Resident Evil 3



  • Im ewigen Schatten des Zombie-Vorgängers.


    Mit dem Remake-Trip nach Raccoon City landete Capcom 2019 einen grandiosen Horror-Meilenstein: Resident Evil 2 verpasste dem Klassiker einen modernen Neuanstrich erster Klasse und begeisterte damit nicht nur Serien-, sondern auch Genre-Fans.


    Doch ein gelungenes Remake kommt selten allein. Kein Wunder also, dass Capcom bereits wenige Monate später erneut eine Fahrkarte in Richtung Raccoon City einlöste und eine qualitativ mindestens ebenbürtige Neuauflage von Resident Evil 3 angekündigte.


    Doch ob das vollständig aufpolierte Wiedersehen mit Serienliebling Nemesis tatsächlich an die Klasse des Vorgängers anschließen oder sich diesem sang- und klanglos geschlagen muss, das verraten wir euch im Test.



    Flucht aus Raccoon City, Part 2


    Wie entkomme ich möglichst unbeschadet aus dem von Zombies und anderen diabolischen Kreaturen überrannten Raccoon City? Eine Frage, die sich Claire Redfield und Leon S. Kennedy bereits stellen und mit einer zufriedenstellenden Antwort quittieren durften.


    In Resident Evil 3 darf nun Jill Valentine ihrem Beispiel folgen und ihre eigene Fluchtmöglichkeit zum Besten geben. Damit das Ganze aber nicht langweilig wird, schnallt sie sich ein hartnäckiges Handicap ans Bein: Den schier unaufhaltbaren und gnadenlos agierenden Nemesis, letztlich ein mit allerlei Super-Viren vollgepumpter Mr. X.


    Fans des Originals aus dem Jahr 1999 dürfte die grobe Zusammenfassung des Plots nicht überraschen, fiel dieser immerhin schon damals relativ oberflächlich aus und erlaubt sich auch im Remake keine weltbewegenden Sprünge. Dennoch nimmt sich Capcom einige Freiheiten raus und justiert primär bei der Inszenierung gehörig nach, um ein noch filmreiferes Erlebnis zu garantieren.


    Bereits der Einstieg macht deutlich, dass Resident Evil 3 bekannte Elemente im aufgepeppten Gewand präsentiert. Keine Sorge, mit Spoilern wollen wir niemanden konfrontieren, können allerdings garantieren, dass man bereits nach wenigen Minuten hervorragend in das unheimliche Horror-Geschehen gezogen und sich bis zum Abspann aus diesem vortrefflichen Bann nicht mehr befreien kann.


    Einziger Wermutstropfen, der vor allem für jahrelange Fans teils gravierende Ausmaße annimmt: Während Capcom ausgewählte Passagen mit cineastischer Inszenierung oder gar neuem narrativen Inhalt gefüllt hat, wurden einige Handlungselemente, Gegner und Schauplätze direkt gnadenlos aus dem Gesamtbild geschnitten, auch die damalige Serien-Revolution in Form von Entscheidungen fehlen komplett.


    Für Neueinsteiger garantiert keine nennenswerte Problematik, als Kenner und Verehrer des Originals konnten wir uns einer gelegentlichen Enttäuschungswelle dann allerdings doch nicht erwehren. Da präsentieren sich selbst der epische Einstieg und anschauliche Wow-Momente als eher wirkungsloses Gegenmittel.



    Atmosphärischer Zombie-Killer


    Zum Glück präsentiert sich die zunächst eigens für Resident Evil 7: Biohazard, seitdem jedoch gefühlt bei jedem großen Capcom-Titel zum Einsatz kommende RE-Engine als wahrer Retter in der gelegentlichen Nörgel-Not. Immerhin konnte diese bereits beim Remake-Vorgänger die technischen Muskeln ordentlich spielen lassen und legt bei Resident Evil 3 sogar noch einen Zahn zu – da lässt man sich gerne von etwaigen Kürzungen oder fehlenden Monstern ablenken.


    Schnell verliert man sich in der realistischen Spielwelt, wird beim Erkunden der zahlreichen Schauplätze von unzähligen Details (und einigen Easter-Eggs) überrollt, entdeckt an fast jeder Ecke einen weiteren kleinen Augenschmaus. Die Charaktermodelle erreichen derweil vor allen in Zwischensequenzen einen realistischen Touch, während sich die blutrünstig-skurrilen Kontrahenten als kreatives Ventil übermotivierter Designer entpuppen.


