Horizon Forbidden West [PS5]



  • Der verbotene Westen ruft.


    „In den letzten fünf Jahren hat unser Team diese beliebte Welt ausgebaut und eine neue Story voller fesselnder Charaktere, verheerender Maschinen, atemberaubender Umgebungen und actiongeladener Abenteuer entwickelt.“ – In seinem Artikel auf dem offiziellen PlayStation-Blog blickte Mathis de Jonge, seines Zeichens Game Director des holländischen Entwicklerstudios Guerilla Games, nicht nur auf das 2017 exklusiv für die PS4 veröffentlichte Horizon Zero Dawn zurück, sondern brachte die Vorfreude der seit einem halben Jahrzehnt ausharrenden Fans zum Höhepunkt, unterstrich er doch alle Verbesserungen, die man vom sehnsüchtig erwarteten Sequel Horizon Forbidden West erwarten konnte.


    Umso erfreulicher, dass eben dieser Artikel die elendig lange Wartezeit für beendet erklärte und die Veröffentlichung des nun auch die PS5 erobernden Action-RPGs zelebrierte. Und angesichts zahlreicher Previews war auch ich mir sicher, dass es zahlreiche Gründe zu feiern geben würde, das Wiedersehen mit der toughen Jägerin Aloy eigentlich nur glorreich ausfallen kann. Dennoch schwingt immer eine gewisse Vorsicht mit, wenn ich mich an die Konsole klemme. Beeindruckende Vorschaubilder, hochgesteckte Entwicklungsziele und diverse Verbesserungsversprechen stehen auf der Checkliste des AAA-Marketings immerhin ganz oben, können sich nach Release dann aber schnell als leere Worte und heimtückische Augenwischerei herausstellen, dadurch also rasant in die Enttäuschung münden.


    Welchem Pfad Guerilla Games mit Horizon Forbidden West schlussendlich gefolgt ist und ob die Fortsetzung dem grandiosen Vorgänger überhaupt das Wasser reichen oder ihn gar übertrumpfen kann, das möchte ich euch mit Pfeil (meinen rasant tippenden Fingern) sowie Bogen (meinen übersichtlichen Notizen) im umfangreichen Test verraten.


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    Auf zu neuen Horizonten


    An meine erste Begegnung mit Horizon Zero Dawn erinnere ich mich liebend gerne zurück. Anfang 2017 luden Sony und Videospielschmiede Guerilla Games im Herzen Berlins zur geselligen Preview-Party, zeigten beeindruckende Gameplay-Szenen und boten spannende Einblicke in den aufwändigen Entwicklungsprozess. Nach einer kurzen Präsentation durfte ich dann nicht nur zum Controller greifen und mit Heldin Aloy Jagd auf angriffslustige Roboterdinosauriern machen, sondern zugleich einige Worte mit dem Chefentwickler austauschen und dabei mehr über dessen Leidenschaft und Hingabe für dieses Projekt erfahren.


    Begegnete ich dieser neuen IP zuvor noch mit einer gewissen Skepsis, war ich mir nach diesem Event sicher: Hier hatte Sony einen wahren Meisterwerkspfeil im Gaming-Köcher, der auch in der fernen PlayStation-Zukunft eine wichtige Exklusivrolle spielen würde. Umso erfreulicher fiel logischerweise mein Test aus, da dieser meine Vermutungen angesichts der spielerischen und auch technischen Qualität bestätigten konnte. Horizon Zero Dawn ist ein herausragendes Meisterwerk, das durchgehend begeistert und mit einer gelungenen Kombination vieler beeindruckender Aspekte ohne große Probleme an der spielerischen Perfektion kratzt.“ – Mein damaliges Fazit, das ich auch heute noch so unterschreiben würde.


    Da auf lautstarken Presselob auch überzeugende Verkaufszahlen folgten, war die Ankündigung eines Nachfolgers eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Im Juni 2020 war es dann endlich soweit: Stolz kündigte Guerilla Games an, dass Aloy in Horizon Forbidden West zurückkehren und dabei nicht nur die alte, sondern auch die neue Konsolengeneration unsicher machen würde. Ein Glück für die postapokalyptische Spielwelt, konnte deren Zerstörung im Vorgänger zwar abgewendet, die eigentliche Bedrohung jedoch nicht gänzlich im Keim erstickt werden.


    Wenig verwunderlich also, dass die Fortsetzung nur wenige Monate an das fulminante Finale anschließt. Anstatt die glorreiche Weltrettung gemeinsam mit ihren Kriegsgefährten ausgiebig zu feiern, verschwand Aloy nämlich ohne Abschiedsworte und setzte die Suche nach der Quelle allen Übels fort. Nach zahllosen Enttäuschungen und falschen Fährten scheint sie nun aber endlich den ersehnten Hoffnungsschimmer am düsteren Horizont entdeckt zu haben: Den verbotenen Westen, ein für die junge Jägerin völlig fremdes Gebiet, dass die ultimative Endlösung für die erneute Auslöschung der Erde, gleichzeitig aber auch eine lange Liste unbekannter Gefahren beherbergen soll. Dass sich Aloy davon allerdings nicht einmal ansatzweise abschrecken lässt, dürfte vor allem Kenner des Erstlings kaum überraschen.



