Mafia II: Definitive Edition



  • Ein Angebot, das wir überdenken müssen..


    2K Games lädt die Thompson-Maschinenpistole erneut und spendiert der lautstark gefeierten, dank des dritten Teils jedoch auch gerne kritisierten Mafia-Trilogie eine von Fans lange gewünschte Neuveröffentlichung.


    Doch anstatt eine einheitliche Linie zu fahren, nimmt jeder Part eine andere Abzweigung: Mafia präsentiert sich im (hoffentlich schicken) Remake-Gewand erst Ende August, während Mafia II als Remaster und Mafia III als Standardfassung mit allen DLCs direkt verfügbar sind.


    Die perfekte Chance für uns, zehn Jahre nach Veröffentlichung des Originals erneut in die kriminelle Welt von Vito Scaletta einzutauchen und eine wichtige Frage zu beantworten: Nehmen wir die Definitive Edition von Mafia II in die Familie auf? Oder sollte es lieber bei den Fischen schlafen?



    Ein Mafia-Film zum Verlieben


    Never change a running Mafia business. Okay, die Redewendung haben wir leicht angepasst, zum Glück nimmt sich die Definitive Edition von Mafia II diese dennoch zu Herzen und nimmt an der grandiosen Handlung keinerlei Veränderungen vor.


    Als Kleinkrimineller Vito Scaletta nutzen wir die fiktive Metropole Empire Bay während der 40er- und 50er-Jahre als unsere verbrecherische Spielwiese, um gemeinsam mit unserem Partner Joe Barbaro in den Rängen der Mafia aufzusteigen. Kein leichtes Unterfangen, immerhin lauert die Gefahr an jeder Ecke, Verbündete können binnen weniger Sekunden zu Verrätern werden, sichere Coups zu einer tödlichen Falle.


    Mit einem grandiosen Drehbuch, filmreifer Inszenierung und packendem Gangster-Flair konnte Mafia II bereits 2010 durchweg begeistern und spielt diese erzählerischen Stärken auch bei der Definitive Edition erstklassig aus. Selbst Kenner des Originals werden hier abermals gnadenlos in den Bann gezogen und kommen dank facettenreicher Hauptakteure, zahlreicher Wendungen und fantastischer Dialoge vollends auf ihre Kosten.


    An diese narrative Meisterleistung können die drei zusätzlichen Story-DLCs zwar nicht anschließen, dennoch wissen auch die spannenden Erlebnisse von Partner Joe und blutige Vendetta von Neu-Charakter Jimmy durchaus zu gefallen. Ein vorheriges Zurückschrauben der eigenen Erwartungen würden allerdings dennoch empfehlen, um Enttäuschungen zu vermeiden.



    Perfekt gealterte Atmosphäre-Power


    Dass Mafia II von der packenden Haupthandlung lebt, zeigt sich auch mit Blick auf die eigentliche Rolle von Empire Bay. Anstatt die Großstadt nämlich mit unzähligen Nebenaufgaben zwanghaft zu füllen, fungiert sie letztendlich als malerische Kulisse für ein lineares Gangster-Abenteuer.


    Dabei sind es nicht nur die enorme Detailverliebtheit und der elegante 40er-Jahre-Flair, mit dem die Entwickler von 2K Czech bereits im Original auf ganzer Linie punkten konnten. Empire Bay fühlt sich zudem unglaublich lebendig an und verkommt dadurch nicht zu einem seelenlosen Schauplatz, sondern avanciert stattdessen zum unverzichtbaren Hauptakteur – auch in der Definitive Edition.


    Dieser Schwerpunkt birgt allerdings auch Nachteile. Durch den Fokus auf ein cineastisches Erlebnis wird die Metropole eher zur Story-Schiene, die euch während der Missionen atmosphärisch von Punkt A zu Punkt B leiten soll. Klar, kleinere Umwege sind jederzeit gestattet, diese dienen letztlich jedoch nur dem digitalen Sightseeing. Optionale Nebenbeschäftigungen sucht man nämlich vergebens.


