Ratchet & Clank: Rift Apart



  • Phänomenales PS5-Feuerwerk im Pixar-Look.


    Vor dem Niederschreiben dieser Zeilen musste ich mehrfach die Google-Suche bemühen, konnte ich es doch kaum glauben, dass seit der Veröffentlichung des allerersten Ratchet & Clank-Teils für die PlayStation 2 mittlerweile fast zwei Jahrzehnte ins Land gezogen sind. Direkt wurde ich in das Jahr 2002 zurückverfrachtet, erinnerte mich an den glorreichen November-Tag, an dem ich als freudiger 12-jähriger Gamer mit meinem hart verdienten Taschengeld in den örtlichen Elektronikmarkt tapste und mir den neusten Konsolen-Exklusivtitel kaufte.


    Natürlich könnte man nun verständlicherweise vermuten, dass dem dynamischen Duo aus dem Hause Insomniac Games 2021 langsam, aber sicher die Puste ausgegangen ist – wäre damit allerdings definitiv auf dem Holzweg! Mit unzähligen Fortsetzungen (darunter auch kreative Spin-Offs und Handyausflüge), einer bisher nur in Japan erhältlichen Manga-Reihe und sogar einem Kinofilm gab das Lombax-Roboter-Gespann nämlich stets Vollgas, landete dabei zwar nicht immer erfolgreiche Home Runs, verschwand aber niemals gänzlich von der Bildfläche. Und wurde somit zum festen, kaum mehr wegzudenkenden Bestandteil der Sony-Familie, einer Highlight-Reihe für die PS-Community.


    Mit Ratchet & Clank: Rift Apart wartet auf die beiden Helden nun aber eine ausgesprochen knackige, gleichzeitig aber auch unglaublich spannende Herausforderung. Immerhin handelt es sich hierbei nicht nur um ein völlig neues Abenteuer, sondern auch um den ambitionierten Sprung in eine völlig neue Konsolengeneration, der als atemberaubender Showcase für die technischen Möglichkeiten der PlayStation 5 dienen soll.


    Und ob dieses Vorhaben tatsächlich aufgeht oder Ratchet & Clank ihr hohes Alter kaum mehr verbergen, ein Versinken im weiten Franchise-Meer dadurch kaum verhindern können, möchte ich euch im Test verraten.


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    Willkommene Lombax-Unterstützung


    Was machen Helden eigentlich, wenn sie nicht gerade die Welt oder gar ganze Galaxien retten? Logisch, sie lassen sich für ihre glorreichen Taten gebührend feiern! Ratchet und Clank bilden hierbei keine Ausnahme und müssen sich zu Beginn von Rift Apart nicht etwa einer neuen Bedrohung stellen, sondern dürfen während einer gefühlt jeden Rahmen sprengenden Zeremonie stattdessen das verdiente Rampenlicht genießen.


    Der perfekte Augenblick, stolz auf die abenteuerliche Vergangenheit zurückzublicken – und das ohnehin unzertrennbar erscheinende Freundschaftsband zusätzlich zu stärken! Klangheimlich hat Clank nämlich den (in den falschen Händen unbeschreiblich unheilvollen) Dimensionator repariert, um Ratchet bei der Suche nach seiner Familie tatkräftig zu unterstützen. Ende gut, alles gut? Wohl kaum, liegt der emotionale Epilog mit bezauberndem Happy End zu diesem Zeitpunkt doch noch in weiter Ferne.


    Stattdessen taucht ein unerwünschter Partygast auf und stellt die harmonischen Festlichkeiten in gewohnt bösartiger Manier völlig auf den Kopf. Erznemesis Dr. Nefarious greift sich nämlich kurzerhand Clanks Geschenk, missbraucht es für seine eigenen finsteren Zwecke und öffnet dadurch das Portal in eine alternative Dimension, in der seinen Weltherrschaftsplänen keinen Strich durch die Rechnung gemacht und seinem Namen mit Imperator Nefarious ein Angst und Schrecken verbreitendes Upgrade verpasst wurde. Der optimale Startpunkt für den Bösewicht, diese und viele weitere Galaxien unter seine machthungrigen Fittiche zu bekommen.