    Erzählerische Startschwierigkeiten


    Tatsächlich möchte ich es bei dieser überschaubaren Zusammenfassung der Rahmenhandlung von Horizon Forbidden West belassen. Guerilla Games hat sich nämlich viel Mühe gegeben, Aloys Reise spannend fortzusetzen und dabei eine Reihe roter Story-Fäden des Vorgängers aufgegriffen, um diese geschickt zu einem durchweg fesselnden Handlungsteppich zu flechten. Und da dieses Vorhaben wahrlich gelungen ist, wäre es respektlose Schande, Überraschungen und Wendungen bereits an dieser Stelle vorwegzunehmen.


    Völlige Neueinsteiger sowie Kenner des ersten Teils seien aber gewarnt: Zwar ruft ein kurzes Einführungsvideo die wichtigsten Ereignisse aus Zero Dawn in Erinnerung, konzentriert sich überraschenderweise aber nur auf Schlüsselmomente, wodurch der narrative Einstieg ungewohnt holprig, stellenweise sogar verwirrend ausfällt. Urplötzlich werde ich mit alten Bekannten, Feinden und Begriffen konfrontiert, die im Intro keinerlei Erwähnung fanden, nun aber scheinbar eine unverzichtbare Rolle spielen. Um wirklich durchzusteigen, empfiehlt sich also der Genuss eines umfangreichen Zusammenfassungsvideos. Schade, dass mich das Sequel nicht direkt mit der notwendigen Informationsflut abholen konnte.


    Kaum hatte ich die anfängliche Verständnisschwelle überwunden (und mir das soeben angesprochene YouTube-Video angeschaut), zog mich Horizon Forbidden West direkt in seinen erzählerischen Bann. Dabei nimmt die eigentliche Abwendung der Weltauslöschung eher eine untergeordnete Position ein, wird vielmehr zur Grundlage für zahlreiche kleine, deutlich emotionalere Geschichten umfunktioniert. Denn obwohl zwischen den unterschiedlichen Stämmen zu Beginn des Abenteuers Frieden herrscht, steht dieser auf erschreckend wackeligen Beinen, könnte gefühlt mit einem falschen Augenkontakt schlagartig kippen.


    Guerilla Games nutzt diese Chance erneut, um mit der Vielfalt an unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Charakteren für ausreichend Spannung, durch unvorhergesehene Stimmungswechsel zudem für den einen oder anderen Schockmoment zu sorgen. In Kombination mit futuristischen Elementen – deren Ursprünge abermals in den Ruinen und Erzählungen der weit zurückliegenden, alten Welt liegen – und persönlichen Schicksalen ergibt sich eine gewohnt ambitionierte, da kleinteilige Story, in der Aloy weiterhin als alle Bausteine zusammenhaltender, strahlender Mittelpunkt fungiert.



    In der Ruhe liegt die narrative Kraft


    Eigentlich folgt die wackere Protagonistin einem simplen Muster: Einschüchternde Risiken oder Rivalen gibt es nicht, frech, gelegentlich sogar vorlaut setzt sich die Jägerin entgegen aller Widrigkeiten mutig durch, notfalls mit gezogenem Bogen. Zwischendurch gibt es aber eben auch die unsicheren Augenblicke, in denen Aloy sich und ihre Mission hinterfragt, loyale Verbündete dabei von sich drückt, um sie ja nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Diese charakterliche Vielschichtigkeit macht sie zur perfekten Protagonistin, mit der nicht nur das gemeinsame Kennenlernen der auch mir fremden Welt, sondern auch das Erleben der vergleichsweise ruhigen, zwischenmenschlichen Dilemmas ungemein intensiviert wird.


    Horizon Forbidden West verzichtet darauf, unbedacht Handlungsvollgas zu geben, sondern schaltet lieber einige Gänge zurück, um den liebevoll in das Gesamtkonzept eingeflochtenen Teilaspekt ausreichend Raum und Zeit zur freien Entfaltung zu bieten. Bereits das knapp einstündige Tutorial unterstreicht diese bewusste Entscheidung, setzt lieber auf Dialoge und Atmosphäre, hebt sich den überdrehten Action-Bombast für den Abschluss der Einführung auf. Wer also gerne ruhigen Schrittes in eine dichte Spielwelt eintauchen und sich dabei all ihre einzigartigen Details einverleiben möchte, wird ab der allerersten Spielminute bestens bedient.


    Dadurch sollten sich Gamer mit stetem Tempodrang nun allerdings nicht abschrecken lassen. Zugegeben, diese werden das Intro höchstwahrscheinlich als zäh, gegebenenfalls sogar als etwas langweilig abstrafen, kommen aber allerspätestens beim Betreten des namensgebenden verbotenen Westens vollends auf ihre Kosten. Ab diesem Zeitpunkt vermengt Guerilla Games die ruhigen, dialogstarken Passagen nämlich mit packenden Höhepunkten, die nicht nur erzählerisch, sondern auch inszenatorisch brachial umgesetzt wurden. Zwar lassen sie sich auch im Anschluss viel Zeit, verzichten vor allem bei den zahlreichen Konversationen vollständig auf das Entfernen überschüssigen Dialogfetts, servieren durch das raffinierte Integrieren mitreißender Highlights aber eine nicht ganz ausgeglichene, aber ausreichende Mischung, um durchweg zu begeistern.


