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The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom

  • Dante
  • 15. Oktober 2024 um 20:43
  • 0 Kommentare
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Hat Held Link es schwer, muss Prinzessin Zelda her!

Wenn ich mich in ein Abenteuer namens The Legend of Zelda stürze, dürfte ich doch eigentlich auch die Kontrolle über eine tapfere Heldin namens Zelda übernehmen. Ein logischer Gedankengang, dem der legendäre Videospielhersteller Nintendo sowie Mastermind Shigeru Miyamoto scheinbar ordentlich durchschütteln wollten. Denn im 1986 veröffentlichten Serienstart für den NES landet die namensgebende Prinzessin rasant im Kerker und überlässt dem grüngekleideten Protagonisten Link die Bühne, weshalb The Legend of Link als Titel eventuell treffender gewesen wäre. Pustekuchen, dachte man sich beim japanischen Publisher und blieb der Marke seitdem treu, erweiterte den Namen dementsprechend höchstens um eine Zusatzvariabel X.

Aktuelles Beispiel: The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom, das sich auf den ersten Blick vortrefflich in das Franchise einreiht, die (höchstwahrscheinlich) letzten Monate der Nintendo Switch dann aber immerhin mit einem inhaltlichen Bruch versüßen. Anstatt hier nämlich abermals die Kontrolle über Link zu übernehmen, verschwindet dieser unerwartet schnell aus dem Rampenlicht und überlässt dieses Prinzessin Zelda höchstpersönlich, die dem Titel nun endlich gerecht werden, die eigenen Fähigkeiten zur Schau stellen und zugleich mit einem erfrischend anderen, zugleich aber auch wohlig bekannten Abenteuer glänzen darf.

Doch wurde diese Chance nach fast 40 Jahren (!) dann auch tatsächlich genutzt oder vielmehr ein schmerzhafter Beweis geliefert, weshalb Link in Zukunft dann doch lieber der alleinige Schwertträger bleiben sollte? Voller Vorfreude habe ich mich für euch ein weiteres Mal nach Hyrule begeben und Zelda bei ihrer hehren Rettungsmission begleitet, um euch im Test die umfangreiche Antwort zu liefern.

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Vom Showdown in ein neues Abenteuer

Euch stinkt es gewaltig, dass ihr eure virtuellen Videospielhelden stets am kämpferischen Nullpunkt kennenlernt und diese zunächst stundenlang hochtrainieren müsst, um euch garstigen Bösewichtern wagemutig in den Weg stellen zu können? Dann dürfte euch The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom bereits während der ersten Sekunden erfreuen: Ohne ausschweifende Intro-Sequenz oder eigentlich handelsübliches Hauptmenü beobachtet ihr die bereits voll ausgerüstete und mit massig Herzcontainern ausgestattete Legende Link nämlich beim Betreten des finalen Dungeons und seht euch nach einigen Sprungeinlagen und Schwerthieben dann auch tatsächlich direkt mit Obermotz Ganon konfrontiert. Dieser wird schnell umgeprügelt, anschließend noch die entführte Hyrule-Prinzessin Zelda gerettet und dann wird es ja auch eigentlich schon Zeit für den Abspann – wurde meine Vollversion etwa mit einem fortgeschrittenen Speicherstand installiert?

Mitnichten! Denn bevor Link sein heldenhaftes Werk vollenden kann, entfesselt Ganon mit seinen unheilvollen Kräften mysteriöse Risse, die die Welt und ihre Bewohner förmlich zu verschlingen scheinen. Ein Schicksal, vor dem auch der bekannte Serienprotagonist nicht verschont bleibt, die Prinzessin mit einem letzten Bogenschuss jedoch im letzten Moment aus ihrem Kristall-Gefängnis befreien kann. Um Links Opfer nicht zur sinnlosen Verzweiflungstat verkommen zu lassen, nimmt Zelda die Beine in die Hand, entkommt dem düsteren Phänomen und flüchtet in ihr Königreich, wo sie ohne weitere Umschweife einen Schlachtplan austüfteln will. Leider sorgen die Risse auch hier für Unheil, verschlingen sie doch den König und erschaffen im Austausch eine bösartige Kopie, die die „eigene“ Tochter unbarmherzig ins Gefängnis wirft.

