Uncharted: Legacy of Thieves Collection


  • Zwei Meisterwerke erstrahlen im Next-Gen-Gewand.


    Remaster bereits erfolgreich absolvierter Videospielveröffentlichungen in meinen Alltag zu absolvieren, wird des Öfteren zu einer wahren Herausforderung. Immerhin werden meine Tage gefühlt immer kürzer, die Release-Listen derweil immer länger, eine Priorisierung dementsprechend unumgänglich. Und dass sicherlich nostalgische, jedoch eben bereits bekannte Gaming-Abenteuer schnell im Hintergrund verschwinden, wird man mir kaum ankreiden können.


    Gelegentlich gibt es dann aber doch ein Remaster, das spielend leicht meine Aufmerksamkeit gewinnen und mich zur erneuten Runde vor die Konsole fesseln kann. Bestes Beispiel: die Uncharted: Legacy of Thieves Collection, die die beiden aktuellsten Ableger der namhaften Reihe auf die PlayStation 5 bringt und mit einigen visuellen sowie technischen Upgrades für ein wahres Next-Gen-Feeling sorgen möchte.


    Doch ob dieses Vorhaben tatsächlich gelungen ist oder ich mir den zweiten Durchgang getrost hätte sparen können, verrate ich euch im abenteuerlichen Test.


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    Meilensteine der Videospielgeschichte


    Werde ich auf die Uncharted-Reihe angesprochen, wird in meinem Gaming-Hirn eine wahre Konversationslawine ausgelöst. Kein Wunder, hat das amerikanische Entwicklerstudio Naughty Dog mit der Reihe rund um den Abenteurer Nathan „Nate“ Drake doch einen wahren Meilenstein der Videospielgeschichte geschaffen, die vor sagenhaften Highlights und unvergesslichen Momenten regelrecht platzt. Bildschirmfüllende Explosionen, einstürzende Brücken, waghalsige Sprünge über klaffende Abgründe – stundenlang könnte ich meine Faszination mit einem willigen Diskussionspartner austauschen.


    Mit der Ankündigung der Uncharted: Legacy of Thieves Collection für die PlayStation 5 wurde meine Erinnerungsschublade gewaltsam aufgerissen, der Unterhaltungskatalog infolgedessen um etliche Punkte erweitert, liefern die beiden enthaltenen Serienableger doch ausreichend Gesprächsstoff. Wurde Nates Geschichte in Uncharted 4: A Thief's End gelungen abgeschlossen? Konnte die Standalone-Erweiterung Uncharted: The Lost Legacy trotz der brandneuen Hauptprotagonistinnen Chloe Frazer und Nadine Ross an die zahlreichen Stärken der gefeierten Vorgänger anschließen? Und hat Naughty Dog das Uncharted-Kapitel nun wirklich abgeschlossen oder darf die Hoffnung auf eventuelle Fortsetzung weiterhin am Leben gehalten werden?


    Natürlich könnte ich komplett auf die verbale Komponente meines Erinnerungsaustauschs pfeifen und direkt zu einer schriftlichen Zusammenfassung wechseln, diese und viele weitere Fragen also einfach in einem schier endlosen Essay mit möglich zufriedenstellenden Antworten versehen. Allerdings würde es den Rahmen eines handelsüblichen Artikels sprengen, wenn ich all meine Gedanken nun zu virtuellem Papier bringe. Wer sich dennoch näher mit beiden Titel auseinandersetzen und meine ausführliche Meinung durchlesen möchte, dem möchte ich meine Reviews zu Uncharted 4: A Thief's End und Uncharted: The Lost Legacy ans Herz legen.



    Solides Immersions-Upgrade


    Bevor Fans der allerersten Stunde beim Anblick des Titels Uncharted: Legacy of Thieves Collection dem Hype-Wahn verfallen und auf eine weltbewegende Revolution hoffen, möchte ich an dieser Stelle frühzeitig auf die Erwartungsbremse treten: Spielerisch präsentieren sich beide Abenteuer unverändert. Unveröffentlichte Level, Outfits oder Waffen sucht man ebenso wie Nachjustierungen an der Steuerung also vergebens. Da Uncharted 4: A Thief's End das Licht der Welt 2016, Uncharted: The Lost Legacy kurz danach im Jahr 2017 erblickte, seitdem folglich kaum Zeit ins Gaming-Land gegangen ist, stellte sich solch ein Feinschliff wohl wenig überraschend als problemlos vernachlässigbar heraus.


