Demon Slayer -Kimetsu no Yaiba- The Hinokami Chronicles


  • Dämonische Videospielunterhaltung auf wackeligen Umfangbeinen.


    Dass die japanische Videospielschmiede CyberConnect2 ein Händchen für gelungene Anime-Versoftungen hat, muss mittlerweile nicht mehr unter Beweis gestellt werden. Seit der Studiogründung im Februar 1996 hat sich das Team nämlich einer Reihe namhafter Werke – darunter beispielweise .hack, Naruto oder Dragon Ball Z – angenommen und neben einigen Rohrkrepieren (selbst bei einer lobenden Einleitung muss die komplette Wahrheit genannt werden) auch kleine Meisterwerke geschaffen.


    Wenig überraschend also, dass Fans rund um den gesamten Globus bei der Ankündigung des neusten Projekts neugierig die Ohren spitzten. Anstatt sich nämlich ins gemachte Nest zu setzen und ein Sequel eines bereits veröffentlichen Abenteuers anzukündigen, wendete sich CyberConnect2 passioniert der enorm beliebten Demon Slayer-Reihe zu, um auch der actionreichen, dramatischen aber auch humorvollen Geschichte des jungen Tanjiro Kamado und seiner unfreiwillig zum Dämon verwandelten Schwester Nezuko eine starke Videospielumsetzung zu verpassen.


    Bleibt nur noch die Frage, ob sich Demon Slayer -Kimetsu no Yaiba- The Hinokami Chronicles, das ich im Laufe meines Tests aufgrund hoffentlich nachvollziehbarer Gründe nur noch mit dem Hauptnamen ansprechen werde, eher als kleines Meisterwerk oder doch als niederschmetternder Rohrkrepierer präsentiert – oder sich vielleicht im Mittelfeld wiederfindet. Mit scharfer Klinge und fescher Dämonenjägerkluft habe ich mich mutig ins Abenteuer gestürzt und mich angriffslustigen Monstern tapfer in den Weg gestellt, um euch die passende Antwort zu liefern.


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    Der überfällige Sprung in die Videospielwelt


    Vor einigen Jahren lernte ich eine wichtige Lektion: Oftmals sind die es die simpelsten Geschichte, die die größte Faszination auslösen können. Als mir meine Freunde 2016 nämlich von Demon Slayer erzählten und ich daraufhin den ersten Band in einem Zug durchlas, war ich zugegebenermaßen ein wenig verwundert. Mit seiner fantasievollen Erzählung hatte Koyoharu Gotôge zwar keineswegs das Genre revolutioniert, mich aber dennoch gnadenlos in seinen Bann gezogen – und damit binnen kürzester Zeit einen neuen Fan gewonnen.


    Im Handlungszentrum steht der junge Tanjiro Kamado, der ohne jegliche Vorwarnung urplötzlich das altbekannte Protagonistendrama durchleben muss. Nicht nur, dass seine gesamte Familie heimtückisch von einem Dämonen umgebracht wird, zu allem Überfluss wurde dabei auch seine geliebte Schwester Nezuko zu einer dieser finsteren Teufelskreaturen verwandelt. Merkwürdigerweise scheint sie sich den niederen Gelüsten eines Dämons erwehren und auf das Verzehren von Menschen verzichten zu können – ein kleiner Funken Hoffnung, der Tanjiros Verzweiflungsdunkelheit ein wenig aufhellt.


    Kurzerhand entschließt er sich, ein sogenannter Demon Slayer zu werden und mit antrainierten Fähigkeiten und scharfer Klinge Jagd auf die garstigen Kreaturen zu machen. Sein Ziel: Eines Tages einen Weg zu finden, das dämonische Blut aus Nezukos Adern zu treiben und ihr wieder ein normales Leben zu ermöglichen. Kein leichter Weg, muss sich Tanjiro diesen Titel doch zunächst redlich verdienen und dabei nicht nur an sein körperliches sowie mentales Limit gehen, sondern sich zugleich einer Vielzahl lebensbedrohlicher Gefahren entgegenstellen...


    Simpel, aber enorm fesselnd. Und dementsprechend der perfekte Grund für das Team von CyberConnect2, sich eng an der Vorlage zu orientieren und keinerlei narrativen Experimente zu starten. Im Fokus steht dabei neben der ersten Staffel auch der Kinofilm Mugen Train, der als packendes Bindeglied zur Anime-Fortsetzung fungierte. Fans dürfen sich also über etliche unvergessliche Momente, ans Herz gewachsene Charaktere und epische Kämpfe freuen, die im allerersten Videospiel der gefeierten Reihe logischerweise nicht fehlen dürfen.