Vor ihrer Exekution trifft Zelda jedoch auf die geheimnisvolle Fee Tri, die der Prinzessin einen mächtigen Stab überreicht und ihr mit dessen magischen Fähigkeiten einen unverhofften Fluchtweg aus der Gefangenschaft eröffnet. Und damit noch nicht genug, lassen sich die Kräfte des sogenannten Tri-Stabs doch scheinbar auch zum Bekämpfen der ominösen Risse einsetzen, fungieren folglich also als dringend notwendiger Hoffnungsschimmer am dunklen Horizont. Kein Wunder also, dass sich Zelda mutig Links Heldengewand umwirft und sich couragiert ins eigene Abenteuer stürzt, um Hyrule zu retten und nun endlich selbst für das Festigen der eigenen Legende verantwortlich zu sein.

Und obwohl ich im Laufe meines Tests oftmals darauf zu sprechen kommen werde, möchte ich den zweifelsfrei geglückten Heldenwechsel bereits an dieser Stelle mehrfach unterstreichen. Während die eigentliche Handlung wie bereits in der Vergangenheit eher überschaubar bleibt und primär mit einem liebevollen Worldbuilding als mit wendungsreichem Tiefgang punktet, fühlt sich Zelda als Protagonistin nicht nur vortrefflich an, sondern macht im Kontext des brandneuen Serienablegers zudem enorm viel Sinn. Dadurch mögen die ikonischen Kampfschreie des spitzohrigen Schwertschwingers während der ersten Stunden zwar ein wenig fehlen, Links Abwesenheit fällt ansonsten aber kaum ins Gewicht, lässt den Spielspaß also problemlos auf Hochtouren laufen.

Schönes neues (und auch bekanntes) Hyrule

Zunächst scheinen sich Nintendo und das verantwortliche Entwicklerstudio Grezzo aber auf die eigentliche Welt konzentriert und dabei vor allem die leidenschaftlich pochenden Herzen der weltweiten Fangemeinde ins Visier genommen zu haben. Während Hyrule nämlich in völlig neuem Glanz erstrahlt und abwechslungsreiche Landschaften präsentiert, liegen die liebe- und allen voran sinnvoll eingeflochtenen Anspielungen sowie Verbindungen im designtechnischen Detail – und werden dadurch zur Startrampe für einen Nostalgietrip, den ich in diesem Umfang nicht erwartet hätte.

Dabei kam mir das Spielgefühl nach dem Verlassen des Kerkers und damit quasi dem Beenden des einleitenden Tutorials angenehm bekannt vor, fühlte ich mich doch stellenweise an meine Streifzüge durch den SNES-Klassiker The Legend of Zelda: A Link to the Past erinnert. Denn auch in Echoes of Wisdom steht mir das Königreich mit all seinen Facetten offen, lädt mich mit allerlei Geheimnissen zum Erkunden ein, zwingt mich mit diversen Kreaturen aber auch mal in den Kampfmodus. Nur eben, dass ich mich diesen Herausforderungen nun als Zelda stellen und hauptsächlich mit dem Tri-Stab für Recht und Ordnung sorgen muss, worauf ich allerdings erst ein wenig später näher eingehen möchte. Eine kleine Ausnahme, stürze ich mich bei meinen Tests ansonsten doch lieber direkt auf den Gameplay-Part, um meinen Gedanken und eigenen Erfahrungen möglichst schnell Ausdruck zu verleihen.

Stattdessen wurde mir beim ersten Spaziergang durch Hyrule schnell bewusst, dass mir das Gesamtbild irgendwie bekannt vorkommt, ich ausgewählte Landstriche in einer abgewandelten Form bereits besucht hatte. Und tatsächlich handelt es sich bei der aktuellen Karte dann auch nicht um ein brandneues Setting, sondern um eine stark erweiterte Variante der Welt aus A Link to the Past, an der der Zahn der Zeit sichtbar geknabbert und einst anschauliche Orte in zerfallene Ruinen verwandelt hat. Schlagartig schaltete ich begeistert in den Detektiv-Modus, hielt nach solchen Stellen Ausschau und versuchte gemeinsam mit der Schwarm- und Forenintelligenz der weltweiten Zelda-Community einen Platz in der mittlerweile schwer überschaubaren Timeline zu bestimmen. Ein Vorhaben, das einige Theorien, leider aber noch keine fehlerfreie Lösung hervorgebracht hat.

