Saints Row 4: Re-Elected [Switch]



  • Open-World-Wahnsinn für unterwegs


    Wir wissen bis heute nicht, welche Substanzen Volition während der Entwicklung von Saints Row IV zur Verfügung standen. Wir sind allerdings dankbar, dass scheinbar beachtliche Mengen konsumiert wurden.


    Immerhin wurden beim vierten Ableger der anfänglich als simpler GTA-Klon bezeichneten Reihe jegliche Grenzen über Bord geworfen, der Fantasie freien Lauf gelassen, Kreativität zur mächtigsten Waffe erklärt. Das Endresultat: Chaos, Anarchie und Wahnsinn im herrlich abgedrehten Videospielgewand.


    Doch kann Saints Row IV: Re-Elected dieses wahnwitzige Freudenfeuerwerk auch auf der Switch entzünden? Oder erlischt die Lunte kurz vor der großen Spielspaß-Explosion? Wir verraten es euch im Test!



    Der große Bruder von „Vollkommen verrückt“


    Keine Zeit für lange Reden! Saints Row IV: Re-Elected erspart euch elendig langsam Geplänkel und konfrontiert euch direkt mit eurer ersten Mission: Als Boss der Saints müsst ihr einen nuklearen Anschlag auf Washington verhindern und dabei – wie sollte es anders sein – eine verboten coole Figur machen.


    Reicht euch nicht? Wie wäre es im direkten Anschluss dann mit der Ernennung zum Präsidenten der Vereinigten Staaten?


    Immer noch nicht genug?! Okay: Die anschließende Alien-Invasion mit explosiver Zerstörung und jeder Menge Bumm-Bumm und Bang-Bang sollte dann aber wirklich endgültig reichen!


    Entwickler Volition ist aber weiterhin nicht happy und gibt jetzt erst recht Story-Vollgas! Immerhin findet sich der Boss anschließend in einer Steelport-Simulation wieder und muss mit übermenschlichen Fähigkeiten alles dafür tun, sein Team erneut zu versammeln, dem virtuellen Gefängnis zu entkommen und den fiesen Aliens einen kosmischen Tritt in den Hinter zu verpassen.


    Klingt höllisch verrückt, kratzt aber tatsächlich nur an der Oberfläche. Saints Row IV: Re-Elected wirft jeglichen Realitätsanspruch über Bord, feuert handlungstechnisch in jede noch so absurde Richtung und erschafft dadurch eine grandios überzogene Parodie, die Genre-Kollegen, Hollywood-Streifen und sich selbst immer wieder ins Visier nimmt.



    Wer braucht schon Autos?


    Tatsächlich scheint dieser Wahnsinn beim Gameplay zunächst sein Ende gefunden zu haben, während sich im Gegenzug die GTA-Inspirationsquelle bemerkbar macht.


    Eine offene Spielwelt wird zu unserem Spielplatz und darf per pedes oder mit zahlreichen klassischen und futuristischen Karosserien erkundet werden. Das Hauptziel: Sich von Mission zu Mission hangeln, mit fettem Waffenarsenal unliebsame Schergen ins Jenseits befördern und zu guter Letzt (hoffentlich) die Welt retten.


    Saints Row IV: Re-Elected lockt euch allerdings heimtückisch in eine Falle, zieht nach der ersten Spielstunde die Schlinge zu und schubst euch in einen regelrechten Gameplay-Wahnsinn. Autos werden schnell obsolet, immerhin verfügen wir urplötzlich über fantastische Superhelden-Fähigkeiten, die unser virtuelles Leben auf den Kopf stellen.


    So dürfen wir mit Affenzahn durch die Häuserschluchten düsen, mit Supersprüngen Wolkenkratzer erklimmen, durch die Lüfte gleiten oder unterschiedliche Elemente aus unseren Händen feuern. Nach und nach bekommen wir neue Kräfte spendiert, freuen uns beim Kampf gegen das Böse also über variantenreiche Angriffsmöglichkeiten.


