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Angespannte Nerven, verschwitzte Controller, lautstarke Wutschreie. Erfahrt im Test, warum wir Bloodborne irgendwie hassen – aber dennoch auf ganzer Linie vergöttern!
Das kennen wir doch…
Wir hätten wirklich einen sicheren Platz aufsuchen sollen, um kurz rasten und unsere Fähigkeiten aufwerten zu können. Nun liegen wir tot am Boden, binnen weniger Sekunden umgeworfen. Und haben nicht nur einen ordentlichen Batzen Blutechos, sondern zeitgleich auch unzählige Spielstunden verloren.
Wo wir andere Games direkt gnadenlos in die Ecke befördert hätten, schüttet Bloodborneordentlich Öl in unsere Motivationsflamme. Denn obwohl man vor allem anfangs im Sekundentakt zu Boden gerungen und ins Jenseits befördert wird, sieht man zeitgleich eine Chance, um dieses Hindernis zu überwinden. Ob man sich nun den Fehler selbst zuschreiben kann, eine Schwäche in der gegnerischen Abwehr erkannt oder eine völlig neue Strategie zusammengestellt hat, frustriert aufgeben wollten wir zu keinem Zeitpunkt.
Im Endeffekt bleibt uns nur der Vergleich mit Dark Souls, das uns ebenfalls in diesem Kreislauf gefangen hielt. Und dafür letztendlich allerdings auch mit dem süßen Geschmacks des Sieges belohnte. Und so ist es eben auch bei Bloodborne, das uns zwar immer wieder zur Weißglut treibt, uns dabei aber nicht verliert. Und dann als kleine Entschuldigung irgendwann eine Belohnung präsentiert.
Und so stürzen wir uns trotz verlorener Seelen abermals in den Kampf – und verlieren abermals. Kein Problem. Schnell den Schaum vom Mund gewischt und wieder zur Waffe gegriffen. Aufstehen, verlieren, wiederholen. Bis man gewinnt. Und das motiviert ungemein.
Ersteindruck der besonderen Art
Doch es ist zunächst die Atmosphäre, die uns die Schuhe auszieht. In erster Linie liegt das an der hervorragenden Inszenierung der düsteren Spielwelt – in diesem Fall die Stadt Yharnam –, die uns mit dunklen Wäldern, zerstörten Straßenschluchten oder epischen Gebäude eine abwechslungsreiche Kulisse präsentiert und diese dank PS4-Power immer wieder mit einem anschaulichen Augenschmaus garniert.
Bei den Charakter- und Gegnermodellen hat sich From Software ebenfalls sichtbar viel Mühe gegeben und bietet uns an dieser Stelle eine Reihe schicker Details, die sich zudem so gut wie nie zu wiederholen scheinen. Klarer Favorit sind logischerweise die grandios designten Endgegner, die vom schwer bewaffneten Geistlichen bis hin zum völlig entstellten Monster ein breites Repertoire an angriffslustigen Schergen bieten, uns aber leider nur während eventueller Zwischensequenzen einen genaueren Blick erlauben.
Fehlerfreie Perfektion erreicht aber auch Bloodborne nicht. Neben gelegentlichen Framerate-Problemen fielen beim Test vor allem Clipping-Fehler immer wieder auf, die Gegner stellenweise verschluckten oder ihre Angriffe selbst durch sichtbar stabile Steinwände leiteten. Tatsächlich kann man diese Nachteile jedoch getrost in die altbekannte Meckern auf hohem Niveau-Schublade stecken. Was allerdings nicht nur dem grafischen Gesamteindruck zu verdanken ist.
Wahrhaft verzaubert wurden nämlich bereits beim ersten Erkunden des Hauptmenüs. Hier begleitete uns nämlich ein nahezu göttliches Titelthema, das die emotionale Vielfalt des Titels vortrefflich einfing und dabei eine Stimmungsklaviatur der besonderen Art bot. Ob nun verzweifelte Töne oder epische Kampfmusik, der Soundtrack passt sich jeder Facette des Titels an und lädt oftmals zum Aufdrehen der Laustärke ein. Gleiches kann man auch von der gelungenen englischen Sprachausgabe behaupten, die insgesamt aber nur sehr selten zu tragen kommt. Das dürften Fans jedoch bereits aus der Dark Souls-Reihe kennen.