Höchstwahrscheinlich ist es das derzeitige Fehlen dieser aussagekräftigen Antwort, wodurch der Begeisterungsgrad nochmals befeuert wird. Immerhin wird mir dadurch die Chance geboten, mich abermals näher mit dem gefeierten Franchise auseinanderzusetzen, Puzzleteile zusammenzusetzen und Vermutungen mit den notwendigen Beweisen zu unterfüttern. Begegnungen mit Goronen, Zoras und anderen mir wohl bekannten Völkern, das Wiederentdecken relevanter Schauplätze ausgewählter Vorgänger und das Stolpern über einige grandiose Querverweise aus der reichen Serienvergangenheit dienen dabei als regelmäßige Motivationsschübe, die meine investigativen Bemühungen zuverlässig befeuern und dafür garantieren, das fast jede Wanderung zu einem kleinen Fan-Highlight avanciert.

Mikroschwäche Mikroruckler

Auch beim optischen Gesamtbild fühlte ich mich rasant abgeholt, orientierte sich das japanische Studio Grezzo doch am eigens entwickelten 2019er-Remake von The Legend of Zelda: Link’s Awakening und nutzte dessen farbenfrohen Look als Fundament für die visuelle Präsentation von Echoes of Wisdom. Dementsprechend darf man sich auch dieses Mal über zuckersüße Charakter- und Gegnermodelle im Chibi-Stil, anschauliche sowie mit individuellen Besonderheiten vollgestopften Landschaften und anmutige Lichteffekte freuen, die allesamt überarbeitet und auf ein sichtbar höheres Niveau aufpoliert wurden. Wer sich schon zuvor einfach nicht mit diesem Stil anfreunden konnte, der wird zwar sicherlich auch beim zweiten Anlauf nicht vollständig bekehrt, wird objektiv betrachtet aber dennoch ausreichend Gründe für eine anerkennende Wertschätzung finden können.

Bedauerlicherweise hat das Grezzo-Team beim Aufwerten alter Stärken das Glattbügeln früherer Schwächen vergessen, wodurch diese leider ebenfalls gravierender ausfallen. Sobald Gebiete nämlich weitläufiger ausfallen oder euch eine Vielzahl an Feinden oder Dorfbewohner begegnen, machen sich unliebsame Mikroruckler bemerkbar, die dann auch gefühlt im Sekundentakt auftreten. Diese mögen sich dem gefürchteten Bereich der Unspielbarkeit dann zum Glück nicht einmal ansatzweise nähern, fallen im Handheld-Modus zudem vergleichsweise selten auf, sorgen bei einer ansonsten angenehm stabilen Framerate dann aber doch für einen technischen Schluckauf der nervigen Sorte. Die Daumen sind gedrückt, dass sich Nintendo und Grezzo dessen bewusst sind und mit Patches für Nachbesserung sorgen.

Bis dahin muss eben der abermals grandiose Soundtrack als temporäres Gegenmittel herhalten. Auch dieser präsentiert sich nicht einfach als lieblos hingeklatschte Kopie bereits bekannter Melodien, sondern nimmt deren zeitlosen Klänge und Instrumente, um daraus völlig neue Ohrwurm-Garanten zu arrangieren. Hier und da hat die siebenköpfige Komponistengruppe dann zwar dennoch eine kleine Hommage an frühere Werke integriert, behandelt diese jedoch streng als Ausnahme zur originellen Regel, folgt also selbstbewusst dem eigenen schöpferischen Pfad. Völlig verdient also, dass die daraus resultierenden Schöpfungen förmlich in mein Ohr springen und mich zum fröhlichen Mitsummen animieren – sogar beim Verfassen dieser Zeilen.

Überhaupt bleibt es faszinierend, dass Nintendo das altbekannte und bis in den Kern phänomenale Zelda-Feeling nach fast 40 Jahren spielend leicht einfangen und dessen Einzigartigkeit so gezielt ausspielen kann. Trotz der Zusammenarbeit mit einem weiteren Studio und dem Wechsel vom Okarina-Künstler zur Echo-Prinzessin fühlte sich Echoes of Wisdom bereits beim Betreten des ersten (Intro-)Dungeons einfach richtig an, zog mich mit all seinen einzigartigen Facetten in seinen Bann und platzierte mich in eine abenteuerliche Fantasy-Atmosphäre, die ich überhaupt nicht mehr verlassen wollte. Ja, die Mikroruckler verbleiben auch dabei als Störfaktor, erinnern aber eher an um mich herumschwirrende, stechfreudige Mücken, die einen durch und durch perfekten Sommertag dann auch nicht mehr zerstören können.