    Man merkt deutlich, dass Resident Evil 3 ausreichend technischer Feinschliff verpasst wurde. Unschönen Mängeln begegnet man kaum, darf sich vielmehr über beeindruckende Lichteffekte, blutige Feinheiten und eine durchweg stabile 60fps-Framerate freuen. Wirklich beachtlich, was für eine mächtige Engine hier geschaffen hat.


    Doch auch akustisch orientiert sich Capcom direkt an den Stärken des Vorgängers und serviert erneut eine grandiose Soundkulisse, die mühelos zum Kernstück der packenden Super-Atmosphäre avanciert. Hierbei fungiert der blitzschnelle Wechsel von unheimlicher Stille zu actionreichem Explosionsfeuerwerk als wichtigstes Hauptelement, das durch wundervoll eingesetzte (und zumeist herrlich eklige) Soundeffekte und einen variantenreichen Orchester-Soundtrack fantastisch unterstützt wird.


    Einzig die deutsche Sprachausgabe stellt sich in diesem gut geölten Horrorsystem als eingerostetes Zahnrad dar, das das Gesamtwerk zwar definitiv nicht zum Einstürzen bringt, einigen dramatischen Momenten durch eine fragwürdige Sprecherwahl jedoch eine unfreiwillig humorvolle Note verpasst. Unser Tipp: Entscheidet euch direkt für die englische Variante.



    Geübter Umgang mit Untoten


    Überhaupt man Resident Evil 3 oftmals deutlich, dass sich die Entwickler gezielt am Remake-Vorgänger orientiert haben. Kein Wunder, konnte dieses immerhin Journalisten und Fans gleichermaßen begeistern und somit regelrecht eine kleine Gaming-Renaissance feiern.


    Somit steuern wir auch Jill Valentine durch insgesamt recht linear gestaltete Schauplätze und zücken auf Knopfdruck unsere Waffe, um uns angreifende Zombies und im späteren Spielverlauf auch deutlich gefährlichere Kreaturen vom Hals zu halten. Strategisches und vor allem ruhiges Vorgehen ist hier unverzichtbar, ballert ihr blind durch die Gegend, kassiert eure Gesundheit gerne einen unliebsamen Biss, während die Problematik mit einem gezielten Kopfschuss schneller aus der Welt geschafft werden kann.


    Vorsicht solltet ihr prinzipiell durchweg walten lassen, immerhin lauert die Gefahr in Resident Evil 3 an jeder Ecke – und lässt sich gelegentlich auch von tödlichen Schüssen nicht beeindrucken. Einige Zombies stecken erschreckend viele (auch Voll-)Treffer ein, nutzen euer verzweifeltes Dauerfeuer gerne für einen heimtückischen Konterangriff. Wer hier auf Risiko geht, kassiert gerne die blutige Rechnung.


    Zum Glück hat Jill hier allerdings noch ein Ass im Ärmel, das euch selbst aus solch einer ausweglosen Situation helfen kann. Per Knopfdruck kann sie angreifenden Zombies nämlich via Ausweichmanöver entwischen und sich damit das perfekte Fenster für einen effektiven Gegenangriff öffnen. Zur ultimativen Allzweckwaffe wird diese akrobatische Einlage jedoch nicht, immerhin erfordert der geglückte Einsatz ein wirkliches optimales Timing. Übung macht halt den Ausweich-Meister.


    Wer ein waches Auge hat, kann solche Situation oftmals jedoch schon frühzeitig vermeiden. Neben altbekannten Hilfsmitteln wie den heilenden Kräutern oder dem (oftmals eher für Verzweiflungstaten eingesetzte) Messer kann nun nämlich auch die Umgebung zur Waffe umfunktioniert werden. Benzinfässer und gefährlich nah an Pfützen platzierte Stromkästen verlangen immerhin regelrecht nah einem gezielten Schuss und können gleich mehrere verweste Schergen ins endgültige Jenseits befördern.



    Mach Platz, Horror. Hier kommt die Action!


    Explosive Fässer, Ausweichmanöver und hartnäckigere Feinde kommen nicht von ungefähr. Mit nostalgischem Blick auf das actionlastige Original überrascht es kaum, dass sich Resident Evil 3 auch im Remake-Gewand von ausschweifenden Horrorelementen verabschiedet.


