorgänger in einem Ruck etablierte und nahezu perfektionierte.


    In der virtuellen Haut eines Persona-3-Charakters rockt ihr unterschiedliche Songs des fantastischen Soundtracks mit beeindruckenden Moves. Dabei gilt die alte Videospielregel: Wer ordentlich abliefert und sich keine Fehler leistet, der freut sich am Ende auch über einen anschaulichen Highscore.


    Diesen zu erreichen klingt zunächst angenehm simpel: Einfach die aus der Bildschirmmitte in Richtung Rand schwirrenden Buttons mit perfektem Timing und einem richtigen Ohr für die Musik drücken und sich nicht aus dem Takt bringen lassen. In der Praxis gestaltet sich das Ganze dann aber doch als (herrlich) herausforderndes Vorhaben.


    Bereits das kurze Tutorial macht nämlich deutlich, dass für ein erfolgreiches Abschließen der Choreographien vollste Konzentration von Nöten ist. So müssen auch plötzlich auftauchende Kreislinien mit den Analog-Sticks abgepasst werden, markierte Töne gehalten, doppelseitig angespielt oder zwei Mal schnell hintereinander angetippt werden. Und da bei rasanten Tonabfolgen schnell mal die Übersicht flöten gehen kann, verzettelt man sich vor allem beim Grande Finale eines Songs sehr gerne.


    Fakt ist aber: Bereits wie im Vorgänger geht einem das Gameplay schnell in Fleisch und Blut über. Statt die Disc gnadenlos in die Ecke zu feuern, fühlt man sich direkt motiviert, per zusätzlicher Trainingseinheiten noch besser zu werden. Und schnell ist man im Bann des lockeren Tanzes gefangen – und kann sich nur schwer lösen.




    Musikalische Reise in die Vergangenheit


    Fans der Reihe finden dank eines emotionalen Wiedersehens gleich noch einen weiteren Motivationsaspekt. Persona 3: Dancing in Moonlight vereint die geliebten Charaktere vom 2006 veröffentlichten RPG endlich in einem neuen Abenteuer und sorgt dabei für zahlreiche, wundervolle Momente, allesamt gefüllt mit liebevollen Erinnerungen und viel Humor.


    Mit gehörig aufgepeppten Charaktermodellen, aufgemotzten Schauplätzen sowie der phänomenalen Musikauswahl wird man direkt auf einen grandiosen Nostalgietrip geschickt, dem es trotz eines schnell monoton ausfallenden Gameplays ein wenig an Abwechslung mangelt, dieses Manko aber mit fetziger Inszenierung und farbenfroher Aufmachung locker wettmacht.


    Und während die lahm inszenierten Dialogsequenzen niemanden vom Hocker hauen werden, drehen die zahlreichen Dance-Einlagen die Partyschraube so richtig auf. Wilde Kamerafahrten, knallige Farben und jede Menge herumschwirrende Effekte lassen dem Auge keine Ruhe und machen gestalten das Verfolgen der zu spielenden Noten zeitweise sogar als chaotisches Unterfangen.


    Klarer Star ist dabei allerdings die breite Musikauswahl, die durchweg mit musikalischen Meisterkompositionen glänzt. Selbst Remix-Tracks können sich hören lassen und bleiben den Originalen weitestgehend treu, wodurch man sich über einen angenehm originellen Touch mit ausreichend Wiedererkennungswert freuen darf. Mitwippen lässt sich hier kaum vermeiden – kann allerdings schnell zu schmerzenden Fehlern bei der Performance führen.


    Sattsehen und -hören kann man sich daran nicht. Selbst nach unserem (sehr umfangreichen) Test fühlen wir uns immer wieder dazu animiert, erneut aufs kunterbunte Parkett zu springen und eine flotte Sohle hinzulegen.




    Handlung auf Sparflamme


    Während bisher deutlich erkennbar ist, dass die Entwickler einfach das starke Gameplay- und Technikgewand des Vorgängers um einen anderen Serienableger geworfen haben, stinkt ein Aspekt im direkten Vergleich gnadenlos ab: Die Handlung!


    Während man in Persona 4: Dancing All Night noch einen Story-Modus geliefert bekam, präsentiert uns Persona 3: Dancing in Moonlight einfach ein insgesamt recht innovationsarmes Handlungsgerüst. Die SEES-Mitglieder werden von Velvet-Room-Bewohnerin Elizabeth in eine Traumwelt transportiert. Hier sollen sie sich die Seele aus dem Leib tanzen, um bei einem Wettbewerb gegen ihre jüngere Schwester zu bestehen. In so einer Situation stecke sicherlich jeder schon mal.


