Fire Emblem: Three Houses



  • Die beste Medizin für beinharte Strategie-Muffel!


    Ich gebe es zu: Strategie-Games haben mich immer unfassbar gelangweilt. Selbst die Fire Emblem-Saga konnte mich aufgrund des auf geschickte Taktikzüge getrimmten Gameplays nicht fesseln – obwohl Charaktere sowie grundlegende Handlung definitiv zu gefallen wussten!


    Mit dem Switch-Debüt wollte ich der Reihe dann aber doch eine neue Chance geben. Immerhin kann man sich ja nicht auf ewig in der Anti-Genre-Ecke aufhalten, Fire Emblem: Three Houses könnte ja DER Titel sein, der vorherige Aversionen aus der Welt schafft.


    Und nach einem fordernden Anstieg, dem unzählige Spielstunden und schlaflose Nächte voller feinster Taktik-RPG-Unterhaltung kann ich mit Fug und Recht behaupten: Fire Emblem hat mich eines Besseren belehrt!



    Ein Kontinent, drei Reiche


    Der Kontinent Fódlan blickt trotz einer Teilung in drei große Reiche auf eine lange Zeit des Friedens zurück. Obwohl es zwischen dem Adrestianischen Kaiserreich, dem Heiligen Königreich Faerghus und der Allianz von Leicester nämlich definitiv Streitpotenzial gäbe, scheint ein Ort im Zentrum Fódlans die friedliche Kontrolle zu haben: Das Kloster Garreg Mach.


    Hier werden in der örtlichen Militärakademie immerhin die Thronfolger sowie deren wichtigste Gefolgsleute für die schweren Aufgaben der Zukunft ausgebildet und dabei nicht nur in die grundlegende Geschichte der Länder eingeführt, sondern zeitgleich für das Überleben auf dem Schlachtfeld ausgebildet. Kein Wunder, dass das alles auf neutralem Boden geschieht, um ungeahnte Kriegsausbrüche zu vermeiden.


    Unverhofft tauchen jedoch geheimnisvolle Widersacher aus dem Nichts auf und beginnen, einen heimtückischen Plan in die Tat umzusetzen, der das Ende der friedlichen Zeit und gnadenloser Krieg zwischen den drei Häusern herbeibringen soll. Höchste Zeit für Leiterin Rhea, ihren eigenen Gegenangriff zu starten.


    Hier kommt ihr als anfangs namenloser Söldner ins Spiel. Habt ihr euch nämlich für ein Geschlecht und einen Namen entschieden, dürft ihr drei Schülern der Akademie bei einem nächtlichen Gefecht unterstützen und werdet von Rhea direkt als hervorragender Magister ausgemacht, der den Schüler für das Schlachtfeld vorbereiten und gleichzeitig gegen die finsteren Mächte vorgehen und den Frieden beschützen soll.


    Und während der Klosteralltag schnell für kleinere Probleme, Chaos und zwischenmenschliche Auseinandersetzungen sorgt, braut in der Ferne ein viel bedrohlicherer Sturm heran, der ganz Fódlan bedroht und den neuen Magister sowie seine tapferen Schüler schon bald gehörig auf die Probe stellen wird.



    Ein Magister kann sich nicht dreiteilen


    Fire Emblem: Three Houses entführt euch in eine mit zahlreichen Helden, Bösewichtern, Vorgeschichten und geschichtlichen Ereignissen gefüllte Welt, die relativ ruhig beginnt, euch spätestens ab der Halbzeit aber mit einigen unerwarteten Wendungen erstklassig schockiert und das zuvor aufgebaute Gesamtkonstrukt in eine überraschende Richtung lenkt.


    Zu beginnt steht jedoch die Wahl des Hauses, dem ihr euch anschließen wollt. Und obwohl online mittlerweile unzählige Guides genauestens analysieren, welches Haus bereits jetzt schon euer Favorit sein sollte, gibt es hier keine richtigen oder falschen Entscheidungen. Beim ersten Durchlauf schaute ich mir einfach die jeweiligen Schüler an und entschied spontan aus dem Bauch heraus – bereut habe ich es nicht, auch die zwei anderen Auswahlmöglichkeiten kommen ohne nervende Mankos aus.


