One Punch Man: A Hero Nobody knows


  • Geglücktes Heldendebüt?


    One Punch Man hat die perfekte „Zero to hero“-Geschichte geschrieben. Erst ein Web-Comic, dann ein Manga, dann ein Anime, anschließend eine lange OVA-Liste. Ein purer Erfolg, der nun auch im ersten Videospiel mündet.


    Mit One Punch Man: A Hero Nobody knows nimmt sich Entwickler Spike Chunsoft aber einer schweren Aufgabe an: Wie bringe ich eine Story rund um einen schier unbesiegbaren Helden mit One-Punch-KO unterhaltsam ins Videospielformat?


    Mutig hat man sich dieser Herausforderung gestellt, nun halten wir Saitamas erstes Videospiel-Abenteuer in unseren Händen. Doch verdient sich One Punch Man: A Hero Nobody knows auch tatsächlich den Heldenrank S? Wir verraten es euch in unserem Test.



    Neue Helden braucht die Welt


    Als Superheld Saitama schlüpfen, von A nach B laufen und mit einem Hieb fiese Schurken erlegen? Klingt nicht nach einer dauerhaft fordernden Videospielidee. Dieser Gedanke muss auch Entwickler Spike Chunsoft gekommen sein: Immerhin erleben wir One Punch Man: A Hero Nobody knows als eigens erstellter Neu-Held.


    Zu Beginn der Haupthandlung dürft ihr folglich euer Alter Ego zusammenbasteln und dabei neben dem grundlegenden Aussehen auch euer (gerne auch abgedrehtes) Superhelden-Kostüm kreieren. Immerhin muss man beim Weltretten eine gute Figur machen!


    Euren Status als gefeierte Ikone müsst ihr euch jedoch erst redlich verdienen: Außerirdische Invasoren bekämpfen und direkt zur weltweit gefeierten Ikone avancieren ist hier nicht angesagt. Folglich leistet ihr schwere Fußarbeit und wandert in der offenen Spielwelt von A nach B, um euch den alltäglichen Wehwehchen der Bevölkerung anzunehmen.


    Positiver Nebeneffekt: Je aktiver ihr der Stadt helft, desto mehr Missionen schaltet ihr frei. Schließt ihr diese wiederrum erfolgreich ab, freut ihr euch über immer höhere Spielerstufen und heiß begehrte Heldenrang-Beförderungen. Der vollkommen normale Superhelden-Alltag also.



    Monotones Helden-Allerlei


    Insgesamt fällt das Design der Spielwelt zwar recht trist aus, kann euch aber zumindest inhaltlich für die ersten Spielstunden bestens unterhalten.


    Hier darf man immerhin mit aus dem Anime bekannten Helden quatschen, verschiedene Shops erkunden oder sich an einer der zahlreichen Haupt- oder Nebenquests versuchen. Habt ihr dabei noch ein wenig Kohle in euren Taschen, dürft ihr zusätzlich eure Bude aufpäppeln oder eurem Outfit ein zusätzliches Accessoire verpassen.


    Für Serienfans startet hier ein unterhaltsames Erklimmen der Heldenleiter: Mit etlichen Aufgaben, Belohnungen, Upgrades und Beförderungen hält One Punch Man: A Hero Nobody knows diese nämlich erstklassig bei Laune und serviert mit Auftritten alter Bekannter – mit denen ihr optional sogar enge Freundschaften starten dürft – und witzigen Dialogen viele amüsante Momente.


    Wer sich jedoch nicht bedingungslos in die Welt von Saitama, Genos und Co. stürzen kann, stößt bereits nach kurzer Zeit auf eine deutlich spürbare Unterhaltungsgrenze. Denn bereits nach wenigen Stunden macht sich die durch das gesamte Abenteuer durchziehende Aufgaben-Monotonie bemerkbar: Bringe das, besiege den, geh zu diesem Ort und erledige eine der ersten beiden Aufgabentypen.


    Der grundlegenden Aufgabenvielfalt mangelt es somit spürbar an Varianz, was durch einen sichtbar liebevoll eingestrickten Fan-Service jedoch gekonnt überspielt wird. Ergo fehlt dieser helfende Notnagel, sofern man dem Fanlager noch nicht angehört.



    Mehr als ein Faustschlag


    Als roter Faden eurer eigenen Heldengeschichte dienen die wichtigsten Handlungspfeiler der Anime-Story. Kein Wunder also, dass ein Großteil von One Punch Man: A Hero Nobody knows vom Kampf gegen andere Superhelden oder gar gnadenlose Fieslinge beherrscht wird.