    Um Dr. Nefarious aufzuhalten und den Dimensionator den bereits erwähnten falschen Händen zu entreißen, folgen ihm Ratchet und Clank tapfer in diese finstere Dimension, sind in dieser unbekannten Welt allerdings auf tatkräftige Unterstützung angewiesen. Ein Glück, dass Widerstandskämpferin und Lombax Rivet Imperator Nefarious ebenfalls den Kampf angesagt hat und aus dem zunächst hilflosen Duo ein schlagfertiges Trio macht – denn bei wagemutigen Sprüngen durch verschiedene Galaxien kann man nicht nur die Orientierung, sondern schnell auch das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren.



    Lachend gegen das Böse


    Zwei Helden, die sich im Angesicht einer ungeahnten Bedrohung zunächst geschlagen geben müssen, gemeinsam mit neuen Verbündeten dann aber doch über sich hinauswachsen, um die Mission Galaxienrettung mutig anzugehen und den fiesen Obermotz um jeden Preis aufzuhalten. Eine altbekannte Handlungsformel, die auch Ratchet & Clank: Rift Apart oberflächlich betrachtet unverändert übernimmt, diese mit individuellen Stärken allerdings ausreichend aufpeppt und dadurch anstatt gähnender Langeweile anhaltende Spannung und Freude garantiert.


    Überhaupt verlor ich diesen Rahmen schnell aus den Augen, waren es doch die verschiedenen Hautakteure, die rasant mein Herz eroberten. Komplexen Facettenreichtum brauchte ich natürlich nicht zu erwarten, bekam mit dem weiterhin sympathischen Protagonisten-Duo, der verdammt coolen Rivet oder dem wundervoll überdrehten Dr. Nefarious aber neben einer überragenden Vielfalt auch einige glaubhaft eingeflochtene Charakterentwicklungen geboten, täuschten über rar gesäte Überraschungsmomente also elegant hinweg.


    Zusätzlich verpasst Insomniac Games dem Ganzen eine gehörige Prise Humor, die sich nicht nur in Form harmloser, oftmals aber unglaublich effektiver Witze, sondern auch der Interaktion zwischen den einzelnen Figuren bemerkbar macht. Diese werfen sich hemmungslos flotte Sprüche an den Kopf, bewegen sich dabei aber stets auf einem kinderfreundlichen Niveau, das durch eine an zeitlose Animationsklassiker aus dem Hause Pixar, Illumination oder Dreamworks erinnernde Inszenierung aber auch erwachsene Gamer anspricht.


    Ratchet & Clank: Rift Apart bleibt hauptsächlich mit humoristischen Einfällen und teils völlig verrückten Momenten im Gedächtnis, baut bei der abenteuerlichen Dimensionsreise allerdings gleichzeitig ausreichend Spannung auf, um nicht vollends die Balance zu verlieren. Eine Strategie, die sich bereits bei den zahllosen Vorgängern bezahlt machte – und somit auch dieses Mal keinesfalls enttäuscht.



    Unbändige Erkundungsfreude


    Beim Gameplay greift Insomniac Games derweil abermals auf eine altbekannte, in diesem Fall die Never change a running system-Formel zurück und orientiert sich mit Ratchet & Clank: Rift Apart an den zahlreichen Vorgänger, wodurch sich lang-, aber auch kurzjährige Serienkenner rasant heimisch fühlen dürften.


    Meine Mission – finde einen Weg, die finsteren Pläne von Dr. Nefarious zu vereiteln und ihm mit Schmackes in den blechernen Allerwertesten zu treten – führt mich auf unterschiedliche Planeten, die sich nicht nur optisch, sondern zumeist auch spielerisch voneinander unterscheiden, mich mit ihren individuellen Gefahren und Aufgabenstellungen vor abwechslungsreiche Herausforderungen stellen und erstklassig garantieren, dass steter Abwechslungsreichtum etwaiger Langeweile jeglichen Zutritt verwehrt.