    Gänzlich von alten Tugenden muss man sich natürlich nicht verabschieden. Gänsehautmomente inmitten unheimlicher Schauplätze sind weiterhin am Start, auch kleinere Rätseleinlagen gilt es zu bewältigen. Zudem wecken überall in der Gegend versteckte Dokumente, Puppen und Waffen-Upgrades den Sammler in euch, animieren euch inmitten der Zombie-Apokalypse sogar zu kleineren Umwegen.


    Allerdings spürt man deutlich, dass diese Elemente höchstens ein nettes Beiwerk sind, sozusagen die süßen Streusel auf dem tonangebenden Action-Kuchen. Explosive Feuergefechte gegen zahlreiche mutierte Abscheulichkeiten stehen klar im Vordergrund, die Horror-Handbremse ist angezogen, während der Fuß voll auf das Bumm-Bumm-Pedal tritt.


    Atmosphärische Stärken lässt Capcom dabei zum Glück nicht vollends auf der Strecke liegen, tauscht die üblichen Gruselelement allerdings konsequent gegen einen durchweg packenden Überlebenskampf aus, dem ein elektrisierendes Spannungsfeeling injiziert wird. Blinde Ballereinlagen ohne Resi-Flair braucht man in Resident Evil 3 also nicht zu befürchten.


    Dennoch machen vor allem die adrenalingeladenen Bosskämpfe sowie die als schusswütiger Umbrella-Söldner Carlos Oliveira spielbaren Passagen erkennbar, dass Capcom nicht mehr die goldene Mitte suchte, sondern sich deutlich für eine Genre-Ausrichtung entschieden hat. Das wird zwar nicht jedem Fan schmecken, werden den weiterhin vorhandenen Horroraspekt jedoch definitiv zu schätzen wissen.



    Nemesis


    Das Horrorlevel mag gesenkt worden sein, (virtuelle) Todesangst ist bei Resident Evil 3 dennoch garantiert. Eine kurze Aufmerksamkeit, ein Fehlschuss, eine unbedachte Bewegung – und schon wartet der unfreiwillige Bildschirmtod auf euch. Ein Umstand, der nicht nur Zombies, Lickern und andere Umbrella-Kreaturen, sondern der eigentlichen Hauptattraktion des Remakes zu verdanken ist: Nemesis!


    Wie bereits im Original verfolgt der mutierte Super-Tyrant nur ein Ziel: Ehemalige S.T.A.R.S.-Mitglieder, die im ersten Teil der Reihe über die finsteren Umbrella-Machenschaften gestolpert waren, ausfindig machen und sie auf ewig zum Schweigen bringen. Schlechte Nachrichten für Jill Valentine, immerhin gerät sie somit ins Visier eines kompromisslosen Verfolgers.


    Nemesis hat sich diese Bezeichnung übrigens redlich verdient. Anders als der durch den aktuellen Schauplatz umherwandernde Mr. X aus Resident Evil 2 muss sich der Fan-Favorit zwar wie im Original auf geskriptete Sequenzen verlassen, diese haben es jedoch gehörig in sich: So donnert der Hüne beispielsweise unangekündigt durch eine Mauer, springt euch von einem Dach aus direkt vor die Füße oder lädt mit einem Flammenwerfer bewaffnet zur Grillparty.


    Resident Evil 3 rückt die Nemesis-Überraschungsangriffe ins Rampenlicht, belegt uns somit bereits nach dem Intro mit einem stetig vorherrschenden Unsicherheitsgefühl, das sich erst beim Erblicken des Abspanns legt. Aufhalten können wir den fleischgewordenen Panzer immerhin höchstens temporär, brauchen aber selbst dafür viel Geduld, ein ruhiges Zielhändchen und ausreichend Munition (oder einen gut positionierten Stromkasten).


    Der ikonische Verfolger garantiert somit auch im Remake unvergessliche Auftritte, die euren Puls stetig in die Höhe treiben und nicht nur zum strahlenden Alleinstellungsmerkmal, sondern gleichzeitig auch zum wertvollsten Highlight der fulminanten Flucht aus Raccoon City werden.



    Kurzes Vergnügen


    Traurig, aber wahr: Für unseren ersten Marsch durch die blutigen Schauplätze von Resident Evil 3 haben wir knapp sechs Stunden benötigt. Wohlgemerkt auf mittlerem Schwierigkeitsgrad und mit ausreichend Entdeckungsfreude im Gepäck.