    Einzig das Finale tanzt völlig aus der Reihe und fällt dadurch unliebsam auf. Hier vollführt Horizon Forbidden West nämlich aus heiterem Himmel einen Tempowechsel, feuert gnadenlos aus dem Handlungsrevolver und verliert den zuvor strikt durchgezogenen Ruheaspekt völlig aus den Augen. Durch die schnelle Abfolge an Ereignissen wirken die letzten Stunden ungewohnt überhastet, zudem werden wichtige Fragen und Charaktere gefühlt erschreckend schnell abgefrühstückt. Einen Genickbruch auf der Zielgeraden mag das Ganze nicht darstellen, wird die eigentliche Haupthandlung doch trotz dieser Kritik gelungen und vor allem zufriedenstellend abgerundet. Dennoch entsteht gerade durch das zuvor gemächliche Erzähltempo ein derber Kontrast, den ich nur schwer ausblenden konnte.



    PS5-Paradies mit Abstrichen


    Nun zelebriere ich Aloy als unverzichtbares Herzstück des PlayStation-exklusiven Action-RPGs, möchte dabei allerdings auch nicht die metaphorische Lunge vernachlässigen: Die in jeglicher Hinsicht atemberaubende Spielwelt, die dem Abenteuer mit einer sagenhaften Detailverliebtheit und überwältigendem Abwechslungsreichtum kontinuierlich eine wundervolle Lebendigkeit einhaucht.


    Im verbotenen Westen erkunde ich tropische Strände, schneebedeckte Berge, dichte Wälder oder modrige Sümpfe, manchmal sogar hochmoderne, aber von der Zeit (und Natur) in Mitleidenschaft gezogene Gebäude der alten Zivilisation. Fast könnte man meinen, Guerilla Games habe Teile verschiedener Puzzle in einen Karton gepackt, diesen anschließend ordentlich geschüttelt et voilà! Anstatt zu einer wahllosen Zusammenstellung zu verkommen, präsentiert das Endprodukt erfreulicherweise das genaue Gegenteil. All die Teile greifen perfekt ineinander, erschaffen dabei elegante Übergange und schlussendlich ein faszinierendes Gesamtbild, das sich die Bezeichnung malerisch redlich verdient hat.


    Zudem punkten alle Landschaften mit individuellen Eigenschaften sowie einzigartigen Floren und Faunen, wirken dadurch also nicht wie minimal angepasste Abziehbildchen des nächstgelegenen Nachbarn, sondern wie eigenständige Gebiete mit speziellen Charakteristiken. Und da es sich dabei nicht nur um kosmetische Spielereien handelt, sollten auch Abenteurer die Ohren spitzen. Jede Umgebung birgt neue Geheimnisse, neue Schätze, neue Feinde, eine Anpassung der eigenen Vorgehensweise ist regelrecht überlebenswichtig.


    Aufmerksamkeit wird also großgeschrieben. Leider gerät diese gerne in Vergessenheit, wenn man der Magie der paradiesischen Schauplätze verfällt. Und vor allem bei der PS5-Version von Horizon Forbidden West ist diese Gefahr allgegenwärtig. Guerilla Games nutzt die Hardware-Power nämlich meisterhaft, um mit überarbeiteten Animationen, hinreißenden Lichteffekten, einer formidablen Detailflut sowie optimierten Charaktermodellen und -Mimiken wahres Next-Gen-Feeling zu versprühen. Ob nun während der Zwischensequenzen oder einer harmlosen Wanderung zur Erkundung unentdeckten Terrains, der Fotomodus musste häufig hinhalten, um mich optisch völlig verblüffende Momente direkt zu verewigen.


    Doch auch bei der Fortsetzung musste ich mich zunächst einen Grafikmodus wählen und dabei erneut zwischen hoher Auflösung oder butterweicher 60fps-Framerate abwägen. Zwar sind beide Varianten mit ihren eigenen Stärken und Schwächen behaftet, punkten in der Praxis jedoch mit einer erstklassigen Spielbarkeit, die finale Entscheidung kann also besten Gewissens subjektiv erfolgen. Bevorzugt ihr ein knackscharfes 4K-Bild mit zusätzlichen Details? Oder sind diese beiden Aspekte für euch eher sekundär, ein geschmeidiger Ablauf dafür an erster Stelle? Eure Antwort legt zugleich fest, ob zu Beginn der Qualitäts- oder Performance-Modus gewählt werden soll.