    Wirklich nervende Haupt- und Nebenakteure konnte ich allerdings in keinem der drei Häuser kennenlernen. Zwar konnte ich sicherlich nicht jeden direkt in mein Herz schließen (JA, ich schaue dich an, Hubert!), freute mich aber dennoch über jede noch so kurze Begegnung. Zum Glück: Immerhin spielen optionale Konversationen mit euren Schülern eine wichtige Rolle, sind sie doch das Fundament für fast durchweg spannende Hintergrundgeschichten und teils tragische Schicksale.


    Und während die eigentlichen Stories, ob nun der eigentliche Hauptplot oder die vielen, kleinen Handlungsausflüge, allesamt spannend ausgefallen sind, ist es die Inszenierung, die gelegentlich lahmt. Anime-Zwischensequenzen mögen für ein wenig Bewegung sorgen, ansonsten klickt man sich viel zu oft durch undynamische Konversationen, die mit Standbildern und simplen Animationen im Dauerloop visuell kaum bei Laune halten.


    Sicherlich Meckern auf hohem Niveau, bei einem epischen Taktik-RPG mit starkem Story-Fokus dann aber doch ein schmerzender Dorn, der durch die fantastische Qualität des Plots und der mit Leben, Legenden und Sagen gefüllten Welt immerhin elegant gezogen werden kann.



    Der Spagat zwischen Tee-Party und Angelvergnügen


    Das Kloster Garreg Mach fungiert in Fire Emblem: Three Houses nicht einfach nur als reines Rahmenhandlungselement, sondern dient euch als festes Hauptquartier, durch das ihr euch frei herumbewegen dürft.


    Ähnlich der Persona-Reihe liegt es an euch, wie ihr euren Alltag gestalten wollt. Unterhaltet ihr euch mit ausgewählten Schülern und verbessert somit die Beziehung zu ihnen? Investiert ihr doch lieber ein wenig Zeit in das Verbessern eurer eigenen kämpferischen Fähigkeiten? Warum geht ihr nicht mal Angeln oder stattet dem Gewächshaus einen Besuch ab?


    Die Vielzahl an Möglichkeiten mag man auf dem Papier simpel nach und nach abgrasen können, in der Praxis erfordert das Ganze dann aber doch eine gewisse Planung. Immerhin müsst ihr für jede Handlung einen Teil eures Zeitkontingentes opfern. Ist dieses aufgebraucht, ist der Tag vorbei und der virtuelle Kalender springt weiter vorwärts.


    Somit wird man stets aufgefordert, den Kosten-Nutzen-Faktor ausreichend zu analysieren. Nehme ich an einem Seminar teil, kann ich beim nächsten Schwertkampf viel effektiver zuschlagen und selbst härtere Gegner aus den Schuhen kippen. Eine gesellige Tee-Party, private Konversationen inklusive, mit einem Schüler kann aber die Beziehung stärken und am Ende vielleicht sogar zu einer pikanten Romanze führen.


    Fire Emblem: Three Houses lädt euch ein, all diese Möglichkeiten auszuprobieren und die Notwendigkeit für euren eigenen Spielstil zu evaluieren. Nur selten bekommt man das Gefühl, einen wirklich gravierenden Fehler begangen zu haben, sondern wird für einen gut gefüllten Alltag vielmehr belohnt. Dadurch wird das freie Erkunden zu einer regelrechten Wohltat, die immer wieder aufs Neue bestens unterhält.



    Das Kloster der verlorenen Gegenstände


    Nebenbei darf man noch eine Reihe Neben-, oftmals tatsächlich eher Mini-Quests annehmen und abgrasen, um neue Items, Geld und Erfahrungspunkte zu verdienen und nebenbei für ein dickes Plus auf dem Beziehungskonto des Auftragsgebers zu sorgen.


    Dabei bekommen wir die Chance, das Kloster noch weiter zu erkunden, neue Bereiche zu eröffnen und verlorene Gegenstände und Geschenke aufzulesen, die man beim Gespräch mit Schülern und Kollegen zurückgeben, beziehungsweise überreichen darf. Logischerweise wird das Freundschaftsband dadurch noch dicker, der Zugang zu optionalen Dialogen damit ebenfalls eröffnet.