Ungeahnte Echo-Kräfte

Normalerweise würden Publisher das verantwortliche Entwicklerteam mit Blick auf die Kosten sowie die generellen Erfolgsaussichten dazu auffordern, sich in puncto Gameplay strikt am direkten Vorgänger (in diesem Fall also das Remake zu Link’s Awakening) zu orientieren und höchstens einige Ecken und Kanten abzurunden, um ein gewisses Sequel-Flair zu erzeugen. Ein üblicher Ablauf, den Nintendo erfahrungsgemäß strikt ablehnt und bei The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom dementsprechend auf ein neues Kernelement setzt, das das gesamte Abenteuer auf den Kopf stellt. Und dafür ist nicht etwa die Prinzessin selbst mit ihrem Heldinnen-Debüt verantwortlich, sondern die bereits erwähnte Fee Tri mitsamt ihres magischen Stabs.

Dieser dient nämlich weder als mächtiges Angriffsinstrument noch als hübsch anzuschauende Dekoration, sondern als unverzichtbares Werkzeug, um Nachahmungen diverser Gegenstände und auch Feinde aus dem Nichts zu erschaffen. Klingt zunächst ein wenig komplex, gestaltet sich in der Praxis allerdings als zugängliche Zauberei: Entdecke ich in der Spielwelt ein funkelndes Objekt oder habe einen Standardgegner erfolgreich besiegt, darf ich deren Echo-Variante in meinen Stab aufnehmen und sie anschließend per Auswahlmenü heraufbeschwören. Zeitdruck entsteht dabei keiner, wird das Spielgeschehen beim Öffnen des Menüs doch pausiert, wodurch ich meine nächsten Schritte beruhigt durchdenken kann.

Willkürlich sollten diese dann auch nicht getätigt werden. Denn mit dem Echo-Stab habe ich die Möglichkeit, auf verschiedene Situationen adäquat zu reagieren und mir sowie Prinzessin Zelda des Leben somit bedeutend einfacher zu machen. Anders als Link darf sich diese nämlich nicht als unschlagbare Kriegerin bezeichnen und muss sich deshalb auf herbeigezauberte Gegner verlassen, die anschließend als ihre Verbündete vollautomatisch in die Schlacht ziehen. Untätig herumstehen darf ich dann allerdings immer noch nicht, sondern sorge mit dem Anvisieren meines aktuellen Kontrahenten sowie dem Nachfeuern neuer Kämpfer dafür, dass ich mich auch per passiver Spielweise über einen Sieg freue.

Zusätzlich unterstützen mich die magischen Fertigkeiten beim Bewältigen alltäglicher Hyrule-Hindernisse. Beispielsweise lassen sich damit auch Wurfobjekte, Brücken, Leiter, Treppen oder andere Konstrukte zusammenstellen, mit denen Hindernisse problemlos umgangen werden können. Tatsächlich darf ich auf diese Weise gelegentlich auch einen pazifistischen Weg einschlagen und Feinde gezielt von mir fernhalten, um diesen ohne eine offene Konfrontation einfach zu entfliehen. Gefühlt wird der Stab damit zum Schlüssel für einen kreativen Spielplatz, der weniger Durchschlagskraft als ein Schwert besitzt, diesen Mangel aber mit übernatürlicher Super-Power ausgleicht.

Doch auch diese hat ein Limit und sorgt dafür, dass Echoes of Wisdom nicht der anspruchslosen Langeweile zum Opfer fällt. Anstatt nämlich stupide unendlich viele Objekte herbeizaubern und damit jede noch so große Herausforderungen problemlos verpuffen lassen zu können, wird das gleichzeitige Aufrechterhalten mehrerer Nachahmungen durch Tris aktuelles Kräftelevel limitiert. Dieses wird durch Dreiecke symbolisiert, die den Schweif der herumschwebenden Fee bilden und für das Heraufbeschwören der Echoes eingesetzt werden müssen. Je stärker das Echo, desto mehr Dreiecke muss ich für das Herbeirufen investieren, muss also genau überlegen, ob ich eher auf Qualität oder auf Quantität setze. Ein Glück gewinnt Tri im weiteren Spielverlauf weitere Dreiecke hinzu und eröffnet mir somit die Möglichkeit, mich taktisch immer breiter aufzustellen.

