Devil May Cry 5



  • Totgeglaubte Dämonen leben länger.


    2010 konnte man weltweite Fanherzen brechen hören. Anstatt Devil May Cry 4 mit einer ähnlich wuchtigen Fortsetzung zu beschenken, kündigte Ninja Theory auf der Tokio Game Show das Reboot DmC: Devil May Cry an und liefert ein qualitativ ansprechendes Game ab, das an das einzigartige Feeling des Originals aber nur schwer rankam.


    Auf der E3 2018 nahm es sich Capcom somit zur Aufgabe, die Wunden der Fangemeinde zu heilen – und schoss mit der Ankündigung von Devil May Cry 5 und der Wiederkehr der beliebten Charaktere fast schon über das Ziel hinaus. Die Vielzahl an lautstarken Reaction-Videos im Internet spricht da Bände.


    Und nun halte ich – mehr als 11 Jahre nach der Veröffentlichung von Devil May Cry 4 am 31. Januar 2009 – endlich die lange herbeigesehnte Fortsetzung in meinen Händen. Doch weinen die Teufel nun vor Freude oder vor Trauer? Ich habe mir Knarren und Schwert gegriffen und gebe euch in diesem Test die Antwort!



    Neue Bedrohung aus der Dämonenwelt


    Wie man jahrelange Serienfans bereits nach den ersten Spielminuten einen gehörigen Schreck einjagen kann? Devil May Cry 5 bietet ein Paradebeispiel: Indem man gnadenlos deutlich macht, dass sich die brandneue Dämonenbedrohung auf einem völlig neuen Niveau befindet.


    So darf ich als Part-4-Neuling Nero zwar direkt gegen Obermotz Urizen antreten, kann mit meinen vergleichsweise lächerlichen Schwert-und-Knarren-Skills allerdings kaum etwas ausrichten. Völlig wehrlos werde ich Zeuge, wie zunächst der legendäre Dämonenjäger Dante und anschließend Nero problemlos besiegt werden und die Stadt Red Grave City dem Erdboden gleich gemacht und die Einwohner ins Jenseits befördert werden.


    Logischerweise folgt jetzt aber nicht der Abspann, sondern der lange Weg in Richtung Rache. Denn Nero, Dante und Helden-Neuling V lassen sich von der Niederlage natürlich nicht unterkriegen und bündeln all ihre Kräfte, um Urizen erneut entgegenzutreten und seiner Übermacht ein Ende zu bereiten.


    Einer gesagt als getan. Denn auf die drei dämonischen Superkämpfer wartet ein mit angriffslustigen Monstern gespickter Spießroutenlauf, der sie nicht nur mit schier unüberwindbaren Herausforderungen, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.



    100% Fan-Service


    Ich möchte ehrlich sein: Meine Zusammenfassung der Rahmenhandlung von Devil May Cry 5 fällt erschreckend kurz aus und ignoriert etliche Aspekte, die den simpel klingenden Plot mit Farbe, Leben und Energie füllen. Allerdings ist es mir als Fan wichtig, möglichst wenige Spoiler einzubauen, Veteranen und Neulingen also nicht die Vorfreude zu vermiesen.


    Dennoch kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass Capcom mit der Story des fünften Ablegers nahtlos and die (fast) durchweg spannenden Erzählungen der Vorgänger anschließen und dabei nicht nur eine rundum gelungene Fortsetzung, sondern auch zahlreiche Antworten auf seit vielen Jahren offenen Fragen liefert.


    Besonders beeindruckend ist hierbei der fantastische Doppelblick in Richtung Vergangenheit und Zukunft. Während sich Devil May Cry 5 stets nach vorne bewegt und die wichtigsten Charaktere gekonnt weiterentwickelt, wirft man gleichzeitig immer wieder gerne einen nostalgischen Blick zurück und lässt Kenner in wundervollen Erinnerungen schwelgen.


    Zusätzlich nimmt Capcom auch Aspekte aus der Anime-Serie sowie dem Roman mit auf, stellt das Devil-May-Cry-Universum damit also noch größer und in sich geschlossener auf. Für mich als Fan ein wahrgewordener Traum, immerhin darf ich die bisher als Nebenerzählung abgestempelten Nebenprodukte nun auch in den offiziellen Kanon mit aufnehmen. Und diesen mit optionalen Notizen im Hauptmenü mit weiteren, spannenden Fakten füllen.


