Marvel's Spider-Man: Miles Morales



  • Die neue Nachbarschaftsspinne im PS5-Gewand.


    Konsolenlaunch mit Gaming-Flaute? Nicht mit Insomniac Games! Zum Start der Playstation 5 legt die Videospielschmiede auf dem Weg in Richtung Marvel’s Spider-Man 2 nämlich einen kurzen Zwischenstopp im hauseigenen Spidey-Universum ein, schickt Peter Parker kurzerhand in den Urlaub und spendiert Miles Morales sein erstes eigenes Abenteuer im Netzschwinger-Outfit.


    Logischerweise folgte auf die Ankündigung von Marvel’s Spider-Man: Miles Morales eine regelrechte Sorgenwelle – immerhin befinden wir uns im Zeitalter der kritisch-besorgten Internet-User. Kann Miles wirklich die Protagonistenrolle ausfüllen? Würde Insomniac die PS5-Power in diesem frühen Stadium bereits anschaulich anzapfen können? Und ist das Ganze nun ein DLC, ein Standalone-Titel oder gar ein richtiges Sequel?


    Mit der neuen Konsolengeneration ausgestattet haben wir uns für euch durch das virtuelle New York geschwungen und tatkräftig das alltägliche Verbrechen bekämpft, um euch alle Fragen und Sorgen in unserem Test beantworten, beziehungsweise nehmen zu können. Einen kleinen Spoiler haben wir allerdings jetzt schon für euch parat: Miles Morales rockt!


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    Der Weg zur heldenhaften Selbstfindung


    Es gibt nur einen Spider-Man? Falsch gedacht! Ein Jahr nachdem Miles Morales von einer radioaktiven Spinne gebissen wurde, hat der mittlerweile 17-Jährige seine daraus resultierenden Superkräfte unter Kontrolle gebracht und darf seinem Vorbild und Mentor Peter Parker als zweiter namhafter Netzschwinger tatkräftig zur Seite stehen.


    In Marvel’s Spider-Man: Miles Morales erwartet die zweite Spinne jedoch ihre große Feuertaufe: Gemeinsam mit seiner Freundin MJ verabschiedet sich Peter nämlich für mehrere Wochen nach Europa, muss deshalb logischerweise seinen Anzug temporär an den Nagel hängen und überlässt die Sicherheit New Yorks kurzerhand seinem zuverlässigen Lehrling. Theoretisch kein Problem, konnte Miles seine Heldenqualitäten doch bereits mehrfach unter Beweis stellen und sich sogar erfolgreich gegen Obermotz Rhino höchstpersönlich behaupten.


    Das plötzliche Auftauchen der terroristischen Organisation Underground bringt diesen anfänglichen Optimismus allerdings schlagartig ins Wanken. Angeführt vom geheimnisvollen Tinkerer sagt die Gruppierung dem Energiekonzern Roxxon mitsamt technologisch hochwertiger Bewaffnung nämlich den Kampf an und droht, die gesamte Stadt mit einem gnadenlos-kaltblütigen Vorgehen ins Chaos zu stürzen.


    Einfach aufgeben und auf Peters Rückkehr warten passt Miles definitiv nicht in den Kram! Wagemutig stellt er sich der Gefahr trotz seines Anfängerlevels entgegen, muss nach anfänglichen Rückschlägen jedoch feststellen, dass er zunächst den Blick von seinem Vorbild abwenden und seine eigene Heldenidentität definieren muss, um eine realistische Chance gegen Underground, Roxxon und den Tinkerer zu haben. Immerhin kann man New York nicht als billige Spinnen-Kopie, sondern nur als selbstbewusst agierender Spider-Man retten.



    Ein neuer Blick auf einen altbekannten Helden


    Comic-Fans werden nun sicherlich mit den Augen rollen. Ein unerfahrener Held wird mit einer schier unaufhaltsamen Bedrohung konfrontiert und muss über sich selbst hinauswachsen, um neben Familie und Freunden auch die ganze Stadt zu retten. Gefühlt begegnet man dieser Rahmenhandlung täglich, sucht nennenswerte Innovationen oder Alleinstellungsmerkmale dabei oftmals vergebens.


