Returnal



  • Leben. Sterben. Wiederholen.


    Sich gemütlich auf die Couch schmeißen, ein gekühltes Erfrischungsgetränk genießen und vollständig entspannt das neuste PS5-Exclusive auf dem heimischen Bildschirm genießen. Eine Vorstellung, die viele Gamer-Herzen höherschlagen lässt.


    Mit ihrem neusten und zugleich ersten AAA-Titel stellt sich die finnische Videospielschmiede allerdings vehement gegen die Vorstellung und schlägt uns den kühlen Drink gnadenlos aus der Hand, wirft uns stattdessen in ein knackiges Roguelike, das unser gesamtes spielerisches Können auf die Probe stellt.


    Weshalb Returnal dabei allerdings nicht zur nervtötenden Pflichtaufgabe mit steter Abbruchgefahr verkommt, sondern sich tatsächlich als Genre-Highlight des Jahres bezeichnen darf, möchte ich euch in meinem Test erklären.


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    Gnadenlose Hardcore-Herausforderung


    Nach meinem knapp 30-stündigen Testlauf verbindet mich mit Returnal eine wahre Hassliebe. Denn obwohl mir das Roguelike einige Wutausbrüche verpasste, sogar die technische Unversehrtheit meines DualSense-Controllers bedrohte, konnte ich mich kaum von der Konsole lösen, brachte sogar einige schaflose Nächte hinter mich.


    Mit dynamischem Gameplay und hervorragender Technik lotste mich Entwicklerstudio Housemarque an einen klaffenden Motivationsabgrund und schubste mich unbarmherzig hinein, um mir kurz vor dem vernichtenden Aufschlag dann aber doch eine helfende Hand zu reichen. Nach meiner Rettung vor dem sicheren Gaming-Abgrund fand ich mich dann am Startpunkt meiner Reise wieder, erhielt zum Vermeiden der teuflischen Falle hilfreiche Tipps und Tricks und wurde dann auf ein neues Abenteuer geschickt – insgeheim aber tatsächlich erneut in einen weiteren Abgrund gelockt.


    Während meiner Gefangenschaft in dieser unerbittlichen Zeitschleife dachte ich regelmäßig darüber nach, meine futuristischen Waffen fallenzulassen und meinem Frust in einem umfangreichen Wut-Test freien Lauf zu lassen. Mit jedem Tod, jeder unfair erscheinenden Passage, jedem erschütternden Rückschritt intensivierten sich diese Gedanken, die gedachte Reißleine kam immer näher.


    Anstatt jedoch den befürchteten frühen Abbruch hervorzurufen, setzte sich Returnal vielmehr in meinem Kopf fest, animierte mich zum vollständigen Eintauchen in die Roguelike-Materie und somit auch zum Erreichen neuer Höchstleistungen. Frustration und Rage wurden zum Treibstoff für meinen Motivationsmotor, zuvor angedeutete Lustlosigkeit zum masochistischen Spielspaß, der mich in seinen Bann gezogen hatte.



    Der Tod ist der erneute Anfang


    Dass es sich bei Returnal um keinen seichten Action-Spaß, sondern um eine handfeste Herausforderung mit düsterer Atmosphäre handelt, wurde mir bereits beim Einstieg in die non-linear erzählte, dadurch aber nicht minder spannende Handlung frühzeitig deutlich gemacht.


    Im Mittelpunkt steht Astronautin Selene Vassos, sich entgegen der strengen Befehle ihrer Vorgesetzen dazu entschließt, den geheimnisvollen Planeten Atropos auf eigene Faust zu erkunden, zieht dieser sie doch mit einem faszinierenden, da merkwürdig vertrauten Signal förmlich in seinen Bann. Dieser Ungehorsam kommt ihr jedoch teuer zu stehen: Denn eine Bruchlandung macht sie zur Gefangenen auf unbekanntem Terrain.


    Ein zerstörtes Schiff, fremdes Terrain und eine aussichtslose Lage können eine abgebrühte Raumfahrerin mit langjähriger Erfahrung jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Als sie jedoch ihre eigene Leiche entdeckt, scheint dieser psychische Schutzwall erste Risse zu bekommen, droht gar gänzlich zu zerbrechen. Für eine gedankliche Auseinandersetzung bleibt Selene dann aber leider kaum Zeit, bereitet ein wahrer Regen an Lasergeschossen ihrem Dasein doch ein viel zu frühes Ende.


