Star Wars: Battlefront 2



  • Wenn sich die neue Hoffnung als bittere Enttäuschung entpuppt.


    Fehlgeschlagene Games haben manchmal etwas Gutes. Wenn nämlich trotz lautstarker Kritik ein Sequel angekündigt wird, hat der Entwickler die Möglichkeit, alte Fehler vergessen zu machen und das Erlebnis mit neuen Stärken auf ein höheres Niveau zu heben.


    Star Wars: Battlefront 2 stellt für EA die große Chance dar, aus dem schwachen Vorgänger zu lernen. Für Fans also theoretisch ein Grund um zu jubeln.


    Praktisch aber leider wieder eine kleinere Katastrophe.



    Die dunkle (und langweilige) Seite der Macht


    Ein Traum wird wahr! Endlich hat sich EA dazu erweicht, den Fans mit Star Wars: Battlefront 2 eine Singleplayer-Kampagne zu schenken. Und dann erlebt man noch eine zwischen Episode 6 und 7 angesiedelte Handlung mit neuen und bekannten Gesichtern – und sogar einem Blick auf die dunkle Seite der Macht.


    Im Mittelpunkt steht nämlich Iden Versio, ihres Zeichens Anführerin einer berüchtigten Einheit des Imperiums. Doch als dieses während der Schlacht um Endor kollabiert und nur noch einen kolossalen Scherbenhaufen zurücklässt, wird die junge Kämpferin bei der Planung eines Gegenschlags mit einer wichtigen Frage konfrontiert: Welchen Weg wird sie jetzt gehen?


    Klingt unfassbar spannend, wurde in Star Wars: Battlefront 2 aber leider fast schon lieblos hingeschlampt. Wichtige Momente fallen viel zu kurz aus, Charaktere sowie ihre Motive bleiben unglaublich blass, spätere Sequenzen eröffnen zudem einige derbe Logiklöcher.


    Die Enttäuschung wird nach einem doch recht starken Intro dann auch zum ständigen Begleiter. Abseits einiger brachial inszenierter Momente kann sich die Handlung nämlich zu keinem Zeitpunkt aus dem Sog der langweilig präsentierten Mittelmäßigkeit retten.




    Handlung meh, Gameplay meh


    Vollends verteufeln darf man die Singleplayer-Kampagne allerdings nicht. Immerhin zaubern namhafte Gastauftritte und einige coole Sequenzen gen Finale Fans trotz jedweder Enttäuschung ein breites Lächeln auf die Fan-Lippen.


    Leider macht das nur einen kleinen Teil des auf knapp fünf Stunden angelegten Einzelabenteuers aus. Und beim Rest erwartet uns dann halbgare Kost, die die Entwickler mit deutlich mehr Dialogen, Zwischensequenzen und wahrhaft unvergesslichen Momenten hätten füllen müssen.


    Letzteres lässt sich auch zum spielerischen Aspekt festhalten. Ein wenig Ballern hier, ein wenig Ballern da, eine kurze Flugsequenz und wieder Ballern. Immer wieder werden wir mit teils sinnlos agierenden Truppen konfrontiert, die uns in spielerischer Redundanz gefangen halten und nervigen Längen somit direkt den Teppich auswerfen.


    Gelegentliche Fahr- und Lichtschwertsequenzen erzeugen zwar einen kurzzeitigen WOW-Moment, werden durch die sparsame Nutzung jedoch zu einem simplen Gimmick degradiert, das eine Sache erschreckend deutlich macht: da wäre deutlich mehr möglich gewesen!




    Erneute Meisterklasse


    Während aber Handlung und Gameplay bei der neuen Singleplayer-Kampagne enttäuschen, kann EA zumindest bei einer Disziplin erneut legendär abliefern: der optischen sowie auditiven Präsentation.


    Unfassbare Lichteffekte, grandiose Details, filmreife Schlachten mit typischen Star Wars-Effekten sowie eine (fast) durchweg stabile Bildrate von 60fps garantieren einen fantastischen Augenschmaus, den man nur selten beeindruckender gesehen hat.


    Der Soundtrack orientiert sich derweil an den hervorragenden Melodien von John Williams, während die Soundeffekte direkt aus dem Film entnommen wurden und somit immer wieder wunderschöne Momente wecken – ob nun beim Lichtschwertduell oder einer Runde im TIE-Fighter.