Wenig Sequenzen, viel Handlung
Viel Zeit zum Genießen der packenden Atmosphäre bleibt allerdings nicht. Bloodborne gibt sich nämlich getreu den indirekten Vorgängern nicht lange mit einleitenden Zwischensequenzen ab und wirft euch nach einem kurzen Intro direkt zum Charakter-Editor, in dem ihr euer virtuelles Ich erstellen dürft. Hier werdet ihr zwar nicht mit endlosen Auswahlmöglichkeiten erschlagen, findet jedoch ausreichend Spielraum zum individuellen Erstellen eures Kämpfers.
Dieser wird als Jäger in die unheimlichen Straßen Yharnams geschickt, die lange Zeit als medizinische Hochburg der Welt galt. Auch ihr seid auf der Suche nach einem geheimnisvollen Mittel, findet die Stadt jedoch in einem desolaten Zustand wieder. Eine Epidemie hat die Bevölkerung befallen und diese zu blutrünstigen Kreaturen verwandelt, die das einst ruhige Leben gnadenlos auf den Kopf stellen. Und nun Jagd nach unschuldigen Nicht-Infizierten machen.
Bloodborne drückt euch den Plot nicht auf. Anfangs leiten euch kurze Sequenzen zwar in die Spielwelt, spätere Wendungen und Ereignisse kommende jedoch ohne ausschweifende Erklärungen oder Dialoge aus. Klingt zunächst ein wenig langweilig, funktioniert jedoch gerade durch die ruhige, unheimliche Spielwelt hervorragend zum Gesamtbild. Auffindbare Dokumente sorgen für weitere Informationen zu Yharnam und dessen Bevölkerung und versorgen euch mit netten Randnotizen, die zwar verzichtbar, aber dennoch spannend sind.
Wer epische Sequenzen und gesalzene Script-Action erwartet, der geht hier jedoch vollkommen leer aus – was in unseren Augen jedoch nicht als Nachteil zu sehen ist. Bloodborne funktioniert handlungstechnisch nämlich erstklassig, lässt nur selten Fragen offen und bietet letztendlich sogar drei verschiedene Enden, die sich allesamt richtig anfühlen und nicht aufgedrückt wirken. Wiederspielwelt ist also bereits garantiert.
Leben und Sterben in Yharnam
Die ersten drei Abschnitte konnten wir ohne große Vergleiche mit der Dark Souls-Reihe bewerkstelligen, beim Gameplay wird dies allerdings nicht mehr so leicht. Bloodborne ähnelt seinen indirekten Vorgängern in diesem Punkt nämlich ziemlich stark und nimmt Veteranen somit regelrecht in seine Arme.
Euren zusammengestellten Jäger kontrolliert ihr aus der Third-Person-Perspektive und steuert ihn durch die verwinkelten Schauplätze Yharnams, wobei euch helfende Karten oder andere visuelle Unterstützungen nicht zur Verfügung stehen. Diese werdet ihr aber auch nicht wirklich benötigen: wer einen Weg ein bis zwei Mal geht, der kann sich diesen problemlos einprägen und findet schnell ohne Unterstützung durch die düstere Stadt.
Ein großer Pluspunkt ist der abermals großgeschriebene Erkundungsfaktor. Anstatt euch nämlich stur von A nach B zu kämpfen, lädt euch das Action-RPG immer wieder zu optionalen Erkundungszügen ein. Diese belohnen euch manchmal mit schicken Gegenständen, geheimen Bossen, Sackgassen oder einer hilfreichen Abkürzung, falls ihr einmal das Zeitliche segnen solltet. Und gerade nach diesen Abkürzungen solltet ihr unbedingt Ausschau halten, um längere Läufe tunlichst zu vermeiden!
Mit Axt und Schrotflinte
Viele werden bereits wissen, wovon wir sprechen. Sterben steht in Bloodborne an der Tagesordnung. Selbst kleinere Standardgegner können binnen weniger Sekunden zur regelrechten Todesgefahr werden und euch spielend leicht niederringen. Das liegt allerdings nicht an einem schäbigen Kampfsystem, sondern einzig und allein an der mangelnden Konzentration des Spielers. Lässt dieser nämlich mental nach, hat er bereits verloren.
Beim Kampfsystem hat sich From Software nämlich auf altbekannte Stärken berufen und beeindruckt somit auf ganzer Linie. Per Knopfdruck visiert ihr einen gewünschten Gegner an und könnt anschließend mit einem leichten oder schweren Angriff attackieren. Wer sich vorher an einen Gegner anschleichen konnte, der kann auch einen schmerzhaften Überraschungsangriff landen und somit mehr Schaden abzwacken. Vorsicht ist jedoch geboten: Angriffe und überlebenswichtige Ausweichmanöver knabbern an eurer Ausdauer und lassen euch kurzzeitig geschwächt zurück, wenn sich diese vollständig leert.
