NBA 2K22 [PS5]



  • Basketballsimulation. Rollenspiel. Neues Serienhighlight?


    Es ist wahrlich eindrucksvoll, welche Entwicklungsschritte die imposante NBA 2K-Welt im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte vollzogen hat. Freute ich mich in NBA 2K1 Ende 2000 noch wie ein kleines Kind (das ich streng gesehen auch noch war) über den brandneuen Streetball-Modus, dominieren mittlerweile cineastische Haupthandlungen, offene Spielwelten und zahlreiche Nebenbeschäftigungen, mit denen ich mir auch abseits des Courts einen Namen machen kann.


    Und obwohl nicht jeder Ableger vollends überzeugte, einige Jahresupdate hinter ihren Möglichkeiten zurückblieben und erst mit dem traditionellen, daher bereits frühzeitig garantierten Nachfolger neue Meilensteine erreicht werden konnten, hielt die amerikanische Entwicklerschmiede Visual Concepts die Sportsimulationsreihe seit ihrer Geburtsstunde vor über 20 Jahren (!) zusammen. Und schaffte es trotz aller Widrigkeiten und manchmal negativer Kritiken sowie lautstarker Beschwerden, sich schlussendlich doch selbst zu übertreffen und die Messlatte für das Folgejahr etwas höher zu hängen.


    Ein Ziel, das auch mit NBA 2K22 erreicht werden soll. Doch ob dieses mit der Hardware-Power der neuen Konsolengeneration und einem vollständig überarbeiteten und neu ausgerichteten Karrieremodus tatsächlich erreicht wird oder dieses durch technische Schnitzer und eine abermals fragwürdige Mikrotransaktionsstrategie in weite Ferne rückt, verrate ich euch im Test.


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    Vorfreude ist die schönste Freude


    Es gibt dieses eine Gaming-Gefühl, dass ich Jahr für Jahr in vollen Zügen genieße, über das ich bereits in mehreren Tests schreiben und beim Verfassen eben dieser Zeilen erneut in den gedanklichen Genuss dieses Gefühls zurückkehren durfte. Die ersten Schritte auf dem virtuellen Court, das ausführliche Erkunden aller nennenswerten Neuerungen, das Erleben eines neuen NBA 2K-Teils.


    Dabei stellte der Vorjahresableger jedoch eine kleine Ausnahme dar, immerhin folgte auf die Current-Gen-Variante von NBA 2K21 bereits nach zwei Monaten das Next-Gen-Update, das war noch nicht den revolutionären Slam Dunk, aber immerhin einige geübte Dribbler und einige andere akrobatische Leckerbissen versprach.


    Anstatt meine zu diesem Zeitpunkt noch brandneue PS5 gebührend einzuweihen, meinen Videospiel-Matches einen grafischen und vielleicht ja auch spielerischen Boost zu verpassen, setzte ich bewusst aus. Eine Entscheidung, die mir definitiv nicht leichtfiel, durch ein nobles Ziel vor meinen Augen allerdings problemlos zu meistern war: Das sicherlich in vielerlei Hinsicht optimierte Next-Gen-NBA 2K22 in all seiner brillanten Herrlichkeit zu erleben.


    Natürlich erschuf ich dadurch automatisch gigantische Erwartungshürden, die mich beim Ausführen des nächsten Super-Moves jederzeit ins Taumeln bringen, mich schlussendlich sogar auf den harten Boden der enttäuschenden Tatsachen feuern könnten. Gelegentlich wird Vertrauen dann aber doch belohnt – wenn auch mit gewissen Abzügen in der qualitativen (und leider erneut auch moralischen) B-Note.



    WOW-Erlebnis im New-Gen-Gewand


    Das Warten hatte sich nämlich auf jeden Fall gelohnt. Zwar wurde mir rasant bewusst, dass sich wohl auch NBA 2K22 nicht das Prädikat Revolutionär auf die Brust tätowieren durfte, aber zumindest stolz eine sichtbare Weiterentwicklung zur Schau stellen durfte, die mir den einen oder anderen Wow-Moment garantierte.