    Es ist eine mutige, konsequent durchgezogene Entscheidung, die sich für das narrative Gesamtwerk als willkommener Rahmen herausstellt und auch in der Definitive Edition von Mafia II noch gut funktioniert. Im heutigen Open-World-Meer wirkt es mittlerweile jedoch leicht befremdlich, eine große Spielwelt ohne wirklichen Inhalt serviert zu bekommen. Darüber kann selbst die Atmosphäre-Wucht kaum hinwegtäuschen.



    Technischer Remaster-Knieschuss


    Trotz diesen Lobeshymen müssen wir allerdings auch der tragischen Wahrheit in die Augen blicken: Das hohe Alter von Mafia II kann das Remaster nur ansatzweise vergessen machen.


    Versteht uns nicht falsch, das Gesamtbild hat eine deutlich sichtbare Zellenkur in Form überarbeiteter Charaktermodelle, schärferer Texturen und aufpolierter Effekte erfahren. Vor allem gemütliche Stadtrundfahrten präsentieren sich dadurch visuell anschaulicher, immerhin wird der bereits erwähnten Atmosphäre-Wucht zusätzlichen Pep verliehen.


    Optische Altlasten wurden im Gegenzug aber leider nicht ausgebügelt. Primär sind es hölzerne Animationen und vorherrschende Pop-Ups, die bei uns direkt Erinnerungen an die Schattenseite der Original-Fassung von Mafia II weckten, im Meer geglückter Nachjustierungen jedoch vernachlässigbar ausfallen.


    Gleiches lässt sich leider nicht von der allgemeinen Remaster-Performance behaupten. Während wir kleinere grafischen Macken, Clipping-Fehler und uns gelegentlich zum Neustart einer Mission verdonnernden Bugs zähneknirschend akzeptieren konnten, entpuppte sich die spürbar schwankende Framerate unserer PS4-(Pro)-Fassung als gnadenloser Spielverderber, der zunehmend an unserem Nervenkostüm zehrte.


    Wir sind uns sicher, dass ein Patch schon bald FPS-Linderung bringen wird. Dennoch wird auch im Anschluss die Frage bleiben, ob es vor Veröffentlichung der Definitive Edition von Mafia II tatsächlich eine ausgiebige Qualitätskontrolle gab oder sich auf der Zielgeraden einfach nur eine technische Ungereimtheit eingeschlichen hat. So oder so kann man sich mit Blick auf die jetzige Performance eines verwunderten, zeitweise sogar enttäuschten Kopfschüttelns kaum erwehren.



    Gefangen in der spielerischen Vergangenheit


    Das Gameplay von Mafia II wurde in der Definitive Edition derweil nicht verschlimmbessert, immerhin wurde an dieser Stelle auch keine Entwicklerhand angelegt.


    Grundsätzlich war das auch keine wirkliche Notwendigkeit, immerhin kann das Gangster-Abenteuer dank spielerischer Varianz auch nach einem Jahrzehnt noch bestens unterhalten. Rasante Verfolgungsjagden, actionreiche Schusswechsel oder bewaffnete Überfälle stehen an der Tagesordnung und verwandeln euch im Laufe der knapp 14-stündigen Kampagne nach und nach zum wahren Mafioso.


    Doch auch hier machen sich mittlerweile Altersfalten erkennbar, die man mit ein wenig Zeit, Feinschliff und Sorgfalt postwendend zu den Fischen hätte befördern können. Sobald man sich mit der ungenauen Steuerung – ob nun am Steuer eines Flitzers oder beim Zielen mit dem Maschinengewehr – sowie der gelegentlich merkwürdig stupide agierenden KI auseinandersetzen musste, merkt man deutlich: Dieses Action-Adventure hat schon einige Jahre auf dem Buckel!


    Völlige Mafia-Neulinge werden die letztlich leere Spielwelt allerdings als größtes Manko wahrnehmen. Wie bereits ausgiebig erwähnt, steht dieser die Rolle als nostalgische Kulisse für ein filmreifes Abenteuer zwar hervorragend, das fast vollständige Fehlen inhaltlicher Highlights oder umfangreicher Nebenaufgaben entspricht einfach nicht der modernden Definition eines Open-World-Titels.