    Leider hat das ansonsten grandiose Grafikgerüst zwei hinnehm-, aber nicht gänzlich vernachlässigbare Wermutstropfen an Bord. Zum einen schraubt der eben erwähnte Performance-Modus die Auflösung so weit nach unten, dass einige anmutige Panoramen ihren detailreichen Besonderheiten und damit ihrer eigentlichen Imposanz beraubt werden. Zum anderen leistet sich Horizon Forbidden West zum Release recht viele grafische Ausrutscher, darunter beispielweise Ruckler, Clippingfehler und Aloys entgegen jeglicher physikalischer Gesetze wild herumfliegendes Haar, das primär bei Gesprächen unliebsam ablenkt. Keine Frage, hierbei handelt es sich um Meckern auf höchstem Niveau, wird eine Vielzahl dieser Mängel doch mit kommenden Patches höchstwahrscheinlich entfernt, dennoch wäre bereits früher Feinschliff löblich gewesen.



    Technik-Luxus für Ohren und Hände


    Natürlich belässt es Guerilla Games nicht beim Grafik-Boost, sondern nimmt auch die anderen technischen Möglichkeiten der PlayStation 5 ins Visier, um die Next-Gen-Varianten gehörig aufzupeppen. Dementsprechend werden Ladezeiten auf ein eindrucksvolles Minimum reduziert (adieu, du kurzer Blick aufs Handy), während der DualSense-Controller mitsamt seines haptischen Feedback zum Schlüssel für das bisher verschlossene Immersionstor wird.


    Mittlerweile schäme ich mich, dass ich diese Funktion bei der damaligen Erstankündigung noch als eher sinnloses Gimmick und hochtrabendes PR-Gerede abstempelte, ihr zum PS5-Release gar einen DOA-Status prophezeite. Denn Horizon Forbidden West beweist wirkungsvoll, weshalb ich dieses Feeling in der Gaming-Zukunft auf gar keinen Fall mehr missen möchte. Jede Bewegung, jeder Sprung, jeder explosive Kampf wird von zielgerichteten Vibrationen begleitet, dem Einsatz meines Bogens durch die adaptiven Trigger-Tasten realistischer Nachdruck verliehen. Nein, hierbei handelt es sich wahrhaft nicht um ein sinnloses Gimmick, sondern um eine fantastische Weiterentwicklung des Mittendrin-Gefühls, die Aloys Abenteuer auf ein neues Niveau hebt.


    Gleiches lässt sich auch vom 3D-Audio-Support sagen. Diesem stand ich anfangs zwar ebenfalls skeptisch gegenüber, verteufelte ihn allerdings nicht direkt, besorgte mir sogar ein kompatibles Headset, um frühzeitig Zeuge eines hoffentlich spektakulären Sound-Erlebnisses zu werden. Eine lohnenswerte Investition, ertönten bei meinen Streifzügen durch den verbotenen Westen doch aus allen Richtungen verschiedenste Klänge, die mich die bezaubernde Atmosphäre nicht einfach nur erleben ließen, sondern mich direkt Teil von eben dieser machten. Wuchtige Soundanlagen werden dadurch zwar nicht ersetzt, wer sich kostspielige Setups aber sparen möchte, findet nun eine mehr als akzeptable Alternative.


    Fans des Vorgängers freuen sich derweil über die Rückkehr des niederländischen Komponisten Joris de Man, der sich abermals für die musikalische Untermalung verantwortlich zeichnet und mit der Unterstützung seiner Kollegen Oleksa Lozowchuk und Niels van der Leest sowie der englischen Band The Flight an die melodische Brillanz des Vorgänger-Soundtrack anschließt. Und obwohl einige bekannte Melodien aufgegriffen werden, verkommt das Gesamtwerk zu keinem Zeitpunkt zur lustlosen Kopie, sondern präsentiert sich stattdessen als gelungene Weiterentwicklung, die den beteiligten Künstlern hörbar viel Raum zur kreativen Entfaltung freigeräumt hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Dieser Soundtrack hat sich den Platz in meiner privaten Playlist redlich verdient.


    Zu guter Letzt möchte ich mich dem i-Tüpfelchen des großartigen Atmosphäre-Pakets zuwenden: der englischen Sprachausgabe. Denn alleine Aloy-Sprecherin Ashly Burch verdient für ihre Leistung Standing Ovations, vertont sie die Heldin doch nicht nur, sondern lebt sie förmlich. Engagiert arbeitet sich die Sprecherin durch die komplette emotionale Stimmenklaviatur, balanciert dabei glaubhaft zwischen Humor, Wut, Trauer und Verzweiflung und verpasst den ohnehin beeindruckenden Zwischensequenzen damit den letzten cineastischen Schliff. Gemeinsam mit alten Bekannten wie Lance Reddick (John Wick) und Neuzugängen wie Carrie-Anne Moss (Matrix) darf man sich also auf filmreife, da schauspielerisch ausgezeichnete Darbietungen freuen, die dank passend gewählter Stimmen auch in der deutschen Variante durchaus zu gefallen wissen, aber leider nur selten an die Qualität des Originals herankommen.


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    Kletterfreunde kommen weiter


    Schieben wir Handlung, Technik und persönliche Anekdoten mal beiseite und wenden uns endlich dem grundlegenden Gameplay von Horizon Forbidden West zu. Dieses erinnert zwar teils frappierend an den Vorgänger, beherbergt aber ausreichend spielerische Verbesserungen und auch Neuerungen, sodass Fans keinen verfrühten Franchise-Stillstand befürchten müssen.