    Bereits in der Vergangenheit schaffte es die Entwicklerschmiede Visual Concepts bravourös, die atmosphärische Wucht einer Live-Übertragung in all ihrer einzigartig-beeindruckenden und mitreißenden Facetten einzufangen. Stärke und Schwäche zugleich, lässt sich so ein Kunststück doch nicht wirklich wieder verlernen, wogegen sich wahrhaft atemberaubende Fortschritte kaum etablieren lassen, stattdessen eher liebevoller Feinschliff im Mittelpunkt steht.


    Dennoch verfällt NBA 2K22 nicht dem technischen Stillstand, sondern nimm ausreichend Tempo auf, um mit einem imponierenden, wenn auch nicht ganz Weltrekord verdächtigen Sprung ein neues grafisches Level zu erreichen. Dass die (prominenten) Spieler damit vor allem in Nahaufnahmen regelmäßig an der fotorealistischen Oberfläche kratzen und mit allerlei Besonderheiten wie Bartwuchs oder Schweißperlen punkten, darf mittlerweile als nicht minder eindrucksvoller, aber eben bekannter Standard verbucht werden.


    Erfreulicherweise ist das jedoch nur ein Teil der NBA 2K-Summe. Die anmutigen Hallen, die schicken Lichteffekte, das jubelnde Publikum und die authentischen Moderatoren. Nichts davon fühlt sich lieblos in das Gesamtkonzept geworfen, sondern leidenschaftlich, mit viel Bedacht ausgearbeitet und wohl überlegt in die Sport-Simulation platziert an. Dadurch greifen die Elemente phänomenal ineinander und verschaffen mir ein wohliges Mittendrin-Gefühl, das ich in dieser Form sicherlich schon kannte, es allerdings noch nicht so intensiv erlebt hatte.


    Geht das Match dann los, wird dem Ganzen endgültig das I-Tüpfelchen verpasst. Wenn sich die Spieler elegant an den Gegnern vorbeimanövrieren, mit dem Ball ihre individuellen Talente unter Beweis stellen und anschließend wuchtig zum wichtigen Punktegewinn einnetzen, vergesse ich gerne kurzzeitig, dass ich hier vor der Konsole und nicht vor einer echten Wiederholung sitze. Eine Meisterleistung, die in dieser Form nur Visual Concepts abliefern kann.



    Neue Hardware-Power, alte Grafik-Stolpersteine


    Leider kann ich den visuellen Part an dieser Stelle nicht vollends zufrieden abhaken, sondern muss meiner Lobeshymne einen kleinen, jedoch kaum zu ignorierenden Kritik-Appendix verpassen, dessen Existenz und Notwendigkeit ohne Frage dem enorm kurzen Entwicklungszeitraum anzukreiden ist.


    Konnten mich die imposanten Technikspielereien während der ersten Stunden nämlich noch mühelos blenden, wanderte mein Blick dann doch am grellen Rampenlicht vorbei, wodurch mir einige optische Schwächen regelrecht ins Auge sprangen. Nun mochten diese zugegebenermaßen eher marginal ausfallen, im direkten Vergleich zum grafischen Hauptmenü nahezu mickrig ausfallen, verdeutlichten mir jedoch, dass auch NBA 2K22 den gewaltigen Schritt in Richtung Perfektion verpasst hat.


    Allen voran sind es die eher unbekannten Stars des gefeierten Sports, die darunter zu leiden haben. Brauchen sich deren prominente AAA-Kollegen nämlich nicht hinter dem Original zu verstecken, fällt eine direkte Gegenüberstellung mit ihrem realen Ich weniger erfreulich, gelegentlich sogar fast schon katastrophal aus. Gepaart mit einigen merkwürdigen Gesichtsverbiegungen, die sich gerne zwischen hölzern über mechanisch bis hin zu unmenschlich bewegen, bekommt Visual Concepts hinter ausreichend Ausbügelarbeit für die Franchise-Zukunft geboten.