    An dieser Stelle kommt nun das Return aus Returnal ins Spiel und beantwortet direkt das Mysterium rund um den schockierenden Leichenfund – denn der Tod scheint Selene noch nicht in seine knochigen Arme nehmen zu wollen. Stattdessen befindet sie sich in einer fatalen Zeitschleife, wird beim unfreiwilligen Ableben also nicht ins Jenseits, sondern zu ihrem zerstörten Raumschiff, dem Anfangspunkt ihres Abenteuers, geschickt. Und muss den gesamten Horror von vorne beginnen. Immer und immer wieder.




    Stete Suche nach dem nächsten Handlungspuzzleteil


    Returnal schubst mich ohne ausschweifendes Intro in einen psychologischen Albtraum, der mich während meiner ersten Schritte verunsicherte. Weder Selene, noch der unheimliche Planet Atropos oder gar irgendein anderer Handlungsfaden waren mir in irgendeiner Form bekannt, konnten diese sich im Laufe der knapp zweiminütigen Zwischensequenzen doch kaum wirklich vorstellen. Konnte eine Identifikation mit der Protagonistin, ein Eintauchen in die Spielwelt da wirklich funktionieren?


    Die Antwort lautet: Ja, das funktioniert sogar prächtig! Direkt nach Zurücklassen meines abgestürzten Raumschiffs erkannte ich nämlich, dass die knappe Einführung nicht auf Faulheit oder Zeitnot basierte, sondern bewusst einen platzierten Schnellschuss Alien-Abenteuer markierte. Housemarque wollte keinen interaktiven Film auf die PS5 zaubern, stattdessen vielmehr meinen Entdeckerdrang wecken und mich animieren, die Biome eigenständig auf den Kopf zu stellen und mir die Antworten auf alle offenen Fragen durch das Aufsammeln von vorherigen Selenes zurückgelassener Sprachnachrichten selbstständig zu beantworten.


    Weiterhin vorhandene rote Handlungsfäden hebeln eine drohende Willkürlichkeit dabei aus, verwirrende Fragment-Erzählungen und oberflächlich behandelte Story-Highlights braucht also niemand zu befürchten. Ganz im Gegenteil, einige Passagen (die ich hier jetzt wegen ihres kleinen WOW-Effekts nicht spoilern möchte) ziehen mich dank filmreifer Inszenierung mitten ins Geschehen und können mich mit unvorhergesehenen Wendungen tatsächlich überraschen.


    Videospielschmiede Housemarque darf sich bereits für diese Leistung anerkennend auf die Schulter klopfen. Obwohl die hauseigene Entwicklungsvergangenheit in puncto Handlung eher mau ausfiel, mit dem oberflächlichen Plot von Dead Nationden einzig wirklich erwähnenswerten narrativen Versuch markiert, drückt Returnalhier direkt aufs Gaspedal, spart sich erzählerische Gradlinigkeit und feuert aus allen ambitiösen Rohren. Und überzeugt dabei auf ganzer Linie.



    Housemarque kann Gunplay


    Während sich die Handlung als anspruchsvoller Sci-Fi-Mindfuck mit vielschichtiger Erzählstruktur präsentiert, wirkt das grundlegende Gameplay oberflächlich betrachtet fast schon erschreckend simpel.


    Um im sinnlos erscheinenden Überlebenskampf zumindest einen schwachen Lichtfunken ausmachen und dem unerbittlichen Griff des tödlichen Planeten entkommen zu können, steure ich Selene aus der Third-Person-Sicht durch verschiedene Gebiete, Biome genannt. Bei teils anmutigen Landschaften könnte man sich fast auf einen sicherlich unheimlichen, aber auch freudigen Spaziergang freuen – wären da nicht die angriffslustigen Kreaturen, die mir nach dem Leben trachten.


    Zum Glück stolpere ich gelegentlich über machtvolle Ballermänner, kann mich der sinistren Bedrohung also bestens erwehren. An dieser Stelle schüttet Housemarque jegliche Entwicklererfahrung der Vergangenheit aus dem Ärmel und beeindruckt mit einem ebenso zugänglichen wie auch dynamischen Gunplay, mit dessen Hilfe ich binnen kürzester Zeit zum ultimativen Alien-Killer werde.