    Und obwohl Fire Emblem: Three Houses unzählige Quests und verlorene Objekte bietet, liegt genau hier die größte Schwäche des Switch-Titels. Während die Klostererkundung dank unterschiedlichster To-Dos und Konversationen nämlich ausreichend Kurzweil bietet und durchweg unterhält, lässt das Missionsdesign notwendige Abwechslung vermissen und konzentriert sich oftmals auf die altbekannten „Suche und finde Gegenstand X“- und „Bekämpfe böse Truppe Y“-Formeln.


    Nach wenigen Stunden hatten ich einen regelrechten Quest-Katalog aufgebaut, den ich aufgrund ähnlicher Aufgabenstellung aber blitzschnell abarbeiten konnte. Klar, damit regnete es zwar kostbare Belohnungen auf mich nieder, gleichzeitig wurde jedoch auch Langeweile Tür und Tor geöffnet, die sich dann auch direkt breitmachte.


    Zwar wird dieses Manko durch die Nebenbeschäftigungen in den Klostermauern gerade noch abgefangen, sticht inmitten der Sammlung amüsanter Aufgaben dann aber leider als deutlich sichtbarer, wunder Punkt hervor. Wer diesen also meiden möchte, der sollte sich den Quest-Part lieber in viele, kleine Abarbeitungsabschnitte einteilen.



    Im Klassenzimmer zum Krieger


    Alle Lehrer werden es kennen: Wenn man etwas von seinen Schülern erwartet oder gar verlangt, sollte man es sich lieber nicht mit ihnen verscherzen. Kein Wunder also, dass sie Fire Emblem: Three Houses dieses Motto zu Herzen nimmt und den Konversationen, Romanzen und Beziehungsspielchen auch im Klassenzimmer Relevanz zuspricht.


    Sind eure Schüler happy, sind sie während eurer Lehrstunden motivierter. Sind eure Schüler motivierter, könnt ihr ihnen (entweder manuell oder automatisch) beim Verbessern ihrer speziellen Fähigkeiten tatkräftig unter die Arme greifen und dafür sagen, dass aus einem anfänglichen F ein schlagkräftiges A wird.


    Ein hervorragend implementierter Gameplay-Aspekt, der euch die unterschiedlichen Klassen eurer Schüler näher analysieren, erforschen und in eine gezielte Richtung führen lässt. Gelegentlich richten sich diese sogar mit eigenen Weiterentwicklungsempfehlungen an euch und pflanzen somit einen alternativen Schlachtplan in euer Taktikhirn, der nicht selten Blüten trägt und sich als fantastischer Hinweis herausstellt.


    Fire Emblem: Three Houses lässt dieses Element nicht nur im Klassenzimmer verweilen, sondern zieht es auch durch weitere Aspekte des Abenteuers hindurch. So spielen die Klassen nicht nur auf dem Schlachtfeld eine Rolle – dazu später mehr –, sondern helfen euren Schülern auch dabei, eine neue Stufe zu erreichen. Hierfür gilt es, ein spezielles Examen zu bestehen, das jedoch nur mit zuvor ausreichend hochgeskillten Attributen erfolgreich bewältigt werden kann. Vorzeitige Planung ist also das A und O, bei der Fülle an Möglichkeiten sollte man also wirklich sehr früh beginnen.


    Im späteren Verlauf dürft ihr dann sogar die Schüler anderer Häuser rekrutieren, sie in eure Reihen bringen und somit noch viel mehr handlungs- und dialogspezifische Möglichkeiten freischalten. Wer seine eigene Truppe effektiv verstärken möchte, sollte diese Option definitiv nicht aus den Augen lassen. Und immerhin dürften Erfolge an dieser Stelle dann auch klar als Zeichen für einen verdammt guten Magister gewertet werden.



    Die vielen Facetten der Schlacht


    Allerdings dienen all die Vorbereitungen, die unzähligen Lehrstunden und gezielten Attributsverbesserungen nicht einfach nur als simpler Zeitvertreib, sondern werden beim eigentlichen Dreh- und Angelpunkt von Fire Emblem: Three Houses zu existenziellen Tools: den kriegerischen Auseinandersetzungen mit feindlichen Truppen.