    Mit Blick auf das Spielfeld soll es nicht der einzige Aufgabenstapel sein, den es im Laufe der nächsten Monate abzuarbeiten gilt. Sicherlich entsteht durch fantastische Animationen, variantenreiche Bewegungen und ein enorm hohes, zumeist butterweiches Spieltempo nicht nur ein grandioser Flow und unvergleichlicher Realismusgrad, gleichzeitig fallen darstellerische Schwierigkeiten und stockende Abläufe dadurch bedeutend stärker ins Gewicht. Sprinte, dribble und trickse ich mich elegant von einer Spielfeldseite zur anderen, sind missglückte Manöverübergange und merkwürdig anmutende Verrenkungen keine Seltenheit, fast schon ein konstanter Begleiter, der an die technischen Altlasten der Reihe erinnert, die sich scheinbar kaum gänzlich abschütteln lassen.


    NBA 2K22 scheint die zur Verfügung stehende Hardwarepower der PS5 bereits ausführlich erkundet, allerdings noch nicht gänzlich entschlüsselt zu haben. Gelegentliche Grafikaussetzer oder längere Ladezeiten sollten mittlerweile eigentlich unter Kontrolle gebracht, zumindest aber eher eine Seltenheit sein. Mankos, die sich zwar bisher noch unter Meckern auf hohem Niveau verbuchen lassen, spätestens mit dem Nachfolger jedoch Geschichte sein sollten.



    Durchdachter Spielaufbau


    Hatte ich mit Blick auf den technischen Aspekt der Next-Gen- (beziehungsweise mittlerweile ja schon Current-Gen-)Simulation noch eine recht hohe Erwartungshaltung, befand sich diese hinsichtlich der spielerischen Komponente frühzeitig auf einem eher niedrigen Level. Logisch, eine neue Konsolengeneration bedeutet immerhin nicht automatisch ein vollständig überarbeitetes und daher wegweisend neues Gameplay. Eine weise Entscheidung, hat sich Visual Concepts bei NBA 2K22doch auf das bereits erstklassige System der Vergangenheit verlassen, diesem aber dennoch einige nette Feinjustierungen spendiert.


    Bei meinen ersten Runden fiel mir direkt die verbesserte Gegner-KI auf, die meine taktischen Fähigkeiten gekonnt auf die Probe stellt. Ließ sich diese im Vorjahr nämlich mit einfachsten Mitteln austricksen, reagieren die Defensivreihen nun bedeutend agiler und bisweilen auch aggressiver, machen wundervoll durchdachten und ausgespielten Strategien meinerseits also liebend gerne einen Strich durch die Rechnung. Unfair wird das Ganze allerdings zu keinem Zeitpunkt, lässt sich die Abwehr mit den richtigen Ideen doch auch weiterhin überspielen – sofern ich bereit bin, bei meinen Zügen geschickt um die Ecke zu denken.


    Überhaupt animiert mich NBA 2K22 dazu, blindes Voranpreschen prinzipiell ad acta zu legen und jeden Angriff vor seiner ultimativen Umsetzung zu durchdenken. Von besonderer Wichtigkeit ist hierbei die Ausdaueranzeige, die mein generelles Vorgehen bereits nach kurzer Zeit vollständig bestimmte, dieses sogar gnadenlos auf den Kopf stellte und mich regelrecht zu einer wohlüberlegten Überarbeitung zwang. Rasante Sprints und überstürzte Turbo-Manöver knabbern nun nämlich noch stärker an der Ausdauer meiner Spieler. Und nähert sich diese dem Nullpunkt, sind Tempo und gezielte Würfe (zumindest für dieses Match) Geschichte.