    Beispielsweise düse ich mit meinen Hoverstiefeln rasant durch offene Gebiete, bewältige mit meinem treuen Schwunghaken zahlreiche Hüpfeinlagen und aktiviere gelegentlich sogar meine grauen Zellen, um kleinere Rätsel zu lösen. Serientugenden, die Insomniac Games mittlerweile problemlos aus dem Ärmeln schütteln kann, diesen durch einige sorgfältig platzierte Neuerungen und Verbesserungen jedoch eine willkommene, wenn auch übersichtliche Weiterentwicklung verpasst.


    Durch eine vortreffliche Kombination aller mir zur Verfügung stehenden Fortbewegungsmöglichkeiten erhöht Ratchet & Clank: Rift Apart das generelle Tempo deutlich. Trotz der erhöhten Geschwindigkeit bleibe ich aber permanent Herr der Lage, gehen doch alle Manöver und Gadget-Funktionen prompt in Fleisch und Blut über, entreißen mir also nicht die Kontrolle über das Geschehen.


    Eine gewisse Entschleunigung sollte man dennoch einplanen, verbergen die verschiedenen Schauplätze doch etliche Geheimnisse, die es mit viel Erkundungsfreude zu entdecken gilt. Da auch die Belohnungen zumeist recht stattlich ausfallen – darunter beispielsweise neue Rüstungsteile, die mir vorteilhafte Statusaufwertungen verpassen –, ist das Abklappern besonders verdächtiger Ecken mit einem enormen Suchtpotenzial behaftet, das mich heimtückisch von meiner eigentlichen Hauptaufgabe ablenkte, mir inmitten der turbulenten Dimensionsrettung aber eine angenehme Auflockerung brachte.



    Leg dich nicht mit diesem Lombax an!


    Da sich ein wahrer Galaxienretter nicht nur durch akrobatische Fertigkeiten, ein wenig Grips und viel Erkundungsfreude, sondern vor allem durch ein stattliches Waffenarsenal auszeichnet, sind Ratchets Taschen auch dieses Mal wieder mit allerlei kreativen Ballermännern gefüllt, deren Einsatz unglaubliche Freude bereitet.


    Eigentlich müsste ich nun meine wuchtigen Favoriten präsentieren, die abgedrehten Besonderheiten blumig beschreiben und dadurch schriftlich unterstreichen, dass Ratchet & Clank: Rift Apart in dieser Disziplin nahtlos an die Vorgänger anschließt. Tatsächlich möchte ich Spoiler an dieser Stelle gänzlich vermeiden, markierte das erste Ausprobieren eines neuen Spielzeugs für mich doch ein herrliches Highlight, dessen faszinierende Wirkung durch einen angenehmen Überraschungsfaktor potenziert wurde.


    Soviel sei jedoch gesagt: Experimentierfreudige Lombax-Rambos kommen vollends auf ihre Kosten! Dank einem geschmeidigen Waffenwechsel dürfen diese nämlich nicht nur die eigene Strategie per Knopfdruck in Windeseile dem aktuellen Gegneraufkommen anpassen, sondern verschiedene Angriffe zudem geschickt miteinander kombinieren, um anstürmende Feinde noch effektiver in die Knie zu zwingen. Daraus folgt ein enorm amüsantes Ausprobieren des teils explosiven Repertoires, aus dem gerne fantasievolle Zusammenstellungen entstehen, die im Anschluss direkt zu unverzichtbaren Taktiken avancieren.