    Vor allem beim Bereisen der offenen Spielwelt hat sich Guerilla Games offensichtlich viele Gedanken gemacht und erweitert das zuvor recht überschaubare Mobilitätsangebot. Weiterhin darf ich ausgewählte Maschinen überbrücken, sie dadurch zum Reittier umfunktionieren und rasant zum markierten Zielort reisen oder mich direkt von einem Lagerfeuer zum nächsten teleportieren – mit einem Schnellreiseset sogar optional von einem beliebigen Ort aus. Zusätzlich hat Aloy nun auch einen Gleiter im Gepäck, mit dem sie durch die Lüfte schweben, kurzzeitig die Seele baumeln und (sofern der korrekte Absprungpunkt gewählt wurde) weite Strecken spielend leicht überbrücken kann.


    In der Fortsetzung darf sich die junge Jägerin zudem von ihrer akrobatischen Seite zeigen, beherbergt der verbotene Westen doch bedeutend mehr erklimmbare Fels-, Gebirgs- und Gebäudewände als die Gebiete des Erstlings. Mit einer flotten Klettereinlage lassen sich nun also völlig neue Routen ergründen, alternativ greife ich auf den nützlichen Greifhaken zurück, mit dem sich höhergelegene Ankerpunkte erreichen und sogar einige wegversperrende Hindernisse beseitigen. Ein Allzwecktool, das ich vor allem beim Betreten instabiler Minen nicht mehr missen wollte.


    Zwar mögen es nur kleine Stellschrauben sein, an denen Guerilla Games hier gedreht hat, die Auswirkungen fallen dennoch gewichtig aus, gehen Erkundungszüge nun doch deutlich einfacher, da intuitiver von der Hand. Beim Anblick unerforschter Bereiche bekomme ich dadurch regelmäßig einen Motivationsschub verpasst, stürze mich wagemutig ins Abenteuer und versuche, mit meinen körperlichen Fähigkeiten und zuverlässigen Werkzeugen verborgenen Geheimnissen auf die Spur zu kommen und kostbare Schätze nicht nur ausfindig zu machen, sondern diese anschließend auch in meinen Besitz zu bringen.


    Glücklicherweise spart sich Horizon Forbidden West landschaftlichen Leerlauf und füllt die Karte lieber mit etlichen geheimnisvollen Fragezeichen, hinter denen sich zumeist erkundungswürdige Locations verbergen. Diese auf den Kopf zu stellen, kleinere Rätsel zu lösen, dadurch zuvor verschlossene Türen zu öffnen und schlussendlich eine zufriedenstellende Belohnung in Form eines wertvolles Schatzes zu kassieren garantiert feinsten Spielspaß und war hauptverantwortlich dafür, dass ich beim Test mehrfach gnadenlos von meiner Weltrettungsmission abgelenkt wurde – und es auch zu keinem Zeitpunkt bereute.



    Pfeil und Bogen gegen die Robo-Bedrohung


    Gemütliche Abenteuer-Spaziergänge durch die variantenreiche Spielwelt mögen zwar Seelenbalsam für erkundungsfreudige Gamer sein, früher oder später sollte man sich dann aber doch der eigentlichen Aufgabe widmen und dafür sorgen, dass die Erde mitsamt all ihrer Lebewesen nicht frühzeitig das Zeitliche segnen. Empfehlenswert ist das definitiv, nicht nur wegen der bereits erwähnten spannenden Haupthandlung, sondern auch wegen der mitunter brachial inszenierten Kämpfe gegen bissige Roboterdinos oder teils schwer bewaffnete Menschen, bei denen Aloys erneut Pfeil und Bogen sprechen lassen darf.


    Am generellen Ablauf hat Guerilla Games wenig verändert, Fans des Vorgängers fühlen sich also direkt heimisch. Bevor ich mich ins Getümmel stürze, darf ich per Fokus (ein technologisch hochwertiges Augmented-Reality-Gerät) die Gegend scannen und damit nicht nur die Laufrouten meiner Feinde, sondern gleichzeitig auch ihre Schwachstellen herausfinden. Ob ich anschließend Fallen auslege, mich geduckt durch Büsche schleiche und alle Kontrahenten in feinster Stealth-Manier lautlos ausschalte oder mit lautem Gebrüll einen Frontalangriff starte, diese Entscheidung liegt dann ganz bei mir.


    Vor allem beim Aufeinandertreffen mit gigantischen Maschinen lässt sich eine direkte Konfrontation allerdings selten vermeiden. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit den Feinheiten des Bogen auseinanderzusetzen, da blindes Herumfeuern nur selten von Erfolg, durch unverwüstliche Rüstungen oftmals eher von Misserfolg gekrönt wird. Mit den Schultertasten Gegner ins Visier zu nehmen und einen Pfeil abzufeuern ist nämlich nur die halbe Miete, auch die (im vorherigen Schritt hoffentlich gescannten und verinnerlichten) Schwachstellen müssen getroffen werden, um unliebsame Gefahren möglichst effektiv in die Knie zu zwingen.