    Im Mittelpunkt des Remasters stehen eindeutig die technischen Potenziale, die durch die Hardware-Power der PlayStation 5 entfesselt wurden. Diese hat Naughty Dog selbstverständlich ins Visier genommen und geschickt in das Gesamterlebnis integriert, was sich bereits in den ersten Minuten von Nates letztem Abenteuer bemerkbar machte. Die zuvor bereits angenehm kurzen Ladezeiten beim ersten Sprung ins Geschehen wurden auf ein Minimum reduziert, sind strenggenommen sogar kaum mehr vorhanden. Scheinbar wird es langsam aber sicher Zeit, sich von Ladebildschirmen zu verabschieden.


    Beim packenden Prolog – eine actionreiche Verfolgungsjagd über das offene Meer inklusive explodierender Boote und erbitterter Schusswechsel – wird anschließend ausgiebig mit den PS5-Muskeln geflext. Seid ihr nämlich mit einem kompatiblen Headset und funktionierendem DualSense-Controller ausgerüstet, erwartet euch ein unvergleichliches Mittendrin-Gefühl, das sogar die beeindruckende Immersion des Originals in den Schatten stellt. Während sogar die feinsten Nuancen der facettenreichen Klangkulisse dank 3D-Audio nun liebevoll herausgearbeitet werden und dabei in Kombination mit starken Dialogen und filmreifem Soundtrack ein sagenhaftes Audiopaket ergeben, spüre ich in meinen Händen jeden Schuss, jede Explosion, jede Welle, bekomme dadurch also definitiv die Vorzüge des haptisches Feedbacks kredenzt.


    Erfreulicherweise profitieren dadurch nicht nur die lautstarken Super-Action-Momente, auch die ruhigen Erkundungspassagen, deren Fokus auf malerischen Schauplätze, spannenden Dialogen und teils lebensgefährlichen Kletterpartien liegt, ziehen mich dank der neuen Funktionen noch stärker in ihren Bann, fühlen sie sich doch bedeutend intensiver und atmosphärischer an. Einen gewaltigen Schritt mag die Uncharted: Legacy of Thieves Collection damit sicherlich nicht gehen, aber zumindest einen deutlich spürbaren, den ich als Fan zu schätzen weiß.



    Die altbekannte Remaster-Qual der Modi-Wahl


    Eine gewichtige Veränderung hat die Collection dann aber doch an Bord. Diese kann die einschränkenden Optik-Ketten der Originale (auf der PS4 Pro 1080p mit einer stets stabilen 30fps-Framerate) nämlich endlich sprengen und noch eine Schippe Grafikpower auf den imposanten Technikstapel drauflegen. Leider erwartet euch dabei allerdings die Qual der Wahl: Denn wie bei vielen PS5-Remaster (und auch neuen Veröffentlichungen) der letzten Monate stehen unterschiedliche Modi zur Verfügung, die unterschiedliche Performance-Aspekte in den Vordergrund stellen.


    Dürstet es euch nach der höchsten Auflösung, kommt ihr am Qualitätsmodus nicht vorbei. Dieser bietet nämlich eine native 4K-Darstellung, verpasst dem grafischen Gesamtbild also zusätzliche Details und einen überschau-, vor allem beim Anblick anmutiger Panoramen aber dennoch sichtbaren Feinschliff, wodurch beide Abenteuer vor allem auf dem richtigen Endgerät eine verboten gute Figur machen. Im Gegenzug müsst ihr euch allerdings mit 30fps begnügen.


    Freunde eines ordentlichen Framerate-Boost entscheiden sich derweil lieber direkt für den Performance-Modus. Zwar muss man mit einer dynamischen Auflösung auskommen, wird dafür aber Zeuge eine herrlich geschmeidigen und durchweg störungsfreien 60fps-Bildrate, die Uncharted 4: A Thief's End und Uncharted: The Lost Legacy tatsächlich auf ein neues Erlebnislevel heben. Eine Rückkehr zu 30fps waren für mich nach einigen Spielstunden mit der Performance-Variante kaum möglich, versetzen mich hier bereits bekannte Sequenzen doch erneut ins Staunen.