    Nichtkenner dürfen allerdings keine detaillierte Nacherzählung erwarten, sondern bekommen vielmehr ausreichend Handlungsstoff geliefert, um dem roten Faden gerade noch so folgen und die grundlegenden Motive der Hauptakteure folgen zu können. Dadurch lässt einen Demon Slayer zu keinem Zeitpunkt gänzlich verwirrt zurück, pfeift aber gleichzeitig auf einen streng chronologischen Ablauf, macht das gemütliche Entlanghangeln an den Geschichtslianen also bewusst komplizierter. Um dieser Problematik auszuweichen und sogar zunächst banal erscheinende Szenen schätzen zu lernen, solltet ihr vor dem Videospielgenuss also definitiv in den Manga- oder Anime-Modus schalten und die dämonische Welt ausführlich erkunden.



    CyberConnect2s Liebe für das Anime-Detail


    Eingangs erwähnte ich bereits, dass sich CyberConnect2 im Laufe der mittlerweile 26-jährigen Studiogeschichte nicht immer mit entwicklungstechnischem Ruhm bekleckerte, sondern gelegentlich auch einen mittelschweren Vollflop ablieferte. Dabei mögen die Gründe fürs Scheitern vielfältig gewesen sein, einen enorm positiven Faktor stellen allerdings fast alle Veröffentlichungen eindrucksvoll zur Schau: Den ebenso ambitionierten wie auch erstklassig umgesetzten Wunsch der japanischen Videospielschmiede, weltweiten Fans das perfekte Anime-Erlebnis zu kredenzen.


    Demon Slayer -Kimetsu no Yaiba- The Hinokami Chronicles (hin und wieder lässt sich der elendig lange Name dann doch recht gut abtippen) stellt hierbei keine Ausnahme dar. CyberConnect2 hat sich sichtbar viel Mühe gegeben, wirklich jede visuelle Besonderheit aus der Anime-Vorlage zu übernehmen, wodurch die Grenze zwischen Serie und Videospiel nicht nur während der Zwischensequenzen und Dialoge, sondern dank anschaulicher Effekte und Spezialangriffe auch während der Kämpfe gerne verschwimmt.


    Auch auf der Switch macht das Gesamtbild eine erstaunlich gute Figur und wird nur selten durch wahrnehm-, aber immerhin tolerierbare Performance-Problemchen geschmälert. Diese halten sich sogar im Handheldmodus in Grenzen und störten den Spielfluss selbst in Extremsituationen nur marginal. Einzig die Kulissen hätten etwas mehr Liebe und Detailverliebtheit vertragen können, wirken sie doch vor allem im direkten Vergleich mit den farbenfrohen Kämpfern und Effekten stellenweise recht langweilig und trist.


    Überhaupt nicht langweilig sind die englischen und japanischen Sprachausgaben, die mit den bekannten Sprechern aufwarten und dadurch auch phänomenal eingesprochenen Dialogen beeindrucken. Da sich die englische Variante vor allem bei den Nebenfiguren allerdings kleinere qualitative Ausrutscher erlaubt und auch die oftmals überdrehten Humoreinlagen nicht vollends einfangen kann, behält das Original abermals die Oberhand. Vollkommen falsch liegt man aber mit keiner der beiden Fassungen.


    Beim Soundtrack hat CyberConnect2 derweil für eine bequeme, für Fans jedoch sehr erfreuliche Strategie entschieden. Anstatt sich für das Videospieldebüt der Reihe auf neue Melodien und Komponisten zu konzentrieren, wurden kurzerhand etliche bekannte Songs der Vorlage integriert, um die dichte Anime-Atmosphäre mithilfe der fantastischen Klänge von Yuki Kaijura und Go Shiina elegant abzurunden. Ein Vorhaben, das nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis zweifelsfrei geglückt ist.



    Zugängliche Dämonenbekämpfung


    Selbstverständlich darf ich mich bei Demon Slayer nicht nur der wundervoll präsentierten Anime-Unterhaltung hingeben, sondern auch selbst zum Schwert greifen, um die Welt von garstigen Dämonen zu befreien. Und obwohl CyberConnect2 auf nennenswerte Gameplay-Innovationen verzichtet und sich beim Kampfsystem lieber an der eigenen Videospielhistorie bedient, machen die teils imposant in Szene gesetzten Duelle überraschend viel Laune.


