Per Wochenmarkt zum wirtschaftlichen (und spielerischen) Erfolg!
Eine heruntergekommene Farm wieder aufmöbeln, die große Liebe finden und sich einfach mal im virtuellen Bauernhof-Alltag und der harmonischen Dorf-Idylle verlieren: Seit über zwei Jahrzehnten zaubert Entwicklerschmiede Marvelous Entertainment mit diesem Gameplay-Loop der Story of Seasons-Reihe (vor der erzwungenen Umbenennung 2015 außerhalb Japans als Harvest Moon bekannt) zuverlässig ein Lächeln auf die Lippen und achtet mit kleinen Optimierungen und sinnvollen Nachjustierungen tunlichst darauf, dass die Grundpfeiler der Reihe stets um neue Dekorationen erweitert werden, der umjubelte Kern der Serie aber gleichzeitig erhalten bleibt.
STORY OF SEASONS: Grand Bazaar, der aktuelle Ableger der langlebigen Reihe, soll dabei natürlich keine Ausnahme darstellen und scheint all die landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufgaben auf den ersten Blick einfach nur an einen neuen Ort zu verfrachten und mich freudestrahlend zum geübten Aufbauprozess einzuladen. Während meines Tests musste ich dann aber schnell erkennen, dass sich der Fokus dieses Mal deutlich stärker von einigen ausgewählten Serienwurzeln abwendet und bekannte Bausteine reduziert oder diese direkt schonungslos über Bord wirft, um mit einer wichtigen Neuerung für frischen Dünger zu sorgen. Eine Neuerung, die sogar direkt im Titel inkludiert ist: Bazaar!
Doch lässt sich ein gut besuchter Wochenmarkt tatsächlich auch in der Praxis passend in das bisherige Gameplay-Gesamtpaket einfügen? Welche Elemente müssen im Gegenzug kürzertreten? Und werden sich Fans der ersten Stunde mit diesen Veränderungen tatsächlich anfreunden können oder sollten sie der Farmrettung bei dieser Runde lieber absagen? Um diese und viele weitere Fragen mit (hoffentlich) zufriedenstellenden Antworten zu versehen, bin ich für euch nach Brisendorf gereist und habe mich zum wiederholten Mal der wirtschaftlichen Herausforderungen gestellt.
Neue Farm, neues Glück
Farming-Sims haben sich zweifelsfrei einen besonderen Platz in meinem Gaming-Herzen erkämpft. Denn obwohl ich im Laufe verschiedener Videospielgenerationen und auf mehreren Konsolen bereits unzählige virtuelle Felder beackern, heruntergekommene Bauernhöfe renovieren und die wirtschaftliche Renaissance eines kleinen Dorfes in Bewegung setzen durfte, wird dieser altbekannte Gameplay-Loop einfach nicht langweilig und lädt mich zuverlässig immer wieder zu einer neuen Runde ein. Ja, strenggenommen liegen die Unterschiede stets im Detail, dürfen manchmal zudem nur als rudimentär bezeichnet werden, nichtsdestotrotz wird bereits nach wenigen Spielminuten eine einzigartige Magie entfesselt, derer ich mich kaum erwehren kann.
Während sich eben diese Magie auch bei meinem Test zu STORY OF SEASONS: Grand Bazaar, dem neuen Ableger der namhaften Reihe aus dem Hause Marvelous Entertainment, direkt bemerkbar machte, spielte für mich auch der Nostalgiefaktor eine wichtige Rolle. Immerhin wurde ich allein dank des Namens schlagartig in das Jahr 2011 zurückversetzt, in dem ich in Harvest Moon DS: Der Großbasar (ja, kein Witz, der Name wurde hierzulande übersetzt) meine Farmer-Fantasie auf dem Nintendo DS ausleben durfte. Allerdings vermarktet Marvelous den neuen Serienteil bewusst nicht als Remake, sondern nutzt den beliebten Klassiker vielmehr als Inspiration, als Fundament für ein etwas anderes Abenteuer, das sich vom abgetretenen Genre-Pfad entfernt und eine alternative Route ausprobiert.