    Optional auffindbare Playboy-Magazine und Steckbriefe (letztere bekommen in der Definitive Edition sogar eine Aufstockung spendiert) unterstreichen diese Problematik regelrecht. Zumindest schien man sich das Entwicklerteam dessen bewusst gewesen zu sein, dass eine frei erkundbare Stadt ohne wirkliche Beschäftigungen sauer aufstoßen könnte, hätte im Gegenzug dann aber auch mutig das Ganz-oder-gar-nicht-Prinzip fahren und auf die schnell eintönige Sammelaufgabe verzichten können.



    Resignation auf halber Strecke


    Man mag meinen, dass ein gelungenes Remaster von Mafia II dank eines weiterhin starken Originalfundaments kein Hexenwerk sein dürfte. Diese Definitive Editionbeweist jedoch überraschenderweise das Gegenteil.


    Dabei scheint sich das für Mafia III verantwortliche und mit dem Remaster betraute Studio Hangar 13 beim Entwicklungsprozess komplett verzettelt zu haben. Auffrischen zahlreicher Assets hat hervorragend geklappt, während die technische Optimierung vollends auf der Strecke blieb und somit gefühlt überhaupt nicht vorhanden ist.


    Dieses Gefühl zieht sich durch die gesamte Definitive Edition von Mafia II und erlaubt somit nur schwerlich das Fazit, dass man hier die ultimative Fassung eines gefeierten Klassikers in seinen Händen hält. Katastrophale Ausmaße nehmen die entwicklungstechnischen Unzulänglichkeiten zwar nie an, dennoch hätte Hangar 13 deutlich mehr Zeit und Leidenschaft investieren müssen, um diesem Titel gerecht zu werden.


    Letztlich haftet die inkonsequente Remaster-Auffrischung der Definitive Edition wie ein Stein am rechten Bein, zieht sie somit stetig weiter in Richtung eiskalter Meeresgrund. Einzig die weiterhin packende Handlung sowie das leicht gealterte, dennoch unterhaltsame Gameplay halten Mafia II tapfer über Wasser, halten den Totalausfall also tapfer ab und hoffen auf einen baldigen Patch.


    Ob Hangar 13 Serien-Fans damit gänzlich beschwichtigen kann, bleibt fraglich, immerhin steht dem Entwicklerstudio die größte Herausforderung noch bevor: Das für Ende August angekündigte Mafia-Remake, das logischerweise sehnlichst erwartet wird. Und es bleibt zu hoffen, dass der fehlende Feinschliff Definitive Edition von Mafia II zumindest beim Remake angewandt wird. Ansonsten müssen wir auch dieses Angebot zunächst überdenken...



    Fazit


    Auch ein Jahrzehnt nach der Erstveröffentlichung begeistert Mafia II mit einer packend erzählten sowie atmosphärisch inszenierten Handlung, die sogar fast vollständig fehlende Nebenbeschäftigungen sowie angestaubte Gameplay-Elemente vergessen lässt. Sobald man als Vito Scaletta in das wundervolle Empire Bay eingetaucht ist und erfolgreich die erste Gangster-Stufe genommen hat, können selbst Kenner den Controller kaum mehr aus der Hand legen.


    Tatsächlich sind es die (neuen) technischen Ungereimtheiten, die der Definitive Edition wie Maschinengewehrgeschosse mitten ins Herz treffen. Neben einer Reihe optischer Optimierungen werden Fans nämlich auch mit nervigen Bugs, zahlreichen Clipping-Fehlern und einer (in der PS4-Fassung) katastrophalen Framerate konfrontiert, womit sich dieses Remaster das Prädikat „Ultimative Fassung“ sicherlich nicht verdient.


    Dank der altbekannten und weiterhin überzeugenden Stärken des Originals bleibt jedoch auch die Definitive Edition von Mafia II für damalige Fans und vor allem für Neulinge eine klare Empfehlung. Allerdings sollte man sich der Schwächen bewusst sein und diese – zumindest bis zu einem hoffentlich bald folgenden Patch – akzeptieren können.

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