    Serien-Fans werden sich heimisch fühlen. Anstatt unsere Helden frei über das Schlachtfeld zu bewegen und auf Wunsch unsere Waffe zu schwingen, gehen wir die taktischen Gefechte rundenbasiert an und bewegen aus der Vogelperspektive über ein angezeigtes Quadratfeld. So näher wir uns feindlichen Soldaten nach und nach und dürfen anschließend entscheiden, wie wir zuschlagen wollen.


    Klingt recht simpel, wird in der Praxis aber zu einem taktisch vielschichtigen Unterfangen, das zwar ausreichend Einarbeitung benötigt, trotz etlicher Elemente allerdings zu keinem Zeitpunkt überfordert. Allein mit den unterschiedlichen Einheiten ergeben sich gefühlt unzählige Möglichkeiten, die für euch mit Vor-, aber auch mit gravierenden Nachteilen verknüpft sein können.


    Schicke ich Nahkampf-, Magie- oder Fernwaffenexperten an die Front? Und welches Level sollten die haben, um nicht in Grund und Boden gestampft zu werden? Befinden sich feindliche Einheiten in der Nähe und könnten zum Konter ansetzen? Stehe ich beim Angriff überhaupt auf dem richtigen Terrain, um eventuelle Schwächungen auszuschließen? Und kann mein Heiler im Notfall schnell agieren?


    Fire Emblem: Three Houses verlangt euch vor allem bei späteren Missionen viel ab, gestaltet den Einstieg aber vor allem für blutige Anfänger sehr angenehm, wodurch (gefühlt) unfaire Bildschirmtode zur Rarität werden. Bestes Beispiel: Selbst ich als gigantischer Strategie-Muffel blicke problemlos durch und kassierte schnell die ersten Siege – aber natürlich bisher nur auf dem normalen Schwierigkeitsgrad.



    Kämpferische Zusammenarbeit


    Vorbereitung ist wichtig, keine Frage. Hat man sich nur auf eine Klassenart konzentriert, das Inventar der eigenen Einheit nicht ausreichend aufgefüllt oder beim Unterricht völlig falsche Schwerpunkte gesetzt, machen sich die Konsequenzen erschreckend schnell und schmerzhaft bemerkbar.


    So spielen nun auch Bataillone eine wichtige Rolle. Diese dürft ihr im Kloster rekrutieren und euren Kämpfern an die Seite stellen, wodurch spezielle Sonderfähigkeiten zugänglich gemacht werden. Auf Kommando wird die Spezialeinheit nämlich aktiv und kann beispielsweise die gegnerische Bewegungsfreiheit kurzzeitig einschränken oder sogar grundlegende Werte schwächen. Mit Erfahrungspunkten lässt sich das Bataillon dann auch noch aufleveln und somit verstärken.


    Erfahrungspunkte spielen auch für eure Helden eine wichtige Rolle. Besiegt einen Gegner, kassiert die Punkte und freut euch früher oder später über einen Levelanstieg, gepaart mit einer Steigerung wichtiger Angriffs- und Verteidigungswerte sowie der Waffenfähigkeiten. Man sollte also stets auf eine abwechslungsreiche Truppenaufstellung achten, um den gleichmäßigen Kräfteanstieg zu forcieren.


    Habt ihr im Kloster zudem für gute Stimmung zwischen den einzelnen Kämpfern gesorgt und fleißig die Freundschaftsskala in die Höhe getrieben, dürft ihr während der Schlacht auch hierfür hilfreiche Lorbeeren ernten. Lässt man befreundete Schüler nämlich gemeinsam agieren, werden mächtige Teamangriffe entfesselt, die nicht nur schick aussehen, sondern auch für ordentlich Schaden sorgen.


    Die vielen Gameplay- und Taktik-Elemente von Fire Emblem: Three Houses lassen das Schlachtfeld dank einer erstklassigen Übersichtlich- und Zugänglichkeit zu einem taktisch tiefgehenden Abenteuerspielplatz avancieren, der kaum überfordert, mit neuen Herausforderungen und experimentellen Möglichkeiten aber immer wieder aufs Neue motiviert und die rundenbasierten Schlachten und das stete Aufleveln somit zu einem spielerischen Genuss werden lässt.