    Da vor allem menschliche Widersacher gerne Aloys Nähe suchen, muss der Bogen in diesen Situationen dem Speer weichen und von Fern- auf Nahkampf geschaltet werden. Präsentierte sich das Kampfsystem des Vorgängers an dieser Stelle noch relativ eindimensional, erweitert Horizon Forbidden West das Angriffsrepertoire um einige schmerzhafte Manöver und vermeidet mit dieser willkommenen Abwechslung eine schleichend einsetzende Redundanz.


    Somit mag Guerilla Games das kämpferische Rad sicherlich nicht neu erfunden, es aber zumindest überlegt aufgewertet und mit neuem Lack versehen haben. Alle Mängel der Vergangenheit wurden aber leider dennoch nicht entfernt. In hektischen Momenten, beispielsweise einer knappen Ausweichrolle, ging die Übersicht aufgrund von Kameraproblemen gerne flöten. Nicht selten hechtete ich dadurch gegen eine Wand, in einen lauernden Gegner oder direkt in einen Abgrund, nahm unfreiwillig Schaden und ärgerte mich, dass diese Problematik am Sequel-Tisch wohl übersehen wurde.



    Lohnenswerter Griff in Aloys Trickkiste


    Horizon Forbidden West eröffnet mir beim Stelldichein mit unliebsamen Cyber-Tieren den Katalog unterschiedlicher Vorgehensweisen jedoch nicht nur, sondern lädt mich auch explizit dazu ein, diesen intensiv zu durchstöbern und für jede erdenkliche Situation einen adäquaten Notfallplan in der Tasche zu haben.


    Zwar lassen sich die meisten Gefechte mit einem informativem Scan und einigen platzierten Pfeilen erfolgreich absolvieren, solltet ihr das Abenteuer jedoch auf einem höheren Schwierigkeitsgrad beginnen oder euch mit einem gewaltigen Endboss messen, empfiehlt sich ein Wechsel zur Sprengschleuder, dem Häckslerhandschuh oder dem Bolzenschießer, auch die Auswahl diverser Bögen sollte nicht missachtet werden. Habt ihr diese ausfindig gemacht und ihr euer Arsenal aufgenommen, könnt ihr mitten im Kampfgeschehen jederzeit per L1-Taste das Waffenrad aufrufen und eure Ausrüstung flugs anpassen. Ein Wechsel, der sich lohnt: Einige Roboter werden über abgefeuerten Zahnstocher nämlich nur müde lachen, erzittern laut Scan beim Anblick eures Stachelwerfers hingegen vor Ehrfurcht.


    Strenggenommen darf ich das einsatzbereite Sortiment allerdings nicht als Alternative bezeichnen, zwingt mich Guerilla Games doch vielmehr dazu, alle Waffen in meinen Schlachtplan zu integrieren – zumindest wenn ich unliebsame Auseinandersetzungen möglichst unversehrt hinter mich bringen möchte. Neben alten Bekannten treffe ich in der Wildnis nun nämlich auch auf völlig neue Robo-Freunde, deren Angriffsmuster und Schwächen unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Devise lautet also Beobachten, Lernen, mit dem richtigen Machtinstrument zuschlagen. Vor allem in späteren Gebieten ist das zwar leichter gesagt als getan, wer mit einer ausgeklügelten Strategie dann aber ein kleines Schlachtfeld als Sieger verlässt, darf sich über ein unvergessliches Erfolgserlebnis freuen.


    Überhaupt gab mir Horizon Forbidden West das Gefühl, als junger Jäger meine ersten unbedachten Schritte durch eine Welt zu machen, durch das Erlernen und Perfektionieren aller Gameplay-Elemente jedoch allmählich vom Lehrling zum Veteranen zu reifen. Ein Umstand, der auch dem Beschaffen von Heilmitteln und Baumaterialien zu verdanken ist. Wie bereits bei Zero Dawn musste ich diese durch Auskundschaften meiner Umgebung zunächst entdecken (auch hier greift euch ein Scan hilfreich unter die Arme), für Fleisch, Felle oder Ersatzteile sogar Jagd auf vorgegebene Tiere und Roboter machen. Neue Munition ließ sich dann durch das Aufrufen des bereits erwähnten Waffenrads auch mobil herstellen, während überschüssige Beute direkt in meine Inventarkiste wanderten.


    Abermals wurden all diese Aspekte so elegant miteinander verknüpft, dass der spielerische Übergang von Sammeln, Suchen, Erforschen, Jagen bis hin zum Kämpfen gewohnt geschmeidig ausfällt und mir somit erlaubte, mich dem perfekten Immersionsgefühl ununterbrochen hinzugeben. Ich steuerte Aloy nicht einfach nur, sondern wurde in ihrer virtuellen Haut zum Teil dieser einzigartigen Spielwelt, die ich dann natürlich auch nach allen Regeln der Jagdkunst auf den Kopf stellte. Und schon bald bemerkte, dass meine Waffen und Fähigkeiten langsam, aber sicher ein Upgrade verdient hatten.