Eure Hauptwaffe – beispielsweise ein schickes Schwert oder eine schmerzhafte Axt – besitzt dabei fast immer zwei Varianten, die unterschiedliche Stärken und Schwächen besitzen und zwischen denen ihr jederzeit wechseln könnt. Neu sind die Schusswaffen, die ihr eurem Jäger in die andere Hand legen dürft. Diese fallen zwar nicht vernichtend aus, bieten jedoch taktische Vorteile und erhöhen zudem das allgemeine Spieltempo. Behäbige Angriffe können nun nämlich durch einen Schuss unterbrochen werden und schnelle Reaktionen somit gezielter ausgeführt werden.
Geduld ist hierbei unverzichtbar. Wer einfach draufhaut, der hat keinerlei Chance. Im Endeffekt funktioniert jeder Kampf gleich: Gegner ausmachen, dessen Angriffsmuster analysieren und dann mit einer angepassten Angriff-Verteidigung-Kombination aufs Korn nehmen. Heiltränke päppeln euch bei (sicher ungemein oft vorkommenden) Fehlschlägen wieder auf und halten euch lange genug am Leben, um am Ende doch siegreich aus der Schlacht zu gehen. Oder eben noch länger vermöbelt zu werden.
Harter Kampf gegen große Bösewichter
Die Bosskämpfe stellen bei Bloodborne natürlich die Königsklasse dar. Auch wenn ihr gegen größere Gegnerhorden bestehen könnte, warten nämlich über 15 hartnäckige Obermotze auf euch, mit denen logischerweise nicht gut Kirschen essen ist.
Und auch hier lässt sich zwischen allen Duellen eine erschreckende Parallele feststellen: die erste Runde läuft fast immer gleich ab. Wir beginnen den Kampf, werden von der Größe und der Angriffskraft unseres Rivalen überrumpelt und anschließend unangespitzt in den Boden gerammt. Kein Wunder, dass die erste Reaktion hier oftmals ein entnervtes Aufstöhnen und der kurzzeitige Gedanke ans Aufgeben ist.
Hier liegt allerdings die größte Stärke von Bloodborne: denn wirklich aufgeben möchte man natürlich nicht. Stattdessen stürzt man sich mit neuem Mut gestärkt abermals in den Kampf, analysiert Schwächen des Bosses, weicht vielzählig aus und setzt auf eine bessere Verteilung der Hilfsobjekte. Bloodborne spornt zum Weitermachen an, da uns keine unfairen Passagen, sondern nur unsere eigenen Fehler vorgehalten werden. Und diese wollen wir natürlich nicht wiederholen.
Unbezahlbar ist dann der Moment, wenn man einen Gegner in die Knie gezwungen hat. Ebenso unbezahlbar ist die Tatsache, dass man diesen Moment mehr als 15 Mal genießen darf. Denn kein einziger Boss ist spielend leicht zu bewältigen. Die einen zwar einfacher als die anderen, mit einem Zuckerschlecken darf man allerdings nicht rechnen. Und das ist auch gut so.
Mit Blutechos zum Erfolg
Wer zu viele Niederlagen einstecken muss und das Handtuch zum Werfen schon in der Hand hält, der sollte sich dringend einige Blutechos besorgen. Diese fungieren bei Bloodborne als Seelen und werden nach dem Erfolgreichen Abschlachten eines Gegners auf euer Konto verfrachtet.
Positiv: Diese dürft ihr in der als Traum des Jägers bekannten Zwischenwelt in eure Attribute investieren und diese merklich aufschrauben. Negativ: Werdet ihr bei euren Streifzügen besiegt, gehen alle Blutechos flöten. Zumindest kurzzeitig. Der Gegner, der euch besiegt hat, nimmt diese nämlich in sich auf, ihr könnt euer Konto durch ein erfolgreiches Besiegen also wieder aufstocken. Gelingt euch dies allerdings nicht vor dem nächsten Ableben, verliert ihr eure Sammlung endgültig.
Ein ebenso simples wie auch packendes Element. Denn auch dieses Mal motiviert die Jagd nach immer mehr Seelen enorm. Im späteren Verlauf wird man dann sogar mutiger und riskiert das vollständige Verlieren des Kontos, um die eigenen Fähigkeiten zu testen. Was natürlich nicht selten in kleineren Wutausbrüchen mündet.