    Auf unsere Ballermänner müssen wir dabei natürlich nicht verzichten. Ganz im Gegenteil: Wenn man sich via Supersprint unachtsamen Aliens nähert, sie via Eisstrahl erstarren lässt und mit einer gezielten Schrotflintensalve in ihre Einzelteile pulverisiert, lädt Saints Row IV: Re-Elected regelrecht zum kreativen Kombinieren verschiedener Gameplay-Elemente ein.



    Datensammler


    Es ist aber noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und das gilt ganz besonders für den Boss der Saints! Zum Glück dürft ihr diesen nach allen Regeln der Kunst aufmotzen: Optisch sowie spielerisch!


    Zu Beginn steht euch ein umfangreicher Charakter-Editor zur Verfügung, der wirklich keinen Wunsch unerfüllt lässt. Silbernes Muskelpaket mit schickem Make-Up? Check! Dazu dann eventuell noch ein schickes Kleidchen? Check! Mit der Stimme von Nolan North? Check, check, check!


    Das virtuelle Steelport beherbergt zudem zahlreiche Datenkerne, mit denen das volle Potenzial eurer Superkräfte entfesselt wird. Ihr wollt länger sprinten, weiter springen oder mehr Schaden anrichten? Dann solltet ihr stets die Augen nach den über 1000 Leuchtkugeln offenhalten und fleißig upgraden!


    Erfüllt ihr fleißig Missionen und setzt dabei eure Kräfte abwechslungsreich ein, verdient ihr euch zudem Erfahrungspunkte, die früher oder später im Stufenanstieg münden. Wer die Taschen jetzt noch voller Daten-Moneten hat, darf zahlreiche spielerische Vorteile – beispielsweise mehr Gesundheit, optimierte Bandenstärke oder größere Munitionsvorräte – käuflich erwerben.


    Oder beim örtlichen Waffenhändler das eigene Arsenal aufstocken und favorisierte Ballermänner gegen eine kleine, unfreiwillige Geldspende aufmotzen. Immerhin muss man als Saints-Boss auch in einer Simulation zeigen, was man hat.



    Mit Beinbruch zum Simulationsmillionär


    Nun könnte man meinen, dass in einer Steelport-Simulation Geld nun endlich auf Bäumen wächst. So abgedreht dachte Volition dann aber doch nicht, versorgt euch im Gegenzug aber immerhin mit völlig abgedrehten Nebenaufgaben.


    Abseits der Haupthandlung dürft ihr nämlich auch anderweitig für Unrecht und Unordnung sorgen, um die Stabilität der Simulation ins Wanken zu bringen und ein wenig Kohle zu verdienen. Zeitrennen, Türme erklimmen und Autoklau-Missionen gehören hier noch zu den harmlosen Standardaufgaben.


    Zusätzlich müsst ihr mit ausgewählten Waffen, Cyberpanzer oder Alien-Flieger binnen kürzester Zeit möglichst viel finanziellen Schaden anrichten, Gegnerhorden zerschlagen oder merkwürdige Glitch-Kreaturen bekämpfen. Klarer Favorit: Der gute, alte Versicherungsbetrug, bei dem ihr euch dramatisch in den Verkehr werft und versucht, mit viel Schmerz und Au-Au dick abzukassieren.


    Saints Row IV: Re-Elected vermischt in puncto optionale Nebenmissionen Genre-Konventionen mit herrlichen überdrehten Einfällen und garantiert mit immer wieder neuen Einfällen einen enorm hohen Motivations- und Unterhaltungsfaktor. Der fordernde Schwierigkeitsgrad bleibt hierbei leider auf der Strecke: Sind die ersten Superkräfte erstmal freigeschaltet, sucht man schwere Passagen vergebens.



    Eine wahre Switch-Freude


    Gut, die ausschweifende Erinnerungstour durch die Welt von Saints Row IV haben wir hinter uns gebracht, das Action-Adventure macht auch Jahre nach der Erstveröffentlichung verboten viel Laune. Doch wie steht es um den Switch-Port?