    Einen gemütlichen Shooter für zwischendurch solltet ihr allerdings nicht erwarten! Returnal nimmt euch mit einem enorm hohen Tempo sowie kompromisslos gleichzeitig agierenden Feinden ordentlich in die Mangel, erfordert also allerhöchste Konzentration. Ständig muss ich in Bewegung bleiben, Gegenangriffen mit einem schnellen Ausweichmanöver entgehen und auf meine Chance warten, einige Salven in die widerliche Haut meiner intergalaktischen Rivalen zu feuern.


    Hier greift dann auch die altbekannte Übung macht den Meister-Formel, ist es mit ein wenig Bumm Bumm und rasantem Herumgehüpfe doch nicht getan. Immerhin wird mir nicht nur ein breites Waffenarsenal, sondern auch ein vielschichtiges Kampfsystem eröffnet: Beispielsweise lässt sich durch das Besiegen der unliebsamen Monster mein Adrenalin-Level um mehrere Stufen steigern, wodurch ich mehr Schaden austeile – werde ich allerdings getroffen, verpufft der Effekt im Nichts. Oder ich beschleunige den Abkühlungsprozess meiner Waffe nach einer Überhitzung, indem ich im richtigen Moment den Abzug betätige. Beim gelegentlichen Dauerbeschuss der Gegnerhorden eine lebensrettende Hilfsstütze!


    Obwohl die Steuerung erstklassig von der Hand geht und sich auch die kämpferischeren Möglichkeiten rasant verinnerlichen lassen, musste ich eben diese zunächst meistern, um mich in feinster Bullet-Hell-Manier unter Beschuss nehmende Ungeheuer und die hartnäckigen Bosse am Ende jedes Bioms erfolgreich in die Knie zu zwingen. Es ist ein Lernprozess, der viel Zeit, Geduld und auch Können erfordert – durch einen stets spürbaren Fortschritt aber meisterhaft motiviert.




    Einige Risiken machen sich bezahlt


    Dass mein Weg in Richtung erlösender Freiheit mit zahlreichen Waffen und Upgrades gespickt ist, kommt natürlich wenig überraschend, stellt der konstante Entwicklungsprozess doch das A und O eines jeden vollwertigen AAA-Titels dar. Ein Standard, der den Entwicklern von Housemarque wohl zu langweilig ausfiel, weshalb sie diesem Element bei Returnal ein schmerzhaftes Begleitsymptom verpassten.


    Dabei könnte es doch so einfach sein: Bei der Erkundung des Planeten öffne ich teils verborgene Truhen, finde dabei Artefakte, Parasiten oder andere hilfreiche Gegenstände und freue mich über fantastische Verbesserungen, darunter beispielsweise erhöhte Angriffskraft oder durch gegnerische Treffer aktivierte Schutzmechanismen, die mich beim weiteren Überlebenskampf tatkräftig unterstützen.


    Leider riskiere ich beim Aufsammeln eben dieser Gegenstände – und auch beim Öffnen der Truhen – jedes Mal eine Fehlfunktion meines Raumanzugs, die teils verheerende Auswirkungen haben kann. Eine zusammengeschrumpfte Lebensleiste? Reduzierter Nahkampfschaden? Besiegte Aliens, die sich nach ihrem Ableben plötzlich in ätzende Säurepfützen verwandeln? Alles Dinge, auf die ich im Angesicht des (virtuellen) Todes getrost verzichten kann.


    Nun könnte man natürlich annehmen, dass solche Fehlfunktionen eher selten vorkommen, unliebsame Nachteile also eher die Ausnahme darstellen. In der Praxis allerdings nur Wunschdenken, fällt die Wahrscheinlichkeit doch erschreckend hoch aus, weshalb ich bereits nach kurzer Zeit zahlreiche Vor-, aber auch Nachteile angehäuft habe und Selene dadurch einerseits gestärkt, andererseits jedoch ebenso geschwächt gegen die unbekannten Gefahren antreten lasse. Eine wahre Zwickmühle, der ich mich bei jedem Item-Fund aufs Neue stellen muss.


    Obwohl man diese Designentscheidung definitiv als fragwürdig bezeichnen kann, macht sich das Spiel mit dem Feuer durchaus bezahlt. Returnal zwingt mich förmlich, Risiken einzugehen, konsequent darüber nachzudenken, ob das Auflesen einer gewünschten Modifikation das potenzielle Aufladen eines unerwünschten Nebeneffekts rechtfertigt.