    In Kombination mit einer famosen Spielgeschwindigkeit ergeben sich hitzige Gefechte, die durchweg fordernd, aber zu keinem Zeitpunkt unfair ausfallen. Spätestens bei den Bosskämpfen muss man allerdings auch die Defensive im Auge behalten und per hilfreichem Ausweichmanöver gegnerischen Kontern geschickt entgehen, das sich dadurch öffnende Fenster für schmerzhafte Gegenangriffe nutzen. Zum gnadenlosen Soulslike wird Rift Apart natürlich selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad nicht, erfordert hier aber zumindest viel Aufmerksamkeit und Konzentration, um einige intergalaktische Hürden zu nehmen.


    Anfangs ging mir eben diese Konzentration allerdings oftmals flöten, brachte mich der DualSense-Controller doch zunächst gehörig aus dem Konzept. Anstatt diesen nämlich nur als nette Spielerei zu nutzen, zieht Insomniac Games alle Register und nutzt das haptische Feedback, die adaptiven Trigger-Tasten und sogar Soundeffekte gezielt, um mich noch tiefer in die fantasievolle Welt zu entführen. Ein voller Erfolg, zauberten mir die auf jede einzelne Waffe äußerst kreativ angepassten Vibrationen doch stets ein Lächeln auf die Lippen.



    Einsatz macht den Waffenmeister


    Es sind jedoch nicht nur die abermals ansprechende Varianz und der gekonnte DualSense-Einsatz, die das garantiert kinderfreundliche Gunplay von Ratchet & Clank: Rift Apart zu einer herrliches Gameplaysäule avancieren lassen. Dieser Status muss immerhin mit dem altbekannten, aber weiterhin motivierenden Upgrade-System geteilt werden.


    Ausschweifende Erklärungen kann ich mir dabei eigentlich sparen. Durch den regelmäßigen Einsatz einer bestimmten Waffe sammle ich fleißig Erfahrungspunkte und freue mich früher oder später über einen Stufenanstieg, der einen kleinen Schießkolben gerne in brachiale Wumme transformiert. Mit gehorteten Ressourcen verpasse ich meiner prächtigen Kollektion dann noch den Feinschliff und eröffne mir durch das gezielte Aufbessern nicht nur erhöhte Durchschlagskraft, sondern gleichzeitig weitere Angriffsmöglichkeiten.


    Insomniac Games hat viel Vorarbeit geleistet, um diese simple Mechanik guten Gewissens unberührt aus den Vorgängern übernehmen, langjährigen Fans dadurch aber keinen ermüdenden Auflevel-Aufguss, sondern eine erneut packende Jagd nach der besten Bewaffnung präsentieren zu können. Immerhin fühlen sich weder die altbekannten noch die herrlich kreativen und brandneuen Prachtstücke wie unnützes Füllmaterial an, erfüllen vielmehr allesamt eine unverzichtbare Rolle in einem potenziell ultimativen Schlachtplan, den ich nur noch zusammenstellen muss.


    Ratchet & Clank: Rift Apart animiert mich somit regelrecht zum eifrigen Waffentausch, steht dieser doch in direkter Verbindung mit stattlichen Belohnungen und willkommener Abwechslung auf dem Schlachtfeld. Jede Waffe bringt dank ihrer schlagkräftigen Besonderheiten viel Laune, während der stetig näherkommende Stufenanstieg als grandioser Motivator fungiert – über fehlende Innovationen kann man dadurch recht einfach hinwegsehen.



    Mit Mini-Schritten gegen die Innovationslosigkeit


    Tatsächlich sind es aber eben diese fehlenden Innovationen, die man Ratchet & Clank: Rift Apart am ehesten ankreiden könnte. Abseits einiger amüsanter Spin-Off-Experimente scheint sich die Reihe spielerisch nämlich nur geringfügig weiterentwickelt zu haben, wirkt aufgrund frappierender Ähnlichkeiten zeitweise sogar wie ein ausgedehnter DLC des direkten Vorgängers.