    Hier lässt der Titel dann auch an vielerlei Fronten die Muskeln spielen. So machen die wuchtigen Fights trotz eines insgesamt simplen und oberflächlich gehaltenen Spielprinzips nämlich ordentlich Laune. In 3-gegen-3-Matches dürfen wir unseren Kontrahenten in altbekannter Schlag-Tritt-Kombo-Manier ans Leder und via Knopfdruck vernichtende Spezialangriffe ablassen oder mit einem unserer Verbündeten abklatschen.


    Klingt simpel, wird durch die Vielzahl spielbarer Helden und Bösewichter aber dennoch angenehm variantenreich gestaltet. Spike Chunsoft hat sich spürbar viel Mühe gegeben, uns das einzigartige Skill-Set jedes Charakters spielerisch zur Verfügung zu stellen. Das Vorhaben ist geglückt: Wenn wir als Genos, Metal Bat, Atomic Samurai oder Mumen Rider in die Arena treten, wird uns ausreichend Nährboden für das experimentelle Anpassen unseres Spielstils geboten.


    Auch optisch gelingt One Punch Man: A Hero Nobody knows hier ein nennenswerter Sprung. Während die Spielwelt nämlich stellenweise verboten langweilig ausfällt, stechen hier die detaillierten Charaktermodelle in feinster Anime-Optik sowie die effektreiche Inszenierung der unterschiedlichen Spezialangriffe hervor. In diesen Momenten kann der Arena-Fighter die Anime-Atmosphäre – auch dank der japanischen Originalsprecher – erstklassig einfangen und zaubert damit vor allem Fans ein Superheldenlächeln auf die Lippen.


    Einzig die vermehrt auftretenden und teils sogar störenden Slowdowns kristallisieren sich als schmerzhaftes Kryptonit heraus.



    Tempobremse


    Eine Problematik zieht sich durch One Punch Man: A Hero Nobody knows wie ein roter Faden: Hat man sich in ein gut umgesetztes Gameplay-Element verliebt, wird man im Anschluss mit dessen kaum zu ignorierenden Schwächen konfrontiert. Das Kampfsystem stellt hierbei keine Ausnahme dar.


    Über die generelle Oberflächlichkeit kann man sich mit der Kämpferauswahl zwar hinwegtrösten, stolpert dabei jedoch über die erschreckend langsame Ablaufgeschwindigkeit. Anstatt sich das Tempo des Anime als Vorbild zu nehmen, laufen die Duelle vermehrt gemächlich ab und fühlen sich vor allem in Verbindung mit einer leicht hakelig ausgefallenen Steuerung nicht ganz rund an.


    Sicherlich mögen wir hier mit einem gewissen Handicap in den Ring steigen, immerhin durften wir in den letzten Monaten etliche Anime-Versoftungen mit ansatzweise ähnlichem Gameplay testen und hierbei das deutlich höhere Tempo in unseren eigenen Händen spüren. One Punch Man: A Hero Nobody knows präsentiert dennoch selbst einen eindeutigen Hoch- und Tiefgeschwindigkeitskontrast, der unterstreicht: Hier wäre insgesamt mehr Superhelden-Power möglich gewesen.


    Uns wurde beim Testen dadurch temporärer Langeweile die Tür geöffnet. Wenn man sich in einer der zahlreichen Nebenmissionen nämlich nicht nur mit kleineren Gegnern, sondern auch mit Slowdowns, Steuerungsmacken und langsamem Tempo auseinandersetzen muss, wird das Nervenkostüm gerne mal auf die Probe gestellt und überlegt, ob man die nächste Aufgabe tatsächlich in Angriff nehmen will.



    Wer zu spät kommt, bekämpft die Reste // Die Causa Saitama


    Es ist jedoch ein Kernelement, dass das Kampfsystem von One Punch Man: A Hero Nobody knows einem ganz speziellen Kniff bringt: Das „Zu-spät-kommen“.


    Nicht immer stehen euch die unterstützenden Helden von Beginn an zur Verfügung, sondern tauchen erst im Laufe des Matches an eurer Seite auf. Ein kleiner Bildschirm informiert euch via Countdown über deren Erscheinen, das mit einem heftigen Angriff garniert wird und euch anschließend mit einem optional auswählbaren Zusatz-Fighter versorgt.