    Dass nicht jede Entscheidung von Erfolg gekrönt ist, eine gewisse Frustration somit nicht ausbleibt, mag niemanden verwundern. Wenn ich dann aber doch jegliche Warnlampen ausschalte, lebensmüde agiere, das Wagnis mutig eingehe und tatsächlich belohnt werde, ist die Freude groß – und die Risikobereitschaft beim Entdecken weiterer Truhen dementsprechend gleich noch höher.


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    Roguelike-Münzwurf


    Weitläufige Areale durchforsten, fleißig Upgrades sammeln (ohne durch die Nebeneffekte das Zeitliche zu segnen) und sich einer gegnerischen Welle nach der anderen entledigen. Klingt wahrlich nach einem Shooter wie er im Genre-Buche steht. Und tatsächlich wäre Returnal in dieser Form bereits ein unterhaltsames Abenteuer, hätte für Housemarque einen soliden Sprung ins AAA-Becken markiert. Allerdings schien dem finnischen Studio bei diesem Konstrukt eine gewisse Komplexität, ein Alleinstellungsmerkmal zu fehlen, weshalb ein Standard-Shooter durch die tödliche Zeitschleife zum beinharten Roguelike wurde.


    Für Genre-Neulinge fällt die Konsequenz spielerischen Unvermögens (oder einer erbarmungslosen Alien-Malträtierung) denkbar erschütternd aus. Nicht nur, dass ich zum Anfangspunkt zurückgesetzt werde, selbst nach beachtlichen Fortschritten also wieder von meinem abgestürzten Raumschiff aus starten muss, auch eine Vielzahl meiner eingesammelten Waffen und Upgrades gehen in der Neustart-Prozedur flöten.


    Einfach die wichtigsten Eckpfeiler der Umgebung merken und direkt zu den zuvor genutzten Knarren und Buffs hechten? Pustekuchen! Zu allem Überfluss verändert sich Atropos nach eurem Ableben-Wiederkehren-Zyklus nämlich gänzlich, erstickt solch eine taktische Komponente also im Keim und zwingt euch dazu, jede Runde einen völlig neuen Plan auf die Beine zu stellen.


    Natürlich spielt Glück hierbei eine wichtige Rolle, fällt der strategisch ausgeklügelte Aufbau meiner perfekten Wunsch-Ausrüstung bei einer zufallsgenerierten Welt doch ungemein schwer aus. Meinen favorisierten Spielstil musste ich dementsprechend mehrfach anpassen, mich den Gegebenheiten des Planeten anpassen und mit den auffindbaren Upgrades zurechtkommen.


    Returnal gleicht somit fast schon einem Münzwurf. Erwische ich (nach einem kräftigen Stoßgebet in Richtung Fortuna) die richtigen Knarren und Verbesserungen, freue ich mich über einen beachtlichen Lauf, kann letztlich nur noch an der eigenen Inkompetenz scheitern. Zeigt sich im Gegenzug aber der unheilvolle Kopf, erwartet mich mitunter ein katastrophaler Run, der nicht nur in purer Enttäuschung, sondern auch mit verlorener Zeit endet.



    Wundheilsalbe für die klaffende Schwierigkeitswunde


    Schönreden möchte ich die demoralisierende Wirkung des Versagens nicht. Nach einer erfreulichen Aneinanderreihung hart erkämpfter Erfolge kurz vor einem Meilenstein – vielleicht sogar dem befreienden Ziel – zu stehen und aufgrund eines kleinen Fehlers dennoch alles zu verlieren, schmerzt unglaublich. Anstatt diesen Kummer süffisant lächelnd hinzunehmen, wirft mir Returnal wenigstens einige Trostpflaster entgegen, um den Niederschlag abzufedern.


    Obwohl mir mein virtueller Bildschirmtod fast alle Errungenschaften entreißt, bleiben mir ausgewählte Fortschritte enthalten. Beispielsweise darf ich besiegte Bosse wahlweise direkt überspringen, umgehe durch die Teleportation in bereits erkundete Biome lange Laufwege und behalte Zugriff auf freigeschaltete Zusatzfunktionen kontinuierlich eingesetzter Waffen. Sicherlich alles kleine Tropfen auf dem heißen Herausforderungsstein, die kombiniert allerdings einen unterstützenden Stärkungsschluck ergeben und mir dadurch mit jedem Run eine gewisse Weiterentwicklung ermöglichen.