    Dementsprechend verlasse ich mich nur noch selten auf blinde Geschwindigkeit, taste mich vielmehr vorsichtig durchdacht über das Feld und integriere meine gesamte Mannschaft, um mich Schritt für Schritt, Pass für Pass durch die gegnerischen Reihen zu dribbeln. Da mir der diesjährige Simulationsableger dabei auch ausreichend Möglichkeiten eröffnet, fühlen sich die Partien nun noch abwechslungsreicher an, fordern sie mich doch auf einem völlig neuen Level und garantieren dadurch ein besonderes Erfolgserlebnis, wenn der liebevoll zusammengestellte Schlachtplan in verdienten Punkten mündet.


    Sicherlich mögen das kleine, dafür aber nicht minder gewichtige Optimierungen sein, mit denen NBA 2K22das Gameplay an der richtigen Stelle erweitert, mich routiniert aus meiner Komfortzone lockt und zum Aus- und Umbau meines eigenen Stils einlädt. Es bleibt zu hoffen, dass der eingeschlagene Kurs erhalten bleibt und der Fokus auf ein kleinteiliges, dabei aber dennoch sinnig ineinander übergreifendes Aufbauspiel auch in der Zukunft erhalten bleibt.



    Das altbekannte Umfangmonster


    Kaum hatte ich das diesjährige Gameplay verinnerlicht, stürzte ich mich freudig auf die Modi-Auswahl, um mit meinem aufgewerteten Skillset auch in der Praxis prahlen zu können. Hier sind nennenswerte Weiterentwicklungen dann aber wirklich Mangelware, tatsächliche Anpassungen höchstens für mit einer Lupe bewaffneten Franchise-Profis auffindbar. In Anbetracht des erneut stattlichen Umfangs ist das allerdings nicht als gravierender Kritikpunkt, sondern vielmehr als eine simple Feststellung zu verstehen.


    Dass ich mich beim (mit einem enormen Suchtpotenzial behafteten) Zusammenstellen meines ultimativen Karten-Dreamteams in MyTEAM, dem vielschichtigen Management einer Mannschaft in MyNBA oder der Erkundung der immer populärer werdenden Welt des Frauen-Basketballs in MyWNBA eines gelegentlichen Déjà-vu-Erlebnisses nicht erwehren kann, fällt also kaum ins Gewicht. Beste Sportunterhaltung bekomme ich weiterhin geboten, freue mich über einen weitläufigen Simulationsspielplatz, der mich bis zum Release von NBA 2K23 ohne Frage bei Laune halten wird.


    Doch ich möchte ehrlich sein: Eine tiefgründige Auseinandersetzung mit all den soeben aufgeführten Spielmodi hatte bei meinem Test-Marathon zunächst keine wirkliche Priorität, wurde sogar direkt ans Ende der Liste geschoben. Mein persönliches Hauptaugenmerk lag nämlich auf dem Karriere-Modus, der im Vorjahr auf ein ambitioniertes, cineastisches Feeling setzte und gelegentlicher inszenatorischer Schwächen nicht nur mein Interesse weckte, sondern für mich zugleich zu einem kleinen Highlight avancierte. Kein Wunder also, dass ich MyCAREER auch in NBA 2K22 direkt ins narrative Visier nehmen wollte.


    Oberflächlich betrachtet scheint Visual Concepts dabei ebenfalls den altbekannten Pfad zu beschreiten. In der virtuellen Haut des Social-Media-Stars MP (dessen Aussehen und grundlegende Fähigkeiten ich zu Beginn des Abenteuers selbst bestimmen darf) ist es mein Ziel, die Karriereleiter rasant hinaufzuklettern und dabei nicht nur mit einer Vielzahl unterschiedlicher Charaktere zu interagieren, sondern zugleich wichtige, für meinen weiteren Weg gelegentlich sogar existenzielle Entscheidungen zu treffen. Die geübte From Zero to Hero-Formel mit einem Social-Media-Kickstart also.