    Marvel’s Spider-Man: Miles Morales nutzt diese Erzählebene allerdings nur als simples Story-Gerüst, das mit facettenreichen Haupt- und Nebenakteuren, emotionalen Dialogen und einer Reihe unvergesslicher Highlights anschaulich ausgeschmückt und somit effektiv entstaubt wird. Ein narratives Kunststück, das Insomniac Games nach dem packenden Vorgänger erstklassig wiederholen kann.


    Dreh- und Angelpunkt ist dabei logischerweise Miles, der als neuer Protagonist in gigantische Fußstapfen treten muss, diese jedoch hervorragend ausfüllen kann. Mit seiner locker-tollpatschigen, dabei jedoch zu keinem Zeitpunkt dümmlich-nervigen Art versprüht er einen unvergleichlichen Charme, mit dem er sich hinter Peter Parker nicht zu verstecken braucht. Stets wechselt er zwischen lockeren Sprüchen und tiefgründigen Unsicherheiten und niederschmetternden Gewissensbissen, zeigt uns dabei glaubwürdig das Bild eines innerlich zerrissenen Teenagers, der noch nicht am Ende seiner heldenhaften Selbstfindungsreise angekommen ist.


    Doch Miles muss das erzählerische Gesamtwerk nicht alleine tragen, sondern freut sich über die Unterstützung eines nicht minder ansprechenden Nebencasts, der phänomenal in die Haupthandlung eingeflochten wird. Mutter Rio Morales, sein treuer Verbündeter Genke, seine Jugendfreundin Phin oder der unheilvolle Tinkerer verkommen mit ihren individuellen Persönlichkeiten und eigenen Problemen nicht etwa zum vernachlässigbaren Beiwerk, sondern stellen allesamt unverzichtbare Gleise in der wilden Achterbahnfahrt der Gefühle dar, bei der selbst hartgesottene Gamer ein kleines Tränchen verdrücken werden.


    Überhaupt versteht es Insomniac Games, den ikonischen Netzschwinger in Marvel’s Spider-Man: Miles Morales von einer neuen Seite zu betrachten und somit kein uninspiriertes Peter-Parker-Abziehbildchen zu erschaffen. Allein Miles‘ tiefe Verbundenheit zu seinem Wohnort Harlem eröffnet eine Entwicklungsebene, die das Original nicht vorweisen kann: Die von variantenreicher Kultur beflügelten, jedoch gleichzeitig von Armut und Kriminalität gebeutelten Bewohner des New Yorker Stadtbezirks sehen den neuen Spider-Man als ihren persönlichen Helden, werden durch ihn aus einer deprimierenden Hoffnungslosigkeit befreit und scheinen die harsche Realität zumindest kurzzeitig vergessen zu können.


    Erfreulicherweise wird dieser Aspekt nicht nur in einer kurzen Zwischensequenz abgefrühstückt, sondern zieht sich als wichtiger roter und sich stets weiterentwickelnder Faden durch das gesamte Abenteuer. Miles‘ Geschichte hebt sich allein dadurch vom alltäglichen Superhelden-Allerlei ab, kann abseits einiger weniger Parallelen zu Peters Werdegang also problemlos auf eigenen Beinen stehen und Spidey-Fans begeistern.




    Die Waffen einer Spinne


    Seinem Mentor blind hinterherlaufen möchte Miles nicht, nutzt sein erstes Solo-Abenteuer deshalb als optimale Gelegenheit, den eventuellen Ruf einer lahmen Spidey-Kopie abzuschütteln und als vollwertiger Superheld mit individueller Identität in die New Yorker Geschichte einzugehen.


    Kleinere Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel. Bei der eigentlichen Verbrechensbekämpfung orientiert sich Miles dann nämlich doch an der akrobatischen Prügelpalette seines Lehrmeisters und greift damit auf das Kampfsystem des Vorgängers zurück. Unliebsame Schurken werden also auch in Marvel’s Spider-Man: Miles Morales via Free-Flow-System in die Knie gezwungen, während uns der Spinnensinn erneut vor gegnerischen Kontern warnt und zum rasanten Ausweichmanöver auffordert.


    Zusätzlich greifen wir auf einige Gadgets zurück, darunter beispielsweise Tretminen, angriffslustige Hologramme oder – ein wahrer Spinnenklassiker – unser klebriges Netz, mit dem wir Feinde an Wände fesseln oder gleich als Wurfgeschoss missbrauchen. Wie bereits beim Vorgänger präsentiert sich diese kämpferische Varianz als enormer Unterhaltungsfaktor, der spielerische Redundanz gekonnt abwehrt und in Verbindung mit dem enorm hohen, jedoch jederzeit übersichtlichen Tempo sogar noch potenziert wird.