    Neulinge dürften davon zunächst ein wenig erschlagen werden, dürfen sich jedoch über ein zwar kurzen, dafür aber ausreichend informatives Was-bisher-geschah-Video freuen, das vor Spielbeginn angeschaut werden darf. Sicherlich kratzt Capcom hier nur an der Oberfläche, bietet allerdings dennoch ein stabiles Sprungbrett für das neue Abenteuer.



    Zuwachs im Devil May Cry


    Allerdings sind die wundervollen, nostalgischen Rückblicke in die Franchise-Vergangenheit nicht der primäre Aspekt, mit dem Devil May Cry 5 mein Fan-Herz binnen weniger Sekunden erneut zu entfachen wusste. Dafür zeichnet sich erneut die ebenso abgedrehte wie auch verboten coole Heldenriege verantwortlich.


    Dante und Nero stehen dabei natürlich an oberster Stelle und verbuchen mit markanten Sprüchen und einigen unvergesslichen Momenten (Dante schwingt das Tanzbein – und mehr will ich dazu auch gar nicht verraten) direkt den ersten Platz unserer Favoritenliste. Lady und Trish feiern ebenso ihr Comeback, sind jedoch nur ein winzig kleines Zahnrädchen im gigantischen DMC5-Uhrwerk. Aber Wiedersehen macht ja bekanntlich immer Freude.


    Wahrlich glänzen können aber auch die beiden Neuzugänge V und Nico. Während V als dritter Hauptheld in puncto Coolness nur schwerlich mit Dante und Nero mithalten kann, überholt er diese beim mysteriösen Auftreten um ein Vielfaches und avanciert dadurch dennoch zum spannenden Protagonisten, dessen Herkunft sich dem Spieler nach und nach eröffnet.


    Nico ist derweil meine geheime Super-Favoritin der gesamten Reihe. Sicherlich bleibt sie im Vergleich zu Dante, Nero und V ebenfalls ein wenig blass und kann ihre eigene Geschichte nur in kurzen Erzählungen anschneiden, kämpfte sich mit ihrer genialen Art und besonderem Humor schnell ihren Weg in mein Herz und brachte mich jedes Mal zum Strahlen, wenn sie auf dem Bildschirm auftauchte.


    Gaming-Fans ohne Devil-May-Cry-Erfahrung warden sich hier zunächst ein wenig umstellen müssen: Immerhin geht es hier nicht um tiefgründige Charaktere im Stil eines Last of Us, sondern um eine abgedrehte Dämonen-Story mit Anime-Flair, bei denen das Wortteil Over- gefühlt für jedes Element geknallt werden kann. Und wie bereits in den Vorgängern trifft Devil May Cry 5 gerade hier vollends ins Schwarze.



    Inszenierung auf allerhöchstem Action-Niveau


    Doch bei Handlung und Charakteren hört der einzigartige Over-Action-Stil von Devil May Cry 5 immer noch nicht auf. Denn auch bei der Inszenierung haben sich die Entwickler nahtlos an den Vorgängern orientiert und liefern Fans ein atemberaubendes Super-Feuerwerk, das von der ersten bis zur letzten Minute lautstark abfeuert.


    Fast jede Zwischensequenz ist brachial in Szene gesetzt und beeindruckt mit krassen Stunts, explosiven Effekten und gekonnt eingesetzten Zeitlupen. Ob Nero nun den fahrenden Devil-May-Cry-Truck per Fenster verlässt, um angreifende Dämonen fulminant über den Jordan zu schicken oder Dante zum ersten Mal sein schickes Motorrad, das gleichzeitig auch eine zweihändige Waffe ist, ausprobiert, Action-Fans mit Hang zur amüsanten Übertreibung kommen hier vollends auf ihre Kosten. Und ja, es gibt mehr als die zwei von mir angeführten Szenen – allerdings möchte ich für die Spoiler nicht in die Hölle kommen.


    Über optische Augenschmäuse darf man sich dann auch freuen. Mit der RE Engine erstrahlt Devil May Cry 5 nämlich in völlig neuem Glanze, verabschiedet sich von dem leicht in Richtung Anime tendierenden Gesamtbild der Vorgänger und verpasst den Hauptcharakteren einen insgesamt realistischeren Look. Ehrlich gesagt ziemlich gewöhnungsbedürftig, nach einigen Spielstunden dann aber definitiv als neuer Standard für die gesamte Reihe akzeptiert.