    Musik, Mode und Basketball


    Damit sich das Ganze jedoch nicht wie eine billige Kopie mit neuen Protagonisten anfühlt, schüttelt NBA 2K22 die linearen Handlungsketten der Vergangenheit direkt ab und setzt stattdessen auf ein deutlich offeneres Karriere-Erlebnis, das filmische Aspirationen zurückschraubt und dafür den Rollenspielregler ordentlich aufdreht.


    Dreh- und Angelpunkt ist dabei die bereits im Vorjahr etablierte Stadt, die jedoch gehörig überarbeitet wurde und mein erkundungsfreudiges Herz mit einer beeindruckenden Lebendigkeit, zahlreichen Interaktionsmöglichkeiten und etlichen Aufgaben höherschlagen lässt. Natürlich zieht diese im direkten Spielweltenvergleich den Kürzeren, darf unterm Strich also eher als Open World Light bezeichnet werden, macht allerdings auch keinerlei Anstalten, sich in irgendeiner Form mit einem GTA, Saints Row oder Watch Dogs vergleichen zu wollen. So habt ihr aber zumindest eine gewisse Vorstellung der örtlichen Dimensionen.


    Ein wohliges Freiheitsgefühl ist dennoch am Start. Kaum wurde ich als MP in die große Stadt entlassen, steuerte ich unterschiedliche Schauplätze an, versuchte mich an verschiedenen Haupt- und Nebenquests und meisterte teils knackige Basketball-Challenges, um meine spielerischen Fähigkeiten aufzuwerten und mich für kommende Herausforderungen und Online-Matches zu wappnen. Langeweile? Fehlanzeige!


    Besonders spannend: In NBA 2K22 konzentriert sich Visual Concepts nicht nur auf den eigentlichen Sport, sondern rückt zugleich weitere (optionale) Stützpfeiler einer wahren Profikarriere in den Fokus. Wer den Ball also mal ruhen, den Beinen eine kleine Pause gönnen möchte, darf sein hart erarbeitetes Geld bei ausschweifenden Shoppingtouren verprassen, mit sicken Beats die Musikbranche erobern oder mit einer eigenen Modemarke die Fashionwelt in ihren Grundmanifesten erschüttern. Sollte euch dabei ein gewisser Adrenalinkick fehlen, könnt ihr euch auch einfach aufs Fahrrad oder Skateboard schwingen, durch die City touren oder bei Rennen die Bestzeit einheimsen – und via Online-Wettbewerb im besten Fall sogar fette Preise einheimsen.


    Passionierte Basketballfans dürften diese Entwicklung eher als zweischneidige Klinge empfinden, entfernt sich das Gesamtwerk dadurch doch zusehends von einer reinen Sportsimulation zu einem spielerisch kunterbunt gemischten Mainstream-Erlebnis, das die sportlichen Elemente zwar weder verwässert noch missachtet, sie aber nicht mehr als alleinigen Mittelpunkt definiert. Eine nachvollziehbare Sorge, die sich in der Praxis allerdings als unbegründet herausstellt. Ganz im Gegenteil, dienen die gewohnten Stärken der Vergangenheit doch weiterhin als unverzichtbares Fundament, das mit sinnigen Neuerungen, mehr Freiheiten sowie abwechslungsreichen Möglichkeiten sinnig erweitert und mit grandioser Langzeitmotivation ausgestattet wird.


    Um niederschmetternde Enttäuschungen frühzeitig zu vermeiden, seien alle Besitzer der alten Konsolengeneration, einer Nintendo Switch oder eines PCs gewarnt – denn diesen wird der Zugang zur weitläufigen Stadt verwehrt. Während diese nämlich ausschließlich auf der PS5 und Xbox Series X|S besucht werden darf, finden sich alle auf einer Kreuzfahrt wieder. Und obwohl auch diese Variante Laune macht und meinen Weg in Richtung Spitze vielschichtig gestaltet, fühlt sich das Ganze doch notbeholfen komprimiert an. Schade, dass ein Konsolen-Upgrade weiterhin kein leichtes Unterfangen darstellt, fast schon einem 6er im Lotto gleichkommt.