Blutechos dürft ihr allerdings nicht nur für eure Fähigkeiten, sondern auch für eure Waffen verwenden. Diese lassen sich jedoch nicht nur mit mehr Durchschlagskraft, sondern auch mit verschiedenen Blutsteinen versehen, die ebenfalls eine stärkende Wirkung haben. Vor allem diesen Schritt sollte man nicht vergessen, um am Ende nicht chancenlos gegen die großen Viecher anzutreten.
Der Dungeon der Ungewissheit
Eigentlich benötigt Bloodborne keine zusätzlichen Spielmodi. Dank der hohen Sterberate und einer umfangreichen Haupthandlung wird man weit über 40 Stunden bestens unterhalten und kann diese Zahl dank einiger Nebenaufgaben und freischaltbarer Zusatzwaffen beliebig in die Höhe treiben. Dennoch hat sich From Software nicht lumpen lassen und hat dem Gesamtwerk die sogenannten Chalice Dungeons hinzugefügt, die selbst Profis gerne mal an ihre Grenzen bringen.
Hierbei handelt es sich nämlich um optionale Herausforderungen, bei denen Dungeons zufallsgeneriert werden und euch somit eine Reihe tückischer Fallen und frei zusammengestellte Bosse entgegenstellen. Der Schwierigkeitsgrad ist hier logischerweise recht schwankend, als Belohnung winken euch jedoch brandneue Gegner sowie schmucke Waffen, die ihr so nicht in euren Besitz bringen könnt. Und wer sein spielerisches Können wirklich auf die Probe stellen will, der ist hier eh richtig.
Den völligen Unterhaltungshöhepunkt erreichen die Chalice Dungeons allerdings, wenn man Mitspieler mit an Bord holt. Mit drei Freunden dürft ihr die gefährlichen Gegner nämlich gemeinsam erkunden – und dabei als Verbündete oder Gegner fungieren! Unterhaltsame Konkurrenzkämpfe sind hierbei vorprogrammiert, die den Spielspaß immer wieder in die Höhe treiben. Eine simple Idee, die fantastisch und zuverlässig umgesetzt wurde und grandios in das Gesamtkonzept passt.
Wie bereits bei Dark Souls 2 erstrecken sich die Mehrspielermodus natürlich auch auf das handelsübliche Abenteuer. Auf Wunsch dürft ihr nämlich einen Mitspieler an eure Seite beschwören, um ein unüberwindbares Monster in die Hölle zu schicken. Im Gegenzug öffnet ihr fiesen Schurken allerdings alle Pforten. Diese dürfen nämlich in euer Spiel eindringen und euch Steine in den Weg werfen, die nicht selten im vorzeitigen Ableben enden. Klingt nervig, macht aber ebenfalls unglaublich viel Laune und stellt am Ende somit die köstliche Kirsche auf dem Bloodborne-Eisbecher dar. Und von dem nehmen wir gerne immer und immer wieder einen Nachschlag – überschüssige Kalorien und Gehirnfrost zum Trotz!
Fazit
Wir lieben Bloodborne. Nicht nur wegen der grandiosen Optik, dem sagenhaften Soundtrack oder dem zugänglichen, aber gleichzeitig komplexen Kampfsystem. Wir lieben Bloodborne, weil es uns in eine gigantische, atmosphärische Spielwelt entführt und uns nur zu Beginn leicht an die Hand nimmt, nur um uns dann gnadenlos mitten ins Geschehen zu schmeißen. Und wir bei Siegen oder anderen Errungenschaften endlich wieder wahre Erfolgsmomente erleben dürfen.
Sicherlich lassen sich viele Parallelen zu Dark Souls erkennen, From Software kann dem PS4-exklusiven Action-RPG allerdings genügend Alleinstellungsmerkmale geben, damit dieses auf eigenen Beinen stehen kann. Und mit etlichen Haupt- und Nebenaufgaben, mitreißenden Geschichten oder den Chalice Dungeons durchgehend an die Konsole fesselt.
Wer also wieder nach einer Herausforderung sucht und sich vollständig in einer Spielwelt verlieren möchte, der greift bei Bloodborne direkt zu. Und wer weiterhin mit dem Kauf einer Playstation 4 hadert, dem ist spätestens jetzt nicht mehr zu helfen.

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