    Die RE Engine geht jedoch über die realistischen Gesichter hinaus und bringt der Spielwelt ein optischen Detailreichtum, der jeden Schauplatz, jede Sequenz, jeden Kampf zum kleinen Super-Erlebnis macht. An jeder Ecke entdecken wir liebevoll eingepflegte Besonderheiten, freuen uns über grandiose Kampf-Animationen und bekommen mit dem Foto-Modus dann noch die Gelegenheit, diese optisch opulenten Momente festzuhalten. Einfach nur Wow.


    Einziger Wermutstropfen: Zum einen geht das eigentlich schicke Leveldesign im Mittelfeld ein wenig in die Knie und verliert sich in einem uninspiriert wirkenden Grau-Tunnel, der sich viel zu lange zieht. Ein Manko, das Kenner des vierten Parts sicherlich mit einem Immerhin kein Backtracking abtun werden.



    Höllisch guter Sound


    Fans dürfen sich jedoch nicht nur über die Rückkehr von Dante und Nero, sondern auch ihrer Synchronsprecher freuen. Diese liefern erneut eine erstklassige Leistung ab und verleihen unseren geliebten Dämonenkämpfern dadurch erst ihren einmaligen Touch. Auch V und Nico wurden mit passenden Sprechern versehen, wobei letztere auch in dieser Kategorie mein Herz für sich gewonnen hat. Jedes Mal wenn diese verrückte Nico ihren Mund öffnet, ist bei mir mindestens ein Schmunzler vorprogrammiert.


    Kommen wir nun aber zum eigentlichen Hauptprogramm: Dem Soundtrack! Denn hier bietet uns Capcom eine Genre-übergreifende Songauswahl an, die sich gewaschen hat. Und tatsächlich dazu geführt hat, dass mein Nachbar bei einer meiner Test-Session leicht wütend geklingelt und um etwas mehr Ruhe gebeten hat (Wirklich, no Joke).


    Grandioses Highlight sind dabei die Battle Songs, mit denen sich Dante, Nero und V durch die Urizens Dämonenschar kämpfen. Anstatt einfach ein übergreifendes Theme zu erschaffen und Feierabend zu machen, spendiert Capcom jedem Helden seinen eigenen Track und verpasst ihm einen völlig eigenen Genre-Touch. Und damit das Ganze dann auch wirklich zu den Kämpfen passt, läuft das Ganze dynamisch ab – je besser ihr kämpft, desto wuchtiger wird auch der Song. Perfekte Motivation also.


    Wer sich zumindest den Reveal Trailer mehrmals angeschaut hat, der kennt einen dieser Battle Songs bereits sehr gut: Devil Trigger, das jedes Mal ertönt, wenn Nero seinen Devil Breaker im Kampf ausprobieren darf. Und ich möchte an dieser Stelle festgehalten haben, dass dieser Song anfangs auf meiner No-Go-Liste stand, sich mittlerweile aber in meine Top-10 der Videogamesongs hochgekämpft hat. Hier stimmt einfach alles, so sieht musikalische Perfektion aus!



    Doch auch abseits der Kämpfe darf man sich über rockige Tunes, aber auch epische Orchesterklänge freuen, die sich der jeweiligen Sequenz erstklassig anpassen und trotz grundverschiedener Richtungen eine auditiv begeisternde Symbiose bilden. Kein Song wirkte deplatziert oder nervig, vielmehr schien fast jede noch so nebensächliche Komposition mit einem grauenhaften Ohrwurm-Effekt behaftet zu sein.


    Leider konnte sich der Ohrwurm-Effekt bei mir hier aber nicht richtig ausbreiten. Immerhin hat Devil Trigger diesen Job bereits gnadenlos erlegt und geht mir selbst beim Schreiben dieser Zeilen immer und immer und immer wieder durch den Kopf. Selten brannte sich Kampfmusik gnadenloser in mein Hirn. Ich werde diesen Test updaten, sollte ich den Song jemals aus meinem Kopf verbannen können.



    Nero


    Am grundlegenden Spielverlauf hat Capcom derweil kaum Veränderungen vorgenommen: Um Urizen aufzuhalten, laufen wir von Mission zu Mission, durchlaufen relativ geradlinig gestaltete Schauplätze und – wie sollte es anders sein – jagen jede Menge fiese Dämonen zurück in die Hölle.