    Und ja, ich möchte abermals festhalten, dass ich das Genre ansonsten vollständig meide, mich hier allerdings kaum von der Switch lösen konnte.



    Lebe wohl, treuer Freund


    In puncto Schwierigkeitsgrad beginnt Fire Emblem: Three Houses relativ zahm, gibt anschließend jedoch rasant Vollgas und erreicht spätestens mit dem Erscheinen abwehrstarker Monster den Höhepunkt. Wer den Taktik-Part hier noch nicht verinnerlicht hat, der muss einige Verluste hinnehmen.


    Wirklich katastrophal werden diese Verluste allerdings erst, wenn ihr euch zu Beginn eures Abenteuers für die Permadeath-Funktion entschieden habt. In diesem Fall feiern eure Verbündeten nach gewonnener Schlacht nämlich keine plötzliche Wiedergeburt, sondern werden auf den virtuellen Friedhof gebracht. Feine Konversationen und Trainingseinheiten gehören somit der Geschichte an.


    Obwohl Fire Emblem diesen Verlust nur mit einigen Dialogzeilen behandelt und auch nachfolgend keine wirkliche Trauerbewältigung in Form von Zwischensequenzen anbietet, fungiert der bisherige Truppenzusammenhalt und das freudige Miteinander im Kloster als gnadenloser Stich ins Herz. Und obwohl man nun mit einer Deaktivierung der Permadeath-Funktion argumentieren könnte, rate ich entschieden davon ab: Denn nur mit dem digitalen Tod im Nacken kann man 150 Prozent seiner taktischen Gehirnfunktionen aktivieren.


    Immerhin werden Fehler oder ungeahnte Feindesmanöver nicht direkt bestraft. Erwischt euch ein Gegenangriff nämlich mal mit voller Wucht, dürft ihr auf Wunsch die Zeit manipulieren und zu einem x-beliebigen Zug der aktuellen Schlacht zurückkehren. Vorher getätigte Bewegungs- und Angriffsabläufe können somit revidiert und angepasst werden, um den truppentechnischen Supergau zu vermeiden. Aber Vorsicht: Die Zeitmanipulation ist nur begrenzt verfügbar, sollte also tatsächlich nur für Notfälle eingesetzt werden.


    Mit diesem Gameplay-Notnagel animiert euch Fire Emblem: Three Houses regelrecht zur Permadeath-Wahl und verknüpft jede noch so unwichtig erscheinende Schlacht mit einer gewissen Gefahr, wodurch der Spielspaß automatisch in neue Höhen getrieben und euer Denkvermögen an seine Grenzen getrieben wird. Hervorragend!



    Das Schuljahr freiwillig wiederholen


    Fire Emblem: Three Hours wird euch lange an die Nintendo Switch fesseln. Grund hierfür sind nicht nur den vielen Missionen, Nebenbeschäftigungen, optionalen Konversationen und Taktik-Möglichkeiten auf dem Schlachtfeld und in der Militärakademie, sondern primär die handlungsseitige Einteilung in die drei Häuser.


    Für meinen ersten Durchgang (Konversationen und viele Nebenaufgaben inklusive) habe ich laut Speicherstand knappe 55 Stunden gebraucht, wurde allerdings direkt im Anschluss an den Abspann zum Beginn einer neuen Runde animiert – New Game+ sei Dank! Immerhin dürfen wir hier nicht nur unsere bisherigen Fähigkeiten behalten, sondern freuen uns gleichzeitig noch über eine Reihe zusätzlicher und hilfreicher Features, die ich an dieser Stelle aber nicht spoilern will.


    Gleichzeitig bekommt man die Chance, sich zu Beginn einem anderen Haus anzuschließen und somit nicht nur neue Kräfte auf dem Schlachtfeld zu erforschen, sondern sich zudem mit einer völlig neuen Klasse anzufreunden, neue Hintergrundgeschichten zu erfahren und sogar ein bisher unbekanntes Ende zu erleben.


    Sicherlich hätte Fire Emblem: Three Houses die eigenen Entscheidungen hier gewichtiger umsetzen und auch die alternativen Ereignisse insgesamt unterschiedlicher gestalten können, schafft es mit einer sympathischen Schülerschar und vielen To-Dos aber dennoch spielend leicht, für viele weitere Spielstunden zu begeistern und die Langeweile beim Nullpunkt zu halten.