    Auch die aus dem Vorgänger bekannte Upgrade-Lawine ist wieder am Start. Im Laufe des Abenteuers schalten wir eine Vielzahl neuer Fähigkeiten frei, verstärken unsere Gadgets, schneidern brandneue (allesamt extrem coole) Kostüme und bestücken diese mit zusammengebauten Modifizierungen, die uns beispielsweise erhöhte Schadensresistenz oder mehr Durchschlagskraft verpassen. Vor allem Spider-Man-Fans kommen vollends auf ihre Kosten und freuen sich auf die unvergessliche Modenschau mit Miles Morales.



    Der unsichtbare Wandkrabbler mit Venom-Power


    Sich vollends im gemachten Nest auszuruhen und eine lieblose Kopie des gefeierten Kampfsystems in den Ring zu werfen, passt Insomniac Games allerdings nicht in den Kram. Dementsprechend freut sich Miles über einige zusätzliche Fähigkeiten, mit denen er New Yorker Gesetzesbrechern ordentlich einheizen darf.


    Hierbei stellen sich vor allem seine brandneuen Venom-Kräfte (hyperventilierende Fans müssen wir leider enttäuschen, es besteht keine Verbindung zum ikonischen Bösewicht) als wahrer Segen heraus. Via L1-Druck versehen wir unsere Angriffe nämlich mit schockierender Elektrizität und verursachen damit nicht nur ordentlichen Schaden, sondern pulverisieren auch Rüstungen oder Schilder. Sollte eurer Taktik also die nötige Durchschlagskraft fehlen, könnte eine geladene Venom-Portion Abhilfe schaffen.


    Alternativ dürft ihr gelegentlich sogar aufs chaotische Kampfgetümmel verzichten und im Stil des Vorgängers direkt auf eine lautlose Stealth-Dezimierung der gegnerischen Truppen setzen. Marvel’s Spider-Man: Miles Morales spendiert euch sogar die Möglichkeit, euren Helden kurzzeitig in den Camouflage-Modus zu schalten und unsichtbar ans Werk zu gehen. Und wer beim Takedown-Gewitter dann doch erwischt wird, schwingt sich rasant aus dem gegnerischen Sichtfeld und startet im Anschluss den nächsten verborgenen Schleichangriff.


    Mit zwei neuen Kräften kann sich Miles zwar nicht vollständig von Peter Parker abheben, verpasst den schlagfreudigen Konfrontationen mit zusätzlicher Vielschichtigkeit jedoch ausreichend frischen Wind, um spielerischer Ermüdung vorzubeugen. Allerdings sollte man beim ersten Durchgang lieber einen höheren Schwierigkeitsgrad wählen – mit Venom- und Camouflage-Power lassen die niedrigen Stufen spielerischen Anspruch nämlich leider vermissen.



    Neuer Spidey, alte Aufgaben


    Natürlich besteht Marvel’s Spider-Man: Miles Morales nicht nur aus spinnenstarkem Dauergekloppe, darf das eigentliche Verkaufsargument einer jeden Spidey-Versoftung doch nicht fehlen: Das atemberaubendes Netzschwingen durch New York, das mit fantastischer Immersion und zuverlässiger Steuerung abermals zum klaren Gameplay-Highlight mutiert.


    Doch die offene Spielwelt dient nicht nur als hübsch anzuschauende Kulisse, sondern ist zudem mit mehreren Nebenbeschäftigungen gefüllt, derer man sich abseits der Haupthandlung annehmen kann. Beispielweise nehmen wir uns der alltäglichen Sorgen der Bürger an und fahnden nach gestohlenen Autos oder enteisen einen eingefrorenen Kran. Raubüberfalle, Verfolgungsjagden und andere Verbrechen wollen natürlich ebenfalls gestoppt, Bandenverstecke derweil ausgehoben werden. Angenehm: All diese Nebenmissionen lassen sich direkt über die handliche Freundliche Spinne aus der Nachbarschaft-App anwählen.


    Fühlt man sich dagegen etwas eingerostet und möchte die eigenen Schwing-, Kampf- und Stealthkünste auf die Probe stellen, steht Peter Parker (als freundliches Hologramm) mit simulierten Trainingseinheiten zur Verfügung. Verschiedene Sammelgegenstände – darunter Zeitkapseln aus Miles‘ Kindheit oder von Underground bewachte Materialkisten – möchten natürlich ebenfalls gefunden werden, ein stets wachsamer Spinnensinn beim Erkunden der Häuserschluchten ist also wärmstens zu empfehlen.