Eine durchaus spannende Strategie, deren Wirkung sich zu Beginn meiner harmonischen Reise allerdings noch nicht entfalten konnte, hat sich das Entwicklerteam hier doch auf die gewohnte Einleitung verlassen. Ich kreiere mein Alter Ego, reise zur malerischen Bergsiedlung Brisendorf und begutachte die stark baufällige Farm, derer ich mich annehmen soll. Selbstverständlich darf auch der obligatorische Besuch des Bürgermeisters nicht fehlen, der mir viel Erfolg wünscht und mich anschließend in einen ebenso fordernden wie auch unterhaltsamen Arbeitsalltag wirft, an den ich mich allerdings mit meinem eigenen Tempo herantasten darf. Neueinsteiger brauchen sich dementsprechend nicht zu fürchten, dass der Bauernhof bereits durch einige wenige Fehltritte schellend an der wirtschaftlichen Versagensmauer zerschellt.
Und dann arbeite ich mich auch schon durch Tage, Wochen, Monate und Jahreszeichen hindurch, pflanze auf meinen Feldern allerlei Obst- und Gemüsesorten ein, schaffe mir zahlreiche Tiere an und mache aus einer Ruine ein lukratives Geschäft, das mein unverzichtbares Dasein in der freundlichen Dorfgemeinde festigt. Gelegentlich darf ich die Arbeit dann auch mal an den Nagel hängen, die Seele baumeln lassen und bei einem örtlichen Festival in den Unterhaltungsmodus schalten oder bei kleinen Ausflügen verborgene Geheimnisse ausfindig machen.
Es ist eine Disziplin, die das Team von Marvelous längst gemeistert hat und bei der steten Jagd nach neuen Verbesserungen gerne auch mal guten Gewissens pausieren, sich also einfach nur ins gemachte Nest legen darf. Dennoch gab es in der Seriengeschichte immer wieder Kleinigkeiten, die mir die Farmarbeit zwar nicht vermiesten, aber zumindest einen kleinen Ärgernisdorn unter dem Fingernagel darstellten. Das jüngste Beispiel: Während meine Werkzeuge ihre eigene Leiste spendiert bekommen, werden gesammelte Materialien und Zutaten in mein recht kleines Inventar gestopft, das logischerweise rasant übervoll ist. Möchte ich dann ein Gericht zaubern oder einen Gegenstand herstellen, muss ich aber eben auf diesen Inventar zugreifen – und muss sicherstellen, dass ich die benötigten Bausteine auch wirklich bei mir trage. Wenn dem nicht so ist, darf ich erstmal zu meinem Lager dackeln, mein Inventar umsortieren und schauen, was ich nun wirklich bei mir tragen muss. Kein Beinbruch, dann aber manchmal doch ein nerviger Zeitfresser.
Von der Freundschaft zum Familienglück
Damit ich beim leidenschaftlichen Aufbau meiner heruntergekommenen Farm und den Schwierigkeiten des Bauernhof-Alltags nicht direkt zum deprimierten Einsiedler verkomme, ist der rege Austausch mit der Gemeinschaft auch bei STORY OF SEASONS: Grand Bazaar das A und O. Und obwohl die zahlreichen Dorfbewohner weiterhin allesamt mit einer recht oberflächlichen Persönlichkeit auskommen müssen, nennenswerten Tiefgang oder spürbare Entwicklungen vermissen lassen und anstatt mit individuellen Persönlichkeiten eher durch bekanntes Klischee-Verhalten auffallen, schafft es Marvelous dennoch abermals gekonnt, ihnen eine ordentliche Portion Charme zu verpassen und sie dadurch in wundervolle Konversationspartner zu verwandeln.