    In 3D-Arenen werde ich mit einem oder mehreren Feinden konfrontiert und muss leichte und schwere Hiebe sowie verschiedene Spezialangriffe geschickt miteinander kombinieren, um die gegnerischen Gesundheitsleisten möglichst schnell gen Nullpunkt zu reduzieren. Logischerweise muss ich dabei auch auf meine Defensive achten, Kontern also rechtzeitig ausweichen oder diese direkt parieren, damit das tödliche Schicksal nicht etwa mich ereilt. Zu guter Letzt lasse ich dann noch einen verboten coolen Finisher vom Stapel, um die garstigen Kreaturen von ihrem irdischen Dasein zu erlösen.


    Klingt simpel, wird durch das mitunter enorm rasante Tempo doch zu einer fordernden Angelegenheit. Verfange ich mich im Eifer des Gefechts in einer längeren Kombo und übersehe dabei blindlings den vernichtenden Gegenangriff meines Kontrahenten, verwandle ich mich binnen weniger Sekunden in einen übergroße Zielscheibe und kassiere massiven Schaden, der vor allem in den finalen Stunden des Abenteuers das Blatt wenden und mich dem virtuellen Bildschirmtod unliebsam nah bringen kann.


    Umso erfreulicher, dass sich mein Repertoire nicht nur auf Standard- und Spezialangriffe beschränkt, sondern mir zur effektiven Dämonenbeseitigung noch weitere Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich darf ich meinen Gegner greifen und anschließend durch die Lüfte werfen, ultimative Techniken vom Stapel lassen (sofern die dafür vorgesehene Leiste ausreichend aufgeladen ist) oder in ausgewählten Kämpfen sogar einen Partner aufs Schlachtfeld rufen, damit mir dieser schlagkräftig unter die Arme greifen kann. Mit solch einer Varianz steht man also definitiv nicht hilflos da.



    Übung macht den Schwertmeister


    Sich mit den unterschiedlichen Facetten des Kampfsystems anzufreunden, möchte ich an dieser Stelle dringend empfehlen. Zwar bleibt der festgelegte Schwierigkeitsgrad durchgehend fair, fällt bei einigen Standardgegnern gelegentlich sogar fast schon zu niedrig aus, vor allem bei den Bossen muss meine Kampfmaschinerie allerdings ordentlich geölt sein, um nicht gnadenlos in die Knie gezwungen zu werden.


    Überhaupt zählen die erbitterten Auseinandersetzungen mit teils monströsen Bossen zum eindeutigen Highlight von Demon Slayer. Hier muss ich nämlich nicht nur mein spielerisches Können unter Beweis stellen, sondern werde gleichzeitig Zeuge einer fantastischen Inszenierung, die mich mitten ins Geschehen zieht und vor allem Fans des gleichnamigen Animes zahlreiche Wow-Momente bietet. Gekrönt wird das Ganze von kurzen Quick-Time-Sequenzen, die als fulminanter Abschluss eines actionreichen Gefechts und somit als begeisterndes i-Tüpfelchen dienen.


    Schnellen Schrittes zum unbesiegbaren Schwertschwinger zu avancieren, wird jedoch nicht nur mit einem glorreichen Sieg, sondern auch mit einem zufriedenstellenden S-Ranking belohnt. Nach jedem Kampf bekomme ich für meine zur Schau gestellten Fähigkeiten sowie den aktuellen Zustand meiner Gesundheitsleiste nämlich eine Teilnote präsentiert, die nach Beenden des Handlungskapitels Grundlage für die Endwertung ist. Und da ich die einzelnen Duelle im Anschluss direkt erneut angehen, eventuelle Fehler beim Ausführen meiner ausgeklügelten Strategie ausbügeln und neue Höchstleistungen erreichen darf, wurde ich beim Test direkt bei meiner Ehre gepackt und musste – auch wenn es meine Planung etliche Stunden nach hinten warf – zunächst dieses vermaledeite S kassieren.