    Normalerweise ein unliebsamer Schnitzer, der meinen Gesamteindruck definitiv eher in Richtung negativen Bereich ziehen würde – wenn da nicht die bereits erwähnte Vorarbeit seitens Insomniac Games wäre. Im Laufe der letzten Jahre hat das Entwicklerstudio das Gameplay-Rezept der hauseigenen Reihe nämlich ausreichend perfektioniert, lassen mich somit förmlich nach einem Nachschlag lechzen. Und diesen bekomme ich dann sogar mit einigen schmackhaften Zusatzdekoration in Form kleiner, aber dennoch gewichtiger Neuerungen.


    Dabei steht Lady-Lombax Rivet stolz an vorderster Front und konnte einerseits rasant mein Herz erobern, andererseits ihre Rolle als eindeutiges Sinnbild für ungenutztes Potenzial kaum verbergen. Spielerische Unterschiede zu Ratchet sind kaum auszumachen, hier hätten individuelle Move-Sets und Waffen kleinere Wunder bewirkt. Frischen Wind bringt Rivet aber dennoch in das Franchise-Universum, birgt also ungeahnte Zukunftsmöglichkeiten, auf die ich mich jetzt schon sehr freue.


    Klares Alleinstellungsmerkmal von Rift Apart sind dagegen die Hauthandlung bestimmenden Dimensionsrisse, mit denen ich nicht nur blitzschnell meine Position ändern oder unüberwindbare Hindernisse spielend leicht hinter mir lassen, sondern zugleich in einem kurzen Wimpernschlag von einer Welt in eine völlig andere wechseln kann. Klingt theoretisch nach einem kaum erwähnenswerten Feature, das das Abenteuer in der Praxis aber gerne gnadenlos auf den Kopf stellt – und der Spielspaßkurve einen weiteren Aufschwung verpasst.


    Schlagartig muss ich mich umorientieren, befinde mich ohne Vorwarnung in einer mir oftmals unbekannten Dimension wieder, werde gelegentlich sogar mit optionalen Herausforderungen konfrontiert. Ein zugegeben simpler Einfall, den Insomniac Games leider insgesamt viel zu selten, dafür dann aber gekonnt in das altbekannte Gesamtkonstrukt integriert und spielerisch sowie technisch meisterhaft ausspielt, wodurch nicht nur die Genre-Messlatte höher gehängt, sondern zugleich die von Sony frühzeitig designierte Funktion eines bahnbrechenden Showcase-Titels für die PlayStation 5 bravourös eingenommen wurde.



    Imposanter Dimensionssprung in die Next-Gen


    Wer das Gerede rund um die Macht des verbauten SSD-Laufwerks Pre-PS5-Launch als inhaltsleeres Marketing-Blabla abstempelte, wird spätestens mit Ratchet & Clank: Rift Apart eines Besseren belehrt. Dimensions- und damit gelegentlich komplette Umgebungswechsel werden fast gänzlich von nervenden Ladezeiten befreit, eröffnen der Hardware hiermit die ausgezeichnete Möglichkeit, die technischen Muskeln anschaulich spielen zu lassen – und mich stetig aufs Neue zu verblüffen.


    Feierabend machte die Grafik-Abteilung nun aber noch lange nicht, schien das konsequente Reduzieren störender Zwangspausen eher als Anfangspunkt für eine traumhafte Animationsoptik allererster Güte zu sehen. Kaum verwunderlich also, dass ich dank eindrucksvoll abwechslungsreicher Welten, brillanter Zwischensequenzen und einem vor allem während hitziger Gefechte lichterloh brennenden Effektfeuerwerk von einer wahren Augenschmaus-Lawine überrollt wurde, den integrierten Foto-Modus und die PS5-Videoaufnahme aufgrund auf mich einprasselnder Impressionen also regelmäßig einsetzen musste, um das Erlebte festhalten und im Anschluss nochmal in Ruhe begutachten zu können.