Weltbewegende Gesprächshighlights bleiben dabei jedoch eine Seltenheit, oftmals sind die Zukunft des Dorfes, ein anstehendes Fest oder persönliche Bitten, die dann auch in kleine (oftmals recht anspruchslose Hol-und-Bring-)Nebenquests münden, die vorherrschenden Themen. Dank einer liebevollen Inszenierung und vertonten Dialogen werde ich aber dennoch immer wieder dazu animiert, meine Farm zu verlassen und beim gemütlichen Morgenspaziergang einige nette Worte mit meinen Freunden auszutauschen. Serienkenner wissen: Dabei handelt es sich auch nicht etwa um einen sinnlose Zeitvertreib, sondern um eine wichtige Kennenlernphase, die auch die Zukunft meines tapferen Farmers maßgeblich bestimmen kann.
Denn wenig überraschend gibt es auch in STORY OF SEASONS: Grand Bazaar wieder 12 Heiratskandidaten (sechs Frauen, sechs Männer), mit denen ich den ewigen Bund der Ehe eingehen und sogar eine Familie aufbauen kann. Und während mein Herz in früheren Teilen recht schnell erobert wurde, erwartete mich dieses Mal eine emotionale Achterbahnfahrt, die mir die ultimative Entscheidung enorm erschwerte. Trotz aller Oberflächlichkeit schimmerten beim alltäglichen Plausch nämlich immer wieder zuckersüße Persönlichkeiten hindurch, die mein digitales Herz höherschlagen ließen. Und durch die Möglichkeit, mich auch für gleichgeschlechtliche Partner zu entscheiden, wurde das Ganze dann nur noch zusätzlich erschwert. Ja, es ist nur ein Videospiel, aber auch mein virtuelles Ich hat eine Bilderbuchzukunft verdient!
Umso angenehmer, dass die Entscheidung nicht direkt bei der ersten Kontaktaufnahme getroffen werden muss, sondern ein spontanes Umdenken auch im späteren Spielverlauf problemlos möglich ist. Durch nette Gespräche und dem erfolgreichen Absolvieren von Nebenaufgaben fülle ich nämlich die Herzanzeigen der verschiedenen Dorfbewohner auf und kann dann auf Wunsch eine Beziehung eingehen – oder eben diese Avancen gnadenlos ablehnen. Wenn ich dann auch irgendwann noch eine blaue Feder in die Hände bekomme, darf ich diese an meine Herzensperson verschenken, damit den finalen Schritt in Richtung Traualtar gehen und das emotionale Abenteuer abschließen. Allein diese spannende Gameplay-Reise würde schon einen Vollpreistitel rechtfertigen.
Vielschichtige Basar-Freuden
Aber Moment mal... Habe ich damit nicht einfach nur den altbekannten Gameplay-Loop der zahlreichen Vorgänger beschrieben? Absolut, bis zu diesem Punkt hat sich Marvelous Entertainment immerhin auch stark am erprobten Grundgerüst orientiert und höchstens bei der sympathischen Charakterriege für einige Unterschiede gesorgt. Tatsächlich macht sich die Abwandlung der Genre-Formel erst bei einem zentralen Element, eigentlich auch das namensgebende Herzstück, der Farming-Simulation bemerkbar – nämlich dem wöchentlich stattfindenden Basar!
Dieser ist bei STORY OF SEASONS: Grand Bazaar nicht nur Dreh- und Angelpunkt der kauffreudigen Dorfgemeinde, sondern ist auch für das wirtschaftliche Überleben meines Bauernhofs von unverzichtbarer Bedeutung. Denn hier darf ich an einem (möglichst hübschen) Stand meine Waren präsentieren und diese im Rahmen kleiner Minispiele für einen möglichst hohen Preis verkaufen. Klingt simpel, wird durch zahlreiche Randbedingungen jedoch mit einer strategischen Würze versehen. Immerhin muss ich darauf achten, dass mein Stand die Leute anlockt, ich die limitierte Verkaufsfläche mit attraktiven Waren versehe, diese auch allesamt qualitativ auf ganzer Linie beeindrucken können und bei all diesen wichtigen To-Dos zudem die Zeit nicht völlig aus den Augen verliere. Eine wahre Herausforderung.