    Sofern ihr während eurer Gaming-Karriere bereits einige Action- oder Anime-Highlights erfolgreich absolviert und mit Schlägen, Tritten oder anderen wilden Attacken für Recht und Ordnung gesorgt habt, dürfte euch Demon Slayer beim Erfüllen dieses Ziels nur selten ins Schwitzen bringen. Einzig die Special Missions, letztlich handelsübliche Stelldicheins mit angriffslustigen Bossen, peppen das Geschehen ein wenig auf, bieten sie neben einer normalen doch noch eine schwere Variante und fügen dem dämonischen Gericht dadurch eine gewisse Schwierigkeitsschärfe hinzu.


    Natürlich möchte ich mit der S-Jagd nicht mein Videospiel-Ego polieren (zumindest nicht primär), sondern schalte eine Vielzahl kostbarer Belohnungen frei, mit denen sich sogar meine Kämpferauswahl erweitern lässt. Daraus ergibt sich eine willkommene Motivationsquelle, die der Hauptkampagne eine gewissen Wiederspielwert verleiht und sicherstellt, dass das Anime-Abenteuer nicht bereits nach Erreichen des Abspanns in der Ecke landet.



    Erkundungszüge zum Vergessen


    Gelegentlich darf ich die Klinge dann aber doch ruhen lassen und stattdessen die unterschiedlichen Schauplätze erkunden. Dabei verzichtet CyberConnect2 allerdings auf eine offene Spielwelt, sondern schickt mich durch relativ lineare Gebiete, die hier und da immerhin einige Abzweigungen beherbergen. Diese optionalen Ausflüge fallen dann auch tatsächlich lohnenswert aus, finde ich hier doch kleinere Nebenaufgaben, Erinnerungsfragmente oder funkelnde Kimetsu-Punkte – hierzu allerdings später mehr.


    Schlussendlich entpuppt sich dieser spielerische Part jedoch eher als nette Dreingabe, die zwischen den hitzigen Gefechten für ein wenig Abkühlung sorgt und erzählerische Elemente in den Vordergrund rückt, in puncto Anspruch aber durchweg auf Sparflamme läuft. Strenggenommen öffne ich die Karte, bringe rasant alle eingezeichneten Sammelgegenstände in meinen Besitz und klappere die ebenfalls markierten Nebenquests ab, bei denen es sich letztlich nur um kurze Konversationen mit verschiedenen Personen handelt. Und damit wäre das Schauplatzerkunden bereits abgeschlossen.


    Dass ohne Vorankündigung beginnende Kämpfe mit namenlosen Standardgegnern den einzigen Spannungshöhepunkte dieser Sequenzen markieren, spricht eigentlich Bände. Und obwohl Demon Slayer im späteren Spielverlauf sogar amüsante Minispiele in die Nebenbeschäftigungsrotation wirft und das monotone Herumlaufen dadurch zeitweise spürbar aufwertet, verkommt diese Gameplay-Säule zur sicherlich nett gemeinten, aber eher vernachlässigbaren Dreingabe zur eigentlichen Dämonen-Klopperei, der höchstens Hardcore-Fans noch ein Fünkchen Unterhaltung abgewinnen können.


    Mit gezielten Nachjustierungen könnte dieses Zwischenfazit bei einem potenziellen Nachfolger (und seien wir ehrlich: bei der weiterhin enorm hohen Anime-Beliebtheit ist dieser wahrscheinlich vorprogrammiert) gänzlich anders aussehen. Sofern mir bei den Erkundungszügen nämlich mehr Freiheit und bei den Nebenaufgaben bedeutend mehr Anspruch geboten wird, fällt auch der Spielspaß automatisch höher aus. In dieser Form muss ich das Ganze allerdings eher als missglückten Prototyp abstempeln.



    Das Verlangen nach einer RPG-Dosis


    Nun könnte angenommen werden, dass Nebenquests und siegreich abgeschlossene Kämpfe Erfahrungspunkte bringen, diese früher und später in einem Stufenanstieg münden und neue Fähigkeiten oder gar Spezialangriffe freischalten. Normalerweise wäre dies auch ein logischer Gedanke, immerhin liegt in den zahlreichen Entwicklungsmöglichkeiten der verschiedenen Dämonenjäger oftmals der motivierende Reiz einer solchen Anime-Versoftung. Leider erwartete mich eine mittelschwere Enttäuschung: Denn obwohl Demon Slayer ausreichend Potenzial für ausgearbeitete RPG-Elemente birgt, fehlen diese völlig.