    Lasst euch von diesen kleinen Hilfestellungen aber nicht auf eine falsche Fährte locken: Returnal ist und bleibt bis zum Abspann bockschwer! Zeit zum Durchatmen findet man nur selten, wirft mir doch fast jeder neue Raum ungeahnte Gefahren in Form fieser Fallen oder mit rigorosem Dauerbeschuss ans Werk gehende Gegnerhorden entgegen, derer ich mich nur mit Mühe und Not entledigen kann. Sicherlich verschaffen mir viel Übung und permanente Verbesserungen einen besseren Überblick, schwächen anfangs sichere Todesurteile somit deutlich ab, zum Kinderspiel wird die Zeitschleifensause dadurch aber nie.


    Selenes absonderliche Planetenerkundung wird sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen – daran können weder die spannend inszenierte Handlung noch das vielschichtig-dynamische Gunplay etwas ändern. Gleichzeitig werden auch Gelegenheitsspieler und Roguelike-Neueinsteiger durch eben diese Elemente angesprochen, erzeugen sie in Kombination mit einem steten Fortschrittsgefühl doch eine unvergleichliche Faszination, derer man sich selbst mit fehlendem Skill-Set kaum entziehen kann.



    Next-Gen-Partikel


    Es sind allerdings nicht nur die spielerischen und narrativen Aspekte, die meinen auf den unschuldig anmutenden Namen Returnal getauften Höllenritt erstklassig versüßen, auch die technische Komponente fungiert als unverzichtbarer Motivator. Kein Wunder, handelt es sich beim Housemarque-Titel doch um einen vollwertigen PS5-Exclusive, der die mächtige Hardware-Power gezielt nutzt.


    Dementsprechend freue ich mich nicht nur über die dynamische 4K-Auflösung und eine stets stabile 60fps-Framerate, sondern auch über anschauliche Raytracing-Spielereien, die hervorragend in das geschmeidige Grafikgebilde implementiert wurde und es dadurch nicht etwa zum befürchteten Zusammensturz bringen, sondern ihm vielmehr zu visueller Höchstleistung verhelfen.


    Optisches Highlight sind jedoch zweifelsfrei die imposanten Partikel-Effekte, die Housemarque spätestens seit Resogun zum hauseigenen Markenzeichen ernannt hat und folglich auch in Returnal nicht fehlen dürfen. Gefühlt jeder Schuss entzündet somit ein regelrechtes Feuerwerk, erfüllt die oftmals düsteren, aber dennoch varianten- und detailreich gestalteten Biome mit farbenfrohen Funken und wuchtigen Explosionen. Eigentlich würde ich aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen – wäre da nicht der konstante Überlebenskampf.


    Immerhin greift mir die PS5 auch hier tatkräftig unter die Arme und befreit mich nach meinem unfreiwilligen Ableben von elendig langen Ladezeiten. Ein schneller Gang zur Toilette oder gar ein kurzer Wasserschluck zwischen zwei Runs? Nun dank SSD-Boost fast eine Unmöglichkeit. Überhaupt fühlt sich Returnal in vielerlei wie ein wahrer Next-Gen-Release an, versprüht dadurch einen ganz besonderen Charme und avanciert zum wahren Pflichtkauf für jeden Besitzer der neuen Konsole.


    Dieser Umstand ist auch dem grandiosem 3D-Audio-Einsatz zu verdanken, der nicht nur die cineastische Musikuntermalung und starken Sprecherleistungen der deutschen sowie englischen Sprachausgabe erstklassig zur Geltung bringt, sondern mir durch phänomenale direktionale Soundeffekte zudem das perfekte Mittendrin-Gefühl verpasst. Wenn dieses technische Gesamtpaket ein Vorgeschmack für kommende PS5-Exclusives darstellt, erwarten uns definitiv einige Highlights.



    Das perfekte Zusammenspiel


    Eben diese Highlights waren es, die mich während meines Tests trotz zahlreicher Rückschläge durchweg an die Konsole fesselt, als wohltuender Balsam für mein angeschlagenes Nervenkostüm fungierten und mich zuverlässig davor bewahrten, meinen Controller mit Schmackes gegen die nächste Wand zu pfeffern.


    Ich wurde Teil des mysteriösen Planeten, konnte mich seiner Faszination kaum entziehen, wurde durch seine anmutigen Szenerien und stimmungsvolle Soundkulisse visuell sowie akustisch stets aufs Neue stimuliert. Und dank des haptischen Feedbacks des DualSense durfte ich all diese Eindrücke – einzelne Regentropfen, erlittenen Schaden, das Drücken des leicht widerspenstigen Abzugs – nicht nur beobachten, sondern sie auch spüren, sie dadurch wahrhaftig erleben. Ein Gefühl, das man nur schwer in Worte fassen kann.


    Ohne diese immersiven Elemente, die spannende Handlung und das actionreiche Gunplay hätte Returnal einen Großteil der Gaming-Community verloren, durch ein kaum abzuschüttelndes Gefühl der Unfairness und fast schon sinnbefreiten Repetition kaum Gründe geliefert, sich durch dieses unnachgiebige Roguelike-Abenteuer zu kämpfen, die Tortur der niederschmetternden Rückkehr zum Nullpunkt zu akzeptieren.


    Dennoch ist Housemarque dieses Risiko eingegangen, verknüpfte die hauseigene Erfahrung mit den technischen Möglichkeiten der PlayStation 5 und errichtete damit ein verlässliches Sprungbrett, mit dem sich Genre-Hürden überspringen und die enorm hoch gesteckten Ziele erreichen ließen. Dass man dabei gelegentlich in die Unfairness abdriftet, spielt dann plötzlich überhaupt keine Rolle mehr. Denn obwohl Wutausbrüche vor allem während der ersten Stunden keine Seltenheit waren, hatte mich die Sucht zu diesem Zeitpunkt bereits gepackt, Atropos also nicht nur Selene, sondern auch mich zu seinem Gefangenen gemacht.


    Schlussendlich entscheidet natürlich das subjektive Empfinden, ob Returnal nun als anbetungswürdige Genre-Perle oder als bockschwerer Motivationskiller gewertet wird. Objektiv betrachtet kann sich das Roguelike-Erlebnis mit einer eleganten Zusammenführung unterschiedlicher Elemente aber nicht nur aus der Menge hervorheben, sondern sich auch stolz als weiteres erstklassiges PS5-Exclusive bezeichnen.


    Ein wahrer Ritterschlag, den sich Housemarque redlich verdient hat. Und mich somit in Zukunft gerne erneut auf fremde Planeten entführen und in schonungslose Zeitschleifen einsperren darf.


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    Fazit


    Anstatt nach Resogun oder Nex Machina weiterhin kleinere Release-Brötchen backen und dabei höchstens auf behutsame Weiterentwicklungsschritte setzen zu wollen, greift Housemarque mit Returnal direkt nach den AAA-Sternen – und liefert damit nicht nur einen exquisiten PS5-Exklusivtitel, sondern auch das erste vollumfängliche Next-Gen-Feeling ab.


    Dabei kann die finnische Videospielschmiede hauseigene Gameplay-Stärken gekonnt mit den technologischen Hardware-Möglichkeiten verknüpfen, neben grandioser Optik, dank 3D-Audio herrlich atmosphärischem Sound und fantastischer Implementierung der DualSense-Funktionen also auch mit einem ebenso dynamischen wie auch vielschichtigen Gunplay überzeugen und somit ein in jeglicher Hinsicht beeindruckendes Gesamtpaket präsentieren, das mit einer unglaublich spannenden Handlung erstklassig abgerundet wird.


    Als gnadenloses Roguelike richtet sich Returnal allerdings nicht an die breite Masse, sondern spricht mit knackigem Schwierigkeitsgrad, gegnerischem Bullet-Hell-Dauerbeschuss und der erbarmungslosen Bestrafung kleinster Fehler vielmehr Gamer an, die auf der Suche nach der nächsten großen Herausforderung bereit sind, ihr Nervenkostüm gehörig auf die Probe zu stellen.


    Wer sich dieser Gefahr jedoch bewusst ist und Astronautin Selene bei ihrer Flucht vom tödlichen Planeten dennoch unterstützen möchte, darf sich besten Gewissens und voller Vorfreude in die wohl tödlichste Zeitschleife des Gaming-Jahres stürzen. Viel Erfolg!

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