Und während die Reihe in der Vergangenheit gerne mal solche abwechslungsreichen Elemente eingebaut hat, fühlt sich die wöchentliche Standbetreuung nicht wie eine simple Nebenbeschäftigung, sondern wir ein alles entscheidendes Kernstück an, dem ich deutlich mehr Zeit und Aufmerksamkeit widmen muss. Zwar darf ich meine Erträge weiterhin auch im örtlichen Handel verticken und damit mein Konto aufstocken, wirtschaftliche Erfolge darf ich jedoch nur feiern, wenn ich mich der kommerziellen Versammlung hingebe und alle mir zur Verfügung stehenden Fähigkeiten und Tricks gezielt ausspiele, um möglichst viele Waren an die Brisendörfler zu bringen.
Glücklicherweise hat das Team von Marvelous Entertainment diesen Baustein nicht einfach nur lieblos in die Menge geworfen, sondern diesen liebevoll in das bereits anschauliche Gameplay-Mosaik integriert und gleichzeitig sichergestellt, dass er sich nach meinen Wünschen erweitern lässt. Mir stehen nämlich zahlreiche Upgrades zur Verfügung, mit denen ich Platz, die Frische meiner Waren und das aktuelle Verkaufsvolumen aufmotzen und meinen Gewinn damit ordentlich nach oben kurbeln darf. Sich nicht nur um einen adäquaten Vorrat für den Tag X zu kümmern, sondern gelegentlich auch mal für aufhübschende Dekorationen und hilfreiche Verbesserungen zu sorgen, wird zu einer ebenso amüsanten wie auch motivierenden Aufgabe, die trotz gelegentlicher Rückschläge (man kann halt nicht immer den Geschäftsprofi raushängen lassen) zu keinem Zeitpunkt frustrierend wird. Ganz im Gegenteil: Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase freute ich mich regelrecht auf den Wochenmarkt, wollte ich hier doch meinen bisherigen Rekord knacken oder einen neuen Rank erreichen.
Weniger Zeit für den Bauernhofalltag
Gleichzeitig muss ich aber auch zugeben, dass ich mir während der ersten Spielstunden unsicher war, ob es sich bei dem klaren Wochenmarkt-Fokus um eine durchdachte Idee handelte. Ja, frischer Wind ist immer willkommen, allerdings rückten die herrlichen Bauernhof-Aufgaben dadurch spürbar in den Hintergrund, musste ich mich doch nun nicht mehr um den tagtäglichen Erfolg, sondern stattdessen gezielt auf ein großes Endziel zum Ende einer jeden Woche hinarbeiten. Morgens schnell das Feld säubern, meine Pflanzen gießen und die Tiere füttern, um anschließend vollkommen frei die Gegend unsicher zu machen, ist nun eben nicht mehr ganz so einfach möglich und kann schnell dazu führen, dass der erhoffte Verkaufserfolg komplett ausbleibt.
Allerdings schafft es das Team von Marvelous Entertainment bravourös, die erwünschte Gameplay-Nachjustierung elegant in das Gesamterlebnis einzubinden und den notwendigen Taktikwechsel dadurch sehr angenehm zu gestalten. Tat ich mich zunächst noch ein wenig schwer, die alten Gewohnheiten abzulegen und meine Bemühungen verstärkt auf den Wochenmarkt auszurichten, gelang mir das Ganze mit jeder virtuellen Woche besser und ging irgendwann in das wirtschaftliche Fleisch und Blut über. Und sorgte spätestens ab den ersten kleinen Erfolgsgeschichten für einen grandiosen Unterhaltungsfaktor, der mich schlagartig an meine wohligen Erlebnisse mit den Vorgängern erinnerte.