    Und während Devil May Cry 4 damals noch zwei spielbare Charaktere bot (in der Ursprungsfassung, nicht die Jahre später veröffentlichte Special Edition), liefert euch Devil May Cry 5 drei dämonische Helden: Nero, Dante und V. Und logischerweise hat jeder seinen eigenen Stil und bringt somit seine einzigartigen Besonderheiten mit.


    Den spielerischen Anfang macht Nero, der sich im Vergleich zum Vorgänger zwar optisch verändert hat, in puncto Steuerung jedoch alte Erinnerungen weckt. Mit wundervollen Schwert-Revolver-Kombo können wir Dämonen variantenreich malträtieren und sie sogar in die Lüfte befördern, um sie hier weiterhin zu beharken. Die Red Queen (unser Schwert) sowie die Blue Rose (unser Revolver) können dann auch noch aufgeladen werden, um den Schaden zu maximieren.


    Simples Copy + Paste wäre für Capcom allerdings undenkbar, weshalb Nero dieses Mal auf seinen Dämonenarm, den Devil Bringer, verzichten muss. Als Ersatz winken die sogenannten Devil Breaker, mechanische Arme mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die sich zwischen den Missionen erwerben und ins Equipment aufnehmen sowie bei Erkunden der einzelnen Schauplätze ausfindig machen lassen.


    So können wir mit dem Overture Blitzstöße abgeben, mit dem Punch Line eine Reihe schmerzhafter Schläge austeilen, mit dem Tomboy unsere standardmäßige Bewaffnung aufmotzen oder mit dem Ragtime in bestimmten Bereichen die Zeit verlangsamen. Leider dürft ihr nur eine bestimmte Anzahl an Devil Triggern bei euch tragen, könnt diese nicht austauschen und verliert sie nach einiger Zeit (verdammt sei die Abnutzung!). Könnt sie auch Wunsch aber auch manuell in die Luft jagen.


    Fans bekommen somit einen Devil Breaker 2.0 serviert, der nun zwar insgesamt variantenreicher ausfällt, dazu jedoch das strategische Denkvermögen des Anwenders erfordert. Die logische Folge: Nero bekommt eine ganze Reihe neuer Prügelmöglichkeiten spendiert, die Kenner und Neulinge gleichermaßen begeistern. Vorsicht ist aber geboten: Wer im Hype des Dämonen-Gemetzels den Devil-Breaker-Überblick verliert, der steht urplötzlich mit einer lebenswichtigen Hauptwaffe weniger da.



    Dante


    Auch Dämonenjäger Dante hat viel Ähnlichkeit mit seinem Devil-May-Cry-4-Pendant und lässt vor allem das Herz Kombo-süchtiger Super-Gamer höherschlagen.


    Während er nämlich ebenfalls auf eine Schwert- und Schusswaffen-Kombo zurückgreifen darf, kann man Style-Set und Equipment inmitten des Kampfes via Steuerkreuz und Schultertasten auf die jeweilige Situation anpassen und optimieren. Und damit wuchtige Megaattacken auf das Parkett zaubern, die selbst gigantische Endgegner in die Knie zwingen.


    Beispiel gefällig? Ich beginne gerne mit der altbekannten Kombination aus Schwert Rebellion und Schusswaffen Ebony & Ivory. Habe ich einen Dämon damit in die Luft befördert, springe ich hinterher, wechsle per rechter Schultertaste zu den Fäustlingen Balrog, donnere einige schmerzhafte Schläge und Tritte hinterher und vollende das Ganze mit einem saftigen Schuss aus der Schrotflinte.


    Und wenn ich parallel dann noch das Steuerkreuz verwende und zwischen den vier einzigartigen Stilen herumschalte, kann ich jeden Part meiner Kombo zusätzlich aufmotzen. Swordmaster für verbesserte Nahkampfangriffe, Gunslinger für explosive Schusswaffen-Epicness, Trickster für schnelle Ausweichmanöver oder die Royal Guard für riskante, aber sich auszahlende Defensiv-Moves direkt am Mann/Monster.


    Im Spielverlauf fügt Dante seinem Repertoire weitere Waffen hinzu und erweitert die Liste an Kombinationsmöglichkeit somit deutlich. Experimentierfreudige Kombo-Meister kommen hier also definitiv auf ihre Kosten und finden selbst nach etlichen Spielstunden immer wieder neue Wege, ihre eigens zusammengebaute Strategie nochmals zu toppen.