Denn Betten sind nicht nur zum Schlafen da

Anfangs brauchte ich für das Echo-System eine gewisse Eingewöhnungsphase, war ich durch die zahlreichen Zelda-Titel der Vergangenheit doch regelrecht darauf konditioniert, Link brüllend auf das Schlachtfeld zu lotsen und alle Probleme mit meinem treuen Master-Schwert zu lösen. Nintendo schafft es allerdings bravourös, mir die neue Mechanik rasant näherzubringen und diese durch eine breite Auswahl von mehr als 120 auffindbaren Nachahmungen abwechslungsreich genug zu gestalten, um damit durchgehend Freude zu haben und mich nicht etwa in einer repetitiven Sackgasse zu verlieren. Ein Umstand, der wohl auch zahlreichen Learnings aus dem Switch-Kracher Tears of the Kingdom zu verdanken ist.

Ähnlich dem Breath of the Wild-Sequel präsentiert Echoes of Wisdom nämlich nur selten einen gradlinigen Lösungsweg an, sondern animiert mich vielmehr dazu, das aktuelle Rätsel mit den mir zur Verfügung stehenden Echos sowie einer Menge Fantasie zu lösen. Dadurch kam es nicht selten vor, dass ich Betten zu einer Brücke kombinierte, Tische zur Treppe umfunktionierte oder heranpirschende Kontrahenten mit Felsen einen Strich durch die Offensiv-Rechnung machte. Zwar mag es eine abgedroschene Floskel sein, doch Zeldas Abenteuer lässt eurer Kreativität wirklich freien Lauf und belohnt erkundungsfreudige Tüftler gelegentlich sogar mit einigen verborgenen Belohnungen, die man ohne eine durchdachte Strategie eventuell gänzlich verpasst hätte.

Damit das „Beschwöre doch einfach einige Echos“ aber nicht zur popeligen Standardantwort wird, glänzt der magische Tri-Stab mit zwei weiteren Fertigkeiten, die für das Rätselknacken unerlässlich sind. So darf ich mich per Einklang mit Objekten verknüpfen und diese auf Wunsch umpositionieren, um versperrte Wege freizuschaufeln oder einen unerreichbaren Schalter zu betätigen. Auch beim Umgekehrten Einklang verbinde ich mich mit Gegenständen, entziehe Zelda gleichzeitig aber jegliche Körperkontrolle und lasse sie den Bewegungen des Ziels dadurch folgen. Das perfekte Hilfsmittel, um mit herumschwebenden Plattformen einen klaffenden Abgrund zu überwinden.

Action-Freunde kommen ebenfalls auf ihre Kosten, müssen den Tri-Stab hierfür jedoch kurzzeitig zur Seite legen. Zu Beginn ihrer Reise findet die Prinzessin nämlich Links Schwert, das sie per Knopfdruck ebenfalls einsetzen darf, um Gegner fulminant in die Knie zu zwingen oder sogar besonders hartnäckige Hindernisse niederzumähen. Einziges Problem: Da Zelda keine geborene Kämpferin ist, erfordert diese Fähigkeit das Aktivieren eurer Energieanzeige, die nach Erreichen des Nullpunkts zunächst wieder aufgeladen werden muss. Durch das Sammeln von Kristallen lassen sich das Schwert sowie die Energieleiste aber aufrüsten, weshalb auch diese Mechanik stärker in den eigenen Spielstil integriert werden kann und somit einen wichtigen Bestandteil des abwechslungsreichen Gesamterlebnisses darstellt.

Schnapp sie dir alle!

Oberflächlich betrachtet wirkt dieses neue Gameplay-Element enorm simpel, fast schon eher wie ein nettes Beiwerk, das sich den anderen spielerischen Aspekten treffend anpasst und der Zelda-Formel somit um eine unbekannte Facette erweitert. Tatsächlich liegt die eigentliche Stärke der Echos allerdings nicht in der gelungenen Umsetzung oder der daraus resultierenden Kombinationsvielfalt, sondern primär im enormen Suchtpotenzial, das dadurch aktiviert wird.

Auf der Jagd nach neuen Nachahmungen fühlte ich mich oftmals an die Pokémon-Reihe erinnert, konnte mich eines gewissen Schnapp sie dir alle-Gefühls also kaum erwehren und erforschte jeden Winkel, um jedes noch so sinnlos erscheinende Echo in meinen Besitz zu bringen. Ein Vorhaben, das bei The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom nur mit Freude, niemals mit Frust behaftet ist, da gelegentliche Unachtsamkeit zu keinem Zeitpunkt mit einem unmöglichen Weiterkommen und nervtötendem Backtracking verknüpft sind. Habe ich eine Kopie verpasst, gibt es halt eine andere Möglichkeit, das kommende Hindernis zu überwinden – ich muss eben nur kreativ genug sein, diese Hürde mit einer durchdachten Konstruktion zu überwinden.

