Scrapped Princess



  • Prophezeiungen sind nicht nur für strahlende Helden gemacht!


    Ein schweres Schicksal erwartet die 15-jährige Pacifica Cassul. Laut einer Prophezeiung ist sie die Prinzessin der Zerstörung, das Gift, das die Welt vernichten und somit an ihrem 16. Geburtstag das Ende der Menschheit einläuten wird!


    Ihre Adoptivgeschwister Shannon und Raquel beschützen sie vor allem Übel, da die junge Pacifica zum Tode verurteilt und gejagt wird, doch der Tag der Vernichtung der Welt rückt immer näher.


    Wird sich die Prinzessin der Zerstörung ihrem prophezeiten Schicksal entgegensteIlen können?




    Wir alle kennen die altbekannte Anime-Formel: Held A ist der Auserwählte und muss sich gegen die Bösen stellen. Scrapped Princess stellt dieses Schema aber bereits nach wenigen Minuten gnadenlos auf den Kopf – und zieht den Zuschauer somit spielend leicht in seinen Bann.


    Grundelemente des typischen Schemas mögen zwar erkennbar sein, eröffnen durch Protagonistin Pacificas Rolle als prophezeites Böse aber eine völlig neue Perspektive und Herangehensweise, die kreativ und amüsant umgesetzt und konsequent genutzt wird.


    Es ist ansonsten der kleine, unscheinbare Held, der nach anfänglichem Gelächter zum unerwarteten Muskelmann mutiert und von da an eine schier unbesiegbare Entität darstellt. Scrapped Princess macht Pacifica derweil zum verachteten Hassobjekt, das von den Dorfbewohnern nicht gefeiert, sondern in ihrer Kutsche aufgehalten und bedroht wird – besonders schmerzhaft, wenn man die sympathische Heldin vorher freundlich strahlend erlebt hat.


    Auf diesen frühen Erzählungskniffen ruht sich die Serie jedoch nicht aus, sondern liefert auch bei der Konzeptionierung des Settings frischen Wind. Hier verlässt man sich nicht einfach auf vorgefertigte Schauplätze wie Mittelalter oder ferne Zukunft, sondern vermischte zahlreiche Aspekte in einem kreativen Kochtopf miteinander, um ein variantenreiches Setting auf die Beine zu stellen.


    Scrapped Princess bietet dem Zuschauer im Laufe der insgesamt 24 Episoden allein dadurch ausreichend Schauwerte und verwehrt langweilender Eintönigkeit dabei durchweg den Einlass. Nur selten erkennt man einfallslose Formeln wieder, wird stattdessen mit einem beeindruckenden Twist überrascht.




    Existenziell für diesen abwechslungsreichen Unterhaltungswert sind allerdings auch die Hauptakteure. Neben Pacifica glänzen nämlich auch Raquel und Shannon mit ausgearbeiteten, facettenreichen Charakterzeichnungen, die bereits zu Beginn mit ansprechender Tiefe begeistern und sich im weiteren Verlauf dann sogar glaubwürdig weiterentwickeln.


    Diese Liebe zum charakterlichen Details zieht sich zum Glück durch jede einzelne Folge und stellt uns somit nicht nur eine Reihe interessanter Nebenfiguren vor, sondern konfrontiert uns gleichzeitig mit einer Vielzahl tiefgründiger Themen, die sich allesamt am grundlegenden Plot sowie der zuvor detailliert aufgebauten Welt orientieren und ausführlich beleuchtet, behandelt und zu guter Letzt auch gelöst werden.


    Es ist beeindruckend, mit wie viel Handlung, Themen, Charakterentwicklungen sowie actionreichen Momenten Scrapped Princess 24 Episoden füllt, ohne dabei über die eigenen Füße zu stolpern. Während dabei stetig ein der Grundthematik geschuldeter, düsterer Grundton herrscht und dramatische Momente insgesamt die Überhand nehmen, verleihen die vielen Elemente dem Anime unterschiedliche Gewänder und springen nebenbei auch noch zwischen Humor, Action und Spannung umher.


    Da all diese Aspekte, Gefühlsebenen, Handlungsstränge, Thematiken und Charakterentwicklungen elegant Hand in Hand gehen, sich gegenseitig ausreichend Zeit einräumen und ihren Bogen niemals überspannen, kann Scrapped Princess durchweg überzeugen und gerät selbst bei der finalen Landung nicht ins Straucheln. Ein Fazit, das man nur sehr selten ziehen kann.


    Da verzeiht man auch gerne, dass der Griff sich sehr, sehr selten kurzzeitig lockert und kleineren Längen und in Puncto Inszenierung nicht ganz gelungenen Sequenzen den Zugang ermöglicht. Zum Glück bilden diese Passagen klar die Ausnahme.


    Bild

    Ich möchte euch bereits früh auf den Boden der Tatsachen zurückholen: Obwohl Nipponart Scrapped Princess endlich einen Platz in der deutschen Blu-ray-Welt ermöglicht, können auch sie leider nichts am 4:3-Format ändern – das Anfreunden mit schwarzen Balken an beiden Seiten ist also Pflicht.