    Erfreulicherweise enorm gut: Hatte der dritte Part noch mit allerlei technischen Macken zu kämpfen, bleibt Saints Row IV mit einer dynamischen Auflösung fast durchweg bei stabilen 30fps. Gelegentliche Ruckler machen sich bei bildschirmfüllenden Explosionen oder längeren Supersprints zwar bemerkbar, fallen insgesamt jedoch vernachlässigbar aus.


    Dadurch macht das Action-Adventure selbst im Handheld-Modus eine erstklassige Figur, Freunde des mobilen Zockens werden also nicht abgestraft. Wahrlich störende Bugs oder Glitches suchten wir vergebens, auch die nervtötenden Abstürze der PS4-Fassung gehören auf der Switch der Geschichte an.


    Das mittlerweile stattliche Alter kann aber auch nur teilweise verborgen werden, ein grafischen Wunderwerk darf man also trotz anschaulicher Explosionsgewitter und schickem Stadtpanorama nicht erwarten. Auch das Zielen via Stick-Steuerung zehrt gerne an euren Nerven, wird von der optionalen Bewegungssteuerung aber immerhin geschickt ausgehebelt.


    Unterm Strich darf man die Switch-Variante von Saints Row IV: Re-Elected also als wahrhaft geglückten Port bezeichnen, dessen vernachlässigbare Mankos spätestens beim Ertönen der weiterhin fantastischen Songauswahl (alleine „I Don't Want Miss a Thing“ von Aerosmith ist ein Highlight) vollends vergessen werden.



    http://www.VielZuTun.com


    Bereits das eigentliche Hauptpaket von Saints Row IV: Re-Elected fällt beeindruckend umfangreich aus. Wer auf dem Weg in Richtung Abspann alle Sammelobjekte einheimsen, alle Nebenmissionen erledigen und alle Kräfte maximal ausbauen möchte, darf problemlos mit 15 – 20 Stunden rechnen.


    Oben drauf gibt es noch zwei Story-DLCs, die spielerisch zwar keine neuen Akzente setzen, euch aber immerhin mit neuem (Prügel-)Spielzeug ausstatten und die den vollkommen verrückten Vibe der Handlung konsequent fortsetzt – und stellenweise sogar zu neuen Höhepunkten treibt.


    Jetzt biegt Volition aber endgültig auf die Zielgerade ein und garniert die finalen Meter mit einem Koop-Modus, der das gemeinsame Angehen explosiver Hauptmissionen und ausgewählter Nebenaufgaben erlaubt. Leider wird dafür allerdings eine zusätzliche Konsole-Videospiel-Kombo benötigt, dem Spielspaß tut das allerdings keinen Abbruch.


    Vor lauter To-Dos kommt man vor allen in den ersten Spielschritten kaum hinterher, gefühlt an jeder Ecke wartet eine amüsante Nebenbeschäftigung – und lenkt gekonnt von der eigentlichen Haupthandlung ab. Saints Row IV: Re-Elected kann somit selbst heute noch problemlos begeistern – außer vielleicht die beinharten GTA-Anhänger mit trockenem Realismus-Anspruch.



    Fazit


    Gehirn aus, unvergleichlicher Unterhaltungsfaktor an!


    Saints Row IV: Re-Elected kehrt dem Genre-Vorbild sowie den eigenen Vorgängern konsequent den Rücken und eröffnet lieber einen prall gefüllten Abenteuer-Spielplatz, der mit abgedrehtem Humor, epischen Superkräften und motivierenden Nebenaufgaben auch Jahre nach Ersteröffnung noch eine 1+ mit drei Sternchen verdient.


    Umso erfreulicher, dass der Switch-Port abseits marginaler Optik- und Steuerungsmacken vollends gelungen ist und sich in Kombination mit stattlichem Umfang sowie amüsantem Koop-Modus als ultimatives Spielspaß-Paket für daheim und unterwegs präsentiert.


    Tatsächlich dürfen da nicht nur Neuentdecker, sondern auch alte Fans einen Blick riskieren. Denn wir wollen ehrlich sein: Selbst bei der mittlerweile dritten Eroberung der Steelport-Simulation konnten wir uns kaum von der Switch lösen. Und hoffen nun, dass Volition endlich mit den versprochenen Nachfolger-Infos rausrückt!

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