Genau dieser Gedankengang ist es dann auch, der die Mechanik vom ersten bis zum finalen Einsatz zuverlässig frisch hält, drohende Monotonie folglich also direkt über Bord wirft. Während der ersten Stunden setzte ich stets auf meine bereits angesprochenen Betten-Kombination und sah kaum die Notwendigkeit, davon abzuweichen. Nach und nach merkte ich aber, dass mir einige Wege mit diesem Kuschelkurs versperrt bleiben würden und ich vielleicht doch mal den Blick über den Echo-Tellerrand wagen sollte. Und schlagartig hatte ich meine bisherige Strategie sinnvoll erweitert, ohne große Mühen optimiert und für die anstehenden Gefahren gefestigt. Ein Update, dass ich anschließend regelmäßig vollführte und jedes Mal enorm viel Freude und (nach der erfolgreichen Verwendung) Stolz empfand.

Aktive Gamer werden sich aber zunächst mit einer durch den Fokus auf den Tri-Stab resultierenden Passivität anfreunden müssen. Eigentliche bevorzuge ich es auch, mich brüllend ins Gefecht zu stürzen und mit wildem Button-Smashing gehörig aufzuräumen, empfand das Heraufbeschwören passender Verbündeter nach kurzer Zeit allerdings als angenehme Entschleunigung, die zudem ein wenig Gehirnschmalz erfordert. Denn nicht alle Echo-Wesen erweisen sich als effektive Helfer, entpuppen sich vielmehr als Kanonenfutter, das mit einem gegnerischen Konter direkt wieder verpufft. Dementsprechend muss ich mit der richtigen Taktik vorgehen, mir genauestens überlegen, welche Nachahmung welche Schergen bezwingen kann. Und gerade bei den Bossen wird eine zusätzliche Gedankenrunde zum Pflichtprogramm, da ein stupides Heraufbeschwören nur selten von Erfolg gekrönt wird und deshalb die eindeutigen Schwachstellen ins Visier genommen werden sollten.

In diesen hektischeren Momenten machte sich dann aber leider auch die wohl größte Schwäche des Abenteuers bemerkbar, deren Störfaktor mit fortlaufendem Spielverlauf exponentiell anstieg. Anstatt eines übersichtlichen und in verschiedene Unterkategorien aufgeteilten Echo-Menüs anzubieten, wirft Echoes of Wisdom all meine gesammelten Nachahmungen lieblos in eine elendig lange Reihe, in der ich mein Wunschobjekt zunächst mühselig ausfindig machen muss. Zwar werden die zuletzt benutzten Kopien stets an den Anfang der Liste gepackt, sobald ich dann aber neue Varianten ausprobieren möchte, beginnt die mühselige Suche. Kein Beinbruch, aber ein unnötiges Ausbremsen des ansonsten hervorragenden Flows, das via Patch hoffentlich alsbald einige individuelle Anpassungsoptionen spendiert bekommt.

Die Rückkehr der schmerzlich vermissten Dungeons

Hardcore-Fans werden solche Probleme jedoch höchstwahrscheinlich schnell in den gedanklichen Mülleimer befördern, bekommen diese dank Nintendo und Grezzo doch endlich wieder ein grundlegendes Kernelement der gesamten Serie spendiert, das den letzten Zelda-Titel überraschenderweise fehlte: Packende Dungeons, in denen ich mich etlichen Standardgegnern sowie teils kniffeligen Rätseln stellen und zu guter Letzt einen Boss in die Knie zwingen muss. Eine herrliche Freude, die mich schlagartig an meine früheren Abenteuer mit Link erinnerte und dadurch automatisch zum zweiten großen Highlight von Echoes of Wisdom wurde.

Das Entwicklerteam hat sich dabei zum Glück an den zahlreichen Vorgängern orientiert, weshalb ich mich beim Bewältigen der stimmungsvollen Hinderniskurse direkt heimisch fühlte. Kaum habe ich einen Dungeon betreten, kämpfe ich mich von Raum zu Raum, halte nach versteckten Truhen Ausschau und versuche, möglichst rasant eine Karte in meine Hände zu kriegen, um meinen Orientierungssinn zu schärfen. Nebenbei verschiebe ich Kisten, betätige Schalter, sammle Schlüssel oder experimentiere mit Tris Fähigkeiten herum, damit mir zunächst versperrte Pforten dann doch den Weg in Richtung Ziel eröffnen. Wer in seinem Videospielleben auch nur einen Titel aus der legendären Serie erlebt habt, dem dürfte diese Auflistung ansatzweise bekannt vorkommen.