    Verschiedene Entwicklungspfade einer Jägerin


    Zwar entzündet Horizon Forbidden West spätestens nach dem Tutorial gerne mal ein packendes Action-Feuerwerk, fügt der eigenen Genre-Bezeichnung jedoch aus gutem Grund noch ein RPG hinzu. Kein Wunder, stehen mir im Verlauf des Abenteuers doch zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, Aloys verborgene Kräfte zu entfesseln und Equipment zu optimieren, damit kommende Herausforderungen frühzeitig entschärft werden.


    Auch hier spart sich Guerilla Games nennenswerte Innovationen und greift auf die Klassiker zurück. Dürstet es mir also nach neuen Waffen oder Rüstungen, begebe ich mich entweder zu den bereits erwähnten Fragezeichen auf der Karte und hoffe beim näheren Durchsuchen auf eine verborgene Schatzkiste mitsamt der begehrten Belohnung zu kriegen, beende Haupt- und Nebenquests oder investiere einfach eingesammelte Metallscherben (die Währung der Zukunft!) beim örtlichen Händler. Finde ich dabei noch weitere Maschinenteile und andere Rohstoffe in meinen Taschen, lohnt sich zudem ein Besuch ein der Werkbank, immerhin lassen sich die Statuswerte meiner aufgelesen oder käuflich erworbenen Kostbarkeiten zusätzlich verbessern und gelegentlich sogar eine nette Zusatzfunktion freischalten.


    Erfahrungspunkte dürfen bei einem waschechten Rollenspiel selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen. Diese verdiene ich mir durch das Abschließen von Missionen, das vollständige Erkunden besonderer Orte oder das Ausschalten meiner Feinde (Schwachstellentreffer bringen Bonuspunkte!). Habe ich mein XP-Konto ausreichend gefüllt, bringt mir ein Stufenanstieg Fertigkeitspunkte ein, die ich im Skill-Tree auf den Kopf hauen darf. Da ich hier allerdings keinem geradlinigen Entwicklungsweg begegne, sondern sechs verschiedene Talentpfade beschreiten kann, habe ich wie bereits beim Qualitäts- und Performance-Modus hier die Qual der Wahl.


    Erweitere ich Aloys Angriffsrepertoire oder konzentriere ich mich doch lieber auf ein verbessertes Fingerspitzengefühl beim Falleneinsatz? Aufgewertete Regenerations- und Stealth-Fähigkeiten könnten sich hingegen beim Infiltrieren gegnerischer Lager bezahlt machen. Im offenen Kampf schadet es jedoch auch nicht, wenn ich mit meinen Fernwaffen mehr Schaden anrichten und vor allem feindliche Maschinen noch effektiver bezwingen kann. Neben passive Boosts und neuen Attacken werden all diese Pfade sogar mit besonderen Spezialfertigkeiten gepflastert, machten mir die Entscheidung zur Verteilung meiner gehorteten Punkte entsprechend kompliziert. Immer wieder stellte ich mir die zu Beginn dieses Absatzes aufgeführten Fragen und spielte potenzielle Zuweisungsszenarien durch, bevor ich nach gefühlt endlosen Überlegungen den finalen Entschluss fasste. Und da ich die Verteilung zu keinem Zeitpunkt mehr revidieren konnte, die Würfel nun also ultimativ gefallen waren, halte ich das Vorgehen auch im Nachhinein für legitim.


    Gleichzeitig gibt mir Horizon Forbidden West aber auch die Chance, den gesamten Skill-Tree freizuschalten. Folge ich nämlich nicht nur stur der Haupthandlung, sondern kümmere ich mich zudem um einen Großteil der optionalen Nebenaufgaben, lassen sich ausreichend Fertigkeitspunkte verdienen, um jeden Pfad zu beschreiten, jede verborgene Kraft in Aloys Innerem zu entfesseln. Der Weg dahin ist nur eben ein relativ weiter, setzt demzufolge voraus, dass ich zunächst doch auf eine bewusste Spezifizierung abziele und damit meinen bevorzugten Spielstil unterstütze. Eine gelungene Balance, mit der Guerilla Games sicherstellt, dass ich mich intensiv mit meinem Fortschritt beschäftigen, schlussendlich aber dennoch ruhigen Gewissen alle Aspekte des Action-RPGs ausprobieren darf.



    Im Bann der dichten Spielwelt


    Zu Beginn meines Tests von Horizon Forbidden West hatte ich mir fest vorgenommen, strukturiert und geordnet vorzugehen, damit die Qualität meiner niedergeschriebenen Worte der des Mammutwerks aus dem Hause Guerilla Games annähernd gerecht werden kann. Bereits nach wenigen Spielstunden musste ich jedoch erkennen, dass dieses Vorhaben völlig gescheitert, meine Planung vollkommen aus den Fugen geraten war. Ich hatte mich in der Spielwelt verloren und staunte nicht schlecht, als ich ohne jegliches Gefühl für die Zeit plötzlich einen All-Nighter eingelegt hatte.