    Selbst nach etlichen Spielstunden konnte mich Dante mit dieser grandiosen Vielfalt immer wieder beeindrucken – und wird auch beim mittlerweile vierten Durchgang spielerisch nicht langweiliger.



    V


    Der geheimnisvolle V bringt nicht nur als Charakter frischen Wind in die Reihe, sondern eröffnet auch mit seinem Kampfsystem völlig neue Tore. Immerhin wird das stets gnadenlos aktive Kampfsystem mit ihm urplötzlich in eine passive Ecke verfrachtet.


    Ein geschwächter Körper erlaubt dem dritten Helden nämlich nicht, die Dämonen selber per Gehstock zu beharken. Dementsprechend verlässt er sich auf seine drei Schattenwesen, Vogel Griffon, Panther Shadow und Gigant Nightmare, die er per Knopfdruck aus dem Nichts herbeibeschwören und auf feindlich gesinnte Schergen hetzen kann.


    Simples Herumstehen und auf die Angriffstasten hämmern braucht man hier aber nicht zu befürchten. Immerhin durchschauen vor allem Endgegner dieses Spiel schnell und versuchen das Problem direkt an der Wurzel zu bekämpfen, also V gnadenlos um die Ecke zu bringen. Wenn Shadow und Griffon dann noch in die KO-Zustand gebracht werden, steht ihr gänzlich ohne Verteidigungslinie da. Wer sich also nur auf seine Schattenwesen verlässt, der wird schnell das Zeitliche segnen, sollte also auch auf gezieltes Ausweichen achten.


    Besonderer Clou: Gänzlich vernichten können Griffon, Shadow und Nightmare die Dämonen nicht. Sobald diese ausreichend geschwächt wurden, muss sich V aus der Defensive wagen und mit einem einzelnen Hieb das bereits unterschriebene Todesurteil in die Tat umsetzen. Vor allem in größeren Gegnergruppen wird das zu einem herrlichen Nervenkitzel, der bestens unterhält.


    Ich bin mir sicher, dass V nicht jedem Devil-May-Cry-Fan zusagen wird. Immerhin steht die stylische, gekonnt in Szene gesetzte Action seit dem ersten Part stets im Vordergrund, während sie bei V eher in die zweite Reihe gestellt und durch andere Aspekte ersetzt wird.


    Doch gerade diese bisher unbekannte Passivität ergeben in Kombination mit dem herrlichen Abwechslungsreichtum und dem weiterhin anschaulichen Kampfstil eine grandiose Erweiterung des Spielgefühls, das sich ohne eben solche Einfälle schnell in der Monotonie verlieren würde und auf diesem Wege frisch, unterhaltsam und motivierend gehalten wird.



    SSS als oberstes Ziel


    Devil May Cry 5 bietet ohne jede Frage das beste Kampfsystem der gesamten Reihe. Immerhin hat sich Capcom spürbar an den bisher erlernten Stärken bedient, diese sinnvoll miteinander kombiniert und konsequent weiterentwickelt und mit einer Vielzahl an Möglichkeiten ausgestattet.


    Unterschiedliche Dämonentypen sowie fordernde Bosse stellen dabei sicher, dass diese auch ausreichend erprobt und eingesetzt werden. Wer sich blind auf eine Strategie verlässt, der schaut spätestens ab dem Mittelfeld blöd aus der Wäsche. Nur wer stets die Waffen wechselt, auch mal einen neuen Devil Breaker ausprobiert oder die Schattenwesen zum richtigen Zeitpunkt einsetzt, wird ohne große Probleme ans Ziel kommen. Anpassung ist hier das Zauberwort.


    Belohnt wird das Ganze dann auch noch mit einem passenden Style-Rank, den Serienveteranen mittlerweile auswendig kennen dürften. Je abwechslungsreicher euer Kampfstil ausfällt, desto höher steigt eure Bewertung, beginnend bei einem schwachen D- und endend bei einem mächtigen SSS-Rank. Legt ihr fetzige Moves hin und beendet die Mission ohne den Einsatz von Items oder eines Continues, freut ihr euch dann auch über eine schicke Endwertung.


    Was ihr euch davon kaufen könnt? Ziemlich viel! Auch die roten Orbs sind natürlich wieder am Start und können in der Umgebung aufgefunden, von besiegten Dämonen eingesammelt oder im Austausch mit einem schicken Rank verdient werden. In Nicos Shop investiert ihr diese dann in brandneue Angriffe, Fähigkeiten, Waffen-Upgrades oder Gesundheitserweiterungen.