    Wer die technischen Möglichkeiten der PlayStation 5 (in Verbindung mit einem kompatiblen Fernsehgerät) wirklich ausreizen möchte, für den hat die Uncharted: Legacy of Thieves Collection zu guter Letzt noch Performance+ im Gepäck. Dieser Modus begnügt sich zwar mit der 1080p-Auflösung der Originalfassungen, schraubt die Framerate dafür allerdings auf erstaunliche 120fps hoch. Und obwohl diese nicht durchweg gehalten werden können, sich also beispielsweise bei Verfolgungsjagden gerne mal der eine oder andere Ruckler bemerkbar macht, sind zahlreiche WOW-Momente vorprogrammiert. Aber eben nur für Gamer mit dem richtigen Set-up.



    Eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten


    Nun möchte man bei solch lobenden Worten annehmen, dass die Uncharted: Legacy of Thieves Collection problemlos den Remaster-Gipfel erklimmen und sich stolz als technische Meisterleistung bezeichnen kann. In gewisser Weise mag das auch zutreffen, in puncto Optimierungen läuft das Ganze allerdings doch nur auf Sparflamme. Und dafür ist in erster Linie Naughty Dog höchstpersönlich verantwortlich.


    Keine Sorge, das renommierte Entwicklerstudio hat sich nicht etwa auf die faule Haut gelegt, auch in die Generalüberholung beider enthaltener Abenteuer ist sicht- und spürbar viel Liebe reingeflossen. Vielmehr ist es die grafische Brillanz der Originaltitel für die PlayStation 4, die zu einem unfreiwilligen Fallstrick wird. Da Naughty Dog in der Vergangenheit die Limitationen der (mittlerweile überholten) Hardware nämlich gnadenlos ausreizte und damit wahrlich ein atemberaubendes Next-Gen-Feeling auf der alten Konsolengeneration erschaffen konnte, bleibt logischerweise nur noch wenig Luft nach oben. Die Konsequenz: Der Sprung auf die PS5 kann sich zwar sehen lassen, fällt insgesamt aber dennoch minimal ernüchternd aus.


    Generell stellt das natürlich kein Problem dar. Immerhin bringt sogar ein kleines Technik-Upgrade die Uncharted-Fans zum Strahlen, bietet mit den Qualitäts- und Performance-Modi sogar einen echten Mehrwert, der einen unverkennbaren Unterhaltungsunterschied ausmacht. Dennoch müssen sich Naughty Dog und auch Sony die Frage gefallen lassen, ob ein (vielleicht sogar kostenloser) Patch für mit einer PS5 ausgestatteten Besitzer der Urfassungen nicht sinnvoller gewesen wäre, der Release einer kompletten Collection mit überschaubaren Verbesserungen nicht vielleicht doch zu starke Cashgrab-Vibes ausstrahlt. Vor allem, da sogar die unterhaltsame Multiplayer-Komponente ersatzlos gestrichen wurde.


    Schlussendlich wird dadurch allerdings erneut die Fragenbüchse der Remaster-Pandora geöffnet. Werden die aufgemotzten Varianten relativ aktueller Titel tatsächlich benötigt? Sollten sich Videospielschmieden nicht lieber auf brandneue Abenteuer konzentrieren und höchstens jahrzehntealte Werke mit einem dringend nötigen Neuanstrich versehen? Ebenso wie mein unendliches Philosophieren über die Uncharted-Reihe, möchte ich euch auch ein Lostreten dieser langwierigen Diskussionen mit allen Pro- und Kontra-Argumenten lieber ersparen.



    Upgrade-Politik mit Tücken


    Habt ihr die letzten Gaming-Jahre unter einem Stein verbracht oder mit der PlayStation 5 eure ersten Schritte in Sonys Konsolenwelt gewagt, kommt die Uncharted: Legacy of Thieves Collection natürlich wie gerufen. Dank der neuen Hardware haben Uncharted 4: A Thief's End und Uncharted: The Lost Legacy nun nämlich definitiv ihren spielerischen sowie optischen Höhepunkt (ebenfalls Stand 31. Januar 2022) erreicht, garantieren Neueinsteigern also einen unvergleichlichen Begeisterungsmarathon, den wirklich niemand verpassen darf – obwohl der aktuelle, leicht überhöhte Preis von knapp 50€ mit einem zartbitteren Beigeschmack behaftet ist.


    Vorbesitzer und Fans der ersten Stunde kommen aufgrund einer teils erfreulich fairen, andererseits auch geringfügig enttäuschenden Upgrade-Regelung zumindest in die moralische „Soll ich mich erneut in die beiden Abenteuer stürzen?“-Bredouille. Liegen die inkludierten Titel nämlich in der heimischen Sammlung oder habt in der Vergangenheit zum Digital Bundle gegriffen, steht euch die digitale PS5-Variante für schlanke 10€ zur Verfügung. Besonders cool: Es reicht eine Disc, um gegen den kleinen Aufpreis die komplette Collection zu erhalten. Wer bisher also auf den Standalone-Ableger (oder gar auf Nathan Drakes Finale) verzichtet hat, darf sich stolz als Gewinner bezeichnen.