Besonders hilfreich dürfte sein, dass STORY OF SEASONS: Grand Bazaar bei all diesen Neuerungen auch die zahlreichen Nebenbeschäftigungen nicht vernachlässigt. Zwar sollte man diesen nicht mehr ganz so ausschweifend nachgehen, dennoch fand ich inmitten des harten Tagesgeschäfts immer mal wieder die Zeit, die nähere Umgebung zu erkunden, Schätze ausfindig zu machen, Fische zu angeln und Käfer einzufangen. Dank einer gelungenen Steuerung sowie eines handlichen Gleiters, mit dem ich die starken Winde des Brisendorfs zu meinem luftigen Vorteil einsetzen darf, ging das alles auch angenehm von der Hand und machte enorm viel Freude.
Trotz aller Ablenkungen und verborgener Geheimnisse baumelte der Wochenmarkt jedoch stets wie ein Damokles-Schwert über mir und machte deutlich, dass ich noch unbedingt mein endgültiges Sortiment zusammenstellen sollte. Und das ist eigentlich auch der einzige Knackpunkt, der bei einigen Serienfans für ein wenig Missmut sorgen könnte: Inwieweit ist man bereit, dieses Schwert zu akzeptieren, es sogar zu begrüßen und die üblichen Aufgaben wirklich bewusst in Nebenbeschäftigungen zu verwandeln, um sich primär dem Verkaufsstand zu widmen? Wer Neuerungen freudestrahlend annimmt und seinen Spielstil liegend gerne anpasst, wird hier kaum Raum für Kritik finden. Solltet ihr die Reihe aber aufgrund der durchweg ähnlichen Struktur des Grundgerüsts feiern, wird der Bazar eventuell ohne eure individuellen Fähigkeiten auskommen müssen.
Weiterhin herrlich harmonischer Seelenbalsam
Gefühlt könnte ich eine halbe Ewigkeit weiterschreiben, wäre dadurch aber dennoch nicht imstande, mit vollständiger Sicherheit zu ergründen, ob die Reduzierung der Farm-Elemente zugunsten der Wochenmarktfreuden wirklich alle Fans mit einem guten Gefühl zurücklässt. Denn obwohl ich sinnvolle Gameplay-Nachjustierungen bei einer langjährigen Reihe durchaus begrüße, dürfte Story of Seasons eben durch den zuverlässigen Erhalt des spielerischen Kerns ein bekannter Zufluchtsort für die Fangemeinde gewesen sein. Und was passiert, wenn diese nun auf einen Teil der Feldarbeit und Dekorationsfreiheiten verzichten müssen? Schwer zu sagen.
Im Gegenzug kann ich dafür aber festhalten, dass Marvelous das Erschaffen einer wundervoll-harmonischen Atmosphäre keineswegs verlernt hat und mit STORY OF SEASONS: Grand Bazaar erneut eine herrliche Spielwelt geschaffen hat, die nicht etwa durch revolutionäre Grafik, sondern durch farbenfrohe Landschaften, zuckersüße Details und einfach ganz viel Liebe und Leidenschaft beim Entwicklungsprozess besticht. Beim Test auf der Nintendo Switch 2 durfte ich mich zusätzlich über angenehm kurze Ladezeiten sowie eine fast durchweg stabile 60fps-Bildrate freuen, die dem bereits positiven Gesamteindruck einen weiteren WOW-Effekt verpassten.
Kombiniert mit den gelungenen Sprachfassungen – englisch sowie japanisch stehen zur Auswahl, wobei ich euch selbstverständlich das Original wärmstens empfehlen möchte – und einem wunderschönen Soundtrack, der sich der Leichtigkeit des Arbeitsalltags in einer harmonischen Videospielwelt vortrefflich anpasst, ergibt sich das gewohnt wohlige Atmosphäre-Paket, das die Serie bereits seit etlichen Jahren ausmacht. Bereits während der ersten Minuten in der beschaulichen Bergsiedlung macht sich ein unvergleichlicher Charme, eine regelrechte Magie bemerkbar, die mich in ihren niedlichen Bann zieht. Es ist ein Kunstwerk, das Marvelous bereits mehrfach bravourös vollzogen hat und auch in dieser Runde nicht enttäuscht.