    Das bereits gigantische Repertoire an taktischen Kombinationsmöglichkeiten wird dadurch stets ausgebaut und eröffnet euch die Möglichkeit, euren persönlichen Wunschstil mit diesen Orb-Investitionen zu optimieren. Und da ihr das bei allen drei Kämpfern in Angriff nehmen dürft, ergibt sich allein hier schon ein perfekter Motivationspunkt.



    Der perfekte Dämonenjäger


    Mein erster Höllentrip in Richtung Abspann dauerte knappe 12 Stunden. Sicherlich hätten optionale Wege und kleinere Erkundungstouren die Zahl ein wenig nach oben drehen können, für mich als Fan entpuppte sich der handlungstechnische Aspekt jedoch als kaum zu ignorierender Zwang, das Ende so schnell wie möglich zu erreichen und zu erleben.


    Allerdings animierte mich Devil May Cry 5 direkt im Anschluss dazu, direkt einen höheren Schwierigkeitsgrad anzuwählen, jeden bisher verdienten Rank aufzubessern und versteckte Geheimmissionen ausfindig zu machen und zu rocken. Trotz des linearen Spielaufbaus gibt es also ausreichend Abzweigungen, um sich ein wenig die Zeit zu vertreiben.


    Perfektionisten schalten durch mehrmaliges Durchspielen dann auch noch neue Kostüme, Fähigkeiten und Schwierigkeitsgrade frei, wobei diese von Hui, fordernd bis zu Okay, wie soll ich das denn schaffen? rangieren. Wenn man zusätzlich verstärkte Bosse ohne jeglichen Gegentreffer wegmetzeln soll, nähert man sich steten Schrittes gerne mal einem mittelschweren Nervenzusammenbruch.


    Capcom hat es also spielend geschafft, das auf dem Papier recht monoton wirkende Gameplay von Devil May Cry 5 erneut brillant aufzupeppen und mit ausreichend Tiefgang zu versehen, dass man sich kaum mehr von der Konsole lösen kann. Das Sammeln von roten Orbs, Freischalten neuer Fähigkeiten und Meistern neuer Schwierigkeitsgrade macht einfach nur verboten viel Laune, fühlt sich unglaublich gut an und bekommt im April mit dem Blutigen-Palast-Modus als kostenloser DLC gleich noch Zuwachs.


    Für mich ist es aber der Kern, der mich einfach nur durch und durch begeistert. Mit Dante, Nero oder V auf unfassbar stylische Art und Weise Dämonen in den Arsch treten, dabei neue Moves auszuprobieren und die heimische Anlage laut aufdrehen, um den fetzigen Soundtrack zu genießen. Ein simpel aussehendes, aber schwer zu meisterndes Rezept, das Capcom mit Devil May Cry 5 nun scheinbar wirklich revolutioniert hat. Und damit eine regelrechte Dämonen-Renaissance einer legendären Reihe erschaffen hat.


    Jackpot!



    Fazit


    Devil May Cry ist zurück! Und verdient für den fünften Teil ohne jede Frage einen höllischen SSS-Rank.


    Fast jeden der bereits hervorragenden Elemente der zahlreichen Vorgänger hat Capcom in Devil May Cry 5 zur Perfektion hochpoliert und mit etlichen Neuerungen versehen, wodurch sich Serien-Fans und -Neulinge nicht nur über den besten Ableger, sondern auch über eines der besten und vielschichtigsten Kampfsysteme des Genres freuen dürfen.


    Die packende Handlung, atemberaubende Optik, der fantastische Soundtrack sowie der breite Umfang an freischaltbaren Schwierigkeitsgraden, Fähigkeiten und Extras sowie wie der damit in Verbindung stehenden Vielzahl an Experimentiermöglichkeiten komplettieren das sagenhafte Action-Paket, das jetzt schon ohne jede Frage zu den großen Highlights des Gaming-Jahres 2019 gehört.


    Bravo, Capcom! Ihr habt Devil May Cry 3 als meinen Serienliebling abgelöst und Devil May Cry 5 auf den Thron gesetzt. Fühlt euch von mir gedrückt und beginnt bitte direkt mit den Arbeiten an der Fortsetzung – Danke!

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