    Das alte VC-Leid


    Jedes Jahr hoffe ich aufs Neue, dass ich mich gänzlich den sinnvollen Verbesserungen des traditionellen NBA 2K-Updates widmen, eventuelle Restschwächen ankreiden und den Test im Anschluss mit einigen abschließenden Worten elegant abrunden und beenden kann. Leider macht mir die fragwürdige Mikrotransaktionspolitik der namhaften Basketballsimulationsreihe seit einigen Testzyklen einen unliebsamen Strich durch die Hoffnungsrechnung. Und auch NBA 2K22 stellt keine Ausnahme dar.


    Die perfide, da ebenso offensichtlich wie auch unterschwellig in das Gesamtkonzept integrierte Kaufaufforderung der digitalen Währung folgt dabei dem Beispiel der Vorgänger, versucht Gamer mit kompetitivem Ehrgeiz und Spitzenplatzambitionen frühzeitig zum Öffnen der Geldbörse zu bewegen. Die VC (Virtual Currency) ist nämlich erneut unverzichtbar, um den eigenen Spieler gehörig aufzupowern, neue Klamotten in den Kleiderschrank zu hängen oder die ausgeklügelte MyTEAM-Kartenzusammenstellung zur unschlagbaren Perfektion aufzupolieren. Diese kann ich mir in den verschiedenen Modi verdienen – oder einfach den unkomplizierten Weg einschlagen und einfach Echtgeld gegen horrende Summen eintauschen.


    Generell würde ich solch einer Designentscheidung keinen kompletten Absatz widmen, immerhin ist jeder seines eigenen Glückes und Fortschrittes Schmied, sollte also wohlüberlegt selbst bestimmen können, ob sich solch eine Investition tatsächlich lohnt. Im Falle von NBA 2K22 ist dieser Grundgedanke jedoch mit einem bitteren Beigeschmack behaftet, handelt es sich hierbei immerhin nicht um eine vollständige Single-, sondern eben auch um ein Multiplayer-Erlebnis, wodurch regelrechte Pay-to-Win-Mechanismen logischerweise zu einer ernstzunehmenden Problematik werden.


    Meine ersten Schritte in der Onlinewelt dienten als erstklassiger Beweis. Bereits wenige Tage nach Release begegnete ich hier schier unschlagbaren Super-Gegnern, die mit ihren einzigartigen spielerischen Fähigkeiten anscheinend den Gamecode geknackt und den Fortschritt vieler Wochen in wenigen Stunden erreicht hatten. Oder direkt Kohle auf die 2K-Konten gepumpt und sich damit einen schnellen Boost gegönnt hatten. Wenig überraschend ging ich vollkommen chancenlos unter und hoffe, bei der nächsten Runde einem ehrlichen Rivalen der frühen ersten Stunde zu begegnen. Zum Glück war solch eine Begegnung dann doch keine Seltenheit.


    Dennoch musste ich mit dieser Erfahrung in meinem Nacken vor dem Verfassen meines Tests intensiv in mich gehen und mich fragen, inwieweit diese VC-Politik mein abschließendes Fazit beeinflussen würde. Musste ich eine ansonsten fast schon perfekte Basketballsimulation heftig abstrafen und hoffen, dass solch ein Schritt vielleicht im Folgejahr die erhoffte Verbesserung bringt? Oder diese finanzielle Strategie als traurigen Standard unserer heutigen Gaming-Gesellschaft akzeptieren und mich lieber dem eigentlichen Jahresupdate widmen? Schweren Herzens traf ich schlussendlich die in meinen Augen richtige Entscheidung und wählte Option B.