    Zum Glück heißt das nicht, dass die High-Definition-Zellenkur vergebens war. Mit starken Farben und deutlich besserer Bildschärfe erstrahlt Scrapped Princess in neuem Glanz und sorgt dabei vor allem in puncto Charaktermodelle sowie Landschaften für immer wieder neue, visuelle Highlights.

    Dieser Umstand ist auch der optischen Ausweitung der kreativen Handlungsgestaltung zu verdanken. Anstatt sich innovative Einfälle nur für den Plot aufzuheben, hat sich Studio Bones – langsam habe ich sie in meinen Tests ausreichend gelobt, spare mir also ausufernde Lobhudeleien – auch hier ausgetobt und präsentiert uns variantenreiche Designs, lüften also auch an dieser Stelle ordentlich durch und vermeiden angestaubte Bilder.


    Neue Stärken unterstreichen aber leider auch alte Schwächen: So machen sich kleinere Animationsfehler (vor allem im Hintergrund) nun noch deutlicher bemerkbar, springen einem gelegentlich sogar förmlich ins Auge. Unruhe sollte sich jetzt aber nicht ausbreiten: Solche Momente sind rar gesät und fallen somit nur sehr aufmerksamen Zuschauern auf.



    Sound


    Komponistin Masumi Itô kann einfach nicht enttäuschen. Beim Zone of the Enders-Anime beeindruckte sie mich mit ihren wundervollen Melodien und wiederholte dieses Kunststück bei Chrono Crusade sowie den OVAs zu Angel Sanctuary und 100% Strawberry mit fast schon erschreckender Einfachheit.


    Mit Scrapped Princess setzt sie ihre Genialer-Soundtrack-Serie fort und liefert eine wundervolle Melodiensammlung, die sich dem kreativen Handlung-Bild-Konzept elegant anpasst und dadurch jede Szene hervorragend begleitet. Gegen Ende des Tests gab es sogar zwei Momente, in denen ich rasant zurückspulen musste, um die Lautstärke nachträglich zu erhöhen und die atmosphärische Wucht erneut in vollen Zügen genießen zu können.


    Die deutsche Synchronisation konnte derweil zwar nicht diesen Begeisterungshöhepunkt erreichen, punktet aber dennoch mit einer qualitativ hochwertigen Sprecherzusammenstellung, die mit Namen wie Corinna Dorenkamp, Julia Ziffer oder Detlef Bierstedt daherkommt. Kein Wunder also, dass man sich über passende Emotionen freuen darf und dabei nur sehr selten über schreckliche Cringe-Momente stolpern muss.


    Als leckere Qualitätskirsche des Sound-Eisbechers dienen die Soundformate, die bei beiden Sprachfassungen für ordentlichen Wumms sorgen, wobei es gerade bei der deutschen Version gelegentlich etwas an Bass und gezielt eingesetzten, direktionalen Effekten fehlt. Zum Glück ist das ein Problem, bei dem das Hochdrehen der Lautstärke fast immer hilft.

    Extras / Aufmachung


    Textless Opening

    Textless Ending

    Booklet

    Sticker


    Das altbekannte Bild: Leider lassen sich auf den vier Discs neben einem schriftfreien Intro- sowie Outro-Video keinerlei Bonusmaterial ausmachen. Man muss sich also mit den 24 Episoden begnügen – immerhin ausreichend Content, um den Preis des Sets zu rechtfertigen.


    Zusätzlich präsentiert sich Nipponart erneut als strahlender Ritter in der Extra-Not und legt der Box noch einen Sticker sowie ein dünnes Booklet mit Charakterbeschreibungen bei. Sicherlich nur ein kleines Trostpflaster, letztlich aber immer noch besser als nichts.




    Fazit


    Scrapped Princess macht vieles anders – und alles richtig! Denn allein mit Hauptheldin Pacificas Rolle als prophezeite Todesgöttin präsentiert die 24-Episoden-Serie nährstoffreichen Handlungsboden, aus dem spannende Supportcharaktere und tiefgründige Thematiken sprießen.


    Gepaart wird das Ganze mit einer kreativen Welt, die sich unterschiedlicher Elemente bedient und daraus einen narrativen und visuellen Spielplatz mit jeder Menge Augenschmaus, Überraschung und Unterhaltung zusammenbaut. Unterlegt mit wundervoller Musik, begleitet von starken Sprechern und präsentiert im feinsten, leider aber nicht ganz perfekten, Blu-ray-Format findet man dann nur wenig Raum für Kritik.


    Typische Gesamtbox-Krankheiten wie mangelndes Bonusmaterial fallen da kaum ins Gewicht: Wem es nach abwechslungsreicher Anime-Unterhaltung dürstet, der sollte Scrapped Princess unbedingt eine Chance geben. Immerhin muss man nicht immer dem prophezeiten Superhelden folgen, sondern kann sich auch mal der vorhergesagten Zerstörung anschließen.


    Name: Scrapped Princess [Blu-ray]

    Verleih: Nipponart

    Bild: 1080p High Definition

    Ton: DTS-HD MA 5.1 (Deutsch), PCM Stereo (Japanisch)

    Untertitel: Deutsch

    Laufzeit: ca. 600 Minuten

    Freigegeben ab: 12 Jahren


    Mehr Infos findet ihr hier!

    Für alle Bilder in unserem Test gilt:
    © Scrapped Princess Production Group. All Rights Reserved.

Teilen