    Primär ist es der Wechsel zwischen Erkunden, Entdecken, Kämpfen, Upgraden und dem Erleben actionreicher, spannender, manchmal aber auch einfach nur emotionaler Handlungs- und Charaktermomente, die mich nicht nur ins Geschehen saugen, sondern mich regelrecht daran fesseln. Langeweile wird dabei keinerlei Raum eröffnet: Neue Gegner, verborgene Geheimnisse, mitreißende Haupt- und Nebenquests sowie optionale Herausforderungen halten die Motivationskurve bis zum Abspann und sogar weit darüber hinaus zuverlässig am Höhepunkt. Am Ende meiner zahlreichen Gaming-Session zeigte mein Speicherstand knapp 70 Stunden an, die gefühlt aber wie im Flug vergingen.


    Sicherlich wird Horizon Forbidden West ein wahrlich monumentaler Aufschlag in der Gaming-Welt verwehrt bleiben, wofür sich vor allem der Mangel weltbewegender Innovationen und der daraus resultierenden Ähnlichkeit zum Vorgänger verantwortlich zeichnet. Es fehlt der Überraschungsmoment, die Frische einer brandneuen IP, die durch ein Sequel logischerweise kaum aufgegriffen werden kann. Da ich bei zahlreichen Fortsetzungen der Vergangenheit allerdings ein ähnliches Fazit ziehen konnte, handelt es sich auch beim PS5-exklusiven Action-RPG eher um eine Feststellung, nicht um eine vernichtende Kritik.


    Bevor ich mich also wieder auf meinen übernommenen Robosaurier schwinge, um die futuristische Sci-Fi-Welt unsicher zu machen und auch die letzten Waffen, Ausrüstungen und Upgrades zu ergattern, möchte ich meinen mittlerweile marginal ausgearteten Test mit einer finalen Erkenntnis, vielleicht sogar einem kleinen Appell beenden. Bisher schien es in der Welt des Videospieljournalismus (und auch in meiner eigenen Gedankenwelt) Standard zu sein, Naughty Dog und Insomniac Games an vorderste Front zu stellen, wenn von legendären Entwicklerstudios unter dem PlayStation-, beziehungsweise Sony-Schirm gesprochen wird. Spätestens mit Horizon Forbidden West sollte Guerilla Games in dieser Reihe aufgenommen werden und das mächtige Trio damit komplettieren. Mit ihrem neusten Meisterwerk hat sich die niederländische Videospielschmiede diese Ehre definitiv verdient.


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    Fazit


    Meine Gedanken zu Horizon Forbidden West auf wenige Zeilen beschränken zu müssen schmerzt gewaltig. Stundenlang könnte ich über die (abseits eines geringfügig überhetzen Finales) vielschichtige Handlung mitsamt all ihrer facettenreichen Charaktere, fesselnden Haupt- und emotionalen Nebenquests schreiben. Auf das fantastische Kampfsystem eingehen, das sich mit einem aufgestockten Angriffsrepertoire nun noch variantenreicher präsentiert und mir mit zahlreichen Upgrade-Möglichkeiten viel Raum zur freien Entfaltung öffnet. Lobend die PS5-Variante erwähnen, die mir mit fantastischer Optik, kaum existenten Ladezeiten, einer eindrucksvollen DualSense-Nutzung und einem atmosphärischen 3D-Audio das perfekte Immersionsgefühl bietet. Oder mich einfach in Erinnerungen an die vielen Situationen verlieren, in denen mich geheimnisvolle Orte, versteckte Schätze oder besondere Herausforderungen von meiner Weltrettungsmission weglockten und optionale Erkundungszüge kurzzeitig zur obersten Priorität ernannten.


    All diese narrativen, technischen und spielerischen Zahnräder greifen inmitten einer atemberaubend lebendigen und abwechslungs- sowie detailreich gestalteten Spielwelt phänomenal ineinander, lassen Horizon Forbidden West dadurch zu einem fantastischen Sequel avancieren, das weder das Genre noch das vom Vorgänger aufgebaute Grundgerüst gänzlich neu erfinden, dessen Stärken aber nahtlos aufgreifen und um einige neue, passend integrierte Elemente erweitern kann. Unterm Strich ergibt sich dadurch ein gnadenlos packendes Abenteuer, das aufgrund kleinerer optischer Macken und gelegentlicher Kamerakomplikationen gerne auch mal ins Straucheln gerät, sich aber voller Stolz als ein frühes Highlight des Gaming-Jahres 2022 als auch eindeutiger Pflichttitel für alle PS4- und PS5-Besitzer bezeichnen darf.


    Obwohl ich knapp 70 Stunden an Aloys Seite verbringen und gefühlt jeden Stein dieser spannenden Sci-Fi-Zukunftsvision auf der Suche nach Schätzen auf den Kopf stellen, mich einer wahren Armee angriffslustiger Mechs entledigen durfte, fiel mir der (mit Blick auf eventuelle DLCs vielleicht ja auch nur temporäre) Abschied enorm schwer. Es bleibt also zu hoffen, dass das Entwicklerteam von Guerilla Games auch nach Release die Liebe für diese besondere IP beibehalten konnte und sich alsbald wieder den Konzeptionstisch setzt, um voller Leidenschaft die Arbeiten an einem fulminanten Trilogie-Abschluss zu beginnen. Diesen hat Aloys ohne jede Frage redlich verdient.

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