    Obwohl mich NBA 2K22 nämlich mit VC-Kaufmöglichkeiten regelrecht bombardierte, jede Chance nutzte, mir diese Hilfestellung schmackhaft zu machen, wurde mein Spielspaß durch das komplette Ignorieren eben dieser Meldungen keineswegs gehemmt. Sicherlich verlief der Weg in Richtung Spitze deutlich steiniger, nahm mehr Zeit in Anspruch und erforderte sogar einen gewissen Grind, Basketballfans werden sich aber eh in dieser wundervollen Simulation verlieren, ein Match nach dem anderen bestreiten und auf diesem Weg ebenfalls kleinere VC-Berge anhäufen können. Und solange diese Option gegeben bleibt, fällt mir eine gnadenlose Abstrafung einfach enorm schwer.


    Nichtsdestotrotz befürworte ich diesen Fokus auf Mikrotransaktionen nicht und hoffe weiterhin, dass das Geschäft mit der digitalen Währung langsam, aber sicher in sich zusammenbricht und 2K und Visual Concepts neue, vielleicht auch moralisch akzeptablere Wege beschreiten, um mit der Reihe gigantische wirtschaftliche Erfolge zu feiern. NBA 2K23 durchweg für seine qualitative Brillanz loben und das in den Vorjahren durch eben diese dubiose VC-Politik bedingte Aber gänzlich aus dem Test streichen zu können. Ein Traum, der hoffentlich in Erfüllung gehen wird. Darauf wetten würde ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht.


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    Fazit


    Ich hätte Verständnis dafür, wenn Visual Concepts nach über 20 Jahren die kreative Puste ausgehen und sich das amerikanische Entwicklerteam lautstark nach einer Auswechslung sehnen würde. Stattdessen werden jedes Jahr neue ambitionierte Ziele, neue Höchstleistungen ins Visier genommen – und mit NBA 2K22 nicht nur konsequent, sondern auch gelungen umgesetzt.


    Und obwohl sich die nennenswerten Änderungen am Gameplay-Rad dabei in Grenzen halten, sorgt vor allem die rasant dahinschmelzende Ausdauerleiste für eine ebenso willkommene wie auch angenehme Feinjustierung meines erprobten Spielstils. Grafisch sowie atmosphärisch wurde derweil augenscheinlich vollends in den New-Gen-Gang geschaltet – der ersehnte Fotorealismus kommt immer näher –, visuell eher weniger ansprechende Randspieler sowie kleinere technische Aussetzer verhindern aber, dass auch das Optik-Gaspedal voll durchgetreten werden konnte.


    Im Mittelpunkt steht aber eh der Karriere-Modus, der neben dem üblichen NBA-Alltag nun auch zahlreiche Rollenspielelemente zu bieten hat und mit dem daraus resultierenden Abwechslungsreichtum beste Unterhaltung garantiert. Sportpuristen werden mit dem Musik-, Mode- und Skatboard-Schnickschnack zwar nichts anfangen können, bekommen aber auch abseits dieser Aufgaben ausreichend Basketball und Modi geboten.


    Während NBA 2K22 aufgrund abermals fehlender Konkurrenz den diesjährigen Basketballsimulationsthron ohnehin erklommen hätte, hat sich der neuste Ableger der langlebigen Reihe diesen Platz aufgrund eines qualitativ beachtlichen, technisch beeindruckenden und spielerisch tiefgründig-facettenreichen Gameplays redlich verdient. Schade, dass die bereits erwähnten Technik-Schnitzer als auch die weiterhin bedenkliche VC-Politik den positiven Gesamteindruck marginal, aber dennoch spürbar trüben. NBA-Fans mit einer PS5 oder Xbox Series X|S dürfen dennoch beruhigt zugreifen – und gemeinsam mit mir hoffen, dass Visual Concepts die verbliebenen Schwächen spätestens zum nächsten Jahresupdate ausmerzen kann.

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