Anfangs machte sich bei mir aber die Befürchtung breit, dass die unverhoffte Dungeon-Rückkehr zunächst nur auf Sparflamme erfolgen würde, nachdem die kreativen Köpfe bei Breath of the Wild und Tears of the Kingdom in dieser Hinsicht auf Durchzug gestellt wurden. Stattdessen wurde auf das schöpferische Gaspedal getreten, Hyrule regelrecht vollgestopft, um wirklich allen Rätselwünschen gerecht zu werden und die zuvor aufgekommene Community-Kritik direkt wieder im Keim zu ersticken. Dabei handelt es sich allerdings nicht ausschließlich um die altbekannten großen Dungeons, sondern auch um kleinere Höhlenkomplexe oder die ominöse Welt des Nichts, die ich durch einen beherzten Sprung in die geheimnisvollen Risse betreten, erkunden und die Anomalie schlussendlich sogar verschwinden lassen kann.

All diese Örtlichkeiten teilen jedoch eine mehr als zufriedenstellende Gemeinsamkeit: Sie animieren mich dank einfallsreicher und abwechslungsreicher Ideen, meinen Entdecker- und Schatzsucherdrang zu aktivieren und Zeldas Taschen im Gegenzug mit allerlei Kostbarkeiten (darunter selbstverständlich Rubine, aber auch essbare Heilgegenstände) zu füllen. Keine Überraschung also, dass mich solche Ausflüge stets von meiner eigentlichen Suche nach Link abgelenkt und die Gesamtspieldauer von The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom angenehm in die Höhe geschraubt haben.

Jeder Hyrule-Stein wird umgedreht

Am Ende des Abenteuers war ich bei gut 30 Stunden angekommen, hätte vor dem Niederschreiben des Tests also sicherlich noch einige Streifzüge starten können, um übersehene Areale abermals auf den Kopf zu stellen. Und sogar mehrmals durchkämmte Bereiche überraschten mich nachträglich mit einem wertvollen Herzteil oder eine verteufelt gut versteckte Schatztruhe, die mir trotz eines vollends aufgedrehten Konzentrationsradars gänzlich entgangen waren. Kombiniert man das Ganze mit der Tatsache, dass die Welt von Echoes of Wisdom trotz eines offenen Design bei weitem nicht die Weitläufigkeit und die Freiheit eines Breath of the Wild besitzt, dementsprechend auch insgesamt deutlich linearer ausfällt, bekommt man für den geforderten Vollpreis einen stattlichen Umfang geboten, der zudem ohne störende Längen auskommt.

Grezzo hat nämlich tunlichst darauf geachtet, Hyrule nicht nur mit Feinden und Dungeons zu füllen, sondern mit den bekannten Völkern und freundlichen Bewohnern auch gleich einige Nebenaufgaben und sogar Minispiele in den Ring zu werfen, mit denen ich mir die Zeit vertreiben und auch mal eine kurze Verschnaufpause von der strapaziösen Suche nach Link einlegen darf. Beispielsweise darf ich mich beim Pferderennen beweisen, bei der Expressernte möglichst rasant eine vorgegebene Anzahl an Rüstmango-Samen ergattern oder beim Gleitspiel möglichst elegant durch die Lüfte schweben. Alles vergnügliche Nebenbeschäftigungen, die mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad nicht nur spürbar knackig werden, sondern mich auch mit teils wirklich kostbaren Preisen belohnen. Schade nur, dass die Sidequests bei dieser Originalität kaum mithalten können und sich verstärkt auf popelige Aufgabenstellungen wie das Einsammeln eines bestimmen Gegenstandes oder das Besiegen einiger Feinde konzentrieren.