    Der Clou: Genau dieses System hilft dabei, Übermensch Saitama ins Geschehen einzubinden. Dieser besitzt nämlich die Tendenz, Duelle mit einer heftigen Verspätung zu besuchen. Befindet sich der Glatzkopf also in eurem Kader, müsst ihr mit all euren Fähigkeiten am Leben bleiben, um den Helden anschließend in Aktion zu erleben.


    Immerhin macht sich das Warten bezahlt! Angriffe prallen an Saitama scheinbar ab, dafür dezimiert er die Gesundheitsleiste des Gegners mit einem effektiven Hieb. Eine innovative und erstklassig umgesetzte Idee, die fast immer für einen kurzen Schmunzler sorgt und erbitterte Schlagabtausche gerne mal urplötzlich auf den Kopf stellen kann.



    Verloren in der oberflächlichen Dauerschleife


    Hat man ein wenig die Spielwelt erkundet und einige Schergen kämpferisch in die Knie gezwungen, hat man letztlich das Gesamtkonstrukt One Punch Man: A Hero Nobody knows mit allen Stärken und Schwächen erlebt.


    Oberflächlichkeit und Abwechslungsarmut werden dabei zum stetigen Begleiter. Selbst als große Fans der Manga- und Anime-Vorlage nagte die Eintönigkeit nach einigen Spielstunden an uns, nur die liebenswerten Charaktere, teils unglaublich witzigen Dialoge und Saitamas erstklassige Auftritte hielten uns bei Laune und trieben uns regelrecht zum nächsten Heldenrank.


    Die Funktion als unterhaltsamte Nebenbeschäftigung kann der Online-Modus dabei leider nicht ganz erfüllen. Letztlich handelt es sich hierbei stets um die aus der Hauptkampagne bekannten Kämpfe, nur eben gegen menschliche Mitspieler. Immerhin blieben die Matches während unseres Tests stets stabil, nur die bereits erwähnten Slowdowns wurden zu einem gelegentlichen Ärgernis.


    Was nun stark negativ klingt, befindet sich tatsächlich eher im soliden Mittelbereich. One Punch Man: A Hero Nobody erinnerte uns mit Blick auf unsere lange Test-Historie durchweg an Genre-Vertreter aus dem Anime-Bereich, die ihre ersten Schritte in die Videospielwelt mit ausreichend unterhaltsamen Ideen, gleichzeitig aber auch zahlreichen Schwächen taten, das Fundament in den Folgejahren aber für etliche Aus- und Verbesserungen nutzten.


    Aller Heldenanfang ist halt schwer. Eine Lektion, die auch Saitama lernen muss. Doch wenn man den Glatzkopf eh in sein Herz geschlossen hat, akzeptiert man auch den holprigen Anfang. Und darf anschließend hoffen, dass es in Zukunft einfach heldenhaft steil bergauf gehen wird.



    Fazit


    One Punch Man: A Hero Nobody knows präsentiert sich schlussendlich als Anime-Videospiel-Sandwich, das Fans schmackhaftes Vergnügen garantiert, aber jeden Biss mit einem faden Beigeschmack versieht.


    Visuell können die zahlreichen Charaktermodelle beeindrucken, täuschen aber nur marginal über lahme Hintergründe und teils nervige Ruckler hinweg. Das Kampfsystem spielt sich mit unterschiedlichen Helden und Bösewichtern variantenreich und wuchtig, lässt mit hakeliger Steuerung und lahmem Tempo aber den nötigen Flow vermissen. Die Hauptkampagne bietet massenweise Umfang, lässt dabei aber gleichzeitig notwendige Abwechslung vermissen.


    Saitama-Fans und angehende Superhelden-Gamer wird das allerdings nicht weiter stören: Diese verlieren sich schnell in der offenen Spielwelt und klettern die Heldenleiter dank feinster Anime-Atmosphäre und witziger Einfälle durchweg motiviert nach oben. Ein grandioser Fan-Service also, der One Punch Man: A Hero Nobody knows für Serien-Neueinsteiger aber leider vollends unattraktiv gestaltet.


    Doch auch Dragon Ball Z, Naruto und Co. hatten bei ihren Videospiel-Debüts mit einigen Problemen zu kämpfen und steigerten sich in den Folgejahren merklich. Immerhin eine Disziplin also, in der sich Saitama bei folgenden Konsolenabenteuern mit ausreichend Trainingseinheiten noch steigern darf.

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