    Gewiefte PlayStation-Plus-Abonnenten, die sich Uncharted 4: A Thief's End im April 2020 gratis gesichert hatten, schauen leider in die Röhre und müssen für das Upgrade den vollen Preis zahlen. Gleiches gilt für Besitzer der digitalen PS5-Variante, deren Discs aufgrund des fehlenden Laufwerks keine Nutzungsrenaissance feiern dürfen, sondern ihr Dasein weiterhin als Schmuckstücke im Regal herhalten müssen. Schade, hier hätte Sony ein Herz haben und über das verknüpfte PSN-Konto einen (natürlich kostenpflichtigen) Übertragungsweg anbieten können, um Unterstützer der Digital Edition zu entlohnen.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Jahrelange Uncharted-Fans werden mit zahlreichen Gründen konfrontiert, die für und gegen ein erneutes Eintauchen in beide bereits bekannten Abenteuer spricht, müssen sich dementsprechend eine eigene Meinung bilden. Fakt ist allerdings, dass die (zugegeben überschaubaren) Optimierungen der Uncharted: Legacy of Thieves Collection nicht nur A Thief's End, sondern auch The Lost Legacy auf ein völlig neues Niveau heben, der bereits vor Jahren erreichten Perfektion somit zusätzlichen Glanz und das finale i-Tüpfelchen verpassen. Zumindest einen kurzen Blick sollten alle Next-Gen-Abenteurer also zumindest riskieren. Und werden sich spätestens ab diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr vom DualSense lösen können.


    Damit sollte Naughty Dog (und auch Sony) den Remaster-Zug jedoch zum Stillstand bringen und sich der Zukunft widmen. In der schönen Vergangenheit zu schwelgen mag vor allem zum Beginn einer neuen Konsolengeneration sicherlich eine gute Idee sein. Mehr als ein Jahr nach der Veröffentlichung der PlayStation 5 sollte der Blick nun jedoch in Richtung glorreiche Zukunft gehen. Zeit, erneut Videospielgeschichte zu schreiben, Naughty Dog!


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    Fazit


    Hätte es für Uncharted 4: A Thief's End und Uncharted: The Lost Legacy tatsächlich einen PS5-Remaster gebraucht? Darüber lässt sich mit Blick auf nachgereichte Next-Gen-Patches der Vergangenheit sicherlich streiten. Fakt ist allerdings, dass Naughty Dog beiden fantastischen Abenteuern mit der Uncharted: Legacy of Thieves Collection einen beeindruckenden Feinschliff verpasst – und durch überschaubare, dafür aber gezielt integrierte technische Optimierungen ein völlig neues Erlebnisniveau erreicht.


    Mit Nate, Chloe und Nadine verborgene Schätze in umwerfender 4K-Auflösung, geschmeidigen 60fps oder alternativ sogar 120fps zu entdecken und die Vielzahl unvergesslicher Action-Momente dank 3D-Audio- und DualSense-Unterstützung nun noch intensiver zu erleben, begeistert sogar Fans der ersten Stunde problemlos. Weltbewegende Verbesserungen werden diese zwar mit der Lupe suchen, auf inhaltliche Neuerungen gar verzichten müssen, im Rahmen eines (zugegeben minimal sauer aufstoßendem) 10€-Upgrade-Deals bekommt man aber schlussendlich dennoch einen anschaulichen Showcase zum Thema „Wie Perfektion gesteigert werden kann“ geboten.


    Mit Sonys neuster Konsole ausgestatte Nichtkenner sind derweil die ultimativen Gewinner – und kommen an der Uncharted: Legacy of Thieves Collection kaum vorbei. Denn diese lässt sie zwei Meisterwerke in ihrer vollendet veredelten Form genießen und eröffnet ihnen anschließend die Möglichkeit, gemeinsam mit der gesamten Uncharted-Community gespannt auf die atemberaubende Magie zu warten, die Naughty Dog früher oder später auf die PlayStation 5 bringen wird. Und wer weiß? Vielleicht wird dafür sogar ein alter, aber sicherlich nicht lebensmüder Abenteurer aus der Rente geholt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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