Es ist einfach schön, dass man sich im virtuellen Heldengewand der Prinzessin einfach in die Spielwelt stürzen und blind in eine beliebige Richtung wandern darf, da hier mit Sicherheit ein weiteres Geheimnis, eine neue Mission oder gar eine Echo-Erweiterung vorzufinden ist. Selbst die Suche nach Rubinen macht abermals enorm viel Freude, darf ich damit doch nicht nur Herzteile, sondern auch zahlreiche Ausrüstungsgegenstände erwerben, mit denen Zeldas Skill-Set um hilfreiche Fertigkeiten erweitert wird. Eingesammelte Zutaten darf ich derweil zu köstlichen Smoothies vermischen, die neben einem kleinteiligen oder gar gesamten Auffüllen meiner Herzcontainer auch eine temporäre Steigerung meiner Angriffs- und Verteidigungsstärke bewirken können. Vor allem für die Konfrontation mit fiesen Oberschurken lohnt es sich also definitiv, einen kleinen Vorrat anzusammeln.

Es wird für mich auf ewig ein Rätsel bleiben, wie Nintendo strenggenommen einer ähnlichen Handlungs- und Gameplaystruktur enorm treu bleiben, dabei jedoch ausreichend Innovationen einbauen und Wagnisse riskieren kann, um schlussendlich ein gelungenes Gesamtwerk zu präsentieren. Wird The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom wirklich jedem loyalen Fan der allerersten Stunde schmecken? Das darf aufgrund des passiven Kampfsystems, das sich dann doch stark von den vielen Vorgängern entfernt, angezweifelt werden. Unbestreitbar bleibt allerdings die Tatsache, dass sich Prinzessin Zelda mit ihrem ersten eigenen Abenteuer nicht hinter denen ihres ansonsten tapferen Beschützers verstecken muss. Und in der Zukunft hoffentlich die Chance erhält, abermals und dann vielleicht noch aktiver in das Hyrule-Geschehen einzugreifen.

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Fazit

Doppeltes Risiko, voller Erfolg! Nicht nur, dass Videospielschmiede Nintendo und Entwicklerstudio Grezzo in The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom der namensgebenden Prinzessin Zelda nach fast vier Jahrzehnten das Rampenlicht überlassen, gleichzeitig wird das ansonsten durch packende Action geprägte Kampfsystem dank eines brandneuen Gameplay-Aspekts mit einer ebenso kreativen wie auch passiven Note versehen. Wahrlich eine nicht ungefährliche Wagnis-Kombo, deren potenzielle Bedrohungen jedoch bravourös entschärft werden und die Serie folglich um einen abermals phänomenalen Ableger erweitert wird.

Mit Zelda das mir bekannte, nun jedoch anschaulich erweiterte Hyrule erkunden, dabei unterschiedliche Gebiete sowie Geheimnisse entdecken und eine finstere Bedrohung aufhalten zu dürfen, weckt bereits nach dem kurzen Intro eine unbändige Abenteuerlust in mir, die bis zum Erreichen des Abspanns nicht abklingt. Dieser Umstand ist auch dem Echo-System zu verdanken, das meiner Fantasie dank unzähliger Lösungsmöglichkeiten keine Grenzen setzt und mich mit einer Pokémon-ähnlichen Sammelsucht nach frischen Nachahmungen prächtig motiviert. Nimmt man noch die unterhaltsamen Nebenaufgaben sowie die lange herbeigesehnte Dungeon-Rückkehr hinzu, ergibt sich eine wundervolle Fusion aus Nostalgie und Fortschritt, die vor allem Zelda-Fans der ersten Stunde trotz einer kurzen spielerischen Umgewöhnungsphase ein Lächeln auf die Lippen zaubern dürfte.

Zwar lassen mich eine umständliche Menüführung bei der Echo-Organisation nach einer rasanten Nachbesserung via Patch und visuelle Schnitzer auf einen baldigen Switch-Nachfolger hoffen, diese vergleichsweise marginalen Nachteile ziehen den ansonsten positiven Gesamteindruck dann aber auch nicht mehr in die Tiefe. The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom avanciert spielend leicht zum wahren Pflichttitel und präsentiert Prinzessin Zelda die Bühne, die sie für ihr vollumfängliches (Haupt-)Heldinnen-Debüt zweifelsfrei verdient hat. Und beweist abermals, dass sich diese Reihe nicht von ungefähr über eine beachtliche Langlebigkeit erfreut.

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Dante

Redakteur

Artikel
315
Punkte
3.150

Bewertung

Handlung / Präsentation (9/10)
Grafik (8/10)
Sound (10/10)
Gameplay (9/10)
Umfang / Wiederspielwelt (9/10)

Gesamt

45/50

1,9

gut

Kategorien

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  2. Q-U

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  • Action-Adventure
  • Nintendo
  • The Legend of Zelda
  • Adventure
  • Exklusiv
  • Getestet für Nintendo Switch
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