    Das Franchise-Rad erfindet Insomniac Games damit natürlich nicht neu, präsentiert neben ähnlichen Aufgabenstellungen sogar die altbekannte, aufgrund der Weihnachtszeit nun in Schnee und Dekoration gehüllte Spielwelt. Marvel’s Spider-Man: Miles Morales schafft es dennoch, die Faszination des virtuellen New Yorks einzufangen, uns mit liebevollen Details, amüsanten To-Dos und dem – wir müssen es einfach mehrmals unterstreichen – wahnsinnig unterhaltsamen Netzschwingen ein unvergleichliches Heldengefühl zu vermitteln. Recycelte Animationen und Missionen verzeiht man da gerne.



    Von der Next-Gen-Spinne gebissen


    Der Standalone-Titel aus dem Hause Insomniac Games markiert jedoch nicht nur Miles‘ Beförderung zum (zumindest temporären) Serienhauptheld, sondern gleichzeitig den Spinnensprung auf die Playstation 5.


    Marvel’s Spider-Man: Miles Morales bietet hierbei zwei Grafikmodi, die wir im Hauptmenü anwählen dürfen. Entscheiden wir uns für die Bildqualität, freuen wir uns über schickes Raytracing, das mit realitätsnahen Spiegelreflektionen beim Schwingen durch New York den einen oder anderen Wow-Moment garantiert, die Framerate aber gleichzeitig auf 30fps drückt. Die Performance-Variante bietet dagegen 60 Bilder die Sekunde, lässt die visuell beeindrucken Zusatzeffekte dafür aber leider in der Hardware-Schublade.


    Als Freunde des erhöhten Spielgeschehens haben wir uns natürlich direkt für die Performance entschieden und stellten erfreut fest, dass man sich selbst bei erhöhtem Gegneraufkommen und bildschirmfüllenden Explosionen nicht mit Slowdowns herumplagen muss. Überhaupt machen beide Modi eine starke Figur und stellen die technischen Möglichkeiten der Playstation 5 mit beeindruckender Detailverliebtheit und fantastischen Effekten bereits in dieser frühen Phase der neuen Konsolengeneration beeindruckend zur Schau, verpassen den ohne herausragenden Schwungtouren durch New York eine zusätzliche Grafik-Wucht und werden dadurch zum grandiosen Next-Gen-Showcase beim geselligen Zockerabend. Hobby-Fotografen freuen sich dank Foto-Modus derweil über etliche phänomenale Schnappschüsse für das virtuelle Album.


    Insomniac Games belässt es allerdings nicht bei einer kosmetischen Behandlung, sondern zapft die neue Konsole auch anderweitig an. So werden wir dank geschickter Dualsense-Einbindung noch stärker in die Spielwelt einbezogen, spüren durch die Vibrationen der zahlreichen, kleinen Motoren jeden einzelnen Netzschuss, jeden Einsatz unserer Venom-Kräfte, jedes an uns vorbeirasendes Auto. Auch die pfeilschnelle SSD-Festplatte kommt direkt zum Einsatz und macht Ladezeiten fast vollständig obsolet – ein kurzer Blick aufs Handy sowie hilfreiche Hinweiseinblendungen sind somit Geschichte.


    Bahnbrechende Qualitätssprünge oder einen meilenweiten Unterschied zur PS4-Fassung braucht man bei Marvel’s Spider-Man: Miles Morales allerdings nicht zu erwarten. Selbst auf der Playstation 5 machen sich altbekannte Schwächen wie Bugs, Glitches und sogar Abstürze bemerkbar, typische Symptome eines Launch-Titels, der zunächst nur an der Oberfläche der technischen Hardware-Möglichkeiten kratzt. In diesem frühen Stadium lässt Insomniac Games jedoch bereits die Muskeln spielen und macht deutlich, welches Potenzial hier noch entfesselt werden kann. Man darf gespannt sein, was die Gaming-Zukunft (vor allem mit kommenden PS-Exclusives) bringen wird.