    Fans des (Remake-)Vorgängers werden nun mit den Schultern zucken, immerhin fiel die generelle Abenteuerdauer hier kaum länger aus, zudem gleicht fehlender Kampagnen-Leerlauf das Ganze wieder aus. Leider ein kaum haftendes Trostpflaster, fehlen Jill Valentines Flucht aus Raccoon City immerhin jegliche Entscheidungsmöglichkeiten des Originals sowie optional anwählbare oder gar freischaltbares B-Szenario, das einen narrativ relevanten Neustart zwingend erforderlich macht.


    Immerhin hat sich Capcom spürbar viel Mühe gegeben, diese wirklich knappe Spielzeit neben den bereits erwähnten Sammelgegenständen mit weiterem Content zu füllen, um Perfektionisten bedeutend länger bei Laune zu halten. Und während es sich hierbei letztlich weiterhin nur um ein Trostpflaster handelt, kann das die schmerzhaften Wunden immerhin erstklassig abdecken.


    Besonderes Highlight sind hier die zahlreichen Herausforderungen, die es zu erfüllen gilt. Neben automatisch erfüllten Story-Meilensteinen steht hier der abwechslungsreiche Einsatz eures Waffenarsenals oder der gekonnte Einsatz des Ausweich-Manövers im Mittelpunkt. Als Belohnung winken Punkte, die ihr im Shop gegen hilfreiche Items, mächtige Waffen oder gar unerschöpfliche Munitionsvorräte eintauscht.


    Liest sich simpel, gestaltet sich in der Praxis aber als faszinierender Unterhaltungsfaktor, der uns bereits mehrmals zum erneuten Durchlauf motiviert hat. Kombiniert mit fordernden Schwierigkeitsgraden und grandiosen Speedrun-Challenges kann Capcom die Gesamtspieldauer von Resident Evil 3 unterm Strich gekonnt doch noch in den zweistelligen Bereich heben, macht die insgesamt viel zu kurze Hauptkampagne dabei leider nur marginal vergessen.



    Vive la Resistance


    Ein Ass hat Capcom beim Spielzeit-Poker jedoch noch im Ärmel: Resident Evil Resistance, ein brandneues Multiplayer-Erlebnis, das gemeinsam mit Resident Evil 3 auf der Game-Disc verewigt wurde.


    Anstatt sich in irgendeiner Form an den Geschehnissen der Hauptkampagne zu orientieren, geht Resistance seinen eigenen, letztlich recht simplen Weg. Vier Überlebende müssen zusammenarbeiten, um aus einer von (bisher) vier Umbrella-Forschungseinrichtungen zu fliehen.


    Der Clou: Ein weiterer Mitspieler übernimmt die Rolle des Masterminds, der diesen Fluchtversuch unter allen Umständen vereiteln muss. Zum Glück steht hierfür ein breites Waffenarsenal zur Verfügung, das sogar mit namhaften Monstern der Resi-Geschichte bestückt ist, die man zudem selbst kontrollieren darf.


    Auf dem Papier eine klare Übermacht, der die Überlebenden zum Glück nicht schutzlos ausgeliefert sind. Immerhin erfreut sich jeder einen einzigartigen Spezialfähigkeit, mit der Fallen deaktiviert, Schutzsysteme ausgehebelt und unliebsame Kreaturen erlegt werden können. Teamwork wird somit zum existenziellen Muss, unüberlegte Einzelaktion derweil ein frühes Todesurteil.


    Eine simple Idee, mit der Resistance gekonnt spielt. Vor allem die ersten Mehrspielerrunden konnten uns für einige Stunden bestens unterhalten und weckten den experimentierfreudigen Taktiker in uns. Alle Schauplätze nach versteckten Geheimnissen und taktischen Vorteilen zu durchforsten sowie die Skill-Sets aller Überlebender und Masterminds genauestens unter die Lupe zu nehmen agierte hierbei als unverzichtbarer Motivationsfaktor, der das große Potenzial dieses 1-gegen-4-Konzepts deutlich machte.



    (Fast) Unbesiegbarer Mastermind


    Leider verbirgt sich dahinter ein vielversprechender Anfangsfunke, der jedoch schnell im blutroten Meer der vernachlässigbaren Mittelmäßigkeit versinkt – denn in dieser Form fühlt sich Resident Evil Resistance an vielerlei Fronten unfertig an.