    Stattdessen werden durch Sammelobjekte weitere Handlungsabschnitte freigeschaltet, die narrative Lücken füllen und dafür sorgen, dass den zahlreichen Haupt- und Nebencharakteren weitere Facetten hinzugefügt werden, damit sie auch völligen Neueinsteigern ohne Manga- und Anime-Vorkenntnisse direkt ans Herz wachsen können. Neben den eher in die Kategorie Fan-Service fallenden Profilfotos, Musikstücke und ikonische Zitate, eröffne ich mir durch das Erfüllen optionaler Quests und dem Einheimsen von Bestwertung zudem neue Kämpfer und Arenen. Als vollkommen sinnlos lassen sich diese Belohnungen demzufolge also kaum bezeichnen. Und sollte ich die (nur selten wirklich fordernden) Anforderungen zum Freischalten bestimmter Schätze überspringen wollen, darf ich direkt die bereits erwähnten Kimetsu-Punkte investieren.


    Dennoch verfolgte mich das gesamte Abenteuer hindurch das nervige Gefühl, dass CyberConnect2 beim Zusammensetzen des Anime-Puzzles ein existenzielles Teil vergessen, mir dadurch also ein unvollständiges Motiv vorgesetzt hatte. Obwohl die zahlreichen Standardkämpfe, Nebenaufgaben und Spaziergänge abseits des festlegten Hauptweges allesamt eine Daseinsberechtigung besitzen und mir für meine zusätzlichen Mühen ein virtuelles Dankeschön in die Hände legen, fehlten mir die Erfahrungspunkte, die Stufenanstiege, die Talentbäume, die meinen Angriffsköcher mit brandneuen Sonderfähigkeiten füllen könnten. Lange Rede, kurzer Sinn: Es fehlte mir das Gefühl, meine Charaktere aktiv weiterentwickeln und verbessern zu können.


    Generell darf man diese Designentscheidung kaum als gigantischen Kritikpunkt ankreiden, wurde Demon Slayer doch niemals als Rollenspiel, sondern als actionreiches Kampfspiel angekündigt, ein Progressionssystem dadurch definitiv nicht verpflichtend. In dieser Form fühlt sich die Dämonenjagd allerdings leer an, wird Fans zwar allein wegen der packenden Kämpfe und der liebevoll umgesetzten Handlungsinszenierung ein breites Lächeln auf die Lippen zaubern, tritt dabei aber gefühlt auf der Stelle. Und erschafft dadurch eine weitere wackelige Gameplay-Säule, die sich unter größten Mühen als zuverlässiger Teil des Gesamtkonstrukts behaupten kann, für einen Nachfolger allerdings unbedingt eine stärkende Generalüberholung benötigt, um mir ein wichtiges Fortschrittsgefühl zu vermitteln.



    Wenig Abenteuer, viel Entwicklungspotenzial


    Bedauerlicherweise habe ich damit noch nicht das Ende der Negativliste erreicht, sondern widme mich nun dem wohl schmerzhaftesten Punkt: der enorm kurzen Spielzeit. Erhoffte ich mir von der im Pressetext angegebenen Handlungsspanne nämlich eine umfangreiche Hauptkampagne, hatte ich den Abspann bereits nach knapp acht Stunden erreicht. Hoffnungsvoll widmete ich mich im Anschluss der Jagd nach den besten Rankings und verpassten Erinnerungsfragmenten, um diese Zahl effektiv nach oben zu korrigieren, landete schlussendlich jedoch bei mageren zehn Stunden.


    Händeringend suchte ich nach weiteren Möglichkeiten, um mir die Zeit zu vertreiben, Demon Slayer noch nicht aus meiner Nintendo Switch verbannen zu müssen. Und CyberConnect2 versucht eindeutig, mir dabei unter die Arme zu greifen. Neben dem Freischaltmarathon stehen mir nämlich noch die Trainings- und Versus-Modi zu Verfügung, in denen ich nicht nur mein kämpferisches Können perfektionieren, sondern es auch direkt gegen computergesteuerte oder menschliche Gegner unter Beweis stellen darf.