    Zwischen DLC und vollwertigem Sequel


    Eine weitere wesentliche Frage wollen wir ebenfalls nicht unterschlagen: Wie lange kann mich Miles an die Konsole fesseln? Konzentriert man sich ausschließlich auf die Gesamtspielzeit, ist eine gewisse Enttäuschung vorprogrammiert. Beim Test konnten wir den Abspann bereits nach knapp neun Stunden erreichen – inklusive aller Neben- und Sammelaufgaben! Für die obligatorische Platin-Trophäe legten wir im Anschluss noch eine zweistündige Session ein. Letztlich kein großer Schock, spielte Insomniac Games doch bereits kurz nach der Erstankündigung mit offenen Karten und stellte Marvel’s Spider-Man: Miles Morales nicht als vollwertige Fortsetzung, sondern als Standalone-Titel à la Uncharted: The Lost Legacy vor.


    Ein passender Vergleich. Denn auch Miles‘ erster Solo-Einsatz muss bei Umfang und Gesamtspieldauer einige Federn lassen, kann das qualitativ hochwertige Niveau der (bisher noch auf einen Ableger beschränkten) Hauptreihe aber problemlos halten. Primär ist dieser Umstand dem steten Fokus auf relevante Handlungs- und Gameplay-Momente zu verdanken, wodurch nerviges Füllmaterial wie künstlich gestreckte Zwischensequenzen oder deplatziert wirkende Stealth-Missionen (ja, wir schauen in deine Richtung. MJ!) konsequent aus der Unterhaltungsgleichung gestrichen wird.


    Insomniac Games hat sich spür- und sichtbar viel Mühe gegeben, Marvel’s Spider-Man: Miles Morales trotz der Rolle als kleiner Serien-Zwischenstopp nicht zum lieblos hingerotzten Nebenprodukt verkommen zu lassen, sondern die gefeierte Brillanz des Erstlings erneut einzufangen und mit Anpassungen und PS5-Power sogar noch auf ein neues Level zu heben. Sicherlich mag der vergleichsweise hohe Verkaufspreis schmerzen, in diesem Fall zahlt man eben für Qualität, nicht für Quantität.


    Sobald man als Miles Morales, aka der zweite Spider-Man, mit starker Konsole und schickem 4K-TV durch New York schwingen, Fieslinge nach allen Regeln der Kunst vermöbeln und in den Genuss einer durchweg packenden Geschichte rund um den hürdenreichen Weg in Richtung stolzer Superheld kommen darf, verpuffen solche finanziellen Bedenken ohnehin. Wenn man nämlich bereits solch einen Launch-Titel geboten kommt, kann man die zukünftigen Releases gar nicht mehr erwarten.


    Und wird die bereits gigantischen Erwartungen an Marvel’s Spider-Man 2 automatisch in kosmische Sphären erhöhen – und Insomniac Games hoffentlich dazu bewegen, beim Sequel nicht nur auf einen, sondern gleich auf beide Spider-Men zu setzen.


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    Fazit


    Superheldeneinstand geglückt! Marvel’s Spider-Man: Miles Morales kombiniert altbekannte Gameplay-Stärken mit anschaulicher PS5-Optik, braucht sich hinter dem grandiosen Vorgänger also definitiv nicht zu verstecken, kann diesen mit spannenden Hauptmissionen, erweitertem Kampfrepertoire und kaum existenten Ladezeiten in einigen, jedoch nicht in allen Aspekten übertrumpfen.


    Im Gegenzug muss man zwar inhaltliche Abstriche hinnehmen und kann Miles‘ erstes Solo-Abenteuer trotz Nebenaufgaben und Sammelobjekten nach knapp zwölf Stunden vollständig abschließen, bekommt dafür aber eine durchweg spannende Haupthandlung mitsamt liebevoll-facettenreichen Charaktere und epischer Präsentation des ikonischen Netzschwingers geboten, die in der Summe den perfekten Launch-Titel ergeben.


    Insomniac Games schafft es erstklassig, Miles Morales eine eigene Geschichte, eine individuelle Heldenidentität zu verpassen, ihn somit nicht als billige Peter-Parker-Kopie, sondern als vollwertigen Spider-Man zu etablieren. Bleibt zu hoffen, dass Marvel’s Spider-Man 2 den Teenager nicht zum Sidekick degradiert, sondern ihm einen prominenten Platz im Rampenlicht einräumt – verdient hat er sich diesem grandiosen Superhelden-Feuerwerk nämlich auf jeden Fall!

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