Schlussendlich spielt es dann eigentlich auch gar keine Rolle mehr, inwieweit der Rückgang der landwirtschaftlichen Aufgaben zur Stärkung des Wochenmarktwahnsinns nun als optimale Verbesserung oder schmerzhafte Verschlechterung gewertet wird – immerhin wird das entsprechende Fazit eh nur aus den subjektiven Wahrnehmungen und Präferenzen gezogen. Sieht man sich STORY OF SEASONS: Grand Bazaar dann allerdings objektiv an, reiht es sich nahtlos in eine durchweg hervorragende Serie ein und kann mit einer harmonischen, wohligen Leichtfüßigkeit und wundervollen Atmosphäre wirklich jeden Fan problemlos in seinen Bann ziehen. Kombiniert mit frischem Gameplay-Wind ergibt das unter dem Strich dann einfach einen gelungenen Ableger, den kein Hobby-Farmer verpassen darf.
Fazit
Normalerweise konzentriert sich Marvelous Entertainment bei ihrer mittlerweile legendären Farming-Simulationsreihe zuverlässig auf das altbekannte Grundkonstrukt und hübscht dieses höchstens mit einigen netten Dekorationen auf. Mit STORY OF SEASONS: Grand Bazaar entfernt sich das Entwicklerteam jedoch von dieser sicheren Strategie und schaltet lieber in den Risiko-Modus: Weniger Zeit für landwirtschaftliche Aufgaben und ablenkende Nebenbeschäftigungen und ein deutlicher Fokus auf einen lebendigen Wochenmarkt, der über meinen wirtschaftlichen Erfolg oder Niedergang entscheiden kann. Und obwohl ich dieser Nachjustierung zunächst skeptisch gegenüber stand, präsentierte sie sich während meines Tests als herrlich frischer Wind, der die Serie für mich ein klein wenig revitalisierte.
Meine Waren wöchentlich anschaulich zu präsentieren, potenzielle Käufer anzulocken und den bestmöglichen Preis in meine Taschen zu spülen, wurde schlagartig zu meinem persönlichen Dreh- und Angelpunkt, der mit einem unglaublichen Unterhaltungsfaktor verknüpft war. Welche Artikel möchte ich anbieten? Wie kann ich diese noch aufpeppen? Mit welchen Upgrades soll ich meine Erfolgschancen steigern? Und wie erreiche ich am schnellsten den nächsten Rank? All diese Fragen trieben mich unaufhörlich zu neuen Höchstleistungen an. Und da dann auch für die Partnersuche, den Aufbau meiner Farm und das Erkunden der Umgebung ausreichend Zeit vorhanden war, entpuppte sich der Wochenmarkt nicht etwa als nervtötender Störfaktor, sondern als herrlich amüsante Erweiterung.
Sicherlich wird es einige wenige Fans der ersten Stunde stören, dass dieser letztlich doch den wichtigen Herzschlag des Abenteuers darstellt, somit für einen signifikanten Fortschritt überhaupt nicht ignoriert werden kann. Gibt man dem Wochenmarkt dann aber doch eine Chance und setzt sich ausführlich mit ihm auseinander, entfaltet STORY OF SEASONS: Grand Bazaar den gewohnt mächtigen Suchtfaktor, der durch eine abermals harmonische Atmosphäre und liebenswerte Charaktere gekonnt verstärkt wird. Folglich darf man sich dem neuen Ableger zweifelsfrei mit einer gewissen Skepsis nähern, sollte ihn als Genre- und Serienfan jedoch auf gar keinen Fall verpassen.
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