    Zuvor erwartete mich jedoch die Qual der Grafikmodi-Wahl. Bevorzuge ich die Wiedergabetreue mit schickem Raytracing, optimierter Beleuchtung und 4K-Auflösung, dafür aber mageren 30fps? Schalte ich per Performance-Modus eine Stufe höher, verdopple damit die Bildrate und gebe mich mit einer zumeist niedrigeren, da dynamischen 4K-Darstellung zufrieden? Oder greife ich mit Performance-RT gleich nach den Sternen, schraube die Auflösung noch ein wenig nach unten und erfreue mich im Gegenzug imposanter Raytracing-Effekte und geschmeidiger 60fps? Ich möchte ehrlich sein: Als Besitzer eines 4K-OLED-TVs fiel die Entscheidung dann doch nicht so schwer aus.


    Meine Auflistung visueller Highlights würde etliche Seiten füllen, dennoch kitzelt es mich regelrecht, diese niederzuschreiben und mit der Welt zu teilen. Ratchet & Clank: Rift Apart gibt im Performance-RT-Modus (und mit einigen Abzügen in der B-Note auch in beiden anderen Varianten) von Beginn an Vollgas und denkt überhaupt nicht daran, einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. Seltene Bugs und zwei Abstürze verpassen der weißen Lombax-Weste zwar einige unschöne Flecken, erstere wurden durch einen frühen Patch allerdings bereits deutlich reduziert, letztere (bisher zumindest) gänzlich ausgemerzt.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Rift Apart ist eines der hübschesten Abenteuer, das ich im Laufe meiner jahrzehntelangen Videospielhistorie erleben durfte. Dabei ist es nicht nur die beeindruckende Detailverliebtheit eines offensichtlich enorm passionierten Entwicklerteams, sondern auch das aus etlichen leidenschaftlich umgesetzten Elementen bestehende technische Gesamtpaket, das bereits in einer frühen Phase der neuen Konsolengeneration unverhoffte Maßstäbe setzt und mir das oftmals atemberaubende Gefühl gibt, einen interaktiven Animationsfilm zu erleben.


    Immerhin bewegen sich auch der verspielte Soundtrack sowie die filmreife englische Sprachausgabe auf qualitativ enorm hohem Niveau, erlauben sich keinerlei Ausrutscher und passen sich der glanzvollen Grafikpracht somit meisterhaft an. Einziger Wermutstropfen: Einige deutsche Sprecher können die emotionale Stimmvielfalt ihrer US-Kollegen nur schwerlich erreichen, verwandeln die lokalisierte Variante dadurch zwar nicht zu einer schrecklichen Vollkatastrophe, senken die grandiose Wirkungskraft des Originals allerdings auf ein eher solides Mittelmaß.



    Ein weiterer Exklusivhit für die PlayStation-Sammlung


    In Zeiten schier endloser Open-World-Monster mit dreistelliger Gesamtspielzeit präsentiert sich Ratchet & Clank: Rift Apart trotz all dieser amüsanten sowie variantenreichen Haupt- und Nebenaufgaben fast schon als Fliegengewicht. Nach knapp 15 Stunden hatte ich gefühlt jeden Stein aller zugänglicher Planeten und Dimensionen auf den Kopf gestellt, alle Geheimnisse entdeckt, die ersehnte Platin-Trophäe einkassiert.


    Für Gamer mit überschaubarem Budget sicherlich eine gewisse Abschreckung, kann der kostspielige Vollpreistitel somit immerhin an einem gut durchgeplanten Wochenende bewältigt werden und bietet nach erstmaligem Beenden des Abenteuers abseits verschiedener Schwierigkeitsstufen kaum Wiederspielwert. Handelt es sich hierbei also um ein vernichtendes KO-Kriterium? Mitnichten!