    Wenn man jetzt auch noch die kommenden DLCs dazurechnet, kann man also locker eine Spielzeit von über 100 Stunden kalkulieren. Niemals hätte ich gedacht, dass ich so viel Zeit mit einem Strategie-Spiel verbringen werde.



    Zwei Seiten einer Optik-Medaille


    Optisch hat mich Fire Emblem: Three Houses im ersten Moment überrascht. Hatte ich beim Gedanken an die Reihe zuvor nur solide 2D-Sprites vor Augen, erfreute mich mein erster Abstecher auf das virtuelle Switch-Schlachtfeld mit schicken Charaktermodellen, die allesamt mit schick in Szene gesetzten Angriffsanimationen versehen wurden. Und auch die hier und da eingestreuten Anime-Zwischensequenzen können sich sehen lassen.


    Im direkten Vergleich fallen die Schauplätze leider stark ab. Diese bieten zwar ausreichend Varianz, lassen jedoch viele Details vermissen und kommen dadurch viel zu oft trist, langweilig und stellenweise sogar hässlich daher. Sicherlich mag das bei einem Strategie-Spiel eher sekundär sein, immerhin ist der Blick fast durchweg auf die Truppen gerichtet, etwas mehr Liebe hätten die Umgebungen aber dennoch verdient.


    Im Handheld-Modus fällt diese Schwäche ganz besonders auf, wird allerdings noch von den viel zu kleinen Schriften getoppt, die nach einer längeren Session sogar zu Kopfschmerzen führten. Via TV gewann das Gesamtbild derweil an Farbe, Schärfe und Detail, leider machten sich hier vor allem beim Erkunden des Klosters sowie dem Ausführen von Angriffen störende Ruckler bemerkbar. Alles noch im Rahmen, letztlich aber ein klares Zeichen für ein ambitioniertes Projekt für eine leicht überforderte Konsole.


    Immerhin kann ich im auditiven Bereich pure Freude verkünden und dabei nicht nur auf erstklassige Kompositionen, sondern auch die starken japanischen und englischen Sprachausgaben verweisen, die beide auf eine Reihe hervorragend passender und emotional geübter Sprecher zurückgreifen und die Qual der Synchro-Wahl wirklich schwer gestalten.


    Aber immerhin hat man dafür ja noch den zweiten oder gar dritten Durchlauf, bei denen man getrost die Sprache wechseln und das Abenteuer nicht nur in puncto Handlung, sondern auch Vertonung neu erleben kann.



    Fazit


    Fire Emblem: Three Houses präsentiert sich als fantastisches Taktik-Rollenspiel, das an zahlreichen Fronten punkten und mit vielschichtigen Kämpfen, sympathischen Haupt- und Nebencharakteren sowie einem unterhaltsamen Klosterleben unzählige Spielstunden bestens unterhalten kann.


    Strategie-Freunde kommen dabei vor allem auf dem mit taktischen Möglichkeiten vollgepackten Schlachtfeld vollends auf ihre Kosten, während Persona-Anhänger beim Erkunden des Klosters – Seminare, Tee-Partys und Chorproben inklusive – einen Heidenspaß haben werden.


    Und während es den Quests des Freizeit-Parts schnell an Abwechslung mangelt und auch die Handlung in puncto Inszenierung mehr Dynamik verdient hätte, leistet sich Fire Emblem: Three Houses ansonsten keinerlei Ausrutscher und mausert sich mit einem wundervollen Sammelsurium taktischer Gameplay-Elemente nicht nur zum Pflichtprogramm für Strategie-Freunde, sondern auch zum perfekten Startpunkt für Genre-Neueinsteiger.


    Ihr habt also eine Nintendo Switch daheim und verlangt nach einem packenden Must-Have, das euch selbst nach etlichen Wochen noch an die Konsole fesselt? Dann führt kein Weg an Fire Emblem: Three Houses vorbei! Denn hier werden selbst Taktik-Muffel bekehrt und zum engagierten Strategen ausgebildet. Garantiert!

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