    Deutsche Fans bekommen dann noch ein besonderes Schmankerl geboten. Mit Luke Skywalker, Han Solo, Prinzessin Leia und Co haben nämlich viele bekannte Star Wars-Legenden den Weg in die Handlung und den Multiplayer geschafft, die sich über ihre deutsche Synchronstimme freuen dürfen. Und da es sich hierbei um geübte Schauspieler handelt, kann man sich gelegentlicher Gänsehaut einfach nicht erwehren.




    Greif zum virtuellen Lichtschwert


    Wahrhaft Fahrt nimmt Star Wars: Battlefront 2 dann auch beim eigentlichen Kernstück auf: dem Multiplayer. Hier können wir nämlich fast schon garantieren, dass Fans oftmals mit einem offenen Mund vor dem Fernseher hocken werden.


    Ein Grund ist die enorm hohe Charakter- und Weltendichte. Battlefront 2 bedient sich nämlich an allen bisher erschienen Star Wars-Filmen (Part 8 wird nach Kinostart nachgereicht) und bringt somit Darth Maul, Luke Skywalker und Kylo Ren auf den Plan. Ein wahres Paradies.


    Ebenfalls beeindruckend fällt die Inszenierung aus. Mit allerlei Details sowie geskripteten Sequenzen werden die Online-Schlachten nämlich immer wieder mit sehenswerten Momenten gespickt, die sich hinter dem filmischen Vorbild nicht zu verstecken brauchen. Und somit für DAS perfekte Star Wars-Erlebnis zum Nachspielen sorgen.


    Nicht selten kam es vor, dass wir aufgrund der wunderschönen Landschaft kurzzeitig innehalten und uns in Ruhe umschauen wollten. Und dafür dann auch einen gnadenlos Schuss in den Hinterkopf kassierten. Aber immerhin war es das wert: denn hier wurde sichtbar viele Zeit und Liebe investiert, was definitiv einen genaueren Blick und viel Anerkennung verdient.



    Gute alte Online-Duelle


    Direkt zu Beginn unserer ersten Online-Schlacht überrascht uns Battlefront 2 mit einer wichtige Neuerung: Klassen! Nun dürfen wir nämlich unseren spielerischen Schwerpunkt wählen und beispielsweise mit Dauerfeuer, Scharfschützengewehr, Geschütztürmen oder Medipacks unseren Teil zur Schlacht beitragen.


    Beweisen wir uns in Online-Weltraumschlachten dürfen wir dann auch zwischen verschiedenen Flieger wählen und anschließend mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen austeilen. Im Vergleich zum Vorgänger bekommen wir hier sogar noch mehr Kontrolle, wodurch wir Manöver noch schneller, gezielter und effektiver fliegen können.


    Zusätzliche Motivation liefern derweil die Kampfpunkte, die wir uns für erfolgreiche Abschüsse oder absolvierte Nebenmissionen verdienen. Diese dürfen wir nämlich auf Wunsch in den Einsatz eines mächtigen Helden oder Vehikels investieren und ein Match damit gut und gerne mal zu unseren Gunsten drehen.


    Obwohl dem Spielprinzip aufgrund begrenzter Varianz recht schnell die Luft ausgeht, laden sagenhafte Präsentation und zuverlässige Steuerung immer wieder zu einer neuen Runde ein. Konfrontieren aber vor allem Multiplayer-Profis mit spezifischen Klassenvorstellungen schnell mit einer derben Enttäuschung.




    Lootchests kippen die Balance


    Eigentlich kennen wir das altbekannte Prinzip ja: Fleißig Gegner und Aufgaben erledigen und die gewünschte Klasse nutzen, um stetig stärker, besser und effektiver zu werden. Eine Tradition, mit der Battlefront 2 abseits eines übergeordneten Spielerrangs, gnadenlos bricht.


    Denn der Spielerrang macht uns nicht mächtiger, sondern lässt uns mehr Starkarten ausrüsten, mit denen wir unserem virtuellen Ich neue Fähigkeiten und Kräfte zur Verfügung stellen. Diese Karten erhalten wir nicht etwa von besiegten Gegnern, sondern durch das Öffnen von Lootboxen. Und hier liegt der gigantische Problempunkt von Star Wars: Battlefront 2 begraben.


    Anstatt seinen gewünschten Spielstil gewünscht zu stärken und gezielt zu optimieren, muss man sich gänzlich auf das Zufallsprinzip der Starkarten-Lootboxen verlassen. Wer also bestimmte Stärken des Soldaten verbessern möchte, der muss hoffen, dass er dann auch wirklich eine passende Karte zieht. Kann aber genauso gut ein Deck in der Hand halten, das direkt als vollkommen nutzlos abgestempelt werden muss.