    Zwar kündigte Capcom direkt nach Release neue Schauplätze, Überlebende und Masterminds für die kommenden Monate an, derzeit fällt die Auswahl jedoch erschreckend übersichtlich aus und lässt spielerische Abwechslung somit rasant vermissen.


    Während man über solche Inhaltsversäumnisse anfangs noch hinwegsehen kann, fallen die Balancing-Probleme viel schwerwiegender ins Gewicht. Der Mastermind hat mit einer Vielzahl an Fallen und Monstern klar die Oberhand, darf zum Rundenbeginn also schon mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vom Sieg ausgehen.


    Vollkommen chancenlos sind die Überlebenden natürlich nicht. Sofern gezieltes Teamwork auf der Haupttagesordnung steht, zuvor besprochene Taktikten eingehalten werden und jedes Mitglied fleißig seine Sonderfähigkeiten einsetzt, kann der Mastermind bezwungen werden. Doch mit Fallen, Monstern und Zeitdruck im Nacken kann an von fairer Chancengleichheit nicht mehr sprechen.



    Ungewisse Zukunft


    Trotz aller Schwächen funktioniert Resident Evil Resistance als netter Zeitvertreib hervorragend, sollte allerdings definitiv nicht als Kaufgrund gesehen werden.


    Sich mit Freunden online zu treffen und als eingespieltes Team dem Mastermind gehörig in den Hintern zu treten klingt nicht nur theoretisch sehr unterhaltsam, sondern funktioniert auch in der Praxis vortrefflich und animierte stets zu einer weiteren Runde.


    Erfahrungspunkte fungierten als weitere Motivationsquelle, die das Weiterspielen deutlich ansprechender gestaltete. Mit jedem neuen Rank dürfen wir für die Überlebenden und den Mastermind immerhin neue Fähigkeiten freischalten, bekommen für unser taktisches Vorgehen auf dem Horror-Schlachtfeld also weitere Möglichkeiten eröffnet.


    Als wir nach einigen unterhaltsamen Runden jedoch Zeuge der vorherrschenden Problematiken wurden, stellen wir uns eine Frage: Wie zukunftsbeständig wird diese Multiplayer-Variante tatsächlich ausfallen? Eine Prognose können wir hier nicht stellen, noch nicht einmal eine grobe Richtung erahnen.


    Denn ob die teils gravierenden Balancing- und generellen Fairness-Probleme vollends ausgebügelt werden können, wenn bereits in dieser frühen Phase Echtgeld-Mikrotransaktionen zum schnelleren Stufenanstieg verhelfen, das bleibt fraglich.



    Fazit


    Resident Evil 3 scheitert an der Mammutaufgabe und muss sich dem grandiosen Remake-Vorgänger aufgrund vieler kleiner Schnitzer in nahezu jeder Disziplin geschlagen geben. Für Capcom letztlich eine verschmerzbare Niederlage: Immerhin liefert man schlussendlich dennoch eine gelungene Neuauflage mit erstklassigem Unterhaltungsfaktor ab.


    Der zweite Ausflug nach Raccoon City beeindruckt mit erstklassiger Inszenierung, atemberaubender Optik und atmosphärischer Soundkulisse, zieht euch somit bereits mit dem fantastischen Intro spielend leicht in seinen Bann. Horror- und Vorgänger-Fans müssen sich zwar zunächst an die verstärkte Action-Orientierung gewöhnen, bekommen mit zahlreichen Schockmomenten, blutigen Zombie-Auseinandersetzungen und einem gnadenlos agierenden Nemesis weiterhin die volle Ladung Resi-Feeling geboten.


    Und auch die mit sechs Stunden knapp bemessene Spielzeit kann dem Remake dank zahlreichen freischaltbaren Items, gut versteckten Sammelobjekten sowie einem netten Multiplayer nicht das Genick brechen, sondern lädt vielmehr zur weiteren Runde mit höherem Schwierigkeitsgraden oder neu ausgerüsteten Superwaffen ein.


    Das volle Potenzial kann Resident Evil 3 letztlich nicht ausschöpfen, wird vor allem Kenner des Originals in einigen Momenten leicht enttäuscht zurücklassen. Letztlich handelt es sich hierbei jedoch um Kritiktropfen auf dem heißen Stein, die im Angesicht einer erstklassigen Neuauflage direkt verpuffen. Und die Wartezeit auf die nächste Resi-Remake-Runde kaum erträglicher gestalten.

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