    Und tatsächlich konnten mich diese beiden Modi erfolgreich länger an die Konsole fesseln. Alle 24 Kämpfer (darunter auf Charaktere aus dem Spin-Off Chuukou Ikkan!! Kimetsu Gakuen Monogatari, wodurch sich einige Dopplungen mit anderen Outfits ergeben) auszuprobieren, den eigenen Spielstil zu optimieren und in störungsfrei ablaufenden Online-Matches den Sieg einzuheimsen, ließ die Spielspaßkurve vor allem beim Einsatz der anwählbaren Dämonen unverhofft ein weiteres Mal in die Höhe schnellen. Doch auch diesem Hoffnungsballon ging die Luft enorm schnell die Luft aus – denn nach fünf Stunden waren alle Charaktere ausprobiert und zahlreiche Online-Schlachten geschlagen. Die Suche nach weiteren Unterhaltungsmöglichkeiten blieb erfolglos.


    Hardcore-Fans werden hier sicherlich bedeutend länger verweilen, die Kämpferauswahl noch intensiver unter die Lupe nehmen, die Story erneut durchspielen und den gesamten Bonusbereich bis auf den letzten noch so unwichtig erscheinenden Gegenstand freischalten, die Gesamtspielzeit also höchstwahrscheinlich auf über 20 Stunden hochschrauben. Es braucht allerdings enorm viel Serienliebe und Wohlwollen, um diesen Schritt zu gehen und die eindeutigen Schwächen bewusst zu tolerieren, vielleicht sogar zu ignorieren. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass es sich beim (verspäteten) Switch-Release um einen Vollpreistitel handelt.


    Mit Demon Slayer mag CyberConnect2 der gleichnamigen Manga- und Anime-Vorlage zwar nicht gänzlich gerecht werden, erschafft aber zumindest ein vielversprechendes Fundament, das in Zukunft gezielt ausgebaut und um weitere Elemente erweitert werden kann, um die standfeste Grundlage für ein bedeutend umfangreicheres und komplexeres Videospielerlebnis zu bilden. Dass die Videospielschmiede kritische Selbstreflexion beherrscht und diese gekonnt für die Kreation hervorragender Nachfolger einsetzen kann, zeigte die Vergangenheit. Bleibt nur zu hoffen, dass auch Tanjiro Kamado die Chance zur Videospielweiterentwicklung erhält.


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    Fazit


    Obwohl ich es bereits in zahlreichen Tests zuvor niedergeschrieben hatte, möchte ich eine Tatsache nochmals unterstreichen: Wenn es um Videospielumsetzungen namhafter Manga- und Anime-Reihen geht, verdient sich das Team von CyberConnect2 ohne Frage ein goldenes Krönchen. Denn mit Demon Slayer -Kimetsu no Yaiba- The Hinokami Chronicles bringen sie abermals eine gefeierte Serie mit einer ausufernden Detailverliebtheit auf die Konsolen und können die wundervolle Atmosphäre der Vorlage mitsamt schicker Optik, starken Originalsynchronsprechern, einer Vielzahl ikonischer Handlungsmomente sowie eines fantastischen Kampfsystems spielend leicht einfangen.


    Leider kratzt das japanische Entwicklerstudio bei etlichen Elementen nur an der kreativen Oberfläche, lässt dadurch also enorm viel Potenzial auf der Strecke liegen. Während der Verzicht auf motivierende RPG-Elemente dabei noch als subjektiver Negativpunkt bezeichnet werden darf, Freunde packender 3D-Kampfspiele ohne viel Schnickschnack und Drumherum also kaum stören dürfte, schmerzen die ereignislosen Streifzüge durch linear gestaltete Schauplätze, die langweiligen Nebenaufgaben und der überschaubare Umfang schon eher. Jahrelange Hardcore-Fans werden diese Probleme wohl kaum stören, alle anderen müssen sich derweil schon die Frage stellen, ob man für solch ein solides, an einigen Stellen dann aber doch eher enttäuschendes Gesamtpaket den Vollpreis hinblättern möchte.


    Dennoch handelt es sich bei Demon Slayer -Kimetsu no Yaiba- The Hinokami Chronicles fraglos um ein geglücktes Videospieldebüt, das sich alle Serien- und auch Anime-Freunde näher anschauen und spätestens nach der ersten oder auch zweiten Preisreduzierung zugreifen sollten. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass eine baldige Sequel-Ankündigung CyberConnect2 erneut in die dämonische Spielwelt einlädt und gleichzeitig versteckte Entwicklungskräfte entfesselt, damit alle Schwächen ausgemerzt und ungenutzte Chancen zum Sprungbrett in höhere Wertungssphären umfunktioniert werden können. Dann dürfen wir uns nämlich über einen fantastischen Nachfolger freuen, der der mittlerweile legendären Reihe vollends gerecht wird.

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