    Problematisch wird das Ganze, wenn man dann einem Mitspieler begegnet, der nur aufgrund der besseren Karten schier unbesiegbar daherkommt und den eigenen Fortschritt bremst. Somit schleichen sich unfaire Elemente in die Multiplayer-Schlachten, die unglaublich nerven.


    Sicherlich spielt das spielerische Können weiterhin eine wichtige Rolle. Dennoch fällt der Unterschied zu anderen Onlinern vernichtend schmerzhaft aus. Hier können wir immerhin auch als Level 2-Anfänger gegen einen Level 50-Profi bestehen, wenn wir es einfach drauf haben. Bei Battlefront 2 kann das auch gerne passieren – allerdings auch völlig anders, wenn die falschen Karten im Spiel sind. Balancing ist hier kaum mehr gegeben.




    Störungen in der Macht


    Wir wollten Star Wars: Battlefront 2 lieben. Immerhin gibt es ausreichend Lichtschimmer, mit denen der Nachfolger zeigt, dass enorm viel Potenzial vorhanden ist.


    Allerdings hat sich EA mit dem Hinzufügen halbgarer Neuerungen, schweren Balancing-Probleme sowie einem auf Zufall basierenden Lootchest-System selber ein Bein gestellt. Und sich beim Sturz mit dem Lichtschwert einen Arm abgeschnippelt.


    Mit jeder neuen Stunden stolperten wir dann noch über weitere Probleme, die den halbgaren Gesamteindruck des spielerischen Aspekts immer weiter bekräftigten. Ob nun gänzlich ausbleibende Team-Mechaniken, ein stark eingeschränktes Spawn-System oder die Übermacht mit besseren Starkarten ausgestatteter Spieler – es gibt ausreichend Futter, um sich zu ärgern.


    Versteht uns nicht falsch: EA hat mit Battlefront 2 sicht- und spürbare Schritte nach vorne gemacht und definitiv aus dem kritisierten Vorgänger gelernt. Mit etlichen Schwächen behaftete Verbesserungen lassen dann aber doch wieder einen bitteren Beigeschmack zurück. Und machen mit nur temporär entfernten Pay-2-Win-Mechaniken bereits erste Gewitterwolken am Horizont erkennbar.




    Info: Lootboxen


    Eigentlich wollten wir Star Wars: Battlefront 2 für eine fast schon dreiste Pay-2-Win-Mechanik wertungstechnisch abstrafen. Kurz vor Vollenden und Veröffentlichen unseres Tests gab EA der Kritik jedoch nach und entfernte dieses Element aus dem Spiel. Vorerst.


    Zwar bleibt das stark auf Lootboxen aufgebaute Fortschrittsystem für uns weiterhin ein schmerzhafter Dorn im Auge, erscheint durch den Wegfall von Kaufoptionen allerdings nicht mehr als unfaire Hilfe für Spieler mit geladener Kreditkarte. Und sorgen somit für eine deutlich bessere Balance.


    Vollends auf Gaming-Skills setzen kann man aufgrund des Zufallsprinzip leider dennoch nicht – darum auch unsere anhaltende Verärgerung. Und noch muss man schauen, ob EA die Kritik seitens der Fans wirklich ernst nimmt oder das stark kritisierte System nach wenigen Wochen wieder gnadenlos integriert.



    Fazit


    Star Wars: Battlefront 2 sollte für viele DAS Gaming-Highlight 2017. Nun wird es wohl leider zu einer der größten Enttäuschungen.


    Zwar machen grandiose Grafik, fantastische Star-Wars-Atmosphäre sowie amüsante Multiplayer-Schlachten eine gute Figur, täuschen über die gravierenden Negativpunkte aber nur marginal hinweg: eine fast völlig verhunzte Singleplayer-Kampagne sowie ein von Schwächen geplagtes Game-Design, das dauerhafte Motivation unmöglich macht und eher für Verärgerung sorgt.


    Katastrophale Ausmaße mag das Ganze zwar nicht annehmen – dazu werden gerade beinharte Superfans mit Optik, Feeling und einem Wiedersehen mit alten Bekannten viel zu viel Freude haben. Letztlich bleibt aber dennoch eine schmerzhafte Erkenntnis zurück: Battlefront 2 ist keine Neue Hoffnung, sondern eher Eine Dunkle Bedrohung.


    Und das kommt einem Lichtschwert mitten ins Herz gleich.

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