    Anstatt sich nun von Sequenz zu Sequenz zu hangeln, stürzen wir uns direkt auf die Songauswahl und liefern – wie sollte es auch anders sein – ordentlich ab. Hier kommt dann auch das Social-Link-System zu tragen. Hat man bestimmte Voraussetzungen erfüllt, schaltet man einen neuen Link mit einem Charakter frei und darf anschließend einen kurzen, oftmals sehr amüsanten Dialog genießen.


    Während jeder Verbündete andere Anforderungen zum Freischalten seiner Link-Stationen vorweist, fallen diese nie wirklich schwer aus. Verschiedene Songs spielen, bestimmte Töne treffen, andere Outfits auswählen – und schon darf man einen neuen Dialog starten und sich so langsam aber sicher den Weg in Richtung Abspann bahnen.


    Wer hier erzählerische Brillanz erwartet, der wird enttäuscht. Allerdings zeigt sich auch hier wieder die Stärke der Persona-Reihe: Allein das Zusammenspiel der lieb gewonnenen Charaktere macht sehr viel Freude und wird mit amüsanten Dialogen erstklassig ausgespielt. Gelegentlich vermisst man einen vollwertigen Story-Part da schon, lässt sich davon aber auch nicht die Laune verderben.




    Neuer Stil für neuen Groove


    Fleißiges Freischalten eines Social-Link-Verlaufs eröffnet euch aber nicht nur neue Konversationen, sondern beschenkt euch zudem mit coolen Outfits und Modifiern, mit denen dann auch experimentierfreudige Tänzer etwas zu tun bekommen.


    Ziehen wir den Schuldress an? Packen wir eine witzige Brille dazu? Oder gar eine rote Clownsnase? Bei Persona 3: Dancing in Moonlight darf man sich getrost austoben – und muss dieses Mal nicht jeden Gegenstand für jeden einzelnen Charakter im Austausch mit angesammelten Punkten freischalten. Einmal freischaltet, schon darf man alle spielbaren Tänzer mit dem Item aufpeppen.


    Gleiches gilt auf für die vielen Modifier. Diese dürfen vor Songstart an- oder ausgeschaltet werden und versorgen euch mit unterstützenden Hilfseinstellungen oder herausfordernden Zusatzhindernissen. Gleichzeitig wird auch an eurem Highscore rumgespielt: Wer ein wenig Hilfe braucht, kriegst weniger Punkte. Wer etwas Mut beweist, wird mit einem höheren Highscore belohnt.


    Obwohl die breite Auswahl an Zusatzoptionen zunächst ein wenig abschreckt, sollte sich jeder ausgiebig damit beschäftigen: Immerhin schaltet man damit auch neue Social Links frei und baut sich gleichzeitig seinen völlig eigenen Tanzstil auf, den es immerhin zu perfektionieren gilt.


    Persona 3: Dancing in Moonlight schafft es mit den snackigen Songs, amüsanten Gesprächen und freischaltbaren Outfits und Modifiern gekonnt, euch in den tänzerischen Bann zu ziehen und immer wieder zu einem neuen Tänzchen zu animieren. Und seien wir ehrlich: Wenn man dabei fantastische Lieder sowie eine herzige SEES-Reunion geboten bekommt, will man diesen Bann auch gar nicht brechen.



    Fazit


    Obwohl Persona 3: Dancing in Moonlight den umfangreichen Handlungsmodus des Vorgängers vermissen lässt und Fans letztlich „nur“ durch eine Aneinanderreihung von Dialogen führt, kann auch dieser Spin-Off-Part problemlos an dessen fantastischen Unterhaltungswert, visuelle Brillanz und musikalische Langzeitmotivation anschließen.


    Fans freuen sich über ein herzerwärmendes Wiedersehen mit altbekannten Charakteren und statten optisch aufgemotzten Schauplätzen des Originals einen Besuch ab, während selbst Nichtkenner bei der ebenso variantenreichen wie auch durchweg begeisternden Songauswahl abfeiern und gar selbst Lust bekommen, direkt das Tanzbein zu schwingen.


    Persona 3: Dancing in Moonlight wird dadurch erneut zum feingeschliffenen Dance-Diamanten, der mit Highscore-Jagden, zahlreichen Schwierigkeitsgraden sowie freischaltbaren Outfits und Gameplay-Modifiern lange Zeit an die Konsole fesselt.


    Und dabei nicht nur Persona-Fans, sondern sogar Tanzmuffel zum Mitmachen animiert.

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