    Insomniac Games feuert gnadenlos aus allen erdenklichen Entwicklerrohren und verwandelt den Weg in Richtung Abspann dadurch zu einer regelrechten Highlight-Galerie, die mich stets aufs Neue beeindruckte. Geschickt werden die unterhaltsame Handlung, das abwechslungsreiche Gameplay, die brachiale Waffenauswahl mit motivierenden Upgrade-Möglichkeiten sowie eine aus dem phänomenalen Einsatz der PS5-Power resultierenden WOW-Grafik zu einem grandiosen, nahezu perfekten Gesamtpaket frei von jeglichem Leerlauf kombiniert, dass sich unterm Strich ohne jede Frage stolz als erster wahrer Pflichttitel für Sonys neuste Konsole bezeichnen darf. Zeit zum Durchatmen findet man da erfreulicherweise selten.


    Solltet ihr den Umfang als alleinigen Messwert für einen potenziellen Kaufgrund ansetzen, wird Rift Apart unweigerlich durch euer Raster fallen, sollte daher zunächst ignoriert, spätestens aber nach der ersten Reduzierung in die heimische Sammlung geholt werden. Stehen für euch allerdings die inneren Werte sowie der generelle Spielspaß im Vordergrund, führt an dem durch und durch gelungen Abenteuer keinerlei Weg vorbei.


    Anstatt die neue Konsolengeneration mit vorsichtigen Experimentierschritten zu betreten, serviert uns Insomniac Games bereits im ersten PS5-Jahr zwei grandiose Titel, hängt die Messlatte für zukünftige Veröffentlichungen dementsprechend enorm, gefühlt sogar unerreichbar hoch. Erfreulicherweise zeigt ein Blick auf die Entwicklungsvergangenheit des Studios, dass diese höchstwahrscheinlich nicht enttäuscht, sondern sogar übertroffen werden – und man somit beruhigt in den Vorfreude-Modus schalten darf.


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    Fazit


    Ratchet & Clank: Rift Apart hätte ein müder Aufguss eines in die Jahre gekommenen Spielprinzips werden können, das gewisse Alterserscheinungen nach fast 20 Jahren kaum mehr kaschieren und dadurch mit Genre-Kollegen nur schwerlich mithalten kann. Und obwohl Insomniac Games die grundsätzliche Gameplayformel nur geringfügig aufgemotzt und sich ansonsten an den altbekannten Serientugenden orientiert hat, handelt es sich beim neusten Abenteuer des Lombax-Roboter-Duos nicht nur um ein weiteres Franchise-Highlight, sondern zugleich um ein wahres Meisterwerk.


    Gefühlt kam ich bei der mehrdimensionalen Auseinandersetzung mit Dr., beziehungsweise Imperator Nefarious kaum zum Durchatmen, eröffneten die lebendigen und mit zahlreichen Geheimnissen und Herausforderungen gefüllten Welten, imposant in Szene gesetzten Action-Momente, fordernde Hüpf- und Rätseleinlagen sowie grandiose Schussgefechte mit abgedrehter Waffenauswahl und motivierenden Upgrade-Möglichkeiten doch bis zum Abspann keinerlei Raum für drohende Langeweile, entzündeten stattdessen ein beeindruckendes Unterhaltungsfeuerwerk sondergleichen.


    Ein Umstand, der auch einer wenig überraschenden, dafür herrlich humorvollen Handlung mit liebenswerten Charakteren – allen voran Widerstandkämpferin Rivet, die in sicherlich folgenden Sequels gerne die Hauptrolle übernehmen darf – und einer in jeglicher Hinsicht atemberaubenden Next-Gen-Grafik mit WOW-Garantie zu verdanken ist. Solch ein erstklassiges und an jeder Front eindrucksvolles Gaming-Gesamtpaket habe ich selten erlebt.


    Insomniac Games präsentiert mit Ratchet & Clank: Rift Apart nicht nur das erhoffte PS5-Showcase, die gefeierte Kaufempfehlung, die ohne jede Frage zum Systemseller avancieren könnte. Sondern auch die gezielte Weiterentwicklung, sogar regelrechte Revitalisierung einer mittlerweile legendären Reihe, die die spür- und sichtbar noch